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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



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prozesse_gegen_radolfzeller_ss-angehoerige [2018/08/21 09:13]
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====== Prozesse gegen Radolfzeller SS-Angehörige ====== ====== Prozesse gegen Radolfzeller SS-Angehörige ======
-18 in der Radolfzeller Kaserne vorübergehend stationierte und /oder in Radolfzell gemeldete SS-Angehörige, darunter 12 Mitglieder der SS-Wachmannschaft des Dachauer Außenkommandos, mussten sich unmittelbar nach dem Krieg in Prozessen vor amerikanischen Militärgerichten verantworten.[(Recherchen und Text: (c) Markus Wolter, Freiburg 2014)] +19 in der Radolfzeller Kaserne vorübergehend stationierte und /oder in Radolfzell gemeldete SS-Angehörige, darunter 13 Mitglieder der SS-Wachmannschaft des Dachauer Außenkommandos, mussten sich unmittelbar nach dem Krieg in Prozessen vor amerikanischen Militärgerichten verantworten.[(Recherchen und Text: (c) Markus Wolter, Freiburg 2014)]
===== Verurteilungen ===== ===== Verurteilungen =====
-==== Dachauer Hauptprozess ====+==== Dachau-Hauptprozess ==== 
 + 
 +{{gallery>:dachau-hauptprozess_1945.jpg?500x500&lightbox}} 
 +Die 40 Angeklagten im [[https://de.wikipedia.org/wiki/Dachau-Hauptprozess|Dachau-Hauptprozess]], November 1945.  
 + 
 +Josef Seuß: erste Reihe, fünfter v. rechts; Otto Förschner: zweite Reihe, dritter von links; Hugo Lausterer: dritte Reihe, fünfter v. rechts. Fotografie: United States Holocaust Memorial Museum, Washington.  
**Josef Seuß (1906-​1946)** **Josef Seuß (1906-​1946)**
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SS-​Hauptschar­füh­rer, Rap­port­füh­rer und be­rüch­tig­ter Bun­ker­füh­rer des KZ Dachau, dem sein Ruf bei der Ver­set­zung nach Ra­dolf­zell vor­aus­eil­te. Im Au­gust 1942 an­we­send bei der Er­schies­sung von 35 rus­si­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen in Dachau. Kom­man­dofüh­rer des Ra­dolf­zel­ler Au­ßen­la­gers von Mai 1941 bis Au­gust 1942. Führ­te sich nach ei­ge­nen An­ga­ben in Ra­dolf­zell be­son­ders bru­tal auf. Zitat sei­nes Un­ter­ge­be­nen Laus­te­rer: „SS-​Hauptschar­füh­rer Seuß schlug die Ge­fan­ge­nen sehr oft wäh­rend ihrer Zeit in Ra­dolf­zell. Er schlug sie mit sei­nen Hän­den, mit Stö­cken und trat sie auch mit Füßen. Ein­mal sah ich, wie er einen kran­ken Häft­ling schlug, weil der Häft­ling zu krank für die Ar­beit war. Ich sah Seuß auch, wie er Häft­lin­ge von einem 30 bis 50 Meter hohen Damm hin­un­ter­stieß. Er tat dies, nach­dem er sie ge­schla­gen hatte“. Ver­ur­teilt zum Tode im Dachau-​Haupt­pro­zess [[http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Holocaust/dachautrial/d3.pdf|Case