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Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



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Josef Bleicher (1887-1972), Sohn von Frieda Bleicher, geb. Silbermann und Hermann Bleicher, war seit dem 11. Februar 1910 bis zum 15.6.1915 in der Stadt gemeldet und nahm am Ersten Weltkrieg teil. 1918 kam er vom Kriegsdienst zurück und bezog zum 18.11.1918 eine Wohnung am Luisenplatz 7. Wann und wo er seine Frau Lotte Goldberg (1899-1972) heiratete bzw. wann diese nach Radolfzell kam, ist bislang nicht bekannt. Josef Bleicher (1887-1972), Sohn von Frieda Bleicher, geb. Silbermann und Hermann Bleicher, war seit dem 11. Februar 1910 bis zum 15.6.1915 in der Stadt gemeldet und nahm am Ersten Weltkrieg teil. 1918 kam er vom Kriegsdienst zurück und bezog zum 18.11.1918 eine Wohnung am Luisenplatz 7. Wann und wo er seine Frau Lotte Goldberg (1899-1972) heiratete bzw. wann diese nach Radolfzell kam, ist bislang nicht bekannt.
-Bereits im Frühjahr 1936 sahen sich die Bleichers in Folge von [[http://de.wikipedia.org/wiki/Judenboykott|Boykottmaßnahmen 1933]] und der damit verbundenen Umsatzverluste gezwungen, ihr seit 1924 bestehendes Textil- und Schuhwarengeschäft in der Schützenstraße, später Adolf-Hitler-Str. 1 (neben dem Hotel "Sonne-Post"), aufzulösen bzw. die restlichen Lagerbestände zu verkaufen. Das so [[http://de.wikipedia.org/wiki/Arisierung|"arisierte"]] Textilgeschäft ging mit Kaufvertrag vom 1. Mai 1936 am 1. September 1936 an die Firma "(Carl) Renk & (Franz) Esser" über.[(Vgl. die überlieferte Geschäftskorrespondenz (9 Briefe) zwischen Franz Esser und Josef Bleicher in Zusammenhang mit der vertraglichen Übernahme des Ladengeschäfts und der Wohnungsauflösung, April-Juli 1936; Privatbesitz Herbert Esser, Radolfzell; Kopien: Sammlung Markus Wolter.)] Die Firma selbst ("Herren- und Damenkonfektionshaus") war im nationalsozialistischen Deutschland faktisch wertlos geworden und wurde nicht übernommen. Hintergrund: Der Begriff „Konfektionshaus“ galt als jüdisch und wurde von den Nationalsozialisten als Beispiel für die angebliche "Verjudung" der Textil- und Einzelhandelsbranche ab 1936 verboten. Fortan firmierte das Ladengeschäft "Renk & Esser" als „[Deutsches] Bekleidungshaus“. +Bereits im Frühjahr 1936 sahen sich die Bleichers in Folge von [[http://de.wikipedia.org/wiki/Judenboykott|Boykottmaßnahmen 1933]] und der damit verbundenen Umsatzverluste gezwungen, ihr seit 1924 bestehendes Textil- und Schuhwarengeschäft in der Schützenstraße, später Adolf-Hitler-Str. 1 (neben dem Hotel "Sonne-Post"), aufzulösen bzw. die restlichen Lagerbestände zu verkaufen. Das so [[http://de.wikipedia.org/wiki/Arisierung|"arisierte"]] Textilgeschäft ging mit Kaufvertrag vom 1. Mai 1936 am 1. September 1936 an die Firma "(Karl) Renk & (Franz) Esser" über; zwei bis dato in Freiburg ansässige Kaufleute. [(Vgl. die überlieferte Geschäftskorrespondenz (9 Briefe) zwischen Franz Esser und Josef Bleicher in Zusammenhang mit der vertraglichen Übernahme des Ladengeschäfts und der Wohnungsauflösung, April-Juli 1936; Privatbesitz Herbert Esser, Radolfzell; Kopien: Sammlung Markus Wolter.)] Die Firma selbst ("Herren- und Damenkonfektionshaus") war im nationalsozialistischen Deutschland faktisch wertlos geworden und wurde nicht übernommen. Hintergrund: Der Begriff „Konfektionshaus“ galt als jüdisch und wurde von den Nationalsozialisten als Beispiel für die angebliche "Verjudung" der Textil- und Einzelhandelsbranche ab 1936 verboten. Fortan firmierte das Ladengeschäft "Renk & Esser" als „Deutsches(!) Bekleidungshaus“.
