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Karte von Radolfzell

Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Mahnmal am Seetorplatz

Der Seetorplatz befindet sich gegenüber dem Radolfzeller Bahnhof. Auf seiner Ostseite steht ein leicht zu übersehender Gedenkstein mit der sparsamen Inschrift „Radolfzell 22.10.1940 Gurs“. Die Inschrift verweist auf die Deportation der jüdischen Bevölkerung aus ganz Baden und der Saarpfalz unter den Nationalsozialisten.

Aus Radolfzell wurde die durchreisende Jüdin Alice Fleischel (1873-1941) deportiert. Radolfzeller SS-Einheiten waren bei der Deportation hunderter Jüdinnen und Juden aus dem Kreis Konstanz beteiligt.

Der Gedenkstein wurde im Kontext des ökumenischen Mahnmal-Projekts Neckarzimmern 2007 errichtet. Konfirmanden des Jahrgangs 2005 hatten die geschichtlichen Hintergründe recherchiert und wurden dabei vom Stadtarchiv Radolfzell unterstützt.1)

Im Juni 2013 wurde diesem bislang kommentarlosen und nicht von selbst verständlichen Gedenkstein eine vom Rotary Club Radolfzell-Hegau gestiftete Bild- und Texttafel hinzugefügt (Text: Christof Stadler), die Alice Fleischel namentlich nennt und ihre Deportation von Radolfzell nach Gurs erläutert.

Am 11.11.2008 fand am Seetorplatz eine Gedenkstunde anlässlich des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht von 1938 statt.

Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Baden und der Saarpfalz

Die Deportation Alice Fleischels geschah im Rahmen einer systematischen, ganz Baden und Teile des Saarlands betreffenden „Aktion“ (vgl. Wagner-Bürckel-Aktion), der 6.551 Jüdinnen und Juden zum Opfer fielen. Im Landkreis Konstanz waren es 314 deportierte Personen aus den Orten: Konstanz (108), Bohlingen (1), Gailingen (178), Hilzingen (2), Radolfzell (1), Randegg (17) und Wangen (7).

Der Reichsstatthalter von Baden und glühende Antisemit Robert Wagner meldete am 23. Oktober 1940 nach Berlin, sein Gau sei als erster Gau des Reiches „judenrein“.

Rolle der Radolfzeller SS-Einheiten

Mahnmal-Projekt Neckarzimmern

Der Gedenkstein auf dem Seetorplatz ist die rechte Hälfte eines halbierten Steines. Die zweite Hälfte steht zusammen mit zahlreichen anderen Gedenksteinen auf der Gedenkstätte Neckarzimmern. Das Mahnmal ist Teil eines ökumenischen Mahnmal-Projektes zur Erinnerung an die Juden-Deportation aus Baden und dem Saarland. In 137 badischen Städten werden solche Gedenksteine errichtet und jeweils eine Hälfte der Steine in Neckarzimmern aufgestellt. Ein weiteres Mahnmal dieser Art wurde im Oktober 2009 in Bohlingen aufgestellt.2)

Gedenkstunde im Jahr 2008

Ca. 100 Personen versammelten sich anlässlich des 70. Jahrestages des Novemberpogroms von 1938 am Seetorplatz vor diesem Mahnmal. Zu der Gedenkstunde hatte die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen eingeladen.3)

Quellen

Hinweis

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1) Vgl.: Torsten Lucht: Ein bewegender Stein, Südkurier, 13.6.2007
2) N.N.: Ein Stein für eine Bohlinger Bürgerin, Südkurier, 29.10.2009
3) Wagner, Claudia: Radolfzell gedenkt der Pogromnacht, Südkurier, 11.11.2008

Termine

Der Vortrag entfällt aus bekannten Gründen- Verschoben auf Herbst 2020

Vortrag VHS Konstanz - "Dr. med. Ludwig Finckh und die NS-Rassenhygiene"

Gauschulungslager des NS-Lehrerbundes (NSLB), Gaienhofen. „5. Lehrgang, Sonderkurs in Erbbiologie und Rassenkunde“, 1935. Ansichtskarte eines Kursteilnehmers an seine Familie in Pforzheim

