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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

ns-ehrenmal [2018/06/14 08:34]
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ns-ehrenmal [2018/09/07 09:23] (aktuell)
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Das vom Konstanzer Bildhauer Paul Diesch nach einem Entwurf von Wilhelm Kollmar (Karlsruhe) geschaffene "Ehrenmal" wurde vom ersten Kommandaten der Radolfzeller [[ss-kaserne|SS-Kaserne]],  SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen, am 22. Mai 1938 geweiht.[(wolter>zit.n. [[http://antiquariat-wolter.de/media/ba32339ac2122375ffff809ffffffff1.pdf|Wolter 2010]])] Das vom Konstanzer Bildhauer Paul Diesch nach einem Entwurf von Wilhelm Kollmar (Karlsruhe) geschaffene "Ehrenmal" wurde vom ersten Kommandaten der Radolfzeller [[ss-kaserne|SS-Kaserne]],  SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen, am 22. Mai 1938 geweiht.[(wolter>zit.n. [[http://antiquariat-wolter.de/media/ba32339ac2122375ffff809ffffffff1.pdf|Wolter 2010]])]
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{{:microsoft_photo_-_ehrenmal-weihe_2.pdf|Bericht über die "Ehrenmal"-Weihe in der "Badischen Kriegerzeitung" des NS-Reichskriegerbundes, Nr. 23, 12. Juni 1938}} {{:microsoft_photo_-_ehrenmal-weihe_2.pdf|Bericht über die "Ehrenmal"-Weihe in der "Badischen Kriegerzeitung" des NS-Reichskriegerbundes, Nr. 23, 12. Juni 1938}}
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Zeitgenössische Bildkarte, 1938, Franckh-Verlag, Stuttgart. Sammlung Markus Wolter. Zeitgenössische Bildkarte, 1938, Franckh-Verlag, Stuttgart. Sammlung Markus Wolter.
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**Aufgrund dieser Direktive hätte das Radolfzeller NS-"Ehrenmal" ("Kriegerdenkmal") von 1938 bis zum 1. Januar 1947 / 5. Mai 1955 "vollständig zerstört und beseitigt" werden müssen.** **Aufgrund dieser Direktive hätte das Radolfzeller NS-"Ehrenmal" ("Kriegerdenkmal") von 1938 bis zum 1. Januar 1947 / 5. Mai 1955 "vollständig zerstört und beseitigt" werden müssen.**
-Warum die Direktive in Radolfzell nicht umgesetzt wurde, das "Ehrenmal" also nicht nur nicht "vollständig zerstört und beseitigt" wurde, sondern - bis auf die Entfernung des Hoheitszeichens mit Hakenkreuz - bis 1958 unverändert blieb, ist bislang nicht geklärt.   +Warum die Direktive in Radolfzell nicht umgesetzt wurde, das "Ehrenmal" also nicht nur nicht "vollständig zerstört und beseitigt" wurde, sondern - bis auf die Entfernung des Hoheitszeichens mit Hakenkreuz - bis 1958 unverändert blieb, ist bislang ungeklärt.  
-Offen ist auch die Frage, ob der Abriss des "Ehrenmals" als von der Direktive betroffenes Relikt des Nationalsozialismus 1946/47 überhaupt zur Dispoition stand bzw. ob in Radolfzell "die zuständigen Militärbehörden (...) örtliche deutsche Beamte" benannt haben, "die innerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches die Verantwortung  für die Aufstellung vollständiger Verzeichnisse von Gedenkstätten tragen" sollten, "die unter das Verbot nach § I dieser Direktive fallen und nach § II zur Vernichtung und Beseitigung bestimmt sind."