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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Vortrag: Vom Bodensee nach Polen

Vortrag von Jürgen Klöckler (Stadtarchiv Konstanz) über den SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen und das III. Bataillon der SS-Standarte Germania in Radolfzell

Ausstellung „Größte Härte…" Verbrechen der Wehrmacht in Polen (September bis Oktober 1939) Die Veranstaltung findet begleitend zur Ausstellung "Größte Härte…" Verbrechen der Wehrmacht in Polen (September bis Oktober 1939) statt, die vom 7. April bis 22. Mai 2011 im Stadtarchiv Konstanz gezeigt wird.

  • Do., 14. April 2011, 19:00 Uhr
  • Stadtarchiv Konstanz, Benediktinerplatz 5, Konstanz

Organisation: Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Konstanz und dem Deutschen Historischen Institut Warschau

Diskussion

sw, 2011/04/02 01:24

Vgl. Koch, H.-P. : Neue Ausstellung zu Verbrechen der Wehrmacht in Konstanz, SeeMoZ, 2.4.2011

sw, 2011/04/25 23:32

Vgl.: Vom Bodensee nach Polen - SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen und das III. Bataillon der SS-Standarte Germania in Radolfzell. Vortrag von Jürgen Klöckler (Stadtarchiv Konstanz) am 14.04.2011. Aufzeichnung einer Begleitveranstaltung zur Ausstellung „Größte Härte…“ Verbrechen der Wehrmacht in Polen (September bis Oktober 1939), die vom 7. April bis 22. Mai 2011 in Konstanz gezeigt wird. 57:03 min, Radio Lora, Zürich.

Jürgen Klöckler geht zunächst auf die Entstehungsgeschichte der Radolfzeller SS-Kaserne ein und behandelt die besondere Rolle des NS-Kreisleiters Eugen Speer, der Mitte der 1930er Jahre Oberbürgermeister des gleichgeschalteten Radolfzells wurde.

Ein zweiter Schwerpunkt ist dann das Judenpogrom vom November 1938. Der Kasernenkommandant Heinrich Koeppen sprengte mit seinem Pioniertrupp die Synagogen von Konstanz sowie von weiteren Dörfern der Region. Jürgen Klöckler hebt dessen Eigenverantwortung hervor, zumal er nur um Amtshilfe gebeten wurde. Die Allgemeine SS hätte ihm das nicht befehlen können.

Mit Verweis auf die Ausstellung „Größte Härte… Verbrechen der Wehrmacht in Polen (September bis Oktober 1939)“ wird dann untersucht, wie das 3. Bataillon der SS-Standarte Germania unter dem Befehl von Heinrich Koeppen beim Überfall in Polen plünderte und mordete. Dessen Aufgabe war die „Freischärler“ - Bekämpfung, das „Aufräumen“ und „Säubern“, wie die Nazis es nannten, der eroberten Gebiete hinter der Front. Dazu gehörten Misshandlungen, willkürliche Erschießungen, das Aufhängen der zivilen oder militärischen Gegner an Laternenpfählen, Plünderungen, Vergewaltigungen und das Niederbrennen von Synagogen, wie militärgeschichtliche Akten belegen.

Übrigens thematisiert gerade diese Ausstellung den „Freischärlerkrieg“ in Polen als Mythos. Bei den angeblichen Freischärlern oder Franctireurs handelte es sich meist um reguläre aber versprengete polnische Soldaten. Nicht selten wurden ihnen die Papiere und Uniformen abgenommen um sie dann als Partisanen hinrichten zu können.

Forschungsbedarf besteht laut Jürgen Klöckler u.a. darin, zu klären, ob und wenn ja, in wie weit das Radolfzeller Bataillon an dem größten Massaker des Polenkrieges, der Massenhinrichtung von 600 Jüdinnen und Juden bei Przemysl in der Zeit zwischen dem 17. und dem 19.9.1939, beteiligt war. Die Erschießungen dort fanden in unmittelbarer zeitlicher und räumlicher Nähe zu einer verlorenen Schlacht des Bataillons bei Jaworow zwei Tage vorher, am 16.9.1939, statt. Die Beteiligung der Radolfzeller Verfügungstruppe als Racheakt scheint möglich, kann jedoch bislang nicht belegt werden.

