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Karte von Radolfzell

Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



NS-Ehrenmal

Auf dem Luisenplatz (1933-1945: Horst-Wessel-Platz) befindet sich das in der NS-Zeit entstandene „Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkriegs“1); die ursprüngliche Sockelinschrift des ganz im Sinne nationalsozialistischer Ästhetik geschaffenen Denkmals lautete bis 1958: „Die Stadt Radolfzell ihren im Weltkriege 1914-1918 gefallenen Helden“.

An diesem Ort fanden - nach der Errichtung und „Weihe“ durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938 - jährliche Heldengedenkfeiern statt.

Selbst nach Ende des Zweiten Weltkriegs und bis in die 70er Jahre hinein veranstalteten am nur marginal veränderten „Kriegerdenkmal“ ehemalige SS-Angehörige ihre öffentlichen Kundgebungen, bei denen sie ihre Kameraden der Waffen-SS ehrten.

An Volkstrauertagen gedachte und gedenkt Radolfzell hier - seit 2011 mit der neu angebrachten Textzeile über den Namenstafeln - der „Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft und der Toten aller Kriege“, dabei freilich unterschlagend, dass sich zahlreiche Täter aus den Reihen der Waffen-SS unter den genannten „Opfern“ befinden.

Im Jahr 2001 wurde seitens der Stadt eine transparente Textstele angebracht, die den nationalsozialistischen Hintergrund des Kriegerdenkmals ins Gedächtnis rief, jedoch ohne dessen martialische und den Platz dominierende Wirkung zu beeinträchtigen.

Der Radolfzeller Lehrer und Filmemacher Günter Köhler drehte im Jahr 1999 den kritischen Dokumentarfilm „Krieger-Denk-mal!“.

Im Jahr 2009 gelang es Radolfzeller Jugendlichen mit einer Kranzniederlegung an diesem Ort erstmalig während eines Volkstrauertages den Bezug zum KZ-Außenlager Radolfzell herzustellen, was eine erhebliche Dynamik in die Debatte brachte.

Am 1. August 2014, dem 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs, wurden anlässlich einer Gedenkstunde mit Vertretern der Stadtverwaltung und des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge fünf neu installierte Glas-Texttafeln zur Entstehungsgeschichte des Kriegerdenkmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Texte wurden von den Mitgliedern der städtischen Projektgruppe „Erinnerungskultur“ verfasst (Achim Fenner, Norbert Lumbe, Christof Stadler und Markus Wolter), die gestalterische Umsetzung erfolgte durch den Radolfzeller Künstler Markus Daum. Eine „künstlerische Umgestaltung“ zu einem „Platz des Friedens“ war für 2015 geplant. Nach Kritik aus der Bürgerschaft und Ablehnung eines umstrittenen Skulpturenentwurfs von Markus Daum, der die Installation von mehreren „Friedenstauben“ vorsah, beschloss der Kulturausschuss des Gemeinderates 2016 auf eine weitere, dauerhafte Umgestaltung des Platzes und des „Kriegerdenkmals“ zu verzichten.

Die kommentierenden Texttafeln 2014

Errichtung und nationalsozialistischer Kontext

„Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkriegs“, Horst-Wessel-Platz (Luisenplatz). Zeitgenösssische Bildkarte, Franckh-Verlag, gelaufen 1940. Sammlung Markus Wolter.

Das vom Konstanzer Bildhauer Paul Diesch nach einem Entwurf von Wilhelm Kollmar (Karlsruhe) geschaffene „Ehrenmal“ wurde vom ersten Kommandaten der Radolfzeller SS-Kaserne, SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen, am 22. Mai 1938 geweiht.2)

Bericht über die Ehrenmal-Weihe in der "Badischen Kriegerzeitung" des NS-Reichskriegerbundes, Nr. 23, 12. Juni 1938

Zeitgenössische Bildkarte, 1938, Franckh-Verlag, Stuttgart 3)

Großansicht (733 x 1154 Pixel)

Kommandeur der Waffen-SS-Unterführerschule Radolfzell (USR), SS-Sturmbannführer Thomas Müller; Ansprache und Kranzniederlegung an den Namenstafeln der „gefallenen Helden“ 1914/18, Heldengedenktag, März 1942. BA, Militärarchiv Freiburg.

Ehrenkompanie der USR, Kompanieführer SS-Hauptsturmführer Rudolf Gruber, Horst-Wessel-Platz, Heldengedenktag 1942. Im Hintergrund die Realschule, seit 1937 „Mettnau-Oberschule“ genannt. BA, Militärarchiv Freiburg.