-Unter den in Radolfzell offenkundig gewordenen Repressalien und der sich abzeichnenden existenziellen Bedrohung lösten die Bleichers auch ihre Privatwohnung auf, meldeten sich am 30.11.1936 ab und wohnten noch für vier Monate in einer möblierten Zweizimmerwohnung bei Frau Anna Simon, Konstanz, Saarlandstr. 4, von wo sie im März 1937 zunächst ins belgische Antwerpen gingen - dorthin waren Eltern und Geschwister Lotte Bleichers emigriert - und Mitte April 1937 schließlich über Triest nach [[http://de.wikipedia.org/wiki/Haifa|Haifa]], [[http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerbundsmandat_f%C3%BCr_Pal%C3%A4stina|Palästina]], emigrierten.+Unter den in Radolfzell offenkundig gewordenen Repressalien und der sich abzeichnenden existenziellen Bedrohung lösten die Bleichers auch ihre Privatwohnung auf, meldeten sich am 30.11.1936 ab und wohnten noch für vier Monate in einer möblierten Zweizimmerwohnung bei Frau Anna Simon, Konstanz, Saarlandstr. 4, von wo sie im März 1937 zunächst ins belgische Antwerpen gingen - dort lebten inzwischen die Eltern und Geschwister Lotte Bleichers. Mitte April 1937 emigrierten Lotte und Josef Bleicher schließlich über Triest nach [[http://de.wikipedia.org/wiki/Haifa|Haifa]], [[http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerbundsmandat_f%C3%BCr_Pal%C3%A4stina|Palästina]].
-Die durch ihre Emigration nahezu mittellos gewordenen Bleichers lebten von der Unterstützung durch die Angehörigen Lotte Bleichers zunächst in Antwerpen, später in Haifa, wo sie erst 1950 mehr schlecht als recht durch Gründung einer Wäscherei ihr finanzielles Auskommen zu finden suchten.+Die durch ihre Flucht nahezu mittellos gewordenen Bleichers lebten von der Unterstützung durch die Angehörigen Lotte Bleichers zunächst in Antwerpen, später in Haifa, wo sie erst 1950 mehr schlecht als recht durch Gründung einer Wäscherei ihr finanzielles Auskommen zu finden suchten.
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Das Wohnhaus, Höllstr. 1. Das Wohnhaus, Höllstr. 1.
Die letzte Radolfzeller Wohnung der Bleichers befand sich im Haus der Verlagsdruckerei Joseph Huggle & Sohn / "Deutsche Bodenseezeitung" (bis 1936 "Freie Stimme") in der dritten Etage. Fotografie Burkhard Dieter Liedl, frühe 60er Jahre. Liedl-Archiv, Radolfzell. Die letzte Radolfzeller Wohnung der Bleichers befand sich im Haus der Verlagsdruckerei Joseph Huggle & Sohn / "Deutsche Bodenseezeitung" (bis 1936 "Freie Stimme") in der dritten Etage. Fotografie Burkhard Dieter Liedl, frühe 60er Jahre. Liedl-Archiv, Radolfzell.
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„//Ich gehörte zur Kundschaft des Geschäftes des Antragsstellers und habe meine Textilien und Schuhe im Geschäft des Antragsstellers eingekauft. Der Antragssteller wurde gezwungen, das Geschäft im Rahmen der allgemeinen Judenverfolgung zu verkaufen. Ich weiß und kann aus eigenem Wissen bekunden, dass nur diese Judenverfolgung den Antragssteller gezwungen hat, das Geschäft aufzugeben und einen Totalausverkauf durchzuführen.//“ (Hilde Uricher, geb. Stocker, in einer Erklärung vor dem Amtsgericht Radolfzell, 17.11.1958) [(Entschädigungsakte Josef Bleicher, StAF, F 196/1 Nr. 7221)] „//Ich gehörte zur Kundschaft des Geschäftes des Antragsstellers und habe meine Textilien und Schuhe im Geschäft des Antragsstellers eingekauft. Der Antragssteller wurde gezwungen, das Geschäft im Rahmen der allgemeinen Judenverfolgung zu verkaufen. Ich weiß und kann aus eigenem Wissen bekunden, dass nur diese Judenverfolgung den Antragssteller gezwungen hat, das Geschäft aufzugeben und einen Totalausverkauf durchzuführen.//“ (Hilde Uricher, geb. Stocker, in einer Erklärung vor dem Amtsgericht Radolfzell, 17.11.1958) [(Entschädigungsakte Josef Bleicher, StAF, F 196/1 Nr. 7221)]
