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Karte von Radolfzell

Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

juden_in_radolfzell [2017/04/03 22:29]
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juden_in_radolfzell [2017/10/05 08:38] (aktuell)
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-**Hintergrund: "freiwillige Arisierung"**+===Hintergrund: "freiwillige Arisierung"===
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Jüngste Forschungen zum Thema analysieren und bewerten die Einstellung und Motive der "Ariseure". Die Typologie des Erwerberverhaltens unterscheidet dabei drei Gruppen: wenige "gutwillige Geschäftsleute" mit ehrlicher Absicht, denen an einer angemessenen Entschädigung des jüdischen Verkäufers gelegen war, ebenso wenige "skrupellose Profiteure", die über den Rahmen der allgemeinen antijüdischen Maßnahmen hinaus zusätzlich persönlichen Druck auf die jüdischen Vorbesitzer ausübten, und schließlich die Mehrzahl der "stillen Teilhaber" (Bajohr)[(Vgl. Frank Bajohr: 'Arisierung' in Hamburg. Die Verdrängung der jüdischen Unternehmer 1933-45. Hamburg 1997.)] und "aktiven Opportunisten" (Fritsche). Sie verstanden sich als "ehrliche Kaufleute", die eine günstige Gelegenheit erkannten und wickelten die „Arisierungen“ zumindest äußerlich korrekt ab, setzten die jüdischen Verkäufer nicht persönlich unter Druck, profitierten aber gleichwohl von ihrer Notlage. [(Vgl. hierzu: Christiane Fritsche: "Ausgeplündert, zurückerstattet und entschädigt - Arisierung und Wiedergutmachung in Mannheim", Mannheim 2013, hier S. 437 ff.)]   Jüngste Forschungen zum Thema analysieren und bewerten die Einstellung und Motive der "Ariseure". Die Typologie des Erwerberverhaltens unterscheidet dabei drei Gruppen: wenige "gutwillige Geschäftsleute" mit ehrlicher Absicht, denen an einer angemessenen Entschädigung des jüdischen Verkäufers gelegen war, ebenso wenige "skrupellose Profiteure", die über den Rahmen der allgemeinen antijüdischen Maßnahmen hinaus zusätzlich persönlichen Druck auf die jüdischen Vorbesitzer ausübten, und schließlich die Mehrzahl der "stillen Teilhaber" (Bajohr)[(Vgl. Frank Bajohr: 'Arisierung' in Hamburg. Die Verdrängung der jüdischen Unternehmer 1933-45. Hamburg 1997.)] und "aktiven Opportunisten" (Fritsche). Sie verstanden sich als "ehrliche Kaufleute", die eine günstige Gelegenheit erkannten und wickelten die „Arisierungen“ zumindest äußerlich korrekt ab, setzten die jüdischen Verkäufer nicht persönlich unter Druck, profitierten aber gleichwohl von ihrer Notlage. [(Vgl. hierzu: Christiane Fritsche: "Ausgeplündert, zurückerstattet und entschädigt - Arisierung und Wiedergutmachung in Mannheim", Mannheim 2013, hier S. 437 ff.)]  
-**"Konfektionsjuden" und die "Adefa - Arbeitsgemeinschaft deutsch-arischer Fabrikanten der Bekleidungsindustrie e.V. Berlin"** +==="Konfektionsjuden" und die "Adefa - Arbeitsgemeinschaft deutsch-arischer Fabrikanten der Bekleidungsindustrie e.V. Berlin"===
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"//Die Erzeugnisse, die mit dem "Zeichen für Ware aus arischer Hand" gekennzeichnet sind, sind also vom Weber bzw. Wirker über den Bekleidungsfabrikanten bis zum Einzelhandel nur durch arische Hände gegangen, so daß der Verbraucher, der solche Kleidungsstücke kauft, gewiß sein kann, daß der deutschen Facharbeitern und Angestellten damit Brot und Arbeit verschafft, nicht aber wie das früher noch aus Unwissenheit möglich war, sein Geld für den Profit des Konfektionsjuden hergibt. Es ist daher die Pflicht jeden deutschen Mannes und jeder deutschen Frau, die aktiv bei der Entjudung der deutschen Bekleidungswirtschaft mithelfen wollen, bei ihren Einkäufen auf das "Zeichen für Waren aus arischer Hand" zu achten und vom Einzelhändler nur Erzeugnisse mit diesem Zeichen zu fordern."// (Das NS-Organ "Arbeit und Wehr" über das "Adefa-Gütesiegel", mit dem die Mitglieder die von ihnen hergestellten und vertriebenen Textilwaren werbewirksam versahen.) "//Die Erzeugnisse, die mit dem "Zeichen für Ware aus arischer Hand" gekennzeichnet sind, sind also vom Weber bzw. Wirker über den Bekleidungsfabrikanten bis zum Einzelhandel nur durch arische Hände gegangen, so daß der Verbraucher, der solche Kleidungsstücke kauft, gewiß sein kann, daß der deutschen Facharbeitern und Angestellten damit Brot und Arbeit verschafft, nicht aber wie das früher noch aus Unwissenheit möglich war, sein Geld für den Profit des Konfektionsjuden hergibt. Es ist daher die Pflicht jeden deutschen Mannes und jeder deutschen Frau, die aktiv bei der Entjudung der deutschen Bekleidungswirtschaft mithelfen wollen, bei ihren Einkäufen auf das "Zeichen für Waren aus arischer Hand" zu achten und vom Einzelhändler nur Erzeugnisse mit diesem Zeichen zu fordern."// (Das NS-Organ "Arbeit und Wehr" über das "Adefa-Gütesiegel", mit dem die Mitglieder die von ihnen hergestellten und vertriebenen Textilwaren werbewirksam versahen.)
-**Zum Vergleich: Das NSDAP- und "Adefa"-Mitglied August Kratt **+===Zum Vergleich: Das NSDAP- und "Adefa"-Mitglied August Kratt ===
"// Der Angeschuldigte (August Kratt) versicherte alles zu tun, um jüdische Lieferanten fern zu halten, jedoch sei eine konsequente Haltung gerade in der Bekleidungsindustrie auch heute noch schwierig, weil sie vor der Machtübernahme nahezu vollkommen in jüdischen Händen lag und das jüdische Element im Textilhandel immer noch stark vertreten ist.//" (Zit. NSDAP-Kreisgericht Konstanz, 30.11.1937; vgl. BArch Berlin, PK A. Kratt) "// Der Angeschuldigte (August Kratt) versicherte alles zu tun, um jüdische Lieferanten fern zu halten, jedoch sei eine konsequente Haltung gerade in der Bekleidungsindustrie auch heute noch schwierig, weil sie vor der Machtübernahme nahezu vollkommen in jüdischen Händen lag und das jüdische Element im Textilhandel immer noch stark vertreten ist.//" (Zit. NSDAP-Kreisgericht Konstanz, 30.11.1937; vgl. BArch Berlin, PK A. Kratt)