Offizielle Gedenkpolitik - Kontinuitäten nach 1945

Im Jahr 2005 erklärten die Vereinten Nationen den Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“. Bereits 1996 hatte Bundespräsident Roman Herzog (1934-2017) den 27. Januar als nationalen „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ eingeführt. In seiner Proklamation umriss Herzog damals die Grundlinien einer künftigen Erinnerungskultur in Deutschland: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

Hat Radolfzell in diesem Sinn eine an den NS-Opfern ausgerichtete Form des Gedenkens und Erinnerns gefunden? Eine zentrale NS-Gedenk- und Informationsstätte gibt es in Radolfzell bis heute nicht. Seit der Installation einer Stelenskulptur von René Dantes und mehreren Informationstafeln an der ehemaligen SS-Kaserne und am SS-Schießstand 2012/13 zählt Radolfzell gleichwohl zu den von der Landeszentrale für politische Bildung ausgewiesenen „Gedenkstättenorten in Baden-Württemberg“.

Von Tätern und Opfern – Das Problem des „Kriegerdenkmals“.

In der ehemaligen SS-Garnisonsstadt, zudem Standort eines KZ-Außenlagers von Dachau, tat man sich nach 1945 schwer, persönlich oder politisch Verantwortung für die NS-Verbrechen zu übernehmen, die Opfer und Verfolgten der NS-Gewaltherrschaft angemessen zu würdigen und die Überlebenden für das erlittene Unrecht zu entschädigen; von einer historischen oder juristischen Aufarbeitung und Strafverfolgung der verantwortlichen Täter ganz zu schweigen. Wie überall im Nachkriegsdeutschland wich man beim offiziellen Gedenken, Trauern und Erinnern der historischen Verantwortung aus und beschränkte sich am neu eingeführten „Volkstrauertag“ auf die „Toten zweier Kriege“. Weder die zivilen Kriegsopfer noch die aus politischen oder rassenideologischen Gründen in der NS-Zeit millionenfach verfolgten und ermordeten Menschen wurden erwähnt. Ort des selektiven Gedenkens war und blieb das vormalige NS-„Ehrenmal für die gefallenen Helden“ des Ersten Weltkriegs, das 1938 von den Nationalsozialisten errichtete und in den Folgejahren an „Heldengedenktagen“ ideologisch in Anspruch genommene „Kriegerdenkmal“. Seine Geschichte und heroisierende NS-Ästhetik schienen der Stadtverwaltung lange Zeit kein Grund für Bedenken gewesen zu sein, so dass der „Volkstrauertag“ Jahr für Jahr an dem nur marginal veränderten Gedenkensemble aus Soldatenskulptur und Namenstafeln der militärischen „Kriegsopfer“ aus Radolfzell begangen wurde. Dabei bestimmten die örtlichen Vertreter des SS-Traditionsverbands HIAG, der 1958 dem „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ beigetreten war, bis in die 1980er Jahre das Geschehen am Luisenplatz und wurden dabei von den Nachkriegsbürgermeistern und Gemeinderäten unterstützt; nicht ohne Grund: Zwanzig Jahre nach der Einweihung des NS-„Ehrenmals“ durch die Radolfzeller SS im Jahr 1938 hatte der Gemeinderat 1958 auf Vorschlag von Stadtrat Konrad Dombrowski (1896-1985) entschieden, welchen gefallenen „Söhnen der Stadt“ (so die neue Sockelinschrift) das städtische Gedenken dort in Zukunft zu gelten habe: erstens allen gefallenen Wehrmachtssoldaten, die in Radolfzell wohnberechtigt waren, als sie zur Wehrmacht eingezogen wurden und zweitens allen gefallenen SS-Angehörigen der Garnison Radolfzell, die hier ihren gemeldeten Wohnsitz und Familie hatten. Aufgrund dieser „Auswahl“ kamen zu den „Kriegstoten“ des Ersten Weltkrieges 561 Angehörige der Wehrmacht und Waffen-SS hinzu, deren Namen auf vier Bronzetafeln an der Abschlussmauer des Gedenkensembles angebracht wurden. Dort findet man seitdem nicht nur den Namen des ersten Kasernenkommandanten, SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen verzeichnet, sondern die Namen von 102 Angehörigen der Waffen-SS, die 1937-1939 in Radolfzell stationiert, polizeilich gemeldet und/oder verheiratet waren.