-//"Mein Schwiegervater Carl Renk, der am 10.3.1958 gestorben ist, und ich haben auf den 1.9.1936 das Textilgeschäft des Antragsstellers übernommen. Da wir keine Fachleute für die Schuhbranche sind, haben wir die Übernahme des Schuhwarengeschäftes des Antragsstellers abgelehnt. Der Antragssteller war infolgedessen gezwungen, einen Totalausverkauf seines Schuhwarengeschäftes durchzuführen. Die Neueröffnung unseres Geschäftes war auf den 1.9.1936 festgesetzt. Es ist mir völlig klar, dass der Antragssteller durch diesen Totalausverkauf finanzielle Verluste und Einbußen erlitten hat und er sein Schuhwarenlager unter dem Einkaufspreis abgeben musste, dies nehme ich an, sonst würde ein Totalausverkauf nie zum Erfolg führen und kein Interesse bei der Kundschaft erlangen. Dies ist eine allgemein kaufmännisch bekannte Tatsache.+//"Mein Schwiegervater Karl Renk, der am 10.3.1958 gestorben ist, und ich haben auf den 1.9.1936 das Textilgeschäft des Antragsstellers übernommen. Da wir keine Fachleute für die Schuhbranche sind, haben wir die Übernahme des Schuhwarengeschäftes des Antragsstellers abgelehnt. Der Antragssteller war infolgedessen gezwungen, einen Totalausverkauf seines Schuhwarengeschäftes durchzuführen. Die Neueröffnung unseres Geschäftes war auf den 1.9.1936 festgesetzt. Es ist mir völlig klar, dass der Antragssteller durch diesen Totalausverkauf finanzielle Verluste und Einbußen erlitten hat und er sein Schuhwarenlager unter dem Einkaufspreis abgeben musste, dies nehme ich an, sonst würde ein Totalausverkauf nie zum Erfolg führen und kein Interesse bei der Kundschaft erlangen. Dies ist eine allgemein kaufmännisch bekannte Tatsache.
Auf Frage der Ehefrau des Antragsstellers: Ich weiß nicht, ob ein Teil der Warenbestände des Textilgeschäfts vor der Übernahme durch uns verkauft wurde im Rahmen eines Teilausverkaufs. Ich will es nicht in Abrede stellen, ich kann es aber nicht mehr mit 100%iger Sicherheit sagen. Wir befanden uns in jener Zeit in Freiburg. Erst seit 1.9.1936 befinden wir uns hier. Auf Frage der Ehefrau des Antragsstellers: Ich weiß nicht, ob ein Teil der Warenbestände des Textilgeschäfts vor der Übernahme durch uns verkauft wurde im Rahmen eines Teilausverkaufs. Ich will es nicht in Abrede stellen, ich kann es aber nicht mehr mit 100%iger Sicherheit sagen. Wir befanden uns in jener Zeit in Freiburg. Erst seit 1.9.1936 befinden wir uns hier.
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**Oral History - "Der Jude hat gemeint, er könne noch einmal kassieren."**   **Oral History - "Der Jude hat gemeint, er könne noch einmal kassieren."**  
-Liesel Renk, geb. 1904, Tochter des Ariseurs Carl Renk und Tante von Herbert Esser, äußerte sich im Rahmen einer Zeitzeugenbefragung bereits 2002 zu diesem Thema. Die erst 2015 anonymisiert und ohne hinreichende Kommentierung veröffentlichte Transkription ihrer Bemerkungen sei abschließend zitiert:+Liesel Renk, geb. 1904, Tochter des Ariseurs Karl Renk und Tante von Herbert Esser, äußerte sich im Rahmen einer Zeitzeugenbefragung bereits 2002 zu diesem Thema. Das erst 2015 anonymisiert und ohne eine kritische Kommentierung des Herausgebers veröffentlichte Narrativ kennzeichnet ein deutlich antisemtisches Sprach- und Argumentationsmuster:
//"Mein Vater, der in Freiburg Prokurist war und Radolfzell kannte, hörte, dass Bleicher aufhören muss und interessierte sich für das Geschäft. Dann ist die Bestandsaufnahme gemacht worden, da war ihre Mutter dabei. Man stellte den Betrag fest, wie dieser war, weiß ich nicht mehr genau. Bei meinem Vater hat das Geld nicht ganz gereicht und er lieh sich dann von Verwandten aus der Schweiz Geld, damit er dem Juden alles ausbezahlen konnte.// //"Mein Vater, der in Freiburg Prokurist war und Radolfzell kannte, hörte, dass Bleicher aufhören muss und interessierte sich für das Geschäft. Dann ist die Bestandsaufnahme gemacht worden, da war ihre Mutter dabei. Man stellte den Betrag fest, wie dieser war, weiß ich nicht mehr genau. Bei meinem Vater hat das Geld nicht ganz gereicht und er lieh sich dann von Verwandten aus der Schweiz Geld, damit er dem Juden alles ausbezahlen konnte.//
