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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

ns-ehrenmal [2018/09/07 09:21]
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ns-ehrenmal [2018/12/29 10:39] (aktuell)
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Hat Radolfzell in diesem Sinn eine an den NS-Opfern ausgerichtete Form des Gedenkens und Erinnerns gefunden? Eine zentrale NS-Gedenk- und Informationsstätte gibt es in Radolfzell bis heute nicht. Seit der Installation einer Stelenskulptur von René Dantes und mehreren Informationstafeln an der ehemaligen SS-Kaserne und am SS-Schießstand 2012/13 zählt Radolfzell gleichwohl zu den von der Landeszentrale für politische Bildung ausgewiesenen „Gedenkstättenorten in Baden-Württemberg“. Hat Radolfzell in diesem Sinn eine an den NS-Opfern ausgerichtete Form des Gedenkens und Erinnerns gefunden? Eine zentrale NS-Gedenk- und Informationsstätte gibt es in Radolfzell bis heute nicht. Seit der Installation einer Stelenskulptur von René Dantes und mehreren Informationstafeln an der ehemaligen SS-Kaserne und am SS-Schießstand 2012/13 zählt Radolfzell gleichwohl zu den von der Landeszentrale für politische Bildung ausgewiesenen „Gedenkstättenorten in Baden-Württemberg“.
-**Von Tätern und Opfern – Die Geburt der "Erinnerungskultur" aus dem Geist des Revisionsimsus**+**Von Tätern und Opfern – Die Geburt der Radolfzeller "Erinnerungskultur" aus dem Geist des Revisionismus**
In der ehemaligen SS-Garnisonsstadt, zudem Standort eines KZ-Außenlagers von Dachau, tat man sich nach 1945 schwer, persönlich oder politisch Verantwortung für die NS-Verbrechen zu übernehmen, die Opfer und Verfolgten der NS-Gewaltherrschaft angemessen zu würdigen und die Überlebenden für das erlittene Unrecht zu entschädigen; von einer historischen oder juristischen Aufarbeitung und Strafverfolgung der verantwortlichen Täter ganz zu schweigen. Wie überall im Nachkriegsdeutschland wich man beim offiziellen Gedenken, Trauern und Erinnern der historischen Verantwortung aus und beschränkte sich am neu eingeführten „Volkstrauertag“ auf die „Toten zweier Kriege“. Weder die zivilen Kriegsopfer noch die aus politischen oder rassenideologischen Gründen in der NS-Zeit millionenfach verfolgten und ermordeten Menschen wurden erwähnt. Ort des selektiven Gedenkens war und blieb das vormalige NS-„Ehrenmal für die gefallenen Helden“ des Ersten Weltkriegs, das 1938 von den Nationalsozialisten errichtete und in den Folgejahren an „Heldengedenktagen“ ideologisch in Anspruch genommene „Kriegerdenkmal“. Seine Geschichte und heroisierende NS-Ästhetik schienen der Stadtverwaltung lange Zeit kein Grund für Bedenken gewesen zu sein, so dass der „Volkstrauertag“ Jahr für Jahr an dem nur marginal veränderten Gedenkensemble aus Soldatenskulptur und Namenstafeln der militärischen "Kriegsopfer“ aus Radolfzell begangen wurde. Dabei bestimmten die Radolfzeller Vertreter des [[https://de.wikipedia.org/wiki/Hilfsgemeinschaft_auf_Gegenseitigkeit_der_Angeh%C3%B6rigen_der_ehemaligen_Waffen-SS|SS-Traditionsverbands HIAG]]  - v.a. die ehemaligen Angehörigen der SS-"Germania" Willi Hille (HIAG-Kreisvorsitzender)[(Willi Hille, geb. 1915 in Oschersleben, gest. ? in Radolfzell. III./SS-VT "Germania", seit 31. Juli 1937 in Radolfzell. Letzter Dienstgrad: SS-Hauptscharführer, Teilnahme am Polenfeldzug; weitere Dienststellungen unbekannt, 1944/45 Kasernenverwaltung, Schreiber und Kassenwart der USR. Nach 1945 in Radolfzell, Schubertstr. 