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Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



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Naturfreundehaus Markelfingen

Zeitgenössische Ansichtskarte, undatiert. Sammlung Markus Wolter.

Das Naturfreundehaus Markelfingen gehört zur 1974 eingegliederten Radolfzeller Gemeinde Markelfingen. Es ist seit 1926 im Besitz des badischen Landesverbands der Naturfreunde.

Der Singener Sozialdemokrat Heinrich Weber war von 1923 bis 1933 Vorsitzender der Singener Naturfreunde. Es ist seiner Initiative zu verdanken, dass die badischen Naturfreunde (Treuhänder: Heinrich Schlossmacher) im Jahr 1926 ein Grundstück mit 13.758 m² Fläche direkt am Bodensee ankauften und dort in den Jahren 1928-1930 das „Naturfreundhaus“ Markelfingen gebaut wurde.

Das „Bodenseeheim“ des Touristenvereins 'Die Naturfreunde' in Markelfingen. Mit dem früheren Stempel-Signet des „T.V. Die Naturfreunde“ - Zeitgenössische Ansichtskarte, gelaufen 1934, d.h. bereits nach dem Verbot der Naturfreunde 1933. Sammlung Markus Wolter

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden die Naturfreunde, die ihre Wurzeln in der Arbeiterbewegung hatten, als „marxistische Organisation“ verboten. Ihr Eigentum wurde nach Maßgabe des „Gesetzes über die Einziehung staatsfeindlichen Vermögens“ eingezogen und fiel an den NS-Staat bzw. das jeweilige Land. Neuer Eigentümer des Naturfreundehauses Markelfingen und des Grundstückes am See wurde das Land Baden, verwaltet von einem „Treuhänder für das marxistische Vermögen“ in Karlsruhe. Die ehemaligen Mitglieder, nicht selten Gewerkschafter, Sozialdemokraten oder Kommunisten, wurden verfolgt, teilweise verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt.

Von den Singener Naturfreunden ist bekannt, dass sie sich auch nach dem Verbot von 1933 weiterhin fast jeden Sonntag zu Wanderungen trafen. Der bekannte Widerstandskämpfer Johann Georg Elser, der sieben Jahre in Konstanz gelebt hatte, zählte auch zu den Naturfreunden.1)

Das ehemalige Naturfreundehaus Markelfingen wurde nach dem Verbot der Naturfreunde und dem Einzug ihres Vermögens vom „Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen“, Landesverband Baden, von 1934 bis 1945 als Jugendherberge betrieben; in dieser Zeit fanden dort u.a. Schulungs- und Sommerlager des BDM bzw. der HJ statt.

„Jugendherberge Markelfingen“, zeitgenössische Ansichtskarte, gelaufen 1941. Sammlung Markus Wolter

BDM-Mädelschar (vmtl. Untergau 114, Konstanz), N.N., BDM-Gauführerin im Stab der Reichsjugendführung, N.N., HJ-Führer (vmtl. Bann 114, Konstanz), N.N., Politischer Leiter (NSDAP), Parteigenossen (Gemeinderäte / NS-Bürgermeister Dominik Wieland(?)). Appell und politische Schulung in der Jugendherberge Markelfingen, Sommer 1943. Sammlung Markus Wolter

Naturfreunde im KZ

Am 20. Juli 1944, nach dem Attentat auf Hitler, wurden die Singener Naturfreunde-Mitglieder Jakob Kahn, Max Porzig, Jakob Strauch, Karl Jäckle, Friedrich Vallendor und Heinrich Weber im Zuge der Aktion Gitter verhaftet und ins KZ Natzweiler-Struthof verschleppt, bevor sie schließlich nach Dachau bzw. ins KZ Mauthausen kamen.2) Fritz Vallendor, ermordet am 17. 10.1944 in Dachau, und Heinrich Weber überlebten das nicht. Heinrich Weber, der von Natzweiler zunächst ins Dachauer Außenlager Allach „verlegt“ worden war, wurde am 25. September 1944 im KZ Mauthausen ermordet.3)

Für Heinrich Weber hat die Singener Stolperstein-Initiative in der Byk-Gulden-Str. 11 einen Stolperstein verlegt, für Friedrich Vallendor 2016 in der Ekkehardstr. 89.4)

Zur Feier des 90-jährigen Bestehens des Naturfreundehauses Markelfingen im Jahr 2018 wurde auf dem Areal ein Heinrich-Weber-Mahnmal eingeweiht.5)

Beschlagnahme- und Entschädigungsakten

Beschlagnahme durch die Nazis

Akten über die Beschlagnahme des Naturfreundehauses Markelfingen liegen im Bestand B 715/1 (Landratsamt Konstanz) des Staatsarchivs Freiburg.

  • Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens, hier: Naturfreundehaus in Markelfingen
    • Laufzeit: 1935-1938
    • Signatur: B 715/1 Nr. 5009

Entschädigungsverfahren

Im Bestand D 5/1 des Staatsarchivs Freiburg finden sich die Akten der Verfahren des Entschädigungsgerichts Freiburg, in denen um die Requisition von Haus und Grundstück und den von 1945 bis 1946 durch die franz. Besatzer verursachten Sachschaden verhandelt wurde.6) Die Verfahren zogen sich bis in die 1960er Jahre.

  • Touristenverein „Die Naturfreunde“, Karlsruhe wegen Requisition und Sachschaden 1945-1946 in Markelfingen
    • Laufzeit: 1949-1961
    • Signatur: D 5/1 Nr. 3914
  • Touristenverein „Die Naturfreunde“, Karlsruhe wegen Requisition und Sachschaden 1945-1946 in Markelfingen
    • Laufzeit: 1948-1957
    • Signatur: D 5/1 Nr. 3915
  • Touristenverein „Die Naturfreunde“, Karlsruhe wegen Requisition und Sachschaden 1945-1946 in Markelfingen
    • Laufzeit: 1948-1956
    • Signatur: D 5/1 Nr. 3916

Neubau des Haupthauses 2007/2008

Der markante Altbau aus den 1920er Jahren (siehe Fotos oben) wurde aufgrund seines schlechten baulichen Zustands 2007/2008 vollständig umgebaut und verlor sein vormaliges Aussehen.

Karte und Anfahrt

Das Naturfreundehaus liegt direkt am Bodensee, etwas ausserhalb von Markelfingen und ca. 3 km östlich von Radolfzell. Es ist bequem über die Radolfzeller Straße K 6170 zu erreichen.

Quellen


2) Vgl.: Gudrun Trautmann: Die Vertreibung der Singener aus dem Paradies in Markelfingen, Südkurier, 14. September 2015.
5) Vgl.: Jennifer Moog: Die Naturfreunde feiern Jubiläum, Südkurier, 17. September 2018.

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Termine

Kundgebung zum 8. Mai 2020 auf dem Luisenplatz

Anlässlich des 75. Jahrestages des Endes des deutschen Nationalsozialismus organisierte das Feministische Antifaschistische Kollektiv (FAK) auf dem Radolfzeller Luisenplatz eine Kundgebung unter dem Motto “Entnazifizierung – Heraus zum 8. Mai!”, die erst von der Radolfzeller Stadtverwaltung verboten, später dann doch noch mit Auflagen zugelassen wurde. Mehrere regionale Gruppen wie die Konstanzer Seebrücke, das OAT Konstanz, die VVN-BdA, die Linksjugend, das Rojava-Bündnis und die Singener Teestube riefen mit zur Kundgebung auf und hielten teils eigene Reden. Ca. 40 Personen waren gekommen und informierten sich anhand von Texttafeln z.B. über das unsägliche Gedenkmal das heute noch gefallene SS-Angehörige als „Opfer“ ehrt. Die Namen der SS-Angehörigen waren mit pinker Kreide hervorgehoben worden - auf den Stufen vor dem Denkmal stand „Deutsche Täter sind keine Opfer“. Das Kriegerdenkmal wurde mit VVN- und Antifafahnen verziert.