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Religion: jüdisch, konvert. 1897 ev. Religion: jüdisch, konvert. 1897 ev.
-Familienstand: verheiratet mit dem Berliner Verleger Egon Fleischel, geboren am 12.05.1862 in Hamburg, gestorben am 28.01.1936 in Berlin +Familienstand: verheiratet mit dem Berliner Verleger Egon Fleischel (Egon Fleischel & Co), geboren am 12.05.1862 in Hamburg, gestorben am 28.01.1936 in Berlin
-Alice Fleischel lebte bis 1939 in Berlin, zuletzt in Wiesbaden, München und Radolfzell und hatte zwei Söhne: im Gedenkbuch[(gedenkbuch>Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, Bundesarchiv, Koblenz 1986. siehe ferner: Eintrag in der Yad Vashem Datenbank)] finden sich deren Namen: Erich Fleischel (geb. 16.07.1897 Berlin, ermordet nach 04.03.1943 in Majdanek)[(Erich Fleischel, der in Berlin und Bochum lebte, flüchtete, unbekannt wann, nach Frankreich. Vom deutschen Besatzungsregime wurde er am 4.3.1943 im 50. Transport über Drancy nach Majdanek deportiert und dort ermordet. Erich Fleischels Name findet man verzeichnet auf der "Mauer der Namen" des [[http://de.wikipedia.org/wiki/Memorial_de_la_Shoah|Mémorial de la Shoah in Paris]])] und Günther Rolf Egon Fleischel (geb. 01.06.1903 Berlin, gestorben (Krebserkrankung) 05.09.1943 im Ghetto von Riga).[(Zu Günther Fleischel vgl.: Herbert Obenaus: Vom SA-Mann zum jüdischen Ghettoältesten in Riga. Zur Biographie von Günther Fleischel. In: Jahrbuch für Antisemitismusforschung, Bd. 8 (1999), S. 278–299.; vgl. auch [[http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_Fleischel|Wikipedia-Artikel zu Günther Fleischel]])]+Alice Fleischel lebte bis 1939 in Berlin, zuletzt in Wiesbaden, München und Radolfzell und hatte zwei Söhne. Im Gedenkbuch[(gedenkbuch>Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, Bundesarchiv, Koblenz 1986. siehe ferner: Eintrag in der Yad Vashem Datenbank)] finden sich deren Namen: Erich Fleischel (geb. 16.07.1897 Berlin, ermordet nach 04.03.1943 in Majdanek)[(Erich Fleischel, der in Berlin und Bochum lebte, flüchtete, unbekannt wann, nach Frankreich. Vom deutschen Besatzungsregime wurde er am 4.3.1943 im 50. Transport über Drancy nach Majdanek deportiert und dort ermordet. Erich Fleischels Name findet man verzeichnet auf der "Mauer der Namen" des [[http://de.wikipedia.org/wiki/Memorial_de_la_Shoah|Mémorial de la Shoah in Paris]])] und Günther Rolf Egon Fleischel (geb. 01.06.1903 Berlin, gestorben (Krebserkrankung) 05.09.1943 im Ghetto von Riga).[(Zu Günther Fleischel vgl.: Herbert Obenaus: Vom SA-Mann zum jüdischen Ghettoältesten in Riga. Zur Biographie von Günther Fleischel. In: Jahrbuch für Antisemitismusforschung, Bd. 8 (1999), S. 278–299.; vgl. auch [[http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_Fleischel|Wikipedia-Artikel zu Günther Fleischel]])]
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Alice Fleischel, die, aus München über Baden-Baden kommend, seit Mitte April 1940 im "Bahnhofhotel Schiff“ am Bahnhofplatz 1 / Ecke Seetorstr. 2 in Radolfzell wohnte, wurde dort am 22. Oktober 1940 von der Gestapo Konstanz im Rahmen der sogenannten [[http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrckel-Wagner-Aktion|"Wagner-Bürckel-Aktion"]]  verhaftet und noch am selben Tag per Zug von Radolfzell ins südfranzösische [[http://de.wikipedia.org/wiki/Camp_de_Gurs|Internierungslager Gurs]] deportiert, wo sie am 26. April 1941 ums Leben kam.[(Eintrag dieses Todesdatums durch das Amtsgericht Radolfzell (27.11.1952) auf der überlieferten Meldekarteikarte, Stadtarchiv Radolfzell. Vgl. Torsten Lucht: Vom grausamen Hintergrund einer Karteikarte, Südkurier 13.06.2007.)] Alice Fleischel, die, aus München über Baden-Baden kommend, seit Mitte April 1940 im "Bahnhofhotel Schiff“ am Bahnhofplatz 1 / Ecke Seetorstr. 