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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Presseerklärungen

Verlegung von sieben weiteren Stolpersteinen in Radolfzell

Pressemitteilung vom 23.6.2016

Am 2. Juli 2016 ist der Kölner Künstler Gunter Demnig erneut in Radolfzell zu Gast, um Stolpersteine zu verlegen. Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Sie erinnern an Opfer des Nationalsozialismus, also an Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, politisch Verfolgte, Zeugen Jehovas und „Euthanasie“-Opfer. Gunter Demnig lässt jeweils kleine Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir vor dem letzten selbstgewählten Wohnort ein. Mittlerweile gibt es über 56.000 Steine, nicht nur in Deutschland, sondern auch in 19 weiteren europäischen Ländern.

In Radolfzell sorgt die Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ für die Verlegung von Stolpersteinen. Dem gehen monatelange Vorbereitungen voraus: Jeder einzelne Stolperstein steht für eine Verfolgtenbiografie und erfordert intensive Recherchen. Aufmerksame Passanten können mittlerweile 16 Stolpersteine entdecken, die über das ganze Stadtgebiet verteilt sind und im Juni 2014 sowie im September 2015 verlegt wurden. Am 2. Juli 2016 sollen sie nun um sieben weitere Stolpersteine ergänzt werden.

Die Verlegung beginnt um 10:30 Uhr mit der Begrüßung in der Jakobstr. 5. Oberbürgermeister Staab spricht anschließend ein Grußwort der Stadt Radolfzell. An jeder der sechs Stationen gibt es einen Einblick in das Leben der jeweiligen Menschen. An mehreren Stationen kommen Angehörige zu Wort. Die Veranstaltung wird musikalisch begleitet von Rudi Hartmann (Akkordeon), Heinrich Braun (Klarinette) und Günter Mantei (Gitarre). Interessierte sind herzlich eingeladen, an der Verlegung teilzunehmen!

Den Ablauf der Veranstaltung können Sie der nachfolgenden Übersicht entnehmen:

  • 10:30 Uhr Begrüßung, Grußwort Oberbürgermeister Staab, Stolperstein für Carl Diez, Jakobstr. 5

Initiative Stolpersteine in Radolfzell

Stolperstein-Verlegung 2016

Pressemitteilung vom 9.6.2016

Am vergangenen Sonntag traf sich die Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ mit den PatInnen für die diesjährigen Stolpersteine. Die sieben Stolpersteine werden am Sa., 2. Juli 2016 in Radolfzell und erstmalig in Markelfingen verlegt. Beginn der feierlichen Veranstaltung wird um 10:30 Uhr in der Jakobstr. 5 zur Verlegung des Stolpersteins für Carl Diez sein. Nähere Informationen zur Verlegung werden in der Woche vor der Verlegung veröffentlicht.

Mit den Stolpersteinverlegungen für Albertine Hässig, Walter Josef Böhler, Frieda Armbruster und Berta und Elisabeth Welschinger wird 2016 an weitere fünf Radolfzeller Opfer der zehntausendfachen NS-„Euthanasie“- und Krankenmorde 1940/41 erinnert, die nach der Adresse der Berliner Planungs- und Organisationszentrale (Tiergartenstr. 4) unter dem Tarnnamen „T4“ durchgeführt wurden. Sie wurden 1940 in der NS-Tötungsanstalt Grafeneck ermordet.

Vor diesem Hintergrund lädt die Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ zu einem Vortrag ein, der die regionalen Strukturen und Dimensionen der „Aktion T4“ am Beispiel der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau beleuchtet.

Dr. Gabriel Richter, Chefarzt am Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Reichenau referiert am Di., 28. Juni in der Teggingerschule Radolfzell über „Euthanasie“ in Baden am Beispiel der seinerzeitigen Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei. Im Anschluss wird die Möglichkeit zu einer Diskussion sein.

gez. Alfred Heim

Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“

Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Pressemitteilung vom 27.01.2016

Zum heutigen „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ erinnert die Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ mit dem Gedicht „Ein Schuhwaggon“, das Abraham Sutzkewer am 1. Januar 1943 verfasste. Bundesweit wird seit 1996 jährlich am 27. Januar an den Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee gedacht.