+Offen ist auch die Frage, ob der Abriss des "Ehrenmals" als von der Direktive betroffenes Relikt des Nationalsozialismus 1946/47 überhaupt zur Disposition stand bzw. ob in Radolfzell "die zuständigen Militärbehörden (...) örtliche deutsche Beamte" benannt haben, "die innerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches die Verantwortung  für die Aufstellung vollständiger Verzeichnisse von Gedenkstätten tragen" sollten, "die unter das Verbot nach § I dieser Direktive fallen und nach § II zur Vernichtung und Beseitigung bestimmt sind."
-In den im Stadtarchiv Radolfzell überlieferten Akten aus der frühen Besatzungszeit gibt es nach bisherigem Kenntnisstand (Juni 2018) keine das "Kriegerdenkmal" betreffenden Verordnungen oder Anweisungen; auch die Kontrollratsdirektive selbst scheint in Radolfzell nicht aktenkundig geworden zu sein.+In den im Stadtarchiv Radolfzell überlieferten Akten aus der frühen Besatzungszeit gibt es nach bisherigem Kenntnisstand (Juni 2018) keine solchen, das "Kriegerdenkmal" betreffenden Dokumente der Stadtverwaltung bzw. diesbezüglichen Anordnungen der französischen Behörde; auch die Kontrollratsdirektive selbst scheint in Radolfzell nicht aktenkundig geworden zu sein.
-Auffällig ist, dass 1956, also nur ein Jahr nach Außerkraftsetzung der Kontrollratsdirektive, postwendend Fakten geschaffen wurden, die gegen deren Bestimmungen verstießen: so etwa mit dem neuen Straßennamen "Landserweg" im "Kasernengebiet"; ausdrücklich verstanden als "Ehrung des einfachen deutschen Soldaten der beiden Weltkriege", und damit laut Direktive darauf abzielend, "die deutsche militärische Tradition zu bewahren und lebendig zu erhalten" (Paragraph I). Dann aber auch mit der 1956 von Bürgermeister Hermann Albrecht geforderten, 1958 abgeschlossenen „gründlichen Bearbeitung“ des „Ehrenmal“-Ensembles, bei der auf den zusätzlichen Namenstafeln mit den "Gefallenen" auch Angehörige der Waffen-SS berücksichtigt wurden; ein Umstand, der Beseitigung des "Gefallenendenkmals" zwingend erfordrlich gemacht hätte.(Vgl. Paragraph IV).  +Es fällt dagegen auf, dass 1956, also nur ein Jahr nach Außerkraftsetzung der Kontrollratsdirektive, umgehend Fakten geschaffen wurden, die ex post gegen deren Bestimmungen verstießen: so etwa der neue Straßenname "Landserweg" im "Kasernengebiet"; ausdrücklich verstanden als "Ehrung des einfachen deutschen Soldaten der beiden Weltkriege", und damit im Wortlaut der Direktive darauf abzielend, "die deutsche militärische Tradition zu bewahren und lebendig zu erhalten" (Paragraph I). Dann aber auch die 1956 von Bürgermeister Hermann Albrecht geforderte, 1958 abgeschlossene „gründliche Bearbeitung“ des „Ehrenmal“-Ensembles, bei der auf den zusätzlichen Namenstafeln der 1939-1945 "Gefallenen" auch 102 Angehörige der Waffen-SS berücksichtigt wurden; ein Umstand, der die Beseitigung des "Gefallenendenkmals" zwingend erforderlich gemacht hätte, weil es spätestens damit aufhörte, ein "Gedenkstein (...) lediglich zum Andenken an verstorbene Angehörige regulärer militärischer Einheiten" zu sein(vgl. Paragraph IV).  
 + 
 +Markus Wolter, 2018