2 in Radolfzell wohnte, wurde dort am 22. Oktober 1940 von der Gestapo Konstanz im Rahmen der sogenannten [[http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrckel-Wagner-Aktion|"Wagner-Bürckel-Aktion"]]  verhaftet und noch am selben Tag per Zug von Radolfzell ins südfranzösische [[http://de.wikipedia.org/wiki/Camp_de_Gurs|Internierungslager Gurs]] deportiert, wo sie am 26. April 1941 ums Leben kam.[(Eintrag dieses Todesdatums durch das Amtsgericht Radolfzell (27.11.1952) auf der überlieferten Meldekarteikarte, Stadtarchiv Radolfzell. Vgl. Torsten Lucht: Vom grausamen Hintergrund einer Karteikarte, Südkurier 13.06.2007.)]
-In ihrer Unterkunft in Radolfzell hatte sie sich zuletzt entschieden, in die Schweiz zu fliehen, um über Italien, wo eine Schwägerin lebte, vermutlich weiter nach Südamerika zu gelangen. Im Stadtarchiv Radolfzell ist ein Schreiben des Polizeireviers Radolfzell – „Aufenthalt von Juden betr.“ -  vom 2. Juli 1940 überliefert, dem eine Denunziation aus der Bevölkerung vorangegangen sein muss; dort heißt es, "dass sich seit Mitte April im Hotel Schiff eine Jüdin Frau Alice Fleischel geb. Rossin, geb. 4.6.1873, als Gast befindet. Dieselbe ist ohne festen Wohnsitz und nur auf Fremdenzettel gemeldet". Hotelier Strudel habe es unterlassen, die vorgeschriebene Anzeige zu erstatten und werde deshalb bestraft. Die ebenfalls im Stadtarchiv überlieferte Meldekarte Alice Fleischels belegt eine am Vortag, dem 1. Juli 1940, vorgenommene (nachträgliche?) Anmeldung von "Alice Sara Fleischel", die sich lt. Eintrag durch eine jüdische Kennkarte ("J") mit der Nummer A 371187 ausweisen konnte, was den mit rotem Farbstift vorgenommenen Eintrag "Jude!" auf ihrer Meldekarte erklärt. Eingetragen sind ferner: „Jahr und Tag der Anmeldung: 1.7.40; Wohnung: Bahnhofplatz 1, Hotel Schiff. Jahr und Tag der Abmeldung: 22.10.40. Von Gestapo Konstanz abtransportiert“.+In ihrer Unterkunft in Radolfzell hatte sie sich zuletzt entschieden, in die Schweiz zu fliehen, um über Italien, wo eine Schwägerin lebte, vermutlich weiter nach Südamerika zu gelangen. Im Stadtarchiv Radolfzell ist ein Schreiben des Polizeireviers Radolfzell – „Aufenthalt von Juden betr.“ -  vom 2. Juli 1940 überliefert, dem eine Denunziation aus der Bevölkerung vorangegangen sein muss; dort heißt es, "dass sich seit Mitte April im Hotel Schiff eine Jüdin Frau Alice Fleischel geb. Rossin, geb. 4.6.1873, als Gast befindet. Dieselbe ist ohne festen Wohnsitz und nur auf Fremdenzettel gemeldet". Hotelier Strudel habe es unterlassen, die vorgeschriebene Anzeige zu erstatten und werde deshalb bestraft. Die ebenfalls im Stadtarchiv überlieferte Meldekarte Alice Fleischels belegt eine am Vortag, dem 1. Juli 1940, vorgenommene (nachträgliche?) Anmeldung von "Alice Sara Fleischel"[(Zwangsname "Sara": Die "[[https://de.wikipedia.org/wiki/Namens%C3%A4nderungsverordnung|Zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen"]] vom 17. August 1938 zielte darauf ab, jüdische Deutsche anhand ihrer Vornamen kenntlich zu machen. Sofern sie nicht schon einen "vom deutschen Volk" als "typisch jüdisch angesehen(en)“ Vornamen trugen, mussten sie vom Januar 1939 an zusätzlich den Vornamen Israel oder Sara annehmen.)], die sich lt. Eintrag durch eine jüdische Kennkarte ("J") mit der Nummer A 371187 ausweisen konnte, was den mit rotem Farbstift vorgenommenen Eintrag "Jude!" auf ihrer Meldekarte erklärt. Eingetragen sind ferner: „Jahr und Tag der Anmeldung: 1.7.40; Wohnung: Bahnhofplatz 1, Hotel Schiff. Jahr und Tag der Abmeldung: 22.10.40. Von Gestapo Konstanz abtransportiert“.
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Termine

