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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Inhaltsverzeichnis

Chronologie

Historische Aufarbeitung der NS-Zeit und Gedenken in Radolfzell seit dem Jahr 2005.

2016

  • 11.10.2016 Der Kulturauschuss des Radolfzeller Gemeinderats beschließt einstimmig, auf eine „weitere künstlerische Maßnahme“ am Luisenplatz zu verzichten, keinen Gestaltungswettbewerb auszuschreiben, und an der bisherigen „Gestaltung des Volkstrauertages“ am Kriegerdenkmal mit Kranzniederlegungen an den Namenstafeln der „Opfer“ festzuhalten. Der Beschlusstext im Wortlaut: „Beibehaltung der jetzigen Gestaltung am Luisenplatz mit den informativen Tafeln ohne weitere künstlerische Maßnahmen. Beibehaltung der regelmäßigen Aktionen zur Betonung des Friedensgedankens am Luisenplatz, z.B. Fahnenaktion, Begehung des Weltfriedenstages, aktuelle Gestaltung des Volkstrauertages, etc.“ (vgl. Niederschrift der KA-Sitzung vom 11.10.2016).
  • 02.10.2016 Im Rahmen der diesjährigen „Kulturnacht“ wurden auf dem Luisenplatz 38 u.a. von Radolfzeller SchülerInnen gestaltete „Friedensfahnen“ rund um das „Kriegerdenkmal“ aufgestellt, die bis zum 13. November 2016 (Volkstrauertag) installiert bleiben sollten, um, so die Konzeption der städtischen Gedenkpolitik, dem historisch belasteten, aus der NS-Zeit stammenden Gedenk-Ensemble eine neue Bedeutung zu geben und den Luisenplatz in Zukunft zu einem „Platz des Friedens“ umzugestalten. Bereits in der Nacht vom 3. auf den 4.10.2016 wurden sämtliche Fahnen von bislang unbekannten Tätern entfernt bzw. gestohlen. Am Tatort fanden sich Flugblätter und Aufkleber der rechtsextremistischen Partei "Der III. Weg". Die Stadtverwaltung Radolfzell erstattete Strafanzeige gegen unbekannt. Im Juni 2016 hatte eine Demonstration von Mitgliedern der Neonazipartei durch die Innenstadt von Radolfzell für Aufsehen und die verspätete Information über die Anmeldung Unmut im Gemeinderat gesorgt; bereits am 8. Mai 2015 und auch 2016 war es am Kriegerdenkmal zu revisionistischen, volksverhetzenden „Heldengedenk“-Aktionen“ gekommen. In der Vergangenheit fanden sich im Stadtgebiet auch immer wieder Flugblätter in Briefkästen und fremdenfeindliche, rassistische Aufkleber auf Laternenmasten. Erst im August 2016 waren der Stolperstein für Alice Fleischel und die Gurs-Gedenktafel am Seetorplatz mit solchen Aufklebern überklebt und geschändet worden, was seinerzeit von einer Privatperson zur Anzeige gebracht wurde.
  • 04.10.2016 Um diesen Aktionen in Zukunft auch präventiv entgegenzutreten, verabschiedete der Radolfzeller Gemeinderat in seiner Sitzung vom 4. Oktober 2016 eine Resolution „gegen jede Form von Gewalt, Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus, politischen Extremismus, Faschismus und Antiziganismus“(die Erklärung im Wortlaut).

Vgl. Lisa Jahns: "Nach Diebstahl von Friedensfahnen: Stadt erstattet Anzeige gegen rechtsextreme Partei", Südkurier, 6.10.2016.