Heinrich Koeppen war nach der Schlacht mit aufgeschlitztem Bauch in einem Feld aufgefunden worden. In der Folge wurde die Radolfzeller SS-Kaserne nach ihm benannt. Noch heute trauert die Stadt Radolfzell jedes Jahr zum „Volkstrauertag“ am Kriegerdenkmal des Luisenplatzes auch um den gefallenen SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen, dessen Namenszug dort eingraviert ist.

sw, 2011/04/25 23:33

Vgl.: Ausstellung: „Größte Härte…" Verbrechen der Wehrmacht in Polen (September bis Oktober 1939). Aufzeichnung des Einführungsvortrag des Kurators Jochen Böhler zur Vernissage am 7. April 2011. Er trägt den Titel: „Geschichte und Erinnerung: Zur Bedeutung der Ausstellung für die deutsche Öffentlichkeit“. 23:30 min, Radio LoRa, Zürich.

Der Holocaust und der Vernichtungskrieg begann nicht, wie lange Zeit behauptet, im Jahr 1941 mit dem Angriff der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion, sondern bereits früher, im September 1939 mit dem Überfall auf Polen, wie die Forschungen des Historikers Jochen Böhler zeigen. Der Krieg in Polen war von Anfang an von Bombardierungen unverteidigter Städte, Massenerschießungen von Kriegsgefangenen und antisemitischen Ausschreitungen gekennzeichnet.

Der angebliche „Freischärlerkrieg“ in Polen wird als Mythos entlarvt. Bei den sog. Freischärlern oder Franctireurs handelte es sich meist um reguläre aber versprengte polnische Soldaten. Nicht selten wurden ihnen die Papiere und Uniformen abgenommen, um sie dann als Partisanen hinrichten zu können.

Der regionale Bezug der Ausstellung ist durch die SS-Kaserne in Radolfzell gegeben. Das III. Bataillon der SS-Standarte Germania, das dort von August 1938 bis August 1939 stationiert war, nahm als Teil der 14. Armee am Polenkrieg teil. Auf ihrem Weg durch Südpolen war sie für die „Freischärler“ - Bekämpfung, das „Aufräumen“ und „Säubern“, wie die Nazis es nannten, der eroberten Gebiete hinter der Front zuständig. Dazu gehörten Misshandlungen, willkürliche Erschießungen, das Aufhängen der zivilen oder militärischen Gegner an Laternenpfählen, Plünderungen, Vergewaltigungen und das Niederbrennen von Synagogen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 22. Mai 2011 im Stadtarchiv Konstanz zu sehen.

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Termine

Eröffnung der Ausstellung: "Ein Panzer gegen die hässliche Zeit" - Hermann Hesses "Glasperlenspiel" im "Dritten Reich"

„1943 veröffentlichte Hermann Hesse seinen letzten Roman in kleiner Auflage in der Schweiz, erst Ende 1946 wurde „Das Glasperlenspiel“ auch einem größeren Publikum in Deutschland bekannt. Ursprünglich hätte „Das Glasperlenspiel“ schon 1942 in Berlin erscheinen sollen, doch die NS-Behörden verweigerten die Druckgenehmigung. Seinem Sohn Heiner teilte Hesse 1942 resigniert mit, „dass das Buch nun also die Leser, für die es bestimmt war, nicht erreicht“.“

Ort: Hesse Museum, Kapellenstr. 8, Gaienhofen

Zeit: 17. März 2019, 11.00 Uhr

http://www.hesse-museum-gaienhofen.de

2019/03/16 09:23 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"Wie Dachau an den See kam..."