Bericht beim Feministischen Antifaschistischen Kollektiv

2020/05/09 15:34 · sw · 0 Kommentare

Der Vortrag entfällt aus bekannten Gründen- Verschoben auf Herbst 2020

Vortrag VHS Konstanz - "Dr. med. Ludwig Finckh und die NS-Rassenhygiene"

Gauschulungslager des NS-Lehrerbundes (NSLB), Gaienhofen. „5. Lehrgang, Sonderkurs in Erbbiologie und Rassenkunde“, 1935. Ansichtskarte eines Kursteilnehmers an seine Familie in Pforzheim

Über Dr. med. Ludwig Finckh (1876-1964) wäre vermutlich längst das letzte Wort gesprochen und der Autor vergessen worden, wenn es sich bei ihm nur um den sogenannten „Heimat-Dichter“, den „Rosendoktor“ von der Höri gehandelt hätte. Als virulenter Nationalsozialist gibt Finckh stattdessen heute noch Anlass, sich mit seinem Fall kritisch auseinanderzusetzen. Teils als Vordenker, teils als Vortragsredner in Sachen NS-„Rassenhygiene“, betätigte sich Finckh u.a. als „Weltanschauungslehrer“ des NS-Lehrerbundes am Gauschulungslager des NSLB in Gaienhofen und an der Waffen-SS-Unterführerschule in Radolfzell. Neueste Recherchen belegen die Teilnahme von Finckhs Gauschulungslagern an eugenischen Tagungen der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau in den Jahren 1934-1938. (Text: Markus Wolter)

Referent: Markus Wolter, MA

Ort: VHS Konstanz-Singen e.V., Katzgasse 7, Astoria Saal

Datum: 24. März 2020

Zeit: 19.30 - 21.00 Uhr

Anmeldung: VHS-Konstanz

2020/01/30 12:15 · Markus Wolter · 2 Kommentare

Gerhard Zahner: "Weißes Blut". Eine dramatische Lesung zur Weihnacht

Zeit: 24.12.2019, 14.00 Uhr

Ort: THEATER-KULTUR-ZENTRUM, Fürstenbergstrasse 7a, Radolfzell

„Der Arzt Nathan Wolf (1882–1970) war Jude aus Wangen, er wurde von den Nazis vertrieben und im KZ Dachau eingesperrt und gepeinigt. Nach dem Krieg kehrte er nach Wangen, in seine Höri zurück. Er ist zurück gekehrt, nicht heimgekehrt. Die jüdische Gemeinde in der Höri vernichtet, die Synagogen zerstört. Nicht heimkehren, zurückkehren, darum geht es diesem Stück. Eine Situation, die heute so viele Flüchtlinge betrifft. Auch ihre Heimat ist für immer zerstört. Die neue Heimat ist vielleicht, solchen Menschen wie Nathan Wolf gerecht zu werden, ihrem Leben. Letztlich, wenn heute Abgeordnete aus den Protokollen der Weisen von Zion zitieren, diesem Buch aus dem Giftschrank der Verleumdung, scheitern wir alle und vertreiben uns selbst.“

Programmtext: http://www.zellerkultur.de/veranstaltungen.html

Hintergrund: https://www.wolf-wangen.com/

2019/12/14 16:25 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Der Reichspogrom 1938 am westlichen Bodensee - Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Klöckler in Radolfzell

Der 9. November 1938 im westlichen Bodenseeraum: Opfer – Täter – Zuschauer“

Vortrag in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Radolfzell und des Arbeitskreises „Erinnerung“

„Kaum ein anderes Datum der deutschen Geschichte ist so aufgeladen wie der 9. November 1938. Aus der Perspektive von Opfern und Tätern, aber auch der zahlreichen Zuschauer, sollen die Ereignisse in Radolfzell, auf der Höri sowie im westlichen Bodenseeraum rekonstruiert und in das allgemeine Verfolgungsgeschehen im Deutschen Reich eingebettet werden. Die entscheidende Rolle bei der Zerstörung der Synagogen in Wangen, Gailingen und Randegg kam der in Radolfzell stationierten SS zu. Mit Ekrasit sprengte sie unter der Verantwortung von SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen auch die Konstanzer Synagoge.“ (www.radolfzell.de)

Referent: Prof. Dr. Jürgen Klöckler, Stadtarchiv/Universität Konstanz

Ort: Stadtbibliothek Radolfzell

Zeit: Freitag, 8. November 2019, 19.30 Uhr

2019/11/07 12:56 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
naturfreundehaus_markelfingen.1560248979.txt.gz · Zuletzt geändert: 2019/06/11 12:29 von mw
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