No. 000-50-2]] (US vs. Martin Gottfried Weiss et al) Tried 13. Dec. 1945. Seuß wurde am 28. Mai 1946 im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg gehängt. Vgl. a. [[http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Seu%C3%9F|Wikipedia.]] SS-​Hauptschar­füh­rer, Rap­port­füh­rer und be­rüch­tig­ter Bun­ker­füh­rer des KZ Dachau, dem sein Ruf bei der Ver­set­zung nach Ra­dolf­zell vor­aus­eil­te. Im Au­gust 1942 an­we­send bei der Er­schies­sung von 35 rus­si­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen in Dachau. Kom­man­dofüh­rer des Ra­dolf­zel­ler Au­ßen­la­gers von Mai 1941 bis Au­gust 1942. Führ­te sich nach ei­ge­nen An­ga­ben in Ra­dolf­zell be­son­ders bru­tal auf. Zitat sei­nes Un­ter­ge­be­nen Laus­te­rer: „SS-​Hauptschar­füh­rer Seuß schlug die Ge­fan­ge­nen sehr oft wäh­rend ihrer Zeit in Ra­dolf­zell. Er schlug sie mit sei­nen Hän­den, mit Stö­cken und trat sie auch mit Füßen. Ein­mal sah ich, wie er einen kran­ken Häft­ling schlug, weil der Häft­ling zu krank für die Ar­beit war. Ich sah Seuß auch, wie er Häft­lin­ge von einem 30 bis 50 Meter hohen Damm hin­un­ter­stieß. Er tat dies, nach­dem er sie ge­schla­gen hatte“. Ver­ur­teilt zum Tode im Dachau-​Haupt­pro­zess [[http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Holocaust/dachautrial/d3.pdf|Case No. 000-50-2]] (US vs. Martin Gottfried Weiss et al) Tried 13. Dec. 1945. Seuß wurde am 28. Mai 1946 im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg gehängt. Vgl. a. [[http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Seu%C3%9F|Wikipedia.]]
-{{gallery>:josef_seuss-_dachau-prozess_1945.jpg?lightbox&150x150}} +
-Josef Seuß (1. Reihe links) und Hugo Lausterer (3. Reihe links) als Angeklagte im Dachau-Hauptprozess 1945+
**Hugo Laus­te­rer (1890-?)** **Hugo Laus­te­rer (1890-?)**
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**Otto Förschner (1902-1946)** **Otto Förschner (1902-1946)**
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-SS-Sturmbannführer Otto Förschner, hier vmtl. als Kommandeur des Wachsturmbanns des KZ Buchenwald, 1942. Quelle: Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, [[http://www.dora.de/fileadmin/mittelbau-dora/fotoarchiv/index.php| Fotoarchiv, 266.001]]+SS-Sturmbannführer Otto Förschner, hier vmtl. als Kommandeur des Wachsturmbanns des KZ Buchenwald, 1942. Quelle: Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, [[http://fotoarchiv.dora.de/detail/5182|Fotoarchiv, 266.001]]
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Otto Förschner als Angeklagter im Dachau-Hauptprozess 1945. Quelle: United States Holocaust Memorial Museum. Otto Förschner als Angeklagter im Dachau-Hauptprozess 1945. Quelle: United States Holocaust Memorial Museum.