„Kameradschaftstreffen“ und „Gefallenen-Ehrung“ der ehemaligen Angehörigen des III. Btl. Germania am 27./28. April 1963

Aus der Rede des ehemaligen SS-Hauptscharführers und HIAG-Kreisvorsitzenden Willi Hille, Radolfzell:

„Für lange Zeit wurde die Kaserne und die Stadt Radolfzell für Sie und für uns alle zweite Heimat. Manche Bekanntschaften, auch zärtlicher Art (sic!), wurden im Umgang mit der Bevölkerung geschlossen. Sie wissen: Das Verhältnis zur Bevölkerung war gut. Ein Großteil Verdienst daran gebührt unserem unvergesslichen Kommandeur Heinrich Koeppen. Ihr kennt ihn alle noch, den Mann mit dem immer strengen Blick. (….). Radolfzell hat uns schöne und unvergessliche Tage und Stunden bereitet. Wäre dem nicht so, dann würden nicht Jahr für Jahr immer wieder aus allen Teilen Deutschlands und aus dem Ausland Kameraden an den Ort zurückkehren, der für viele den Anfang neuen Lebens brachte.“4)

Erst anlässlich des Volkstrauertages 2011 deckte man die Sockelinschrift von 1958 ab und ließ über den Namenstafeln eine Inschrift anbringen: „Radolfzell gedenkt der Opfer der Gewaltherrschaft und der Toten aller Kriege.“ Diese stellt, unbeabsichtigt oder nicht, ihrerseits den fragwürdigen Bezug zu den gefallenen „Söhnen der Stadt“ auf den Namenstafeln her, erklärt nicht nur die nachweislichen Täter aus Wehrmacht und SS pauschal zu Kriegs-„Opfern“, sondern implizit zu „Opfern der (nationalsozialistischen) Gewaltherrschaft“.

Unter den namentlich genannten 102 Angehörigen der Waffen-SS ist der spätere SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Joachim Rumohr (1910-1945) der ranghöchste und prominenteste. Am Fallbeispiel von dessen SS-Biografie mag der grundlegende gedenkpolitische Widersinn des „Kriegerdenkmals“ deutlich werden: Radolfzell gedenkt am Luisenplatz der - namenlos bleibenden - „Opfer der Gewaltherrschaft“ - und ehrt namentlich zahlreiche Täter.

SS-Täter als "Opfer der Gewaltherrschaft" - Die über 100 Angehörigen der Waffen-SS auf den Namenstafeln von 1958

Der Fall Joachim Rumohr (1910 -1945)

Joachim Rumohr, geb. am 6. August 1910 in Hamburg, SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS, „Alter Kämpfer“, NSDAP-Nr. 216.161 (Eintritt 1930), SS-Nr. 7.450 (Eintritt 1931). Ab November 1935 Angehöriger des III./SS-Standarte „Germania“, am 31. Juli 1937 mit diesem SS-VT-Bataillon nach Radolfzell verlegt, dort Kompanieführer der 12. Kompanie. 1937-1939 in Radolfzell stationiert und polizeilich gemeldet. Seit 1937 verheiratet mit Gertrud Kabel (1916-1990) aus Sülfeld, Holstein. Das Paar, das zunächst in der SS-Siedlung, später in der Innenstadt von Radolfzell wohnte, hatte drei Kinder, die zwischen 1939 und 1944 in Singen und Radolfzell zur Welt kamen.

Am 9. November 1938, dem Vorabend der Novemberpogrome, wurde Rumohr von Heinrich Koeppen zum SS-Hauptsturmführer befördert und war mutmaßlich an den Synagogenzerstörungen von Wangen, Gailingen und Randegg beteiligt.

SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Joachim Rumohr (hier als SS-Oberführer). SSOA, Bundesarchiv Berlin.