2015

  • 9. November 2015 Die Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ beteiligt sich auch in diesem Jahr an der bundesweiten Mahnwache zur Reichspogromnacht 1938. Mit einer öffentlichen Reinigung der bislang verlegten 16 Stolpersteine wird der Opfer des nationalsozialistischen Regimes gedacht. In Ansprachen am Gurs-Mahnmal erinnert die von der Stolperstein-Initiative organisierte Gedenkveranstaltung an die jüdischen Opfer in der Region. Am Morgen des 10. November 1938 gingen von der ehemaligen Radolfzeller SS-Kaserne die Zerstörungen der Synagogen in Konstanz, den Landgemeinden der Höri und im Hegau sowie die Misshandlungen zahlreicher jüdischer Einwohner aus.
    Bericht: Südkurier, 4.11.2015.
    Kurzfilm von Günter Köhler: "Wider das Vergessen" (Dauer 2:42min).
  • 20. September 2015 Die Konstanzer Stolperstein-Initiative hat eine Exkursion zur Gedenkstätte Grafeneck organisiert. 10 Personen aus Radolfzell nehmen teil, darunter auch Angehörige von Radolfzeller „Euthanasie“-Opfern.
  • 11. September 2015 Verlegung von 8 weiteren Stolpersteinen. Berichte: [1] , [2] , [3]
  • 8. September 2015 Historiker Thomas Stöckle, Leiter der Gedenkstätte Grafeneck, spricht am 8.9.2015 in Radolfzell über das Thema „Grafeneck 1940 – Geschichte und Erinnerung“. Bericht vom Südkurier und von der Stolperstein-Initiative.
  • 23. Juni 2015 Bei einer Sitzung des Kulturausschusses werden die vom „Arbeitskreis Erinnerungskultur“ in seiner Sitzung vom 26. Mai überarbeiteten „Leitlinien“ vorgestellt und beschlossen. Vgl.: "Leitlinien Erinnerung und Gedenken in Radolfzell. Lt. Beschlussvorlage gehören dem „Arbeitskreis Erinnerungskultur“ nun drei bürgerschaftliche Mitglieder an: FHG-Rektorin Ulrike Heller-Paulus, Elisabeth Burkart, Alfred Heim (bereits zurückgetreten); auf Vorschlag von Norbert Lumbe sollte auch Herbert Esser dem Gremium angehören; dieser hatte sich 2013 in einem Interview kritisch zu den Stolpersteinen für Lotte und Josef Bleicher geäußert und von der Stolpersteininitiative einen „korrekten“ und „sensiblen Umgang mit Geschichte“ eingefordert. Hintergrund: Stolpersteine für Josef und Lotte Bleicher
  • In einem weiteren Beschlussvorschlag „zur Kenntnisnahme“ wird der Kulturausschuss über die Namen und Verlegestellen der Stolpersteine informiert, deren Verlegung für den 11. September geplant ist.
  • Mai 2015 Nach einem Hinweis und einer Pressemitteilung der Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ stellt die Stadtverwaltung Strafanzeige wegen Volksverhetzung (§ 130 StGB) gegen regionale Mitglieder und Unterstützer einer rechtsextremen Partei, die am 8. Mai 2015 am Kriegerdenkmal eine „Gedenkfeier“ für die „Opfer unseres Volkes“ abhielten und die Aktion anschließend auf ihrer Website und verschiedenen facebook-Seiten in Wort und Bild dokumentierten.
  • 20. April 2015 Erstmals trifft sich der neue, um Mitglieder aus der Bürgerschaft erweiterte Arbeitskreis „Erinnerung“ zu einer nichtöffentlichen Arbeitssitzung.
    Tagesordnungspunkte:
    1. Weiterentwicklung Konzept „Erinnerung“ und nächste Schritte.
    2. Texttafeln zum Straßenschild der Lettow-Vorbeck-Str. oder Umbenennung? Der Entwurf der Konstanzer Historikerin Heike Kempe.
  • 24. März 2015 Im Rahmen einer Sitzung des Kulturausschusses wird von Seiten des Dezernats II (Fachbereich Kultur) ein „Konzeptentwurf Erinnerung und Gedenken“ vorgestellt, der Vorschläge für Leitlinien der künftigen „Erinnerungskultur“ der Stadt Radolfzell enthält. Zuvor wird in einem „Rückblick“ die bisherige Arbeit und die verschiedenen Ansätze in Sachen Gedenkkultur der Stadt und privater Initiativen zusammenfassend vorgetragen: Kommentierungstafeln am Kriegerdenkmal, Gedenkstätte an der ehemaligen SS-Kaserne, Informationstafel am ehemaligen SS-Schießstand, Stolpersteine, zeitgeschichtliche Dokumentation im Stadtmuseum. Erst im Laufe des Jahres sollen nun in und mit dem „AK Erinnerung“ beschlussfähige Leitlinien der offiziellen Erinnerungs- und Gedenkkultur entwickelt werden. Dem „AK Erinnerung“ werden neben den bisherigen fünf Vertreter/innen der Stadtverwaltung drei zusätzliche Personen angehören: zwei Vertreter/innen der Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ und mit der Rektorin des Friedrich-Hecker-Gymnasiums, Frau Heller-Paulus, eine Vertreterin der Radolfzeller Schulen. Vgl. hierzu: Torsten Lucht: Radolfzell entwickelt Leitlinien der Erinnerungkultur, Südkurier, 17. März 2015.

