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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



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Josef Bleicher (1887-1972), Sohn von Frieda Bleicher, geb. Silbermann und Hermann Bleicher, war seit dem 11. Februar 1910 bis zum 15.6.1915 in der Stadt gemeldet und nahm am Ersten Weltkrieg teil. 1918 kam er vom Kriegsdienst zurück und bezog zum 18.11.1918 eine Wohnung am Luisenplatz 7. Wann und wo er seine Frau Lotte Goldberg (1899-1972) heiratete bzw. wann diese nach Radolfzell kam, ist bislang nicht bekannt. Josef Bleicher (1887-1972), Sohn von Frieda Bleicher, geb. Silbermann und Hermann Bleicher, war seit dem 11. Februar 1910 bis zum 15.6.1915 in der Stadt gemeldet und nahm am Ersten Weltkrieg teil. 1918 kam er vom Kriegsdienst zurück und bezog zum 18.11.1918 eine Wohnung am Luisenplatz 7. Wann und wo er seine Frau Lotte Goldberg (1899-1972) heiratete bzw. wann diese nach Radolfzell kam, ist bislang nicht bekannt.
-Bereits im Frühjahr 1936 sahen sich die Bleichers in Folge von [[http://de.wikipedia.org/wiki/Judenboykott|Boykottmaßnahmen 1933]] und der damit verbundenen Umsatzverluste gezwungen, ihr seit 1924 bestehendes Textil- und Schuhwarengeschäft in der Schützenstraße, später Adolf-Hitler-Str. 1 (neben dem Hotel "Sonne-Post"), aufzulösen bzw. die restlichen Lagerbestände zu verkaufen. Das so [[http://de.wikipedia.org/wiki/Arisierung|"arisierte"]] Textilgeschäft ging mit Kaufvertrag vom 1. Mai 1936 am 1. September 1936 an die Firma "(Carl) Renk & (Franz) Esser" über.[(Vgl. die überlieferte Geschäftskorrespondenz (9 Briefe) zwischen Franz Esser und Josef Bleicher in Zusammenhang mit der vertraglichen Übernahme des Ladengeschäfts und der Wohnungsauflösung, April-Juli 1936; Privatbesitz Herbert Esser, Radolfzell; Kopien: Sammlung Markus Wolter.)] Die Firma selbst ("Herren- und Damenkonfektionshaus") war im nationalsozialistischen Deutschland faktisch wertlos geworden und wurde nicht übernommen. Hintergrund: Der Begriff „Konfektionshaus“ galt als jüdisch und wurde von den Nationalsozialisten als Beispiel für die angebliche "Verjudung" der Textil- und Einzelhandelsbranche ab 1936 verboten. Fortan firmierte das Ladengeschäft "Renk & Esser" als „[Deutsches] Bekleidungshaus“. +Bereits im Frühjahr 1936 sahen sich die Bleichers in Folge von [[http://de.wikipedia.org/wiki/Judenboykott|Boykottmaßnahmen 1933]] und der damit verbundenen Umsatzverluste gezwungen, ihr seit 1924 bestehendes Textil- und Schuhwarengeschäft in der Schützenstraße, später Adolf-Hitler-Str. 1 (neben dem Hotel "Sonne-Post"), aufzulösen bzw. die restlichen Lagerbestände zu verkaufen. Das so [[http://de.wikipedia.org/wiki/Arisierung|"arisierte"]] Textilgeschäft ging mit Kaufvertrag vom 1. Mai 1936 am 1. September 1936 an die Firma "(Carl) Renk & (Franz) Esser" über; zwei bis dato in Freiburg ansässige Kaufleute. [(Vgl. die überlieferte Geschäftskorrespondenz (9 Briefe) zwischen Franz Esser und Josef Bleicher in Zusammenhang mit der vertraglichen Übernahme des Ladengeschäfts und der Wohnungsauflösung, April-Juli 1936; Privatbesitz Herbert Esser, Radolfzell; Kopien: Sammlung Markus Wolter.)] Die Firma selbst ("Herren- und Damenkonfektionshaus") war im nationalsozialistischen Deutschland faktisch wertlos geworden und wurde nicht übernommen. Hintergrund: Der Begriff „Konfektionshaus“ galt als jüdisch und wurde von den Nationalsozialisten als Beispiel für die angebliche "Verjudung" der Textil- und Einzelhandelsbranche ab 1936 verboten. Fortan firmierte das Ladengeschäft "Renk & Esser" als „Deutsches(!) Bekleidungshaus“.