Wie wichtig die Erinnerung an den menschenverachtenden Nazionalsozialismus auch heute noch ist, zeigt die Verbrennung des 4. Gedenkbuches beim ehemaligen SS-Schießstand in diesem Monat. Die Besucher konnten bei der Besichtigung der Anlage mit der Gedenk- und Infotafel ihre Eindrücke schriftlich festhalten. So schrieben 2012 Anna-Katrin Stefan-Oesterle und Miryam Stefan – Tochter und Enkelin des in Radolfzell gefangenen KZ-Häftlings Leonhard Oesterle:„… sind wir sehr froh und dankbar für dieses lebendige Gedenken der Gewalt und Ungerechtigkeit, die an diesem Ort verübt wurde. Auf dass dieser Ort uns daran erinnert, nie wieder so etwas passieren zu lassen.“ 2014 wurde der ehemalige Radolfzeller SS-Schießstand offiziell in die Liste der Gedenkstätten in Baden-Württemberg aufgenommen.

Terminhinweis: Die Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“ erinnert an diesem Gedenktag mit der Veranstaltung „Das Ende der Jüdischen Gemeinde Konstanz im Zuge der NS-Verfolgung“. Die Veranstaltung beginnt um 19:30 Uhr im Konstanzer Kulturzentrum am Münster (Wolkensteinsaal), ReferentInnen sind Petra Quintini und Hans Seifert.

Ein Schuhwaggon

Die ratternden Räder, sie rollen
und berichten tragisch Geschick,
weil sie mir verraten wollen:
Schuhwaggon aus der Hölle zurück!

Da seh ich als Tanzsaal den Wagen,
voll von der Geigen Seligkeit,
denn wer die Schuhe getragen,
war ja noch ein Kind unserer Zeit.

Ist das gar eine Hochzeit, ein Ball?
Vielleicht hab ich eine Vision.
Feiern die Schule denn Karneval?
Ach, ich kenne sie alle schon!

Mir scheint es, als fragten die Sohlen:
wo fährt nur der Zug uns jetzt hin?
Aus Wilnas Straßen, aus Polen,
doch nicht etwa direkt nach Berlin?

Wer euch trug, will ich gar nicht wissen,
aber wo er ist, sagt mir das!
Die Füße, die euch getragen,
wo sind sie? Was geschah mit Ihnen? Was?

Das kleine Schuhchen hier, so zierlich,
mit Knöpfen wie schimmernder Tau,
wo ist der Fuß, der drin heimisch,
das Füßchen einer verwöhnten Frau?

Oder die vielen Kinderschuhe!
Dabei sah ich nirgends ein Kind.
Fanden die Füße wohl Ruhe,
die damit herumgetrippelt sind?

Nur Schuhe! Beim Anblick der alten
fallen Mutters Schuhe mir ein,
das Paar, was sie sich gehalten
für die Sabbathfeier ganz allein.

Ob neue, ob alt – Sohlen in Massen!
Wie viel Freud, wie viel Leid steckt drin?
Aus Wilnas Gäßchen und Gassen
schafft man sie jetzt alle nach Berlin.

Abraham Sutzkewer - am 1.1.1943

(Hinweis: Das Gedicht von Abraham Sutzkewer wurde ausgewählt von Dr. Marianne Bäumler, die ebenfalls aktives Mitglied der Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ ist.)

75. Gedenktag zur Deportation nach Gurs

Pressemitteilung vom 18.10.2015

Betr.: 75. Gedenktag zur Deportation nach Gurs

Die Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ lädt am 75. Gedenktag der Deportation jüdischer Bürgerinnen und Bürger zu einer Exkursion zum Mahnmal „Reichbahnwaggons“ in Konstanz ein. Den Deportationen im Rahmen der Wagner-Bürckel-Aktion fielen 6.538 Jüdinnen und Juden zum Opfer. Aus dem Landkreis Konstanz kamen 314 Personen aus 11 Orten (Überlingen, Waldshut, Konstanz, Bohlingen, Gailingen, Hilzingen, Radolfzell, Randegg, Tiengen, Waldshut, Wangen).