10, wohnhaft. Kreisvorsitzender der HIAG, Organisator regelmäßiger HIAG-Kameradschaftstreffen in Radolfzell (Gasthof 'Zum Kreuz'); Autor einer Bataillonsgeschichte des III.SS-VT "Germania", die 1967 im Selbstverlag erschien.)]  und SPD-Stadtrat Heinrich ("Heini", "Heinz") Winzenburg[(Heinrich Winzenburg, geb. 17.9.1913 in Seesen, gest. 1988 in Radolfzell. SS-Nr. 43 090, SS-Mann (25.9.1935; SS-Befehlsblatt, 3.Jahrgang, Nr.9), 9/51. SS-Standarte "Harz", Göttingen, Allgemeine SS; ab 10.4.1935 Wechsel zur 10.SS-VT "Germania", Hamburg, SS-Lager Wolterdingen bei Soltau; ab 1.3.1938 9.SS-VT "Germania" Radolfzell; mit dem III./SS-VT "Germania" Teilnahme am Polenfeldzug 1939 und in der SS-Division VT am Westfeldzug 1940; "Sicherung der Niederlande" 1940; Febr. 1942 - Febr. 1943 1.SS-Pz.Gren.Ers.Btl. "Germania"; danach "Osteinsatz", Februar - Juni 1943 6.(Gen.)Kradsch. Ers. Btl., Ellwangen, danach SS-Pz. Aufkl.Ausb.u.Ers.Abt.2, Arolsen. Weitere Einsätze unbekannt. Letzter Dienstgrad: SS-Hauptscharführer. Amerikanische Kriegsgefangenschaft, zuletzt Internierungslager Darmstadt, dort 1947 entlassen, Rückkehr nach Radolfzell, Zangererstr. 14. Feinmechaniker bei Allweiler, Betriebsratsvorsitzender, Stadtverordneter, Bürgerausschuss (1961), SPD-Stadtrat, SPD-Ortsvereinsvorsitzender (1971-1976). Aktives Mitglied der HIAG, Organisator regelmäßiger HIAG- und "Germania"-Kameradschaftstreffen in Radolfzell. 1979 Berichterstattung im "Spiegel", die Winzenburgs Doppelmitgliedschaft in HIAG und SPD problematisiert; unfreiwilliger Austritt aus der SPD; vgl.: [[http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40351411.html|Ungeeigneter Weg. Ehemalige Angehörige der Waffen-SS, die sich in der HIAG organisiert haben, sollen die SPD verlassen, fordern linke Genossen.]] In: Der Spiegel 7 (1979.) Die Bundes-SPD stellte schließlich am 17.11.1981 die grundsätzliche Unvereinbarkeit von SPD- und HIAG-Mitgliedschaft fest.)], Hans Witzstrock, Eduard Klejewski, Eduard Helmholtz, Heinz Berendt, Wohlfahrt  u.a. - bis in die späten  1970er Jahre das Geschehen am Luisenplatz und wurden dabei von den Bürgermeistern und Gemeinderäten unterstützt; nicht ohne Grund: 1958 war die HIAG dem „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ beigetreten. Im selben Jahr, zwanzig Jahre nach der Einweihung des NS-„Ehrenmals“ durch die Radolfzeller SS im Jahr 1938, hatte der Gemeinderat auf Vorschlag von Stadtrat und Lehrer Konrad Dombrowski (1896-1985; ehemaliges NSDAP-Mitglied und Hauptmann der Wehrmacht) entschieden, welchen gefallenen „Söhnen der Stadt“ (so die neue Sockelinschrift) das städtische Gedenken dort in Zukunft zu gelten habe: erstens allen gefallenen Wehrmachtssoldaten, die in Radolfzell wohnberechtigt waren, als sie zur Wehrmacht eingezogen wurden und zweitens allen gefallenen SS-Angehörigen der Garnison Radolfzell, die hier ihren gemeldeten Wohnsitz und Familie hatten. Aufgrund dieser „Auswahl“ kamen zu den „Kriegstoten“ des Ersten Weltkrieges 561 Angehörige der Wehrmacht und Waffen-SS hinzu, deren Namen auf vier Bronzetafeln an der Abschlussmauer des Gedenkensembles angebracht wurden. Dort findet man seitdem nicht nur den Namen des ersten Kasernenkommandanten, SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen verzeichnet, sondern die Namen von 102 Angehörigen der Waffen-SS, die 1937-1939 in Radolfzell stationiert, polizeilich gemeldet und/oder verheiratet waren. In der ehemaligen SS-Garnisonsstadt, zudem Standort eines KZ-Außenlagers von Dachau, tat man sich nach 1945 schwer, persönlich oder politisch Verantwortung für die NS-Verbrechen zu übernehmen, die Opfer und