-Unter den in Radolfzell offenkundig gewordenen Repressalien und der sich abzeichnenden existenziellen Bedrohung lösten die Bleichers auch ihre Privatwohnung auf, meldeten sich am 30.11.1936 ab und wohnten noch für vier Monate in einer möblierten Zweizimmerwohnung bei Frau Anna Simon, Konstanz, Saarlandstr. 4, von wo sie im März 1937 zunächst ins belgische Antwerpen gingen - dorthin waren Eltern und Geschwister Lotte Bleichers emigriert - und Mitte April 1937 schließlich über Triest nach [[http://de.wikipedia.org/wiki/Haifa|Haifa]], [[http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerbundsmandat_f%C3%BCr_Pal%C3%A4stina|Palästina]], emigrierten.+Unter den in Radolfzell offenkundig gewordenen Repressalien und der sich abzeichnenden existenziellen Bedrohung lösten die Bleichers auch ihre Privatwohnung auf, meldeten sich am 30.11.1936 ab und wohnten noch für vier Monate in einer möblierten Zweizimmerwohnung bei Frau Anna Simon, Konstanz, Saarlandstr. 4, von wo sie im März 1937 zunächst ins belgische Antwerpen gingen - dort lebten inzwischen die Eltern und Geschwister Lotte Bleichers. Mitte April 1937 emigrierten Lotte und Josef Bleicher schließlich über Triest nach [[http://de.wikipedia.org/wiki/Haifa|Haifa]], [[http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerbundsmandat_f%C3%BCr_Pal%C3%A4stina|Palästina]].
-Die durch ihre Emigration nahezu mittellos gewordenen Bleichers lebten von der Unterstützung durch die Angehörigen Lotte Bleichers zunächst in Antwerpen, später in Haifa, wo sie erst 1950 mehr schlecht als recht durch Gründung einer Wäscherei ihr finanzielles Auskommen zu finden suchten.+Die durch ihre Flucht nahezu mittellos gewordenen Bleichers lebten von der Unterstützung durch die Angehörigen Lotte Bleichers zunächst in Antwerpen, später in Haifa, wo sie erst 1950 mehr schlecht als recht durch Gründung einer Wäscherei ihr finanzielles Auskommen zu finden suchten.
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**Oral History - "Der Jude hat gemeint, er könne noch einmal kassieren."**   **Oral History - "Der Jude hat gemeint, er könne noch einmal kassieren."**  
-Liesel Renk, geb. 1904, Tochter des Ariseurs Carl Renk und Tante von Herbert Esser, äußerte sich im Rahmen einer Zeitzeugenbefragung bereits 2002 zu diesem Thema. Die erst 2015 anonymisiert und ohne hinreichende Kommentierung veröffentlichte Transkription ihrer Bemerkungen sei abschließend zitiert:+Liesel Renk, geb. 1904, Tochter des Ariseurs Carl Renk und Tante von Herbert Esser, äußerte sich im Rahmen einer Zeitzeugenbefragung bereits 2002 zu diesem Thema. Die erst 2015 anonymisiert und ohne hinreichende Kommentierung veröffentlichte Transkription ihres - offen antisemitischen - Narrativs sei abschließend zitiert:
//"Mein Vater, der in Freiburg Prokurist war und Radolfzell kannte, hörte, dass Bleicher aufhören muss und interessierte sich für das Geschäft. Dann ist die Bestandsaufnahme gemacht worden, da war ihre Mutter dabei. Man stellte den Betrag fest, wie dieser war, weiß ich nicht mehr genau. Bei meinem Vater hat das Geld nicht ganz gereicht und er lieh sich dann von Verwandten aus der Schweiz Geld, damit er dem Juden alles ausbezahlen konnte.// //"Mein Vater, der in Freiburg Prokurist war und Radolfzell kannte, hörte, dass Bleicher aufhören muss und interessierte sich für das Geschäft. Dann ist die Bestandsaufnahme gemacht worden, da war ihre Mutter dabei. Man stellte den Betrag fest, wie dieser war, weiß ich nicht mehr genau. Bei meinem Vater hat das Geld nicht ganz gereicht und er lieh sich dann von Verwandten aus der Schweiz Geld, damit er dem Juden alles ausbezahlen konnte.//