Mit dem III./SS-VT „Germania“ nahm Rumohr am Polenfeldzug 1939 teil und 1940 mit der SS-Verfügungsdivision am Westfeldzug gegen die Niederlande, Belgien und Frankreich. Januar 1941 Kommandeur der II. Abteilung des SS-Artillerie-Regiments „Das Reich“, ab 22. Juni 1941 Teilnahme am rassenideologisch begründeten und geführten „Vernichtungskrieg“ gegen die Sowjetunion 1941-1945. Seit 1. Juni 1942 Kommandeur des SS-Artillerie-Regiments der SS-Kavallerie-Division (im März 1944 umbenannt in 8. SS-Kavallerie-Division „Florian Geyer“), die 1941-1943 für zahlreiche Kriegsverbrechen im Rahmen von sog. „Partisanen“- und „Bandenbekämpfung“ und für systematische Massenmorde an sowjetischen Juden verantwortlich war. Im April 1944 wurde Rumohr zum SS-Standartenführer befördert und übernahm als Nachfolger von Bruno Streckenbach die Führung der 8. SS-Kavallerie-Division „Florian Geyer“ im besetzten Ungarn. Der Divisionsstab war seit dem 19. März 1944 in der südungarischen Stadt Baja (Frankenstadt) stationiert. Auf Weisung der deutschen Besatzer und ungarischen Behörden begann noch im April 1944 die Zwangsghettoisierung der ungarischen Juden, so auch in Baja; gefolgt von Ghettoräumungen und Massendeportationen zwischen Mai und Juli 1941, u. a. in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau („Ungarn-Aktion“).

Als Kommandeur von zuletzt noch rund 8.000 SS-Soldaten der SS-Division „Florian Geyer“ war der zum SS-Oberführer beförderte Rumohr schließlich ab November 1944 in der Schlacht um Budapest eingesetzt.

Im Januar 1945 zum SS-Brigadeführer und General der Waffen-SS befördert, Anfang Februar 1945 mit dem „Eichenlaub zum Ritterkreuz“ ausgezeichnet, wurde Rumohr am 11. Februar 1945 bei einem Ausbruchsversuch aus Budapest verwundet und erschoss sich vor der Gefangennahme durch die Rote Armee.

Rumohr als Divisionskommandeur in Baja, Ungarn, 1944.

Joachim Rumohr (hier als SS-Standartenführer) mit dem ältesten Sohn V. (geb. 1939). Aufgenommen beim letzten „Heimaturlaub“ in Radolfzell, 1944. Man beachte die maßgeschneiderte Kinderuniform nach Vorbild der Waffen-SS-Uniform des Vaters; mit SS-Kragenspiegel, Koppelschloss („Meine Ehre heißt Treue“), Hoheitszeichen und Ärmelstreifen der SS-Div. „Florian Geyer“.5)

Das „Kriegerdenkmal“ am Luisenplatz führt Joachim Rumohr (dort fälschlich „Rühmor, Joachim“) seit 1958 als einen der gefallenen „Söhne der Stadt Radolfzell“ und zählt ihn seit 2011 - nimmt man das Schriftband über den Namenstafeln beim Wort - zu den „Opfern der Gewaltherrschaft“(!).

Markus Wolter, 2017.

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Quellenliteratur:

Schulz, Andreas (Hrsg.): Deutschlands Generale und Admirale. Die Generale der Waffen-SS und der Polizei 1933 – 1945. Band 4. Bissendorf, Biblio Verlag 2009, S. 350 ff.

Martin Cüppers: Wegbereiter der Shoah. Die Waffen-SS, der Kommandanturstab Reichsführer SS und die Judenvernichtung 1939-1945. Darmstadt, WBG 2011.

Richard Landwehr: Budapest. The Stalingrad of the Waffen-SS. New York 1998.

Bildergalerie

Die 1958 angebrachte, nicht minder fragwürdige Sockelinschrift - „Die Stadt Radolfzell ihren in den Weltkriegen 1914-1918 und 1939-1945 gefallenen Söhnen“ - wurde für den Volkstrauertag 2010 zwar vorübergehend mit einer Holzplatte abgedeckt (so auf dieser Fotografie), war aber danach wieder monatelang offen sichtbar. Der Text eines 2010 ebenfalls kurzzeitig angebrachten Schriftbanners (siehe unten) wurde im November 2011 in Metall-Lettern über den Namenstafeln dauerhaft angebracht: „Radolfzell gedenkt der Opfer der Gewaltherrschaft und der Toten aller Kriege.“ Im Vorfeld des Volkstrauertages 2011 wurde schließlich die Sockelinschrift von 1958 abermals, dieses Mal mit einer Steinplatte abgedeckt.

Die im November 2011 angebrachte Inschrift über den Namenstafeln6)

Unter der Inschrift „„Radolfzell gedenkt der Opfer der Gewaltherrschaft und der Toten aller Kriege“ wird am Luisenplatz in Radolfzell (ehem.: Horst-Wessel-Platz) jedes Jahr eine Gedenk-Zeremonie abgehalten. Für Außenstehende irritierend: Die darunter aufgeführten Personen waren vorwiegend Täter, nämlich Wehrmachtssoldaten und etwa 100 Angehörige der Waffen-SS. Das Kriegerdenkmal verzeichnet weder getötete ZivilistInnen noch die Ermordeten des Radolfzeller Außenkommandos des KZ Dachau.