Um 17 Uhr beginnt am kommenden Donnerstag - 22. Oktober - eine Gruppenführung (kostenlos) für die Radolfzeller Stolperstein-Initiative in der Ausstellung „Reichsbahnwaggons“ auf dem Abstellgleis 10 des Konstanzer Hauptbahnhofs. Treffpunkt für die gemeinsame Anreise ab Radolfzell ist um 16 Uhr beim Ticketautomaten am Bahnhofseingang.

Um 18 Uhr besteht die Möglichkeit, an der Mahnwache vor der Gedenkstele für die aus Konstanz deportierten Jüdinnen und Juden bei der Konstanzer Dreifaltigkeitskirche teilzunehmen. Die Mahnwache wird von der Initiative „Stolpersteine für Konstanz - gegen Vergessen und Intoleranz“ ausgerichtet. Im Anschluss wird ein Schweigemarsch wieder zu den Waggons führen, wo um 19 Uhr die Gedenkstunde beginnt. Es werden kurze Ansprachen gehalten und zwei jüdische Gebete gesprochen.

Nach der Rückkehr in Radolfzell um 19:51 Uhr wird vor dem Gurs-Stein am Seetorplatz an die im Radolfzeller „Bahnhofhotel Schiff“ wohnende Jüdin Alice Fleischel erinnert, die am 22. Oktober 1940 von der Gestapo Konstanz verhaftet und noch am selben Tag per Zug ins südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert wurde, wo sie am 26. April 1941 ums Leben kam.

Weitere Informationen unter www.stolpersteine-radolfzell.de Hinweis auf die Gurs-Gedenkfeier der Gemeinde Gailingen und des Vereins für jüdische Geschichte am Sonntag, 25.10.15 - 17 Uhr - in der Friedenskirche in Gailingen.

Für die Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“

Alfred Heim

Rechtsextremistische Aktion in Radolfzell am 8. Mai 2015

Pressemitteilung

Betr.: Rechtsextremistische Aktion in Radolfzell, 8. Mai 2015

Die Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ wurde darüber informiert, dass am 8. Mai, dem 70. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung vom Nationalsozialismus, am Radolfzeller Kriegerdenkmal und an zwei weiteren Stellen der Stadt eine öffentliche „Gedenkfeier“ von Rechtsradikalen abgehalten wurde.

Regionale Neonazis („Freie Nationalisten“) und Mitglieder der seit 2013 bundesweit agierenden rechtsextremen Partei „Der III. Weg“ legten unter anderem am 1938 eingeweihten NS-„Ehrenmal“ am Luisenplatz Grablichter und Blumen ab und brüsten sich nun damit auf ihrer Homepage in Wort und Bild. Dort kommentieren sie die Aktion als „würdiges Gedenken“ für die „Gefallenen unseres Volkes“, wobei die nationalsozialistischen Verbrechen geleugnet und die Alliierten als die eigentlichen „Kriegsverbrecher“ bezeichnet werden. Außerdem wird auf dieser Seite in unerträglicher Weise gegen Ausländer gehetzt. Diesen menschenverachtenden und fremdenfeindlichen Parolen muss Einhalt geboten werden.

Es darf nicht geduldet werden, dass der Luisenplatz wieder zu einem Treffpunkt für Ewiggestrige und Neonazis wird und die unsägliche „Tradition“ der bis weit in die 70er Jahre organisierten Treffen des SS-Traditionsverbands HIAG eine Neuauflage erfährt. Nicht zuletzt muss geprüft werden, ob mit der Neonazi-„Gedenkfeier“ am Luisenplatz und ihrer Dokumentation im Internet strafrechtlich relevante Taten vorliegen (§ 130 StGB).

Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“, 21.5.2015
http://stolpersteine-radolfzell.de
info @ stolpersteine-radolfzell.de

Termine

Nachholtermin - Vortrag: "Dr. med. Ludwig Finckh und die NS-Rassenhygiene"

Gauschulungslager des NS-Lehrerbundes (NSLB), Gaienhofen. „5. Lehrgang, Sonderkurs in Erbbiologie und Rassenkunde“, 1935. Ansichtskarte eines Kursteilnehmers an seine Familie in Pforzheim

Über Dr. med. Ludwig Finckh (1876-1964) wäre vermutlich längst das letzte Wort gesprochen und der Autor vergessen worden, wenn es sich bei ihm nur um den sogenannten „Heimat-Dichter“, den „Rosendoktor“ von der Höri gehandelt hätte. Als virulenter Nationalsozialist gibt Finckh stattdessen heute noch Anlass, sich mit seinem Fall kritisch auseinanderzusetzen. Teils als Vordenker, teils als Vortragsredner in Sachen NS-„Rassenhygiene“, betätigte sich Finckh u.a. als „Weltanschauungslehrer“ des NS-Lehrerbundes am Gauschulungslager des NSLB in Gaienhofen und an der Waffen-SS-Unterführerschule in Radolfzell. Neueste Recherchen belegen die Teilnahme von Finckhs Gauschulungslagern an eugenischen Tagungen der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau in den Jahren 1934-1938. (Text: Markus Wolter)

Referent: Markus Wolter, MA

Ort: VHS Konstanz, Katzgasse 7, Astoria Saal

Datum: 23. November 2020 (ursprünglicher Termin: 24. März 2020)

Zeit: 19.30 - 21.00 Uhr

Anmeldung: VHS-Konstanz

2020/10/19 18:10 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Die Deportation der badischen und saarpfälzischen Juden nach Gurs 1940 - Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag, 22. Oktober 2020

Camp de Gurs, Ende 1940.

Am 22. Oktober 2020 jährt sich die Deportation von über 6500 badischen und saarpfälzischen Jüdinnen und Juden in das südfranzösische Internierungslager Camp de Gurs 1940 zum 80. Mal.

Der Jahrestag der sogenannten "Wagner-Bürckel-Aktion" wird in Radolfzell auch in diesem Jahr mit einer Gedenkveranstaltung der Initiative Stolpersteine am Gurs-Mahnmal, zugleich Verlegeort des Stolpersteins für Alice Fleischel, am Seetorplatz begangen.

Datum: 22.10.2020

Uhrzeit: 17:00 Uhr

Ort: Radolfzell, Seetorplatz

ABSAGE: Die Gedenkveranstaltung wurde vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Lage von den Veranstaltern abgesagt.

Programm: Initiative Stolpersteine-Radolfzell

2020/10/15 21:53 · Markus Wolter · 0 Kommentare

4. Stolperstein-Verlegung in Radolfzell, 24. September 2020

Am 24. September des Gedenkjahres - 80 Jahre „Euthanasie“-„Aktion T4“ - kommt es zur Verlegung von fünf weiteren Stolpersteinen im Stadtgebiet von Radolfzell. Sie gelten Josefa Trost, geb. Klaus, Opfer der „Euthanasie“-„Aktion T4“ 1940, sowie Hermine Bauer und den |Geschwistern Josefine Fetzer, Anna Fetzer und Agnes Zimmermann, geb. Fetzer, die nach Maßgabe des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuches“ zwischen 1934 und 1939 zwangssterilisiert wurden.

Vgl.: Informationssystem des Radolfzeller Gemeinderats, Beschluss in der GR-Sitzung vom 5. Juni 2020.

Vgl.: Initiative Stolpersteine-Radolfzell

Ad personam: Josefine Fetzer

Screenshot von www.klepperle.de vom 17. Februar 2020; dort nach dem SK-Artikel vom 19. Februar 2020 gelöscht.

Radolfzeller „Brauchtumspflege“: Narrenvers „Dreschmaschine“. Er wird an der Fastnacht intoniert und verhöhnt ein Opfer des Nationalsozialismus - Josefine Fetzer (1910-1991) - bis heute; in diesem Jahr (2020) außerdem als Spottbild auf dem käuflich zu erwerbenden Narren-"Brettle" der "Narrizella Ratoldi" (Bild).