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Hat Radolfzell in diesem Sinn eine an den NS-Opfern ausgerichtete Form des Gedenkens und Erinnerns gefunden? Eine zentrale NS-Gedenk- und Informationsstätte gibt es in Radolfzell bis heute nicht. Seit der Installation einer Stelenskulptur von René Dantes und mehreren Informationstafeln an der ehemaligen SS-Kaserne und am SS-Schießstand 2012/13 zählt Radolfzell gleichwohl zu den von der Landeszentrale für politische Bildung ausgewiesenen „Gedenkstättenorten in Baden-Württemberg“. Hat Radolfzell in diesem Sinn eine an den NS-Opfern ausgerichtete Form des Gedenkens und Erinnerns gefunden? Eine zentrale NS-Gedenk- und Informationsstätte gibt es in Radolfzell bis heute nicht. Seit der Installation einer Stelenskulptur von René Dantes und mehreren Informationstafeln an der ehemaligen SS-Kaserne und am SS-Schießstand 2012/13 zählt Radolfzell gleichwohl zu den von der Landeszentrale für politische Bildung ausgewiesenen „Gedenkstättenorten in Baden-Württemberg“.
-**Von Tätern und Opfern – Die "Erinnerungskultur" der HIAG in Radolfzell** +**Von Tätern und Opfern – Die Geburt der Radolfzeller "Erinnerungskultur" aus dem Geist des Revisionismus**
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-In der ehemaligen SS-Garnisonsstadt, zudem Standort eines KZ-Außenlagers von Dachau, tat man sich nach 1945 schwer, persönlich oder politisch Verantwortung für die NS-Verbrechen zu übernehmen, die Opfer und Verfolgten der NS-Gewaltherrschaft angemessen zu würdigen und die Überlebenden für das erlittene Unrecht zu entschädigen; von einer historischen oder juristischen Aufarbeitung und Strafverfolgung der verantwortlichen Täter ganz zu schweigen. Wie überall im Nachkriegsdeutschland wich man beim offiziellen Gedenken, Trauern und Erinnern der historischen Verantwortung aus und beschränkte sich am neu eingeführten „Volkstrauertag“ auf die „Toten zweier Kriege“. Weder die zivilen Kriegsopfer noch die aus politischen oder rassenideologischen Gründen in der NS-Zeit millionenfach verfolgten und ermordeten Menschen wurden erwähnt. Ort des selektiven Gedenkens war und blieb das vormalige NS-„Ehrenmal für die gefallenen Helden“ des Ersten Weltkriegs, das 1938 von den Nationalsozialisten errichtete und in den Folgejahren an „Heldengedenktagen“ ideologisch in Anspruch genommene „Kriegerdenkmal“. Seine Geschichte und heroisierende NS-Ästhetik schienen der Stadtverwaltung lange Zeit kein Grund für Bedenken gewesen zu sein, so dass der „Volkstrauertag“ Jahr für Jahr an dem nur marginal veränderten Gedenkensemble aus Soldatenskulptur und Namenstafeln der militärischen "Kriegsopfer“ aus Radolfzell begangen wurde. Dabei bestimmten die Radolfzeller Vertreter des [[https://de.wikipedia.org/wiki/Hilfsgemeinschaft_auf_Gegenseitigkeit_der_Angeh%C3%B6rigen_der_ehemaligen_Waffen-SS|SS-Traditionsverbands HIAG]]  - v.a. die ehemaligen Angehörigen der SS-"Germania" Willi Hille (HIAG-Kreisvorsitzender)[(Willi Hille, geb. 1915 in Oschersleben, gest. ? in Radolfzell. III./SS-VT "Germania", seit 31. Juli 1937 in Radolfzell. Letzter Dienstgrad: SS-Hauptscharführer, Teilnahme am Polenfeldzug; weitere Dienststellungen unbekannt, 1944/45 Kasernenverwaltung, Schreiber und Kassenwart der USR. Nach 1945 in Radolfzell, Schubertstr. 