2014

  • 9. November 2014 Anlässlich der Reichspogromnacht von 1938 findet von 17:30 bis 18 Uhr eine Mahnwache vor der ehemaligen SS-Kaserne statt. Anschließend werden die im Juni des Jahres verlegten Stolpersteine geputzt. Diese Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Martin Staab. → Berichte im Südkurier, 10.11.2014 und Singener Wochenblatt, 12.11.2014
  • August 2014 Der ehemalige SS-Schießstand und die ehemalige SS-Kaserne Radolfzell werden von der Landeszentrale für politische Bildung, Stuttgart, in die Liste der "Gedenkstätten in Baden-Württemberg" aufgenommen.
  • 01.08.2014 Anlässlich einer Gedenkstunde am 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs werden am Luisenplatz fünf kommentierende Glas-Texttafeln zur Entstehungsgeschichte des Kriegerdenkmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Texte wurden von den Mitgliedern des städtischen Arbeitskreises „Erinnerungskultur“ verfasst (Achim Fenner, Norbert Lumbe, Christof Stadler und Markus Wolter), die gestalterische Umsetzung erfolgte durch den Radolfzeller Künstler Markus Daum. Die Kosten für die fünf Tafeln betragen etwa 11.500 Euro.
  • 01.07.2014 Nachfolgerin des bisherigen Leiters der Abteilung Stadtgeschichte, Achim Fenner, und neue Leiterin des Stadtarchivs sowie des Stadtmuseums Radolfzell wird die 30-jährige studierte Archäologin und Historikerin Katharina Maier, M.A. Zuvor war sie Archiv- und Museumsleiterin in Marktoberdorf, Allgäu.
  • 28.06.2014 Gunter Demnig verlegt die ersten 8 Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus in Radolfzell. Um 18 Uhr hält Gunter Demnig sodann in der Tegginger Schule einen Vortrag zu seinem Kunstprojekt.
  • 10.05.2014 Gedenkfeier für die Opfer von Krieg und Faschismus auf dem KZ-Friedhof Birnau. Es gibt u.a einen Redebeitrag der Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“.
  • 13.02.1014 Der Radolfzeller Kulturausschuss berät über den Genehmigungsantrag der Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“. Er wird einstimmig angenommen. Der Initiative wird ausführlich Gelegenheit gegeben, das Gedenkkonzept vorzustellen und die Methoden der Recherche von Stolpersteinbiografien darzulegen. → Bericht im Südkurier vom 15.2.2014