Radolfzell gedenkt der „Opfer“ der Gewaltherrschaft

Bronzeplatte am Luisenplatz, u.a. mit der Inschrift des Kommandanten der Radolfzeller SS-Kaserne, Heinrich Koeppen

Rede des Alt-OB Jörg Schmidt, Volkstrauertag, 14.11.2010

Bronzeplatte mit Namen der „Kombattanten“ des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71

Transparente Text-Stele am Luisenplatz (2001)

„Als dieses Denkmal 1938 aufgestellt wurde, waren die Planungen für den nächsten Krieg und den Holocaust schon weit fortgeschritten. Millionen Männer, Frauen und Kinder wurden Opfer der nationalsozialistischen Unmenschlichkeit.“

Die kommentierenden Texttafeln (2014) zur Entstehungsgeschichte des Kriegerdenkmals und zur Geschichte der „Gedenkkultur“ an diesem Ort

Fotografie: Markus Wolter, 2014.

Die Texte auf den einzelnen Tafeln

Quellen


1) Beschriftung einer Bildkarte des Ehrenmals, datiert 13.9.1938
2), 3) zit.n. Wolter 2010
4) Zit. nach dem Verbandsorgan der HIAG, „Der Freiwillige“, BArch-MA Freiburg, N756/108 b.
5) Fotografien in Privatbesitz, V. Rumohr.
6) Fotografie Christof Stadler

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Termine

Politischer Widerstand in Konstanz während des Nationalsozialismus

Vortrag von Dr. Uwe Brügmann am 27. Januar 2017 um 19:30 Uhr im Astoria-Saal der vhs Konstanz. Eine Veranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Es waren vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten, die in vielfältiger Form Widerstand leisteten; Widerstand aus der bürgerlichen Mitte (Zentrumspartei) ist in Konstanz bislang nicht belegt. Zum Widerstand gehörte der Schmuggel von politischen Broschüren aus der Schweiz nach Deutschland, Sabotage in Betrieben, Fluchthilfe in die Schweiz, kommunistische Propaganda, Abhören von ausländischen Sendern und, weit verbreitet, Schimpfen über die politischen Verhältnisse und nationalsozialistische Funktionsträger. Auch die religiös motivierte Weigerung der Zeugen Jehovas, sich den nationalsozialistischen Machthabern unterzuordnen, war politischer Widerstand, denn wer den Hitlergruß und den Wehrdienst verweigerte, opponierte offen und für jedermann sichtbar gegen das NS-Regime. Das totalitäre NS-Regime ging gegen die Konstanzer Frauen und Männer, die den Mut zum Widerstand hatten, mit äußerster Härte vor; einige von ihnen wurden durch Sondergerichte zum Tod verurteilt, viele andere wurden zu langjährigen Haftstrafen in Gefängnissen oder Konzentrationslagern verurteilt.

Der Vortrag beleuchtet die verschiedenen Formen des politischen Widerstands in Konstanz, untersucht die Motive der Akteure und die Rolle der verbotenen SPD und KPD, vor allem aber soll an die Einzelschicksale jener Menschen erinnern werden, die in der dunklen Zeit des Nationalsozialismus den Mut hatten, Widerstand gegen ein unmenschliches System leisteten.

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturbüro der Stadt Konstanz, vhs Konstanz-Singen e.V.

2016/12/15 23:12 · sw · 0 Kommentare

Hesse-Museum Gaienhofen: Szenische Lesung, Buchvorstellung und Vortrag über den NS-Aktivisten, Arzt und Schriftsteller Dr. Ludwig Finckh (1876-1964)

Ludwig Finckh mit Stabsoffizieren der Waffen-SS aus Radolfzell, Posen-Treskau und Lauenburg/Pommern bei einem Ortstermin in Gaienhofen, „Auf Heiden“, August 1943. Fotografie: Stadtarchiv Reutlingen.

Im Anschluss an die szenische Lesung des Bühnenstücks „Sonnwend“ von Gerhard Zahner - Vortragender Jo Vossenkuhl und Haro von Eden (Klarinette) - wird Dr. Wolfgang Proske den 2016 erschienenen Band "NS-Belastete aus dem Bodenseeraum" aus der Reihe „Täter, Helfer, Trittbrettfahrer“ vorstellen.