Termine

80 Jahre Reichspogromnacht 1938 - Gedenkveranstaltungen in Radolfzell

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Die am 10. November 1938 u. a. von Angehörigen des III.SS „Germania“ aus Radolfzell zerstörte Synagoge von Gailingen

Aus der Ankündigung auf der Homepage der Stadt Radolfzell:

„Am 9. November 2018 jährt sich die Reichspogromnacht zum 80. Mal. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden jüdische Geschäfte zerstört, fast in jeder Stadt wurden die Synagogen in Brand gesetzt und deutsche Juden auf offener Straße angegriffen.

(…)

Gemeinsam mit der „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Radolfzell“ (ACK) und der Stolperstein Initiative Radolfzell wurde ein Themenabend erarbeitet, der nicht nur einen Rückblick auf die NS-Zeit in Radolfzell wirft, sondern auch mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft für gemeinsames Miteinander und ein offenes Radolfzell.“

Die Veranstaltungen im Überblick:

17.30 Uhr, Foyer RIZ

Andacht zum Friedensweg 2018 der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Radolfzell

18 Uhr, am Mahnmal beim RIZ

Gedenken an die Pogrome und Begrüßung durch Oberbürgermeister Martin Staab Die Stolperstein Initiative Radolfzell wird zusammengefasst die Pogrome benennen, die von der ehemaligen SS-Kaserne Radolfzell ausgingen und damit auf die Ziele der Initiative STOLPERSTEINE-RADOLFZELL hinweisen: Erinnerung an Opfer des NS-Terrors wachhalten und an die nächste Generation weitergeben. Verantwortung tragen im Umgang mit rassistischen und nationalistischen Aktivitäten in Radolfzell, insbesondere in der ehemaligen SS-Kaserne.