Über Dr. med. Ludwig Finckh (1876-1964) wäre vermutlich längst das letzte Wort gesprochen und der Autor vergessen worden, wenn es sich bei ihm nur um den sogenannten „Heimat-Dichter“, den „Rosendoktor“ von der Höri gehandelt hätte. Als virulenter Nationalsozialist gibt Finckh stattdessen heute noch Anlass, sich mit seinem Fall kritisch auseinanderzusetzen. Teils als Vordenker, teils als Vortragsredner in Sachen NS-„Rassenhygiene“, betätigte sich Finckh u.a. als „Weltanschauungslehrer“ des NS-Lehrerbundes am Gauschulungslager des NSLB in Gaienhofen und an der Waffen-SS-Unterführerschule in Radolfzell. Neueste Recherchen belegen die Teilnahme von Finckhs Gauschulungslagern an eugenischen Tagungen der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau in den Jahren 1934-1938. (Text: Markus Wolter)

Referent: Markus Wolter, MA

Ort: VHS Konstanz-Singen e.V., Katzgasse 7, Astoria Saal

Datum: 24. März 2020

Zeit: 19.30 - 21.00 Uhr

Anmeldung: VHS-Konstanz

2020/01/30 12:15 · Markus Wolter · 2 Kommentare

Gerhard Zahner: "Weißes Blut". Eine dramatische Lesung zur Weihnacht

Zeit: 24.12.2019, 14.00 Uhr

Ort: THEATER-KULTUR-ZENTRUM, Fürstenbergstrasse 7a, Radolfzell

„Der Arzt Nathan Wolf (1882–1970) war Jude aus Wangen, er wurde von den Nazis vertrieben und im KZ Dachau eingesperrt und gepeinigt. Nach dem Krieg kehrte er nach Wangen, in seine Höri zurück. Er ist zurück gekehrt, nicht heimgekehrt. Die jüdische Gemeinde in der Höri vernichtet, die Synagogen zerstört. Nicht heimkehren, zurückkehren, darum geht es diesem Stück. Eine Situation, die heute so viele Flüchtlinge betrifft. Auch ihre Heimat ist für immer zerstört. Die neue Heimat ist vielleicht, solchen Menschen wie Nathan Wolf gerecht zu werden, ihrem Leben. Letztlich, wenn heute Abgeordnete aus den Protokollen der Weisen von Zion zitieren, diesem Buch aus dem Giftschrank der Verleumdung, scheitern wir alle und vertreiben uns selbst.“

Programmtext: http://www.zellerkultur.de/veranstaltungen.html

Hintergrund: https://www.wolf-wangen.com/

2019/12/14 16:25 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Der Reichspogrom 1938 am westlichen Bodensee - Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Klöckler in Radolfzell

Der 9. November 1938 im westlichen Bodenseeraum: Opfer – Täter – Zuschauer“

Vortrag in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Radolfzell und des Arbeitskreises „Erinnerung“

„Kaum ein anderes Datum der deutschen Geschichte ist so aufgeladen wie der 9. November 1938. Aus der Perspektive von Opfern und Tätern, aber auch der zahlreichen Zuschauer, sollen die Ereignisse in Radolfzell, auf der Höri sowie im westlichen Bodenseeraum rekonstruiert und in das allgemeine Verfolgungsgeschehen im Deutschen Reich eingebettet werden. Die entscheidende Rolle bei der Zerstörung der Synagogen in Wangen, Gailingen und Randegg kam der in Radolfzell stationierten SS zu. Mit Ekrasit sprengte sie unter der Verantwortung von SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen auch die Konstanzer Synagoge.“ (www.radolfzell.de)

Referent: Prof. Dr. Jürgen Klöckler, Stadtarchiv/Universität Konstanz

Ort: Stadtbibliothek Radolfzell

Zeit: Freitag, 8. November 2019, 19.30 Uhr

2019/11/07 12:56 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Verlegung des Stolpersteins für Karl Teufel

Zum Ersatz des vor rund einem Jahr im Zuge von Straßenbauarbeiten fahrlässig beseitigten und verloren gegangenen Stolpersteins für Karl Teufel wird am 28. Oktober 2019, 16.30 Uhr, in der Konstanzer Str. 30/1 ein von Gunter Demnig neu gefertigtes Exemplar verlegt.

2019/10/28 12:33 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
mahnmal_am_seetorplatz.txt · Zuletzt geändert: 2018/09/02 22:16 von sw
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