2013

  • 05.06.2013: Die Abteilungsleiterin „Gedenkstättenarbeit“ der "Landeszentrale für politische Bildung BW", Stuttgart, Frau Sibylle Thelen, traf sich zu einem Ortstermin in Radolfzell (ehemaliger Schießstand, Kaserne, Stadtmuseum) mit Kulturbürgermeisterin Monika Laule, Frau Lucia Bruttel vom Kulturamt und Museumsleiter Achim Fenner. Radolfzell soll noch im Laufe des Jahres offiziell als "Gedenkstättenort" anerkannt werden. Dadurch, dass die Planungen und der Informationsfluss nicht transparent und im Vorfeld rechtzeitig kommuniziert wurden, konnte von der „Projektgruppe Radolfzeller Gedenkstätten“, die die Verbindung zwischen Stadt und LpB initiiert hatte und die für die Gestaltung der Schießstand- und Kasernen-Tafeln in Text und Bild wesentlich mitverantwortlich zeichnet, leider niemand teilnehmen.
  • 19.03.2013: Der Radolfzeller Gemeinderat kann sich trotz entsprechendem Gutachten nicht für eine Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Str. entscheiden. Die Sitzung dreht sich u.a. um Fragen der Bequemlichkeit der Anwohner und wer die (geringen) Kosten zu tragen habe. Einzelne Gemeinderäte empfinden ihre mutige Entscheidung zur fortgesetzten Ehrung eines Antidemokraten offenbar als Ausdruck von Demokratie. (Vgl. Gutachten, Protokoll und Vorlage zur Sitzung, Berichte im Südkurier [1] [2] [3] [4] sowie Interview mit der Gutachterin Heike Kempe im Seemoz 24.4.2013)
  • Januar bis März 2013: Fortsetzung und Abschluss der vom Staatlichen Hochbauamt verfügten Sanierungsarbeiten am ehemaligen SS-Schießstand, Voraussetzungsklausel des 2012 beschlossenen Rückkaufs durch die Stadt Radolfzell.
  • Februar 2013: Die Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung legen den Termin der Errichtung und Einweihung der Kasernen-Gedenkstätte auf den 8. September 2013, zugleich der diesjährige "Tag des offenen Denkmals", der unter dem Motto stehen wird „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“

2012

  • Dezember 2012: Im Rahmen der übernahmevertraglich festgeschriebenen „Altlastensanierung“ durch die bisherige Eigentümerin (BfIA) begann die Entfernung und „Entsorgung“ der schwermetallhaltigen Kugelfangsande (ca. 600 Tonnen) am Schießstand. Für die Zufahrt mit LKW und Bagger wurde ein Wall der Langbahnen in Höhe der Informationstafel auf mehreren Metern geöffnet und einzelne Bäume auf dem Terrain gefällt. Ohne nachvollziehbare Begründung wurden außerdem die Schalenbretter des Langbahnkugelfangs restlos entfernt. Nach Aushebung der Sande kam es zu keiner Neuverfüllung, u.a. mit dem Ergebnis, dass das Bodenniveau vor den Kugelfangmauern, der Gedenktafel und dem - nun unerreichbar „in der Luft“ hängenden - Gedenkbuch um etwa 2 m tiefer liegt als zuvor. Der ausgehobene Sand wurde auf dem Wendeplatz vor den Kurzbahnen zwischengelagert und mit einer Plane abgedeckt. (Stand 25.12.2012)
  • 16.11.2012: Am ehemaligen SS-Schießstand wurde die neue Informationstafel durch Oberbürgermeister Dr. Jörg Schmidt der Öffentlichkeit übergeben. Unter den geladenen Gästen waren u.a. Anna-Katrin Oesterle-Stephan und Miryam Stephan, Tochter und Enkelin des am 15. November 1943 aus dem Radolfzeller KZ-Außenkommando geflüchteten Häftlings Leonhard Oesterle. Jiří Sedláček, der Sohn des mit Oesterle zusammen geflüchteten Freundes und Mithäftlings Oldrich Sedláček, verfasste eine sehr persönliche Rede mit Erinnerungen an seinen Vater, die zu diesem Anlass verlesen wurde. → vgl. Südkurier, 17.11.2012
  • 16.10.2012: In öffentlicher Sitzung des Gemeinderats stimmen die Stadträte für die von Achim Fenner und Markus Wolter erarbeiteten Textentwürfe für die Informationsstelen an der ehemaligen SS-Kaserne. Außerdem votieren sie für die Umsetzung der von der „Projektgruppe Radolfzeller Gedenkstätten“ konzipierten Informationstafel - Markus Wolter (Text), Alfred und Evelyn Heim (Gestaltung, Layout) - am ehemaligen SS-Schießstand. Die Gedenkstätte an der Kaserne soll im Frühjahr 2013 eingerichtet werden. Die Realisierung einer kommentierenden Umgestaltung des Kriegerdenkmals am Luisenplatz wird hingegen auf das Jahr 2014 verschoben. → vgl. Südkurier, 18.10.2012
  • 20.03. und 28.02.2012: Sitzungen und Beschluss des Gemeinderats über den Kauf des Schießplatz-Areals. Was im Herbst 2011 bereits beschlossene Sache zu sein schien, ist nun doch wieder Gegenstand von Bedenken und Verhandlungen. Der Gemeinderat konnte und wollte in seiner Sitzung vom 28. Februar 2012 den zur Frage und Annahme stehende Kaufvertragsentwurf über die Schießanlage zunächst nicht beschließen. Stattdessen wurden Bedenken wegen der Altlasten-Sanierung und möglicher Folgekosten laut und die Entscheidung wurde auf den 20.03.2012 vertagt. Ergebnis der Sitzung vom 20.3.2012: Unter der Voraussetzung von „Kaufvertragskorrekturen“, d.h. einer von der bisherigen Eigentümerin, BfIA, ausdrücklich getragenen Bodensanierung und nach Untersuchung des Terrains durch den „Kampfmittelbeseitigungsdienst“, habe der Verwaltungs- und Finanzausschuss mehrheitlich beschlossen, das Gelände zum bekannten Preis von 57.000 EUR zu kaufen. Dass aber „weder die Verwaltung noch der Gemeinderat wüssten, was sie mit dem Gelände anfangen sollen“ (Zit. OB J. Schmidt), gibt zu denken. Der Oberbürgermeister, der sich gegen den Kauf aussprach, sehe die Stadt überdies „nur eingeschränkt in einer historischen Verantwortung, Rechtsnachfolger der NS-Zeit bleibe die Bundesrepublik. Sein Votum gegen den Kauf des Geländes begründete er mit dem Hinweis auf die nicht geklärte Nutzung.“ → vgl. Südkurier, 01.03.2012, Südkurier, 21.03.2012 und Südkurier, 22.03.2012
  • 23.02.2012: Der Stadt Radolfzell liegt nun das Kaufvertragsangebot der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben für das Gelände der SS-Schießanlage vor. Der Kaufpreis für das 69.216 m² große Areal beträgt 57 000 Euro. Der Kaufvertragsentwurf sieht auch vor, dass die Entsorgung der vor allem mit Blei kontaminierten Sande der Kugelfänge durch die Bundesanstalt übernommen wird. Der Kaufvertragsentwurf wird am Dienstag, 28. Februar, in der um 16.30 Uhr beginnenden Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses nochmals diskutiert. Das letzte Wort in der Sache hat danach das Plenum des Gemeinderats. → vgl. Südkurier, 23.02.2012