Markus Wolter, einer der Buchautoren, spricht zum Thema seines Aufsatzes: “'Blutsbewusstsein' - Dr. Ludwig Finckh und die SS“.

Ort: Hesse-Museum Gaienhofen

Datum: 18. November 2016

Zeit: 19.00 Uhr

Veranstalter: Hesse-Museum Gaienhofen

2016/11/12 13:24 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Einladung zur Mithilfe beim Stolperstein-Putzen

Am 9. November um 18 Uhr beteiligt sich die Inititiative für Stolpersteine in Radolfzell wieder an der bundesweiten Mahnwache gegen die Novemberprogrome des 9. auf den 10. November 1938 und ruft zur Mitarbeit beim Putzen der Steine auf.

In Radolfzell und Markelfingen wurden mittlerweile 23 Stolpersteine verlegt, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Diese Mahnmale bedürfen einiger Pflege, u.a. müssen sie mindestens einmal pro Jahr geputzt werden, damit das verwendete Material (Messing) sich farblich nicht zu sehr verändert. Hierzu benötigt die Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ die praktische Mithilfe.

Alle Interessierten sind eingeladen, dazu am Mittwoch, den 9.11.2016 um 18 Uhr zum Seetorplatz zu kommen und sich anschließend auf die Verlegeorte zu verteilen.

Wer sich an der Gedenkaktion beteiligen will, kann sich auch im Vorfeld unter info@stolpersteine-radolfzell.der melden, um sich von der Initiative für einen entsprechenden Stolperstein in der Nähe seines Wohnortes einteilen zu lassen. Orte von verlegten Stolpersteine finden sich auf dieser Karte, eine Zusammenstellung der Adressen findet sich hier.

Auf der Website der Konstanzer Stolpersteininitiative gibt es Anleitungen, wie der Putzvorgang möglichst einfach vonstatten geht.

Doch das Putzen ist nur die eine Seite dieser Gedenkaktion. Mindestens genau so wichtig ist es, die verlegten Steine und die damit verbundenen Zusammenhänge immer wieder ins Gedächtnis zu rufen und zu mahnen, auf dass die Verbrechen des Nationalsozialismus sich nicht wiederholen. So werden die mitgebrachten Kerzen eine besondere Stimmung verbreiten, PassantInnen werden stehen bleiben und sich gerne auf ein Gespräch einlassen. Flugblätter erläutern die oftmals unglaublichen und erschütternden Biografien der Personen, für die der jeweilige Stolperstein verlegt wurde.

2016/11/07 09:14 · sw · 0 Kommentare

Gailinger Juden und ihre Verbindung zu Konstanz

Vortrag von Joachim Klose (Jüdisches Museum Gailingen) bei der Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht am 9. November 2016 um 19:30 Uhr im Konstanzer Kulturzentrum am Münster, Wolkensteinsaal

http://stolpersteine-konstanz.de/index.html?termine.htm

Gedenken: 22. Oktober 1940

Am 22. Oktober 1940 werden mehr als 6500 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Baden und der Saarpfalz in das südfranzösische Internierungslager Gurs (siehe Abbildung) deportiert (Wagner-Bürckel-Aktion).

Im Landkreis Konstanz ist an diesem Tag neben lokaler Ordnungspolizei und Gestapo das SS-Totenkopf-Bataillon aus Radolfzell im Einsatz, das die jüdischen Einwohner von Wangen, Gailingen und Randegg zusammentreibt und in LKWs an die Bahnhöfe von Radolfzell und Singen fährt.

Am Radolfzeller Bahnhof werden sieben jüdische Frauen und Männer aus Wangen und die seit April 1940 im „Bahnhofhotel Schiff“ logierende Alice Fleischel (1873–1941) in den aus Konstanz-Petershausen eingefahrenen Deportationszug der Deutschen Reichsbahn verbracht, in dem sich bereits 108 Konstanzer Jüdinnen und Juden befinden. In Singen hält der Zug erneut und 178 jüdische Bürgerinnen und Bürger von Gailingen, Randegg, Hilzingen und Bohlingen kommen dazu. Vier Tage und Nächte später erreicht der Zug das Lager Gurs.

„Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst.“

2016/10/22 11:12 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
ns-ehrenmal.txt · Zuletzt geändert: 2017/02/21 09:58 von mw
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