Verfolgten der NS-Gewaltherrschaft angemessen zu würdigen und die Überlebenden für das erlittene Unrecht zu entschädigen; von einer historischen oder juristischen Aufarbeitung und Strafverfolgung der verantwortlichen Täter ganz zu schweigen. Wie überall im Nachkriegsdeutschland wich man beim offiziellen Gedenken, Trauern und Erinnern der historischen Verantwortung aus und beschränkte sich am neu eingeführten „Volkstrauertag“ auf die „Toten zweier Kriege“. Weder die zivilen Kriegsopfer noch die aus politischen oder rassenideologischen Gründen in der NS-Zeit millionenfach verfolgten und ermordeten Menschen wurden erwähnt. Ort des selektiven Gedenkens war und blieb das vormalige NS-„Ehrenmal für die gefallenen Helden“ des Ersten Weltkriegs, das 1938 von den Nationalsozialisten errichtete und in den Folgejahren an „Heldengedenktagen“ ideologisch in Anspruch genommene „Kriegerdenkmal“. Seine Geschichte und heroisierende NS-Ästhetik schienen der Stadtverwaltung lange Zeit kein Grund für Bedenken gewesen zu sein, so dass der „Volkstrauertag“ Jahr für Jahr an dem nur marginal veränderten Gedenkensemble aus Soldatenskulptur und Namenstafeln der militärischen "Kriegsopfer“ aus Radolfzell begangen wurde. Dabei bestimmten die Radolfzeller Vertreter des [[https://de.wikipedia.org/wiki/Hilfsgemeinschaft_auf_Gegenseitigkeit_der_Angeh%C3%B6rigen_der_ehemaligen_Waffen-SS|SS-Traditionsverbands HIAG]]  - v.a. die ehemaligen Angehörigen der SS-"Germania" Willi Hille (HIAG-Kreisvorsitzender)[(Willi Hille, geb. 1915 in Oschersleben, gest. ? in Radolfzell. III./SS-VT "Germania", seit 31. Juli 1937 in Radolfzell. Letzter Dienstgrad: SS-Hauptscharführer, Teilnahme am Polenfeldzug; weitere Dienststellungen unbekannt, 1944/45 Kasernenverwaltung, Schreiber und Kassenwart der USR. Nach 1945 in Radolfzell, Schubertstr. 10, wohnhaft. Kreisvorsitzender der HIAG, Organisator regelmäßiger HIAG-Kameradschaftstreffen in Radolfzell (Gasthof 'Zum Kreuz'); Autor einer Bataillonsgeschichte des III.SS-VT "Germania", die 1967 im Selbstverlag erschien.)]  und SPD-Stadtrat Heinrich ("Heini", "Heinz") Winzenburg[(Heinrich Winzenburg, geb. 17.9.1913 in Seesen, gest. 1988 in Radolfzell. SS-Nr. 43 090, SS-Mann (25.9.1935; SS-Befehlsblatt, 3.Jahrgang, Nr.9), 9/51. SS-Standarte "Harz", Göttingen, Allgemeine SS; ab 10.4.1935 Wechsel zur 10.SS-VT "Germania", Hamburg, SS-Lager Wolterdingen bei Soltau; ab 1.3.1938 9.SS-VT "Germania" Radolfzell; mit dem III./SS-VT "Germania" Teilnahme am Polenfeldzug 1939 und in der SS-Division VT am Westfeldzug 1940; "Sicherung der Niederlande" 1940; Febr. 1942 - Febr. 1943 1.SS-Pz.Gren.Ers.Btl. "Germania"; danach "Osteinsatz", Februar - Juni 1943 6.(Gen.)Kradsch. Ers. Btl., Ellwangen, danach SS-Pz. Aufkl.Ausb.u.Ers.Abt.2, Arolsen. Weitere Einsätze unbekannt. Letzter Dienstgrad: SS-Hauptscharführer. Amerikanische Kriegsgefangenschaft, zuletzt Internierungslager Darmstadt, dort 1947 entlassen, Rückkehr nach Radolfzell, Zangererstr. 14. Feinmechaniker bei Allweiler, Betriebsratsvorsitzender, Stadtverordneter, Bürgerausschuss (1961), SPD-Stadtrat, SPD-Ortsvereinsvorsitzender (1971-1976). Aktives Mitglied der HIAG, Organisator regelmäßiger HIAG- und "Germania"-Kameradschaftstreffen in Radolfzell. 