Termine

Täter-Helfer-Trittbrettfahrer: Prof. Dr. Eugen Fischer (1874-1967)

Eugen Fischer: Der völkische Staat, biologisch gesehen. Berlin 1933. Fotografie: Wikipedia

Vortrag:

Dr. Wolfgang Proske (Hrsg.) / Markus Wolter:

Prof. Dr. Eugen Fischer (1874–1967). Die Freiburger Schule des Rassenwahns

Zeit und Ort:

Dienstag, 28. Mai, 20 Uhr, HS 1009 (Uni Freiburg KGI)

Veranstaltet vom Referat gegen Antisemitismus, Studierendenrat der Universität Freiburg, in Kooperation mit der Fachschaft Geschichte und der Fachschaft Medizin.

https://www.stura.uni-freiburg.de/gremien/referate/gegenantisemitismus

http://www.ns-belastete.de/band_9.html

2019/05/15 16:43 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Vier Filme zum Nationalsozialismus in Überlingen, Radolfzell, Schwarzwald

Gedenkveranstaltung in Überlingen änlässlich des 74. Jahrestages des Kriegsendes

Anlässlich des 74. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges bringt die KulturKiste Überlingen e. V. am Sonntag, 12. Mai 2019 im Rahmen ihrer jährlichen Gedenkveranstaltung „Vier Filme zum Thema Nationalsozialismus in Überlingen, Radolfzell und im Schwarzwald“.

Zu Überlingen werden die beiden Dokumentarfilme über den „Goldbacher Stollen“ „Unter Deutschlands Erde“ von Didi Danquart (BRD 1983) (10.00 Uhr + 19.00 Uhr) sowie „Wie Dachau an den See kam …“ von Jürgen Weber (D 1995) (11.00 Uhr + 18.00 Uhr) gezeigt.

Der Film "Leichen im Keller" von Günter Köhler (D 2010) handelt von Radolfzell im Nationalsozialismus sowie den späteren Umgang damit. (12.00 Uhr + 17.00 Uhr). Darüber hinaus wird um 13.00 Uhr, sowie um 15.00 Uhr der Spielfilm „Viejud Levi“ von Didi Danquart gezeigt, der den Nationalsozialismus in einem Schwarzwaldtal behandelt.

Das Gesamtprogramm findet sich unter: www.kulturkiste-ueberlingen.eu

Wann: Sonntag, 12. Mai 2019

Wo: Kulturbahnhof Nussdorf / Die Rampe, Nussdorfer Str. 100, Überlingen

Eintritt Frei / Spende erwünscht

2019/05/05 14:56 · sw · 0 Kommentare

Eröffnung der Ausstellung: "Ein Panzer gegen die hässliche Zeit" - Hermann Hesses "Glasperlenspiel" im "Dritten Reich"