Täter-Helfer-Trittbrettfahrer: Prof. Dr. Eugen Fischer (1874-1967)

Eugen Fischer: Der völkische Staat, biologisch gesehen. Berlin 1933. Fotografie: Wikipedia

Vortrag:

Dr. Wolfgang Proske (Hrsg.) / Markus Wolter:

Prof. Dr. Eugen Fischer (1874–1967). Die Freiburger Schule des Rassenwahns

Zeit und Ort:

Dienstag, 28. Mai, 20 Uhr, HS 1009 (Uni Freiburg KGI)

Veranstaltet vom Referat gegen Antisemitismus, Studierendenrat der Universität Freiburg, in Kooperation mit der Fachschaft Geschichte und der Fachschaft Medizin.

https://www.stura.uni-freiburg.de/gremien/referate/gegenantisemitismus

http://www.ns-belastete.de/band_9.html

2019/05/15 16:43 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Vier Filme zum Nationalsozialismus in Überlingen, Radolfzell, Schwarzwald

Gedenkveranstaltung in Überlingen änlässlich des 74. Jahrestages des Kriegsendes

Anlässlich des 74. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges bringt die KulturKiste Überlingen e. V. am Sonntag, 12. Mai 2019 im Rahmen ihrer jährlichen Gedenkveranstaltung „Vier Filme zum Thema Nationalsozialismus in Überlingen, Radolfzell und im Schwarzwald“.

Zu Überlingen werden die beiden Dokumentarfilme über den „Goldbacher Stollen“ „Unter Deutschlands Erde“ von Didi Danquart (BRD 1983) (10.00 Uhr + 19.00 Uhr) sowie „Wie Dachau an den See kam …“ von Jürgen Weber (D 1995) (11.00 Uhr + 18.00 Uhr) gezeigt.

Der Film "Leichen im Keller" von Günter Köhler (D 2010) handelt von Radolfzell im Nationalsozialismus sowie den späteren Umgang damit. (12.00 Uhr + 17.00 Uhr). Darüber hinaus wird um 13.00 Uhr, sowie um 15.00 Uhr der Spielfilm „Viejud Levi“ von Didi Danquart gezeigt, der den Nationalsozialismus in einem Schwarzwaldtal behandelt.