2011

  • 11.10.2011: Der Radolfzeller Gemeinderat hat sich in seiner Sitzung vom 11.10.2011 für die Realisierung des Entwurfs des Pforzheimer Künstlers René Dantes (geb. 1962) zur Gestaltung einer „Erinnerungsstätte“ im Eingangsbereich der Kaserne (Errichtung voraussichtlich 2012) mehrheitlich entschieden. Die Kosten (EUR 10.000 für vier Informations-Stelen und EUR 30.000 für eine Edelstahl-Skulptur) sollen von der Stadt getragen werden. → vgl. Südkurier, 18.10.2011
  • 27.09.2011: Der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Radolfzeller Gemeinderats hat in seiner Sitzung am 27. September 2011 den Kauf des bislang in Bundeseigentum befindlichen, 69212 qm großen Geländes des ehemaligen SS-Schießplatzes zu einem Preis von 57.000 Euro beschlossen. Das von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gemachte Angebot sieht vor, das Gelände „altlastenfrei“ und also nach Entfernung der bleiverseuchten Sande an die Stadt zu verkaufen. Wie allerdings der geschichtlich kontaminierte Ort als bleibende Erinnerungs- und Mahnstätte erhalten werden soll und kann, wird noch zu entscheiden sein. → vgl. Südkurier, 29.09.2011
  • 27.05.2011 Sebastian Hausendorf von der Universität Konstanz präsentiert einen Werkstattbericht seines Forschungsprojekts „Radolfzell im Dritten Reich 1933 – 1935“ im Stadtmuseum Radolfzell. Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf der nationalsozialistischen Gleichschaltung in Politik und Verwaltung zu Beginn der 1930er Jahre. Eingeladen hat der Förderverein Museum und Stadtgeschichte Radolfzell.
  • 08.04.2011: Das Weltkloster lädt ein zu einem „Versöhnungsweg“ zwischen der SS-Kaserne und dem SS-Schießstand, zum Gedenken an die ehemaligen Häftlinge des Dachauer Außenkommandos Radolfzell (1941-1945) und aller in jener Zeit in Radolfzell Verfolgten. Die Namen von 121 KZ Häftlingen werden verlesen. Am Pistolenschießstand der SS-Schießanlage werden 121 mit den Häftlingsnamen beschriftete Steine in einem Zementrahmen verankert. → vgl. Südkurier 2 3 4