„1943 veröffentlichte Hermann Hesse seinen letzten Roman in kleiner Auflage in der Schweiz, erst Ende 1946 wurde „Das Glasperlenspiel“ auch einem größeren Publikum in Deutschland bekannt. Ursprünglich hätte „Das Glasperlenspiel“ schon 1942 in Berlin erscheinen sollen, doch die NS-Behörden verweigerten die Druckgenehmigung. Seinem Sohn Heiner teilte Hesse 1942 resigniert mit, „dass das Buch nun also die Leser, für die es bestimmt war, nicht erreicht“.“

Ort: Hesse Museum, Kapellenstr. 8, Gaienhofen

Zeit: 17. März 2019, 11.00 Uhr

http://www.hesse-museum-gaienhofen.de

2019/03/16 09:23 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"Wie Dachau an den See kam..."

Filmvorführung und Gespräch mit der Zeitzeugin Dr. Grete Leutz und dem Regisseur Jürgen Weber am 27. Januar 2019 in Konstanz

Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wird in einer Gedenkveranstaltung der regionalhistorische Dokumentarfilm „Wie Dachau an den See kam …“ zur Geschichte des KZ-Außenlagers in Überlingen gezeigt.

Es ist geplant, dass an diesem Abend neben dem Filmemacher Jürgen Weber auch die Überlinger Zeitzeugin Dr. Grete Leutz anwesend sein wird. Als junge Frau wurde sie fast täglich Zeugin des Zuges der KZ-Häftlinge vom Lager Aufkirch zur Überlinger Stollenanlage. In der Außenstelle Überlingen des KZ Dachau mussten ab Oktober 1944 rund 800 Häftlinge einen Stollen in den Molassefelsen treiben, um die Friedrichshafener Rüstungsindustrie am Bodensee „bombensicher“ unterzubringen. Bis April 1945 liefen viermal pro Tag die Kolonnen der Häftlinge - schwer bewacht durch die SS - durch den Überlinger Westen.

Der Film zeichnet mit Aussagen zweier ehemaliger Häftlinge, mit den Erinnerungen von damals jungen Menschen aus Überlingen und mit Fachleuten die Geschichte der KZ-Außenstelle Überlingen nach. Aufgrund seiner regionalhistorischen Bedeutung und teilweise einmaliger Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen wurde der Film aus dem Jahr 1995 als Retrospektive 2017 neu in der Reihe „Zeitgeschichtliche Kurz- und Dokumentarfilme“ aufgelegt.

Termin: 27. Januar 2019

Zeit: 19:30 – 21:00 Uhr

Ort: Wolkenstein-Saal (Kulturzentrum am Münster), Konstanz

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturamt der Stadt Konstanz, vhs Landkreis Konstanz e. V. DIG Bodensee Region, Gesellschaft für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit e.V. Konstanz und weitere

Eintritt: frei

2019/02/11 23:45 · sw · 0 Kommentare

Uraufführung: Gerron

Im Stadttheater Konstanz wird am 2.2.2019 das Stück „Gerron“ von Charles Lewinsky uraufgeführt. Regisseurin ist Annette Gleichmann.

Das Stück basiert auf der wahren Geschichte des jüdischen Künstlers Kurt Gerron. Als Frontsoldat und Arzt im 1. Weltkrieg kämpfend, mehrfach schwer verletzt, wurde er später im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet. Er floh 1933 zunächst nach Paris, dann nach Österreich, Italien und in die Niederlande, wo er 1943 interniert wurde. Im Jahr 1944 wurden er und seine Familie in das KZ Theresienstadt deportiert. Seine Mitwirkung als Regisseur an dem im KZ gedrehten Propagandafilm “Theresienstadt“ schützte ihn nicht vor der Deportation nach Auschwitz, wo er ebenso wie die 1600 mitwirkenden Kinder nach Ende der Dreharbeiten vergast wurde.

Uraufführung: 2.2.2019, Theaterwerkstatt Inselgasse, 20 Uhr

Ticketreservierung und weitere Spielzeiten: Gerron

Quelle: Stadttheater Konstanz

2019/02/02 13:14 · sw · 0 Kommentare
 
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