Filmvorführung und Gespräch mit der Zeitzeugin Dr. Grete Leutz und dem Regisseur Jürgen Weber am 27. Januar 2019 in Konstanz

Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wird in einer Gedenkveranstaltung der regionalhistorische Dokumentarfilm „Wie Dachau an den See kam …“ zur Geschichte des KZ-Außenlagers in Überlingen gezeigt.

Es ist geplant, dass an diesem Abend neben dem Filmemacher Jürgen Weber auch die Überlinger Zeitzeugin Dr. Grete Leutz anwesend sein wird. Als junge Frau wurde sie fast täglich Zeugin des Zuges der KZ-Häftlinge vom Lager Aufkirch zur Überlinger Stollenanlage. In der Außenstelle Überlingen des KZ Dachau mussten ab Oktober 1944 rund 800 Häftlinge einen Stollen in den Molassefelsen treiben, um die Friedrichshafener Rüstungsindustrie am Bodensee „bombensicher“ unterzubringen. Bis April 1945 liefen viermal pro Tag die Kolonnen der Häftlinge - schwer bewacht durch die SS - durch den Überlinger Westen.

Der Film zeichnet mit Aussagen zweier ehemaliger Häftlinge, mit den Erinnerungen von damals jungen Menschen aus Überlingen und mit Fachleuten die Geschichte der KZ-Außenstelle Überlingen nach. Aufgrund seiner regionalhistorischen Bedeutung und teilweise einmaliger Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen wurde der Film aus dem Jahr 1995 als Retrospektive 2017 neu in der Reihe „Zeitgeschichtliche Kurz- und Dokumentarfilme“ aufgelegt.

Termin: 27. Januar 2019

Zeit: 19:30 – 21:00 Uhr

Ort: Wolkenstein-Saal (Kulturzentrum am Münster), Konstanz

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturamt der Stadt Konstanz, vhs Landkreis Konstanz e. V. DIG Bodensee Region, Gesellschaft für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit e.V. Konstanz und weitere

Eintritt: frei

2019/02/11 23:45 · sw · 0 Kommentare

Uraufführung: Gerron

Im Stadttheater Konstanz wird am 2.2.2019 das Stück „Gerron“ von Charles Lewinsky uraufgeführt. Regisseurin ist Annette Gleichmann.

Das Stück basiert auf der wahren Geschichte des jüdischen Künstlers Kurt Gerron. Als Frontsoldat und Arzt im 1. Weltkrieg kämpfend, mehrfach schwer verletzt, wurde er später im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet. Er floh 1933 zunächst nach Paris, dann nach Österreich, Italien und in die Niederlande, wo er 1943 interniert wurde. Im Jahr 1944 wurden er und seine Familie in das KZ Theresienstadt deportiert. Seine Mitwirkung als Regisseur an dem im KZ gedrehten Propagandafilm “Theresienstadt“ schützte ihn nicht vor der Deportation nach Auschwitz, wo er ebenso wie die 1600 mitwirkenden Kinder nach Ende der Dreharbeiten vergast wurde.

Uraufführung: 2.2.2019, Theaterwerkstatt Inselgasse, 20 Uhr

Ticketreservierung und weitere Spielzeiten: Gerron

Quelle: Stadttheater Konstanz

2019/02/02 13:14 · sw · 0 Kommentare

Vor 80 Jahren: Aktion "T4" - "Denkmal der Grauen Busse" 2019 im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen

Wirtschaftsgebäude von Grafeneck, Personal der als Tarnorganisation eingerichteten „Gemeinnützigen Krankentransport GmbH (Gekrat)“; einer von drei Bussen der Gekrat, mit denen ab Januar 1940 geistig und körperlich behinderte und psychisch kranke Menschen aus Pflegeeinrichtungen und Heilanstalten (wie z. B. Freiburg, Emmendingen und Reichenau, Konstanz) in die Vernichtungsanstalt Grafeneck gebracht wurden. Innerhalb eines Jahres wurden in der Gaskammer von Grafeneck 10.654 Menschen ermordet. Fotografie: Gedenkstätte Grafeneck