2010

  • 15.12.2010: Dem früheren NSDAP-Kreisleiter, Gauinspektor und Bürgermeister von Radolfzell, Eugen Speer, wird die Ehrenbürgerschaft aberkannt. Speer galt als korrupt und als brutaler Machtmensch. Im Juli 1932 eröffnete er die Wahlkampfkundgebung von Hitler vor 35.000 ZuhörerInnen im Mettnau-Stadion. Sein Amt als Bürgermeister übte er von Februar 1934 bis Juni 1935 aus. Nicht zuletzt seiner Initiative hat Radolfzell es zu verdanken, dass sie Standort für eine SS-Kaserne wurde. → vgl. Südkurier 8.10.2010
  • 14.11.2010: Der Festakt zum Volkstrauertag in Radolfzell wird entsprechend dem Konzeptvorschlag der Arbeitsgruppe vor dem von der Waffen-SS geweihten Kriegerdenkmal am Luisenplatz durchgeführt. OB Schmidt beschreibt in seiner Rede die Auseinandersetzung des letzten Jahres um die Art und Weise des offiziellen Gedenkens. → vgl. Südkurier 15.11.10
  • 28.10.2010: Das neue Konzept zur Begehung des Volkstrauertages am 14.11.2010 wird von der damit befassten Arbeitsgruppe im Gemeinderat vorgestellt und diskutiert. Das Ergebnis: der Gedenkort bleibt der alte, die Inschrift soll nun lauten: „Ra­dolf­zell ge­denkt der Opfer der Ge­walt­herr­schaft und der Toten aller Krie­ge“ → vgl. Südkurier 29.10.2010 und eine Kritik
  • 13.10.2010: Begehung der SS-Schießanlage zusammen mit einem Vertreter der für das Gelände zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Die Bundesanstalt legt der Stadt Radolfzell nahe, das Gelände zu kaufen. Eine Sanierung wurde mit 70.000 Euro veranschlagt.
  • 28.09.2010: Im Stadtmuseum Radolfzell wird in einem Raum die Dauerausstellung „Radolfzell gestern“ eröffnet, in der u.a. die SS-Kaserne, der SS-Schießstand, der Besuch von Hitler im Mettnaustadion, etc. zur Sprache kommen. Die Ausstellung wird durch 4 Vortragsveranstaltung mit Stadtarchivar Achim Fenner Ende September begleitet.
  • 10.06.2010: Das Schweigen durchbrechen. Die schwierige Aufarbeitung der NS-Geschichte in Radolfzell. Vortrag der Ausserparlamentarischen Opposition von Radolfzell und Filmvorführung „Leichen im Keller“ von Günter Köhler an der Universität Konstanz. Eingeladen hat der Antifaschistische Freundeskreis von Konstanz zusammen mit der Alternative Hochschulgruppe Konstanz
  • 16.4.2010: Filmvorführung von "Leichen im Keller" von Günter Köhler und anschliessende Podiumsdiskussion im ehem. Milchwerk → Bericht
  • 18.04.2010: Zweistündiges Radiofeature zu Radolfzell in der NS-Zeit im Offenen Politkanal, Radio Lora, Zürich. Wiederholung der Ausstrahlung am darauf folgenden Donnerstag.