10, wohnhaft. Kreisvorsitzender der HIAG, Organisator regelmäßiger HIAG-Kameradschaftstreffen in Radolfzell (Gasthof 'Zum Kreuz'); Autor einer Bataillonsgeschichte des III.SS-VT "Germania", die 1967 im Selbstverlag erschien.)]  und SPD-Stadtrat Heinrich ("Heini", "Heinz") Winzenburg[(Heinrich Winzenburg, geb. 17.9.1913 in Seesen, gest. 1988 in Radolfzell. SS-Nr. 43 090, SS-Mann (25.9.1935; SS-Befehlsblatt, 3.Jahrgang, Nr.9), 9/51. SS-Standarte "Harz", Göttingen, Allgemeine SS; ab 10.4.1935 Wechsel zur 10.SS-VT "Germania", Hamburg, SS-Lager Wolterdingen bei Soltau; ab 1.3.1938 9.SS-VT "Germania" Radolfzell; mit dem III./SS-VT "Germania" Teilnahme am Polenfeldzug 1939 und in der SS-Division VT am Westfeldzug 1940; "Sicherung der Niederlande" 1940; Febr. 1942 - Febr. 1943 1.SS-Pz.Gren.Ers.Btl. "Germania"; danach "Osteinsatz", Februar - Juni 1943 6.(Gen.)Kradsch. Ers. Btl., Ellwangen, danach SS-Pz. Aufkl.Ausb.u.Ers.Abt.2, Arolsen. Weitere Einsätze unbekannt. Letzter Dienstgrad: SS-Hauptscharführer. Amerikanische Kriegsgefangenschaft, zuletzt Internierungslager Darmstadt, dort 1947 entlassen, Rückkehr nach Radolfzell, Zangererstr. 14. Feinmechaniker bei Allweiler, Betriebsratsvorsitzender, Stadtverordneter, Bürgerausschuss (1961), SPD-Stadtrat, SPD-Ortsvereinsvorsitzender (1971-1976). Aktives Mitglied der HIAG, Organisator regelmäßiger HIAG- und "Germania"-Kameradschaftstreffen in Radolfzell. 1979 Berichterstattung im "Spiegel", die Winzenburgs Doppelmitgliedschaft in HIAG und SPD problematisiert; unfreiwilliger Austritt aus der SPD; vgl.: [[http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40351411.html|Ungeeigneter Weg. Ehemalige Angehörige der Waffen-SS, die sich in der HIAG organisiert haben, sollen die SPD verlassen, fordern linke Genossen.]] In: Der Spiegel 7 (1979.) Die Bundes-SPD stellte schließlich am 17.11.1981 die grundsätzliche Unvereinbarkeit von SPD- und HIAG-Mitgliedschaft fest.)], Hans Witzstrock, Eduard Klejewski, Eduard Helmholtz, Heinz Berendt, Wohlfahrt  u.a. - bis in die späten  1970er Jahre das Geschehen am Luisenplatz und wurden dabei von den Bürgermeistern und Gemeinderäten unterstützt; nicht ohne Grund: 1958 war die HIAG dem „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ beigetreten. Im selben Jahr, zwanzig Jahre nach der Einweihung des NS-„Ehrenmals“ durch die Radolfzeller SS im Jahr 1938, hatte der Gemeinderat auf Vorschlag von Stadtrat und Lehrer Konrad Dombrowski (1896-1985; ehemaliges NSDAP-Mitglied und Hauptmann der Wehrmacht) entschieden, welchen gefallenen „Söhnen der Stadt“ (so die neue Sockelinschrift) das städtische Gedenken dort in Zukunft zu gelten habe: erstens allen gefallenen Wehrmachtssoldaten, die in Radolfzell wohnberechtigt waren, als sie zur Wehrmacht eingezogen wurden und zweitens allen gefallenen SS-Angehörigen der Garnison Radolfzell, die hier ihren gemeldeten Wohnsitz und Familie hatten. Aufgrund dieser „Auswahl“ kamen zu den „Kriegstoten“ des Ersten Weltkrieges 561 Angehörige der Wehrmacht und Waffen-SS hinzu, deren Namen auf vier Bronzetafeln an der Abschlussmauer des Gedenkensembles angebracht wurden. Dort findet man seitdem nicht nur den Namen des ersten Kasernenkommandanten, SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen verzeichnet, sondern die Namen von 102 Angehörigen der Waffen-SS, die 1937-1939 in Radolfzell stationiert, polizeilich gemeldet und/oder verheiratet waren. +