1979 Berichterstattung im "Spiegel", die Winzenburgs Doppelmitgliedschaft in HIAG und SPD problematisiert; unfreiwilliger Austritt aus der SPD; vgl.: [[http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40351411.html|Ungeeigneter Weg. Ehemalige Angehörige der Waffen-SS, die sich in der HIAG organisiert haben, sollen die SPD verlassen, fordern linke Genossen.]] In: Der Spiegel 7 (1979.) Die Bundes-SPD stellte schließlich am 17.11.1981 die grundsätzliche Unvereinbarkeit von SPD- und HIAG-Mitgliedschaft fest.)], Hans Witzstrock, Eduard Klejewski, Eduard Helmholtz, Heinz Berendt, Wohlfahrt  u.a. - bis in die späten  1970er Jahre das Geschehen am Luisenplatz und wurden dabei von den Bürgermeistern und Gemeinderäten unterstützt; nicht ohne Grund: 1958 war die HIAG dem „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ beigetreten. Im selben Jahr, zwanzig Jahre nach der Einweihung des NS-„Ehrenmals“ durch die Radolfzeller SS im Jahr 1938, hatte der Gemeinderat auf Vorschlag von Stadtrat und Lehrer Konrad Dombrowski (1896-1985; ehemaliges NSDAP-Mitglied und Hauptmann der Wehrmacht) entschieden, welchen gefallenen „Söhnen der Stadt“ (so die neue Sockelinschrift) das städtische Gedenken dort in Zukunft zu gelten habe: erstens allen gefallenen Wehrmachtssoldaten, die in Radolfzell wohnberechtigt waren, als sie zur Wehrmacht eingezogen wurden und zweitens allen gefallenen SS-Angehörigen der Garnison Radolfzell, die hier ihren gemeldeten Wohnsitz und Familie hatten. Aufgrund dieser „Auswahl“ kamen zu den „Kriegstoten“ des Ersten Weltkrieges 561 Angehörige der Wehrmacht und Waffen-SS hinzu, deren Namen auf vier Bronzetafeln an der Abschlussmauer des Gedenkensembles angebracht wurden. Dort findet man seitdem nicht nur den Namen des ersten Kasernenkommandanten, SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen verzeichnet, sondern die Namen von 102 Angehörigen der Waffen-SS, die 1937-1939 in Radolfzell stationiert, polizeilich gemeldet und/oder verheiratet waren.
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Joachim Rumohr, geb. am 6. August 1910 in Hamburg, SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS, „Alter Kämpfer“, NSDAP-Nr. 216.161 (Eintritt 1930), SS-Nr. 7.450 (Eintritt 1931). Ab November 1935 Angehöriger des III./SS-Standarte „Germania“, am 31. Juli 1937 mit diesem SS-VT-Bataillon nach Radolfzell verlegt, dort Kompanieführer der 12. Kompanie. 1937-1939 in Radolfzell stationiert und polizeilich gemeldet. Seit 1937 verheiratet mit Gertrud Kabel (1916-1990) aus Sülfeld, Holstein. Das Paar, das zunächst in der SS-Siedlung, später in der Schubertstraße wohnte, hatte drei Kinder, die zwischen 1939 und 1944 in Singen und Radolfzell zur Welt kamen. Joachim Rumohr, geb. am 6. August 1910 in Hamburg, SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS, „Alter Kämpfer“, NSDAP-Nr. 216.161 (Eintritt 1930), SS-Nr. 7.450 (Eintritt 1931). Ab November 1935 Angehöriger des III./SS-Standarte „Germania“, am 31. Juli 1937 mit diesem SS-VT-Bataillon nach Radolfzell verlegt, dort Kompanieführer der 12. Kompanie. 1937-1939 in Radolfzell stationiert und polizeilich gemeldet. Seit 1937 verheiratet mit Gertrud Kabel (1916-1990) aus Sülfeld, Holstein. Das Paar, das zunächst in der SS-Siedlung, später in der Schubertstraße wohnte, hatte drei Kinder, die zwischen 1939 und 1944 in Singen und Radolfzell zur Welt kamen.
-Am 9. November 1938, dem Vorabend der Novemberpogrome, wurde Rumohr von Heinrich Koeppen zum SS-Hauptsturmführer befördert und war mutmaßlich an den Synagogenzerstörungen von Wangen, Gailingen  und Randegg beteiligt.+Am 9. November 1938, dem Vorabend der Novemberpogrome, wurde Rumohr in Radolfzell zum SS-Hauptsturmführer befördert und war mutmaßlich an den Synagogenzerstörungen von Wangen, Gailingen  und Randegg beteiligt.
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Termine