18.30 Uhr, Gedenkstein Alice Fleischel am Seetorplatz

Stolperstein-Reinigung Die Initiative STOLPERSTEINE-RADOLFZELL will die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus – VORORT erhalten und an die nächste Generation weitergeben. Zusätzlich wendet sie sich gegen rassistische und nationalistische Aktivitäten in Radolfzell. http://www.stolpersteine-radolfzell.de

Der um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek angekündigte Vortrag „Im westlichen Bodenseeraum: Opfer, Täter, Zuschauer.“ muss leider ausfallen. Ein neuer Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.

2018/11/06 22:04 · Markus Wolter · 0 Kommentare

22. Oktober 1940

Im Gedenken, gegen das Vergessen

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Am 22. Oktober jährt sich zum 78. Mal die Massendeportation von 6551 badischen und saarpfälzischen Juden in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Jahr 1940. Die nach den verantwortlichen Gauleitern Robert Wagner (Baden) und Josef Bürckel (Saarpfalz) bezeichnete „Aktion“ war die Fortsetzung der systematischen Erfassung, Isolation, Entrechtung und staatlichen Beraubung der deutschen Juden seit 1933 und zugleich der Vorlauf zu ihrer Ermordung in den deutschen Vernichtungslagern im besetzten Polen und im Baltikum nach 1941. Das Bestreben des glühenden Antisemiten Wagner und dessen Amtskollegen Bürckel war es gewesen, zwei Jahre nach der Reichspogromnacht von 1938 die „Judenfrage“ - als eine der ersten im Deutschen Reich – „territorial“ zu lösen. Bei der Umsetzung der Deportationspläne im Landkreis Konstanz waren lokale Ordnungspolizei, Konstanzer Gestapo und vor allem das in der Radolfzeller Kaserne stationierte SS- Totenkopf-Infanterie-Ersatz-Bataillon im Einsatz, das die Juden von Wangen, Gailingen und Randegg zusammentrieb und in LKWs an die Bahnhöfe fuhr. Von den aus Baden in sieben Zügen der Reichsbahn deportierten 5592 Juden überlebten nur 750, 2000 wurden 1942 in die Konzentrationslager Majdanek und Auschwitz verschleppt und ermordet. Der Gau Baden sei „judenrein“, vermeldeten die NS-Täter im Herbst 1940 befriedigt; die Deportationen seien „reibungslos und ohne Zwischenfälle“ verlaufen und „von der Bevölkerung kaum wahrgenommen“ worden.

2018/10/22 08:54 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"NS-Belastete aus dem Süden des heutigen Baden-Württemberg"

Neuerscheinung, Oktober 2018

Täter Helfer Trittbrettfahrer, Bd. 9.

NS-Belastete aus dem Süden des heutigen Baden-Württemberg

Hrsg.: Wolfgang Proske

460 Seiten

19,99 Euro

Kugelberg Verlag, Gerstetten 2018

ISBN 978-3-945893-10-4

Bestellung unter: http://www.ns-belastete.de/bestellung.php

Die Artikel und ihre Autor*innen, u.a.:

Anton Blaser (Bürgermeister der Gemeinde Bodnegg, Krs. Ravensburg), Wolf-Ulrich Strittmatter.

Hugo F. Boss (Metzingen, Schneider, Kaufmann und Unternehmer), Rudolf Renz.

Wilhelm Emmerich (Östringen, Bäcker und SS-Oberscharführer im KZ Auschwitz), Christiane Walesch-Schneller.

Prof. Dr. Eugen Fischer (Freiburg, Mediziner, Anthropologe und Rassenforscher), Markus Wolter.

Dr. Hans Fleischhacker (Tübingen, Anthropologe, SS-Obersturmführer), Madeleine Wegner.