 +In der ehemaligen SS-Garnisonsstadt, zudem Standort eines KZ-Außenlagers von Dachau, tat man sich nach 1945 schwer, persönlich oder politisch Verantwortung für die NS-Verbrechen zu übernehmen, die Opfer und Verfolgten der NS-Gewaltherrschaft angemessen zu würdigen und die Überlebenden für das erlittene Unrecht zu entschädigen; von einer historischen oder juristischen Aufarbeitung und Strafverfolgung der verantwortlichen Täter ganz zu schweigen. Wie überall im Nachkriegsdeutschland wich man beim offiziellen Gedenken, Trauern und Erinnern der historischen Verantwortung aus und beschränkte sich am neu eingeführten „Volkstrauertag“ auf die „Toten zweier Kriege“. Weder die zivilen Kriegsopfer noch die aus politischen oder rassenideologischen Gründen in der NS-Zeit millionenfach verfolgten und ermordeten Menschen wurden erwähnt. Ort des selektiven Gedenkens war und blieb das vormalige NS-„Ehrenmal für die gefallenen Helden“ des Ersten Weltkriegs, das 1938 von den Nationalsozialisten errichtete und in den Folgejahren an „Heldengedenktagen“ ideologisch in Anspruch genommene „Kriegerdenkmal“. Seine Geschichte und heroisierende NS-Ästhetik schienen der Stadtverwaltung lange Zeit kein Grund für Bedenken gewesen zu sein, so dass der „Volkstrauertag“ Jahr für Jahr an dem nur marginal veränderten Gedenkensemble aus Soldatenskulptur und Namenstafeln der militärischen "Kriegsopfer“ aus Radolfzell begangen wurde. Dabei bestimmten die Radolfzeller Vertreter des [[https://de.wikipedia.org/wiki/Hilfsgemeinschaft_auf_Gegenseitigkeit_der_Angeh%C3%B6rigen_der_ehemaligen_Waffen-SS|SS-Traditionsverbands HIAG]]  - v.a. die ehemaligen Angehörigen der SS-"Germania" Willi Hille (HIAG-Kreisvorsitzender)[(Willi Hille, geb. 1915 in Oschersleben, gest. ? in Radolfzell. III./SS-VT "Germania", seit 31. Juli 1937 in Radolfzell. Letzter Dienstgrad: SS-Hauptscharführer, Teilnahme am Polenfeldzug; weitere Dienststellungen unbekannt, 1944/45 Kasernenverwaltung, Schreiber und Kassenwart der USR. Nach 1945 in Radolfzell, Schubertstr. 10, wohnhaft. Kreisvorsitzender der HIAG, Organisator regelmäßiger HIAG-Kameradschaftstreffen in Radolfzell (Gasthof 'Zum Kreuz'); Autor einer Bataillonsgeschichte des III.SS-VT "Germania", die 1967 im Selbstverlag erschien.)]  und SPD-Stadtrat Heinrich ("Heini", "Heinz") Winzenburg[(Heinrich Winzenburg, geb. 17.9.1913 in Seesen, gest. 1988 in Radolfzell. SS-Nr. 43 090, SS-Mann (25.9.1935; SS-Befehlsblatt, 3.Jahrgang, Nr.9), 9/51. SS-Standarte "Harz", Göttingen, Allgemeine SS; ab 10.4.1935 Wechsel zur 10.SS-VT "Germania", Hamburg, SS-Lager Wolterdingen bei Soltau; ab 1.3.1938 9.SS-VT "Germania" Radolfzell; mit dem III./SS-VT "Germania" Teilnahme am Polenfeldzug 1939 und in der SS-Division VT am Westfeldzug 1940; "Sicherung der Niederlande" 1940; Febr. 1942 - Febr. 1943 1.SS-Pz.Gren.Ers.Btl. "Germania"; danach "Osteinsatz", Februar - Juni 1943 6.