Eröffnung der Ausstellung: "Ein Panzer gegen die hässliche Zeit" - Hermann Hesses "Glasperlenspiel" im "Dritten Reich"

„1943 veröffentlichte Hermann Hesse seinen letzten Roman in kleiner Auflage in der Schweiz, erst Ende 1946 wurde „Das Glasperlenspiel“ auch einem größeren Publikum in Deutschland bekannt. Ursprünglich hätte „Das Glasperlenspiel“ schon 1942 in Berlin erscheinen sollen, doch die NS-Behörden verweigerten die Druckgenehmigung. Seinem Sohn Heiner teilte Hesse 1942 resigniert mit, „dass das Buch nun also die Leser, für die es bestimmt war, nicht erreicht“.“

Ort: Hesse Museum, Kapellenstr. 8, Gaienhofen

Zeit: 17. März 2019, 11.00 Uhr

http://www.hesse-museum-gaienhofen.de

2019/03/16 09:23 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"Wie Dachau an den See kam..."

Filmvorführung und Gespräch mit der Zeitzeugin Dr. Grete Leutz und dem Regisseur Jürgen Weber am 27. Januar 2019 in Konstanz

Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wird in einer Gedenkveranstaltung der regionalhistorische Dokumentarfilm „Wie Dachau an den See kam …“ zur Geschichte des KZ-Außenlagers in Überlingen gezeigt.

Es ist geplant, dass an diesem Abend neben dem Filmemacher Jürgen Weber auch die Überlinger Zeitzeugin Dr. Grete Leutz anwesend sein wird. Als junge Frau wurde sie fast täglich Zeugin des Zuges der KZ-Häftlinge vom Lager Aufkirch zur Überlinger Stollenanlage. In der Außenstelle Überlingen des KZ Dachau mussten ab Oktober 1944 rund 800 Häftlinge einen Stollen in den Molassefelsen treiben, um die Friedrichshafener Rüstungsindustrie am Bodensee „bombensicher“ unterzubringen. Bis April 1945 liefen viermal pro Tag die Kolonnen der Häftlinge - schwer bewacht durch die SS - durch den Überlinger Westen.

Der Film zeichnet mit Aussagen zweier ehemaliger Häftlinge, mit den Erinnerungen von damals jungen Menschen aus Überlingen und mit Fachleuten die Geschichte der KZ-Außenstelle Überlingen nach. Aufgrund seiner regionalhistorischen Bedeutung und teilweise einmaliger Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen wurde der Film aus dem Jahr 1995 als Retrospektive 2017 neu in der Reihe „Zeitgeschichtliche Kurz- und Dokumentarfilme“ aufgelegt.

Termin: 27. Januar 2019

Zeit: 19:30 – 21:00 Uhr

Ort: Wolkenstein-Saal (Kulturzentrum am Münster), Konstanz

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturamt der Stadt Konstanz, vhs Landkreis Konstanz e. V. DIG Bodensee Region, Gesellschaft für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit e.V. Konstanz und weitere

Eintritt: frei

2019/02/11 23:45 · sw · 0 Kommentare

Uraufführung: Gerron

Im Stadttheater Konstanz wird am 2.2.2019 das Stück „Gerron“ von Charles Lewinsky uraufgeführt. Regisseurin ist Annette Gleichmann.

Das Stück basiert auf der wahren Geschichte des jüdischen Künstlers Kurt Gerron. Als Frontsoldat und Arzt im 1. Weltkrieg kämpfend, mehrfach schwer verletzt, wurde er später im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet. Er floh 1933 zunächst nach Paris, dann nach Österreich, Italien und in die Niederlande, wo er 1943 interniert wurde. Im Jahr 1944 wurden er und seine Familie in das KZ Theresienstadt deportiert. Seine Mitwirkung als Regisseur an dem im KZ gedrehten Propagandafilm “Theresienstadt“ schützte ihn nicht vor der Deportation nach Auschwitz, wo er ebenso wie die 1600 mitwirkenden Kinder nach Ende der Dreharbeiten vergast wurde.