Das Gesamtprogramm findet sich unter: www.kulturkiste-ueberlingen.eu

Wann: Sonntag, 12. Mai 2019

Wo: Kulturbahnhof Nussdorf / Die Rampe, Nussdorfer Str. 100, Überlingen

Eintritt Frei / Spende erwünscht

2019/05/05 14:56 · sw · 0 Kommentare

Eröffnung der Ausstellung: "Ein Panzer gegen die hässliche Zeit" - Hermann Hesses "Glasperlenspiel" im "Dritten Reich"

„1943 veröffentlichte Hermann Hesse seinen letzten Roman in kleiner Auflage in der Schweiz, erst Ende 1946 wurde „Das Glasperlenspiel“ auch einem größeren Publikum in Deutschland bekannt. Ursprünglich hätte „Das Glasperlenspiel“ schon 1942 in Berlin erscheinen sollen, doch die NS-Behörden verweigerten die Druckgenehmigung. Seinem Sohn Heiner teilte Hesse 1942 resigniert mit, „dass das Buch nun also die Leser, für die es bestimmt war, nicht erreicht“.“

Ort: Hesse Museum, Kapellenstr. 8, Gaienhofen

Zeit: 17. März 2019, 11.00 Uhr

http://www.hesse-museum-gaienhofen.de

2019/03/16 09:23 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"Wie Dachau an den See kam..."

Filmvorführung und Gespräch mit der Zeitzeugin Dr. Grete Leutz und dem Regisseur Jürgen Weber am 27. Januar 2019 in Konstanz

Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wird in einer Gedenkveranstaltung der regionalhistorische Dokumentarfilm „Wie Dachau an den See kam …“ zur Geschichte des KZ-Außenlagers in Überlingen gezeigt.

Es ist geplant, dass an diesem Abend neben dem Filmemacher Jürgen Weber auch die Überlinger Zeitzeugin Dr. Grete Leutz anwesend sein wird. Als junge Frau wurde sie fast täglich Zeugin des Zuges der KZ-Häftlinge vom Lager Aufkirch zur Überlinger Stollenanlage. In der Außenstelle Überlingen des KZ Dachau mussten ab Oktober 1944 rund 800 Häftlinge einen Stollen in den Molassefelsen treiben, um die Friedrichshafener Rüstungsindustrie am Bodensee „bombensicher“ unterzubringen. Bis April 1945 liefen viermal pro Tag die Kolonnen der Häftlinge - schwer bewacht durch die SS - durch den Überlinger Westen.

Der Film zeichnet mit Aussagen zweier ehemaliger Häftlinge, mit den Erinnerungen von damals jungen Menschen aus Überlingen und mit Fachleuten die Geschichte der KZ-Außenstelle Überlingen nach. Aufgrund seiner regionalhistorischen Bedeutung und teilweise einmaliger Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen wurde der Film aus dem Jahr 1995 als Retrospektive 2017 neu in der Reihe „Zeitgeschichtliche Kurz- und Dokumentarfilme“ aufgelegt.

Termin: 27. Januar 2019

Zeit: 19:30 – 21:00 Uhr

Ort: Wolkenstein-Saal (Kulturzentrum am Münster), Konstanz

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturamt der Stadt Konstanz, vhs Landkreis Konstanz e. V. DIG Bodensee Region, Gesellschaft für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit e.V. Konstanz und weitere

Eintritt: frei

2019/02/11 23:45 · sw · 0 Kommentare

Uraufführung: Gerron

Im Stadttheater Konstanz wird am 2.2.2019 das Stück „Gerron“ von Charles Lewinsky uraufgeführt. Regisseurin ist Annette Gleichmann.

Das Stück basiert auf der wahren Geschichte des jüdischen Künstlers Kurt Gerron. Als Frontsoldat und Arzt im 1. Weltkrieg kämpfend, mehrfach schwer verletzt, wurde er später im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet. Er floh 1933 zunächst nach Paris, dann nach Österreich, Italien und in die Niederlande, wo er 1943 interniert wurde. Im Jahr 1944 wurden er und seine Familie in das KZ Theresienstadt deportiert. Seine Mitwirkung als Regisseur an dem im KZ gedrehten Propagandafilm “Theresienstadt“ schützte ihn nicht vor der Deportation nach Auschwitz, wo er ebenso wie die 1600 mitwirkenden Kinder nach Ende der Dreharbeiten vergast wurde.

Uraufführung: 2.2.2019, Theaterwerkstatt Inselgasse, 20 Uhr

Ticketreservierung und weitere Spielzeiten: Gerron

Quelle: Stadttheater Konstanz

2019/02/02 13:14 · sw · 0 Kommentare
 
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