(Gen.)Kradsch. Ers. Btl., Ellwangen, danach SS-Pz. Aufkl.Ausb.u.Ers.Abt.2, Arolsen. Weitere Einsätze unbekannt. Letzter Dienstgrad: SS-Hauptscharführer. Amerikanische Kriegsgefangenschaft, zuletzt Internierungslager Darmstadt, dort 1947 entlassen, Rückkehr nach Radolfzell, Zangererstr. 14. Feinmechaniker bei Allweiler, Betriebsratsvorsitzender, Stadtverordneter, Bürgerausschuss (1961), SPD-Stadtrat, SPD-Ortsvereinsvorsitzender (1971-1976). Aktives Mitglied der HIAG, Organisator regelmäßiger HIAG- und "Germania"-Kameradschaftstreffen in Radolfzell. 1979 Berichterstattung im "Spiegel", die Winzenburgs Doppelmitgliedschaft in HIAG und SPD problematisiert; unfreiwilliger Austritt aus der SPD; vgl.: [[http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40351411.html|Ungeeigneter Weg. Ehemalige Angehörige der Waffen-SS, die sich in der HIAG organisiert haben, sollen die SPD verlassen, fordern linke Genossen.]] In: Der Spiegel 7 (1979.) Die Bundes-SPD stellte schließlich am 17.11.1981 die grundsätzliche Unvereinbarkeit von SPD- und HIAG-Mitgliedschaft fest.)], Hans Witzstrock, Eduard Klejewski, Eduard Helmholtz, Heinz Berendt, Wohlfahrt  u.a. - bis in die späten  1970er Jahre das Geschehen am Luisenplatz und wurden dabei von den Bürgermeistern und Gemeinderäten unterstützt; nicht ohne Grund: 1958 war die HIAG dem „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ beigetreten. Im selben Jahr, zwanzig Jahre nach der Einweihung des NS-„Ehrenmals“ durch die Radolfzeller SS im Jahr 1938, hatte der Gemeinderat auf Vorschlag von Stadtrat und Lehrer Konrad Dombrowski (1896-1985; ehemaliges NSDAP-Mitglied und Hauptmann der Wehrmacht) entschieden, welchen gefallenen „Söhnen der Stadt“ (so die neue Sockelinschrift) das städtische Gedenken dort in Zukunft zu gelten habe: erstens allen gefallenen Wehrmachtssoldaten, die in Radolfzell wohnberechtigt waren, als sie zur Wehrmacht eingezogen wurden und zweitens allen gefallenen SS-Angehörigen der Garnison Radolfzell, die hier ihren gemeldeten Wohnsitz und Familie hatten. Aufgrund dieser „Auswahl“ kamen zu den „Kriegstoten“ des Ersten Weltkrieges 561 Angehörige der Wehrmacht und Waffen-SS hinzu, deren Namen auf vier Bronzetafeln an der Abschlussmauer des Gedenkensembles angebracht wurden. Dort findet man seitdem nicht nur den Namen des ersten Kasernenkommandanten, SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen verzeichnet, sondern die Namen von 102 Angehörigen der Waffen-SS, die 1937-1939 in Radolfzell stationiert, polizeilich gemeldet und/oder verheiratet waren.
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 +Zu Konrad Dombrowski und zur Umgestaltung des NS-Ehrenmals 1958, Südkurier, 13. März 1958.
 +{{gallery>:umgestaltung_kd_1958_-_dombrowski-3.jpg?500x500}}
 +"Würdige Stätte des Gedenkens, Trauerns und Hoffens" - Der Südkurier-Bericht vom 21. Juli 1938 zur Einweihung des nach den Vorgaben Konrad Dombrowskis "umgestalteten Kriegerdenkmals" am "Hausherrentag", 19. Juli 1958.
**"Kameradschaftstreffen" und "Gefallenen-Ehrung" der ehemaligen Angehörigen des III. Btl. Germania am 27./28. April 1963** **"Kameradschaftstreffen" und "Gefallenen-Ehrung" der ehemaligen Angehörigen des III. Btl. Germania am 27./28. April 1963**