2009

  • 15.11.2009: Kranzniederlegung - „Zum Gedenken an die Menschen im KZ-Außenlager Radolfzell“ und Rede des Radolfzeller Gymnasiasten Cem Güler anlässlich des offiziellen Volkstrauertags auf dem Luisenplatz
  • 08.06.2008: Demo gegen die Veranstaltung des NPD Kreisverbands Konstanz mit dem Holocaustleugner Bernhard Schaub. Die Veranstaltung wurde abgesagt. → Bericht und → Rede

2008

  • 16.04.2008: Vortrag des Stadtarchivars Achim Fenner auf Einladung des „Bündnis für Toleranz“, im Juze Radolfzell → Bericht

2005

  • 11.09.2005: Zum "Tag des offenen Denkmals" erstellt das Stadtarchiv Radolfzell (A. Fenner) einen Faltprospekt mit „Daten zur ehemaligen Radolfzeller Kaserne“, einem Übersichtsplan und Fotografien der SS-Kaserne nach der Fertigstellung. Ferner wird darin die Beschreibung des Baukomplexes durch das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Außenstelle Freiburg, Dr. Petra Wichmann, aus dem Jahr 1997 wiedergegeben.

Termine

Performance "508 ... Gegen das Vergessen"

Freitag, 11.08.2017, um 14:00 Uhr am Mahnmal im ZfP Reichenau

Im Gedenken an die 1940/41 im Rahmen der NS-Euthanasie ermordeten 508 Patienten in Reichenau schuf der Konstanzer Künstler Alexander Gebauer 1988 das „Mahnmal für die Opfer der NS-Euthanasie“ auf dem Gelände des ZfP. In Verbindung mit diesem Kunstwerk findet eine bewegende Aufführung, changierend zwischen Konzert und Performance, mit Bernhard Thomas Klein (Musiker und Komponist), Christine Koch (Bildhauerin) und Andieh Merk (Musiker) statt.

Weitere Informationen und den genauen Ablauf können Sie dem angefügten Faltblatt entnehmen: Faltblatt (6,4 MB)

Bitte beachten Sie, dass die Veranstaltung bei jedem Wetter unter freiem Himmel stattfindet. Es werden einfache Sitzgelegenheiten und Pavillons als Sonnen- oder Regenschutz zur Verfügung stehen.

Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltung wird organisiert und durchgeführt vom ZfP Reichenau und der Reihe „Kunst belebt“ des BodenseeKulturraum e.V., unterstützt von der Kunststiftung Landkreis Konstanz.

2017/08/07 20:08 · sw · 0 Kommentare

Duft der Steine - Theaterstück von Gerhard Zahner

Regie: Waltraud Rasch

Uraufführung am 21. September 2017

weitere Aufführungen 22.,23. September 6.,7., 20.,21. Oktober jeweils 20 Uhr im Theater-Zeller-Kultur, Fürstenbergstrasse 7a, 78315 Radolfzell

Karten: kartenbestellung@zellerkultur.de, Tel. 07732 8233941

Alice Fleischel wollte mit ihrem Sohn Günther nach dessen Entlassung die Flucht nach Brasilien wagen, aus diesem Grund wartete sie im Frühling 1940 im Hotel Schiff in Radolfzell auf ihn. Zu diesem Zeitpunkt in ihrer Geschichte setzt unser Theaterstück ein. Hier wird „unsübersteigend“ und beklemmend das Seelenleben eines Flüchtlings aufgezeigt. Wie Alice Fleischel im Schatten der Angst, des Misstrauens und der Ungerechtigkeit auf sich allein gestellt leben muss. In Ungewissheit und Schmerz, den widrigen Umständen zum Trotz zwischen vier Wänden ausharrt. Ihr einziger Berührungspunkt zur Außenwelt und der einzige warme Lichtblick in ihrem Leben ist der Hotelier Strudel, der sie beschützt. Obwohl sie ohne festen Wohnsitz und nur auf Fremdenzettel gemeldet ist, unterlässt er es die vorgeschriebene Anzeige zu erstatten. Auch als der Bürgermeister im Sommer 1940 anordnet, dass die Jüdin Stadt und Hotel zu verlassen habe, gewährt ihr Strudel weiter Obdach und riskiert dabei sein eigenes Leben.

2017/07/18 19:08 · sw · 0 Kommentare

"Täter, Helfer, Trittbrettfahrer", NS-Belastete aus Südbaden - Buchvorstellung/Vortrag zu Dr. Conrad Gröber (1872-1948), Münsterpfarrer von Konstanz, Erzbischof von Freiburg, förderndes Mitglied der SS.