Vgl. weiterhin auf: "Heischeverse und Narrensprüche". Zit.: „Hier findest Du die wirklich wichtigen Dinge der alemannischen Fasnacht.“(!)

Vgl.: Dominique Hahn: Neue „Stolpersteine“ für Radolfzell, Wochenblatt, 16. September 2020; Online.

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Neuerscheinung

Markus Wolter: Die Radolfzeller Ärzteschaft im Nationalsozialismus. Das Fallbeispiel Dr. med. Hans Foerster (1894-1970).

In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 138. Heft 2020, Thorbecke Verlag 2020, S. 157-192; hier u. a. zu den Zwangssterilisationen der Geschwister Fetzer, zur Verantwortung der Ärzteschaft, zum NS-Ärztebund und zur Rolle der staatlichen Gesundheitsämter.

2020/08/24 12:30 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Vor 80 Jahren: "Aktion T4" - Zum Gedenken an die Opfer des NS-"Euthanasie"-Programms 1940

Im Rahmen der staatlich angeordneten und durchgeführten Massenmorde ("Aktion T4") an psychisch kranken und behinderten Menschen, die vor 80 Jahren in Deutschland begannen, wurden in den Monaten Mai bis November 1940 allein 214 Männer und 242 Frauen aus der „Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz“ (Reichenau) in die Tötungsanstalt Grafeneck gebracht und dort in einer Gaskammer ermordet. Im Dezember 1940 und Januar/Februar 1941 erfolgte in drei weiteren Transporten die „Verlegung“ von 69 Reichenauer Patient/inen in die als Zwischenanstalt fungierende Anstalt nach Wiesloch, von wo aus die meisten in die Tötungsanstalt Hadamar verbracht wurden. Die Reichenauer Anstalt wies damit eine „Tötungsrate“ von über 50 % ihres Krankenstandes (869 Patient/innen) von Anfang 1940 auf.

Insgesamt konnten 14 „T4“-Opfer aus Radolfzell und den Ortsteilen ermittelt werden; an ihr Leben erinnern in Radolfzell bislang sechs Stolpersteine, die 2015 und 2016 verlegt wurden. Die Frauen, Männer und Kinder waren Patient*innen der Heil- und Pflegeanstalten Reichenau, Emmendingen und Wiesloch, der Kreispflegeanstalt Geisingen, der Universitätsnervenklink Freiburg und/oder „Pfleglinge“ der St. Josefsanstalt Herten und davor in Kinderheimen in Freiburg, Konstanz und Sigmaringen untergebracht.

2020/06/10 14:59 · Markus Wolter

Kundgebung zum 8. Mai 2020 auf dem Luisenplatz

Anlässlich des 75. Jahrestages des Endes des deutschen Nationalsozialismus organisierte das Feministische Antifaschistische Kollektiv (FAK) auf dem Radolfzeller Luisenplatz eine Kundgebung unter dem Motto “Entnazifizierung – Heraus zum 8. Mai!”, die erst von der Radolfzeller Stadtverwaltung verboten, später dann doch noch mit Auflagen zugelassen wurde. Mehrere regionale Gruppen wie die Konstanzer Seebrücke, das OAT Konstanz, die VVN-BdA, die Linksjugend, das Rojava-Bündnis und die Singener Teestube riefen mit zur Kundgebung auf und hielten teils eigene Reden. Ca. 40 Personen waren gekommen und informierten sich anhand von Texttafeln z.B. über das unsägliche Gedenkmal das heute noch gefallene SS-Angehörige als „Opfer“ ehrt. Die Namen der SS-Angehörigen waren mit pinker Kreide hervorgehoben worden - auf den Stufen vor dem Denkmal stand „Deutsche Täter sind keine Opfer“. Das Kriegerdenkmal wurde mit VVN- und Antifafahnen verziert.

Bericht beim Feministischen Antifaschistischen Kollektiv

2020/05/09 15:34 · sw · 0 Kommentare
 
presseerklarungen.txt · Zuletzt geändert: 2015/05/30 14:19 von sw
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