Termine

22. Oktober 1940

Im Gedenken, gegen das Vergessen

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Am 22. Oktober jährt sich zum 78. Mal die Massendeportation von 6551 badischen und saarpfälzischen Juden in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Jahr 1940. Die nach den verantwortlichen Gauleitern Robert Wagner (Baden) und Josef Bürckel (Saarpfalz) bezeichnete „Aktion“ war die Fortsetzung der systematischen Erfassung, Isolation, Entrechtung und staatlichen Beraubung der deutschen Juden seit 1933 und zugleich der Vorlauf zu ihrer Ermordung in den deutschen Vernichtungslagern im besetzten Polen und im Baltikum nach 1941. Das Bestreben des glühenden Antisemiten Wagner und dessen Amtskollegen Bürckel war es gewesen, zwei Jahre nach der Reichspogromnacht von 1938 die „Judenfrage“ - als eine der ersten im Deutschen Reich – „territorial“ zu lösen. Bei der Umsetzung der Deportationspläne im Landkreis Konstanz waren lokale Ordnungspolizei, Konstanzer Gestapo und vor allem das in der Radolfzeller Kaserne stationierte SS- Totenkopf-Infanterie-Ersatz-Bataillon im Einsatz, das die Juden von Wangen, Gailingen und Randegg zusammentrieb und in LKWs an die Bahnhöfe fuhr. Von den aus Baden in sieben Zügen der Reichsbahn deportierten 5592 Juden überlebten nur 750, 2000 wurden 1942 in die Konzentrationslager Majdanek und Auschwitz verschleppt und ermordet. Der Gau Baden sei „judenrein“, vermeldeten die NS-Täter im Herbst 1940 befriedigt; die Deportationen seien „reibungslos und ohne Zwischenfälle“ verlaufen und „von der Bevölkerung kaum wahrgenommen“ worden.

2018/10/22 08:54 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"NS-Belastete aus dem Süden des heutigen Baden-Württemberg"

Neuerscheinung, Oktober 2018

Täter Helfer Trittbrettfahrer, Bd. 9.

NS-Belastete aus dem Süden des heutigen Baden-Württemberg

Hrsg.: Wolfgang Proske

460 Seiten

19,99 Euro

Kugelberg Verlag, Gerstetten 2018

ISBN 978-3-945893-10-4

Bestellung unter: http://www.ns-belastete.de/bestellung.php

Die Artikel und ihre Autor*innen, u.a.:

Anton Blaser (Bürgermeister der Gemeinde Bodnegg, Krs. Ravensburg), Wolf-Ulrich Strittmatter.

Hugo F. Boss (Metzingen, Schneider, Kaufmann und Unternehmer), Rudolf Renz.

Wilhelm Emmerich (Östringen, Bäcker und SS-Oberscharführer im KZ Auschwitz), Christiane Walesch-Schneller.

Prof. Dr. Eugen Fischer (Freiburg, Mediziner, Anthropologe und Rassenforscher), Markus Wolter.

Dr. Hans Fleischhacker (Tübingen, Anthropologe, SS-Obersturmführer), Madeleine Wegner.

Georg Grünberg (Lagerleiter in Friedrichshafen, Überlingen), Oswald Burger.

Emil Haussmann (Ravensburg, Einsatzkommandoführer, Massenmörder), Wolf-Ulrich Strittmatter.

Prof. Dr. Martin Heidegger (Mai 1933 NSDAP, bis 1934 Rektor Universität Freiburg), Eggert Blum.

Prof. Dr. Hans Robert Jauß (Konstanz, Hauptsturmführer, „Bandenbekämpfung“), Dr. Jens Westemeier.

Friedrich Jeckeln (Hornberg, Höherer SS- und Polizeiführer, Massenmörder), Gerhard Wenzl.

Kurt Georg Kiesinger (Ebingen, 1933 NSDAP, 1966 Bundeskanzler), Prof. Dr. Phillip Gassert.

Martin Nauck (Tübingen, Kripo, „Vorbeugungshaft“), Udo Grausam.

Prof. Dr. Elisabeth Noelle-Neumann (Allensbach, Meinungsforscherin), Prof. Dr. Jörg Becker.

Johannes Pauli (Lagerleiter KZ Bisingen), Dr. Franziska Blum.