Vortrag von Dr. Wolfgang Proske:

„Dr. Conrad Gröber: 'Deutschehrlich' und 'überreiche Register im Orgelwerk seiner Seele…'

Veranstalter: seemoz e.V.

Veranstaltungsort: Treffpunkt Petershausen, Georg-Elser-Platz 1, 78467 Konstanz

Datum: Dienstag, 4. April 2017

Beginn: 19.30 Uhr

Dr. Conrad Gröber: „Constantia. Das Konstanzer Lied“. Zeitgenössische Kunstkarte (Linolschnitt v. August Krumm, der das Lied auch vertonte), gelaufen 1938. Sammlung Markus Wolter

Ankündigung im seemoz

Zur Buchreihe:

http://ns-belastete.de/index.html

2017/03/09 13:37 · Markus Wolter

Politischer Widerstand in Konstanz während des Nationalsozialismus

Vortrag von Dr. Uwe Brügmann am 27. Januar 2017 um 19:30 Uhr im Astoria-Saal der vhs Konstanz. Eine Veranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Es waren vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten, die in vielfältiger Form Widerstand leisteten; Widerstand aus der bürgerlichen Mitte (Zentrumspartei) ist in Konstanz bislang nicht belegt. Zum Widerstand gehörte der Schmuggel von politischen Broschüren aus der Schweiz nach Deutschland, Sabotage in Betrieben, Fluchthilfe in die Schweiz, kommunistische Propaganda, Abhören von ausländischen Sendern und, weit verbreitet, Schimpfen über die politischen Verhältnisse und nationalsozialistische Funktionsträger. Auch die religiös motivierte Weigerung der Zeugen Jehovas, sich den nationalsozialistischen Machthabern unterzuordnen, war politischer Widerstand, denn wer den Hitlergruß und den Wehrdienst verweigerte, opponierte offen und für jedermann sichtbar gegen das NS-Regime. Das totalitäre NS-Regime ging gegen die Konstanzer Frauen und Männer, die den Mut zum Widerstand hatten, mit äußerster Härte vor; einige von ihnen wurden durch Sondergerichte zum Tod verurteilt, viele andere wurden zu langjährigen Haftstrafen in Gefängnissen oder Konzentrationslagern verurteilt.

Der Vortrag beleuchtet die verschiedenen Formen des politischen Widerstands in Konstanz, untersucht die Motive der Akteure und die Rolle der verbotenen SPD und KPD, vor allem aber soll an die Einzelschicksale jener Menschen erinnern werden, die in der dunklen Zeit des Nationalsozialismus den Mut hatten, Widerstand gegen ein unmenschliches System leisteten.

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturbüro der Stadt Konstanz, vhs Konstanz-Singen e.V.

2016/12/15 23:12 · sw · 0 Kommentare

Hesse-Museum Gaienhofen: Szenische Lesung, Buchvorstellung und Vortrag über den NS-Aktivisten, Arzt und Schriftsteller Dr. Ludwig Finckh (1876-1964)

Ludwig Finckh mit Stabsoffizieren der Waffen-SS aus Radolfzell, Posen-Treskau und Lauenburg/Pommern bei einem Ortstermin in Gaienhofen, „Auf Heiden“, August 1943. Fotografie: Stadtarchiv Reutlingen.

Im Anschluss an die szenische Lesung des Bühnenstücks „Sonnwend“ von Gerhard Zahner - Vortragender Jo Vossenkuhl und Haro von Eden (Klarinette) - wird Dr. Wolfgang Proske den 2016 erschienenen Band "NS-Belastete aus dem Bodenseeraum" aus der Reihe „Täter, Helfer, Trittbrettfahrer“ vorstellen.

Markus Wolter, einer der Buchautoren, spricht zum Thema seines Aufsatzes: “'Blutsbewusstsein' - Dr. Ludwig Finckh und die SS“.

Ort: Hesse-Museum Gaienhofen

Datum: 18. November 2016

Zeit: 19.00 Uhr

Veranstalter: Hesse-Museum Gaienhofen

2016/11/12 13:24 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
chronologie.txt · Zuletzt geändert: 2017/02/23 10:45 von mw
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