Uraufführung: 2.2.2019, Theaterwerkstatt Inselgasse, 20 Uhr

Ticketreservierung und weitere Spielzeiten: Gerron

Quelle: Stadttheater Konstanz

2019/02/02 13:14 · sw · 0 Kommentare

Vor 80 Jahren: Aktion "T4" - "Denkmal der Grauen Busse" 2019 im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen

Wirtschaftsgebäude von Grafeneck, Personal der als Tarnorganisation eingerichteten „Gemeinnützigen Krankentransport GmbH (Gekrat)“; einer von drei Bussen der Gekrat, mit denen ab Januar 1940 geistig und körperlich behinderte und psychisch kranke Menschen aus Pflegeeinrichtungen und Heilanstalten (wie z. B. Freiburg, Emmendingen und Reichenau, Konstanz) in die Vernichtungsanstalt Grafeneck gebracht wurden. Innerhalb eines Jahres wurden in der Gaskammer von Grafeneck 10.654 Menschen ermordet. Fotografie: Gedenkstätte Grafeneck

Die Radolfzeller Opfer der Aktion "T4" 1939-1941 waren Patient/innen der psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalten Reichenau, Emmendingen und Wiesloch, der Kreispflegeanstalt Geisingen, der Universitätsnervenklink Freiburg und/oder minderjährige „Pfleglinge“ der St. Josefsanstalt Herten und davor in Kinderheimen in Freiburg, Konstanz und Sigmaringen untergebracht:

Maria Amann 1899-1941 | Frieda Armbruster 1890-1940 | Alwin Bödler 1883-1940 | Walter Böhler 1934-1940 | Emma Braun 1886-1940 | Albertine Hässig 1890-1940 | Nikolaus Honsell 1887-1940 | Otto Hans Keller 1893-1940 | Leopold Kohler 1887-1940 | Anna Ronkat 1904-1940 | Josefa Trost, geb. Klaus 1878-1940 | Helmut Waller 1920-1940 | Berta Welschinger 1902-1940 | Elisabeth Welschinger 1931-1940

"Denkmal der grauen Busse" 2019 im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen.

Montag, 28. Januar 2019, 11.00 Uhr Eröffnungsveranstaltung zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus

Ort: Festhalle des Zentrums für Psychiatrie Emmendingen

Programm: Kranzniederlegung und Gedenkminute am Denkmal im ZfP Emmendingen Begrüßung Michael Eichhorst, Geschäftsführer ZfP Emmendingen und Calw

Vortrag „Erinnern, gedenken, bilden: Oder: Wie können wir in unseren psychiatrischen Kliniken mit der NS Vergangenheit umgehen?“

Referent: Prof. Dr. med. Thomas Müller, Leiter des Forschungsbereichs Geschichte und Ethik in der Medizin am ZfP Südwürttemberg / Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I der Universität Ulm. Er ist Leiter des Württembergischen Psychiatriemuseums und Koordinator der Historischen Forschung der Zentren für Psychiatrie in Baden-Württemberg.

Eröffnung und Ausstellung des Denkmals der Grauen Busse

Zu den weiteren Veranstaltungen des Begleitprogramms 2019:

Download (PDF)

Beschlussvorlage - Zur Umbenennung des "Landserwegs" in "Fritz-Klose-Weg"

Der „Landserweg“ im Dezember 2018, links die alte Mauereinfassung des Kasernenareals, rechts die Wohnblöcke der ehemaligen SS-Siedlung. Fotografie: Markus Wolter

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In seiner Sitzung am 27. November 2018 wird der Radolfzeller Gemeinderat über eine Straßenumbenennnung entscheiden. Der durch den einschlägigen NS-Kontext in die Kritik geratene „Landserweg“ - zwischen ehemaliger SS-Kaserne und SS-Wohnsiedlung - soll nach einer im Sommer 2018 an den Ältestenrat übermittelten Initiativanfrage umbenannt werden. Nach ensprechender Empfehlung des Ältestenrats folgte eine nochmalige, quellengestützte Überprüfung der Sachlage und Stellungnahme durch die Abteilung Stadtgeschichte. In der Initiativanfrage war von Markus Wolter die Umbennung des „Landserwegs“ in „Fritz-Klose-Weg“ vorgeschlagen worden, benannt nach dem neben Jacob Dörr zweiten nachweislichen Todesfall eines KZ-Häftlings im Außenkommando Radolfzell. Alternativ schlägt die Abteilung Stadtgeschichte die historisch überlieferte Flurbezeichnung „Am Entennest“ (sic) vor.

Beschlussvorlage:abgerufen auf: Ratsinformationssystem, Sitzungskalender (PDF)

2018/11/23 20:57 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
ns-ehrenmal.1536304888.txt.gz · Zuletzt geändert: 2018/09/07 09:21 von mw
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