Die Radolfzeller Opfer der Aktion "T4" 1939-1941 waren Patient/innen der psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalten Reichenau, Emmendingen und Wiesloch, der Kreispflegeanstalt Geisingen, der Universitätsnervenklink Freiburg und/oder minderjährige „Pfleglinge“ der St. Josefsanstalt Herten und davor in Kinderheimen in Freiburg, Konstanz und Sigmaringen untergebracht:

Maria Amann 1899-1941 | Frieda Armbruster 1890-1940 | Alwin Bödler 1883-1940 | Walter Böhler 1934-1940 | Emma Braun 1886-1940 | Albertine Hässig 1890-1940 | Nikolaus Honsell 1887-1940 | Otto Hans Keller 1893-1940 | Leopold Kohler 1887-1940 | Anna Ronkat 1904-1940 | Josefa Trost, geb. Klaus 1878-1940 | Helmut Waller 1920-1940 | Berta Welschinger 1902-1940 | Elisabeth Welschinger 1931-1940

"Denkmal der grauen Busse" 2019 im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen.

Montag, 28. Januar 2019, 11.00 Uhr Eröffnungsveranstaltung zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus

Ort: Festhalle des Zentrums für Psychiatrie Emmendingen

Programm: Kranzniederlegung und Gedenkminute am Denkmal im ZfP Emmendingen Begrüßung Michael Eichhorst, Geschäftsführer ZfP Emmendingen und Calw

Vortrag „Erinnern, gedenken, bilden: Oder: Wie können wir in unseren psychiatrischen Kliniken mit der NS Vergangenheit umgehen?“

Referent: Prof. Dr. med. Thomas Müller, Leiter des Forschungsbereichs Geschichte und Ethik in der Medizin am ZfP Südwürttemberg / Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I der Universität Ulm. Er ist Leiter des Württembergischen Psychiatriemuseums und Koordinator der Historischen Forschung der Zentren für Psychiatrie in Baden-Württemberg.

Eröffnung und Ausstellung des Denkmals der Grauen Busse

Zu den weiteren Veranstaltungen des Begleitprogramms 2019:

Download (PDF)

Beschlussvorlage - Zur Umbenennung des "Landserwegs" in "Fritz-Klose-Weg"

Der „Landserweg“ im Dezember 2018, links die alte Mauereinfassung des Kasernenareals, rechts die Wohnblöcke der ehemaligen SS-Siedlung. Fotografie: Markus Wolter

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In seiner Sitzung am 27. November 2018 wird der Radolfzeller Gemeinderat über eine Straßenumbenennnung entscheiden. Der durch den einschlägigen NS-Kontext in die Kritik geratene „Landserweg“ - zwischen ehemaliger SS-Kaserne und SS-Wohnsiedlung - soll nach einer im Sommer 2018 an den Ältestenrat übermittelten Initiativanfrage umbenannt werden. Nach ensprechender Empfehlung des Ältestenrats folgte eine nochmalige, quellengestützte Überprüfung der Sachlage und Stellungnahme durch die Abteilung Stadtgeschichte. In der Initiativanfrage war von Markus Wolter die Umbennung des „Landserwegs“ in „Fritz-Klose-Weg“ vorgeschlagen worden, benannt nach dem neben Jacob Dörr zweiten nachweislichen Todesfall eines KZ-Häftlings im Außenkommando Radolfzell. Alternativ schlägt die Abteilung Stadtgeschichte die historisch überlieferte Flurbezeichnung „Am Entennest“ (sic) vor.

Beschlussvorlage:abgerufen auf: Ratsinformationssystem, Sitzungskalender (PDF)

2018/11/23 20:57 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
blog/vortrag_vom_bodensee_nach_polen.txt · Zuletzt geändert: 2011/04/26 00:26 von sw
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