Georg Grünberg (Lagerleiter in Friedrichshafen, Überlingen), Oswald Burger.

Emil Haussmann (Ravensburg, Einsatzkommandoführer, Massenmörder), Wolf-Ulrich Strittmatter.

Prof. Dr. Martin Heidegger (Mai 1933 NSDAP, bis 1934 Rektor Universität Freiburg), Eggert Blum.

Prof. Dr. Hans Robert Jauß (Konstanz, Hauptsturmführer, „Bandenbekämpfung“), Dr. Jens Westemeier.

Friedrich Jeckeln (Hornberg, Höherer SS- und Polizeiführer, Massenmörder), Gerhard Wenzl.

Kurt Georg Kiesinger (Ebingen, 1933 NSDAP, 1966 Bundeskanzler), Prof. Dr. Phillip Gassert.

Martin Nauck (Tübingen, Kripo, „Vorbeugungshaft“), Udo Grausam.

Prof. Dr. Elisabeth Noelle-Neumann (Allensbach, Meinungsforscherin), Prof. Dr. Jörg Becker.

Johannes Pauli (Lagerleiter KZ Bisingen), Dr. Franziska Blum.

Dr. Rudolf Rahn (Ulm, Diplomat), Dr. Wolfgang Proske.

Dr.-Ing. Helmut Stellrecht (Wangen/Allg., im Amt Rosenberg, nach 1945 Schriftsteller), Udo Mischek, Mitarb. Tim Rose.

Bruno Störzer (Hailfingen, Bauleiter der Organisation Todt), Volker Mall.

Julius Viel (Schramberg/Wangen/Allg., Journalist, SS 1936), Wolf-Ulrich Strittmatter.

2018/09/30 11:35 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"Täter - Helfer - Trittbrettfahrer": Walther Kirn (1891-1944)

Vortrag: Bankrotteur - NS-Funktionär - „Volksschädling“. Aufstieg und Fall des Donaueschinger Kreisleiters Walther Kirn

Referenten: Dr. Wolf-Ingo Seidelmann + Dr. Wolfgang Proske

Veranstalter: Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar e.V.

Veranstaltungsort: Landratsamt, Humboldstr. 11, 78166 Donaueschingen

Zeit: Mittwoch, 12. September 2018, 19.30 Uhr

Information des Veranstalters

Zur Schriftenreihe: http://www.ns-belastete.de/index.html

2018/09/11 09:50 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Kundgebung "NS-Vergangenheit in Radolfzell"

Kundgebung für mehr Toleranz und gegen örtliche Nazistrukturen am 8. Mai 2018 um 14 Uhr auf dem Luisenplatz

Die Stadt Radolfzell hat die Kundgebung am Luisenplatz allerdings untersagt, was von den Anmeldern derzeit rechtlich überprüft wird.

Auch die Luisenplatz-Kundgebung am 21. April war von der Stadt Radolfzell verboten worden. Das Verbot hatte das Freiburger Verwaltungsgericht jedoch in einem Eilverfahren als „offensichtlich rechtswidrig“ kassiert.

Quelle: http://oatkn.blogsport.de/


Ein weiteres Mal kam es zu einem extrem kurzfristigen Verbot einer seit Monaten angemeldeten Kundgebung zur „NS-Vergangenheit in Radolfzell“ auf dem Luisenplatz.

Die Verbotsbegründung der Stadt Radolfzell: der Präventionsrat der Stadt und das Bürgerbündnis Radolfzell für Demokratie (BRD) würden dort ein Friedensfest veranstalten, das aber, wie FGL-Gemeinderätin Nina Breimaier zugab, später angemeldet worden war.

Der Verbotsbescheid kam wieder einmal so kurzfristig, dass ein Eilverfahren für vorläufigen Rechtsschutz nicht mehr möglich war. Soviel zum Demokratiebegriff des Radolfzeller Bürgerbündnisses und der Radolfzeller Versammlungsbehörde.

Der 8. Mai ist ein Feiertag anlässlich des Kriegsendes und der Befreiung vom Nationalsozialismus.

2018/05/07 12:41 · sw · 0 Kommentare
 
juden_in_radolfzell.txt · Zuletzt geändert: 2017/10/05 08:38 von mw
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