Dr. Rudolf Rahn (Ulm, Diplomat), Dr. Wolfgang Proske.

Dr.-Ing. Helmut Stellrecht (Wangen/Allg., im Amt Rosenberg, nach 1945 Schriftsteller), Udo Mischek, Mitarb. Tim Rose.

Bruno Störzer (Hailfingen, Bauleiter der Organisation Todt), Volker Mall.

Julius Viel (Schramberg/Wangen/Allg., Journalist, SS 1936), Wolf-Ulrich Strittmatter.

2018/09/30 11:35 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"Täter - Helfer - Trittbrettfahrer": Walther Kirn (1891-1944)

Vortrag: Bankrotteur - NS-Funktionär - „Volksschädling“. Aufstieg und Fall des Donaueschinger Kreisleiters Walther Kirn

Referenten: Dr. Wolf-Ingo Seidelmann + Dr. Wolfgang Proske

Veranstalter: Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar e.V.

Veranstaltungsort: Landratsamt, Humboldstr. 11, 78166 Donaueschingen

Zeit: Mittwoch, 12. September 2018, 19.30 Uhr

Information des Veranstalters

Zur Schriftenreihe: http://www.ns-belastete.de/index.html

2018/09/11 09:50 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Kundgebung "NS-Vergangenheit in Radolfzell"

Kundgebung für mehr Toleranz und gegen örtliche Nazistrukturen am 8. Mai 2018 um 14 Uhr auf dem Luisenplatz

Die Stadt Radolfzell hat die Kundgebung am Luisenplatz allerdings untersagt, was von den Anmeldern derzeit rechtlich überprüft wird.

Auch die Luisenplatz-Kundgebung am 21. April war von der Stadt Radolfzell verboten worden. Das Verbot hatte das Freiburger Verwaltungsgericht jedoch in einem Eilverfahren als „offensichtlich rechtswidrig“ kassiert.

Quelle: http://oatkn.blogsport.de/


Ein weiteres Mal kam es zu einem extrem kurzfristigen Verbot einer seit Monaten angemeldeten Kundgebung zur „NS-Vergangenheit in Radolfzell“ auf dem Luisenplatz.

Die Verbotsbegründung der Stadt Radolfzell: der Präventionsrat der Stadt und das Bürgerbündnis Radolfzell für Demokratie (BRD) würden dort ein Friedensfest veranstalten, das aber, wie FGL-Gemeinderätin Nina Breimaier zugab, später angemeldet worden war.

Der Verbotsbescheid kam wieder einmal so kurzfristig, dass ein Eilverfahren für vorläufigen Rechtsschutz nicht mehr möglich war. Soviel zum Demokratiebegriff des Radolfzeller Bürgerbündnisses und der Radolfzeller Versammlungsbehörde.

Der 8. Mai ist ein Feiertag anlässlich des Kriegsendes und der Befreiung vom Nationalsozialismus.

2018/05/07 12:41 · sw · 0 Kommentare

Bündnis Bodensee Nazifrei - Demo am Kriegerdenkmal Radolfzell, 21. April 2018

„Radolfzell gedenkt der Opfer der Gewaltherrschaft“ - an Namenstafeln mit den SS-Tätern.

Vor dem Hintergrund der am „Volkstrauertag“ 2017 von der Stadt Radolfzell kurzerhand verbotenen, angemeldeten Kundgebung, die über die NS-Vergangenheit von Radolfzell sowie das Radolfzeller Kriegerdenkmal und örtliche Neonazi-Strukturen aufklären sollte, ist für den 21. April 2018 eine antifaschistische Demonstration vom Bahnhof zum Luisenplatz geplant. Organisation: Bündnis Bodensee Nazifrei.

Vgl.: Artikel in: seemoz, 13. April 2018.

Datum: Samstag, 21. April 2018

Zeit und Treffpunkt: Bahnhof Radolfzell, 14.00 Uhr

2018/04/16 10:26 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
ns-ehrenmal.1528958082.txt.gz · Zuletzt geändert: 2018/06/14 08:34 von mw
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