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==== Dachauer Folgeprozesse ==== ==== Dachauer Folgeprozesse ====
-   * Von amerikanischen Militärgerichten im Rahmen der [[https://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Holocaust/dachmautrials.html|Mauthausen- und Mauthausen-Folgeprozesse]] in Dachau verurteilte SS-Angehörige, die in Radolfzell vorübergehend stationiert und/oder gemeldet waren:+   * Von amerikanischen Militärgerichten im Rahmen der [[https://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Holocaust/dachmautrials.html|Mauthausen- und Mauthausen-Folgeprozesse]] in Dachau verurteilte SS-Angehörige, die in Radolfzell stationiert und/oder gemeldet waren:
**Max Pausch (1894-1948)** **Max Pausch (1894-1948)**
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   * Von amerikanischen Militärgerichten im Rahmen der [[http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Holocaust/DachauCases.html|Dachauer Folgeprozesse]] verurteilte Angehörige des Dachauer SS-Wachpersonals im Außenkommando Radolfzell[(wolter>zit.n. [[http://www.antiquariat-wolter.de/188114.html|Wolter 2011]])]:    * Von amerikanischen Militärgerichten im Rahmen der [[http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Holocaust/DachauCases.html|Dachauer Folgeprozesse]] verurteilte Angehörige des Dachauer SS-Wachpersonals im Außenkommando Radolfzell[(wolter>zit.n. [[http://www.antiquariat-wolter.de/188114.html|Wolter 2011]])]:
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 +**Julius Ueltzhöffer (1892, Schwetzingen - 1974, Rielasingen)**
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 +Ueltzhöffer (al. Ültzhöfer), Julius, geboren am 5. Februar 1892 in Schwetzingen, NSDAP- und SS-Mitglied seit 1932, meldet sich zum 31. August 1939 freiwillig zur SS-VT; Teilnahme am Polenfeldzug mit der SS-VT "Germania"; SS-Sanitätsdienstgrad (SDG) in  Auschwitz I (Stammlager) spätestens ab 28. April 1942, nach anderen Angaben bereits ab Herbst 1941.[(Vgl.: Aleksander Lasik: Die Personalbesetzung des Gesundheitsdienstes der SS im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau in den Jahren 1940-1945, in: Hefte von Auschwitz 20, Auschwitz, Verlag Staatliches Auschwitz-Museum 1997, S. 339; Raphael Gross / Werner Renz (Hrsg.: Der Frankfurter Auschwitz-Prozess. Kommentierte Quellenedition. Band 2, Frankfurt, Campus Verlag 2013,S. 978.)] In Auschwitz nahm Ueltzhöffer als SDG an Krankenselektionen unter Lagerarzt [[https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Entress|Friedrich Entress]] in den Häftlingskrankenblöcken 19, 20, 21 und 28 des Stammlagers teil. Die selektierten Kranken wurden danach in Block 20 durch SDG [[https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Klehr|Josef Klehr]] mit Phenolinjektionen ins Herz getötet oder nach Birkenau gefahren, um sie in der Gaskammer zu ermorden. Ueltzhöffers Beförderungen: 1. August 1940 SS-Unterscharführer, 1. Juli 1944 SS-Oberscharführer.[(Vgl.: Ueltzhöffer im Verzeichnis des SS-Lagerpersonals von Auschwitz, [[https://truthaboutcamps.eu/th/form/r94521686906716,LTZHFER-alias-UELTZHOEFFER.html|Instytut Pamięci Narodowej.]])]  
 +
 +Zu einem nicht näher bezeichneten Zeitpunkt wurde Ueltzhöffer, der 1942 (oder 1941) von Mauthausen nach Auschwitz gekommen war,  nach Dachau versetzt; auch in den KZ  Ravensbrück und Natzweiler-Struthof sind seine Einsätze belegt, wenn auch bislang nicht datiert. Auch im Januar 1945 soll er (wieder) in Dachau gewesen sein, wo er zuletzt für ein Massengrab-Kommando verantwortlich war. Wann er - nach eigenen Angaben - als neuer Kommandoführer des KZ-Außenkommandos nach Radolfzell kam, ist unbekannt. Er dürfte frühestens Ende 1942 [von Auschwitz?] nach Dachau, resp. Radolfzell versetzt worden sein und war somit nicht der unmittelbare Nachfolger von Josef Seuß als Kommandoführer; nach mündlichen Angaben Leonhard Oesterles war der Name des auf Seuß folgenden Kommandoführers ab August 1942 "Kienzle" (phon.), der allerdings bislang nicht verifiziert werden konnte.
 + 
 +Es kann als gesichert gelten, dass Ueltzhöffer spätestens 1943 von Dachau nach Radolfzell versetzt wurde, um dort die Kommandoführung über das seit Ende 1942 noch aus rund 30 Häftlingen bestehende Restkontingent des KZ-Außenkommandos zu übernehmen. Am 3. August 1943 beaufsichtigte er zusammen mit zwei weiteren SS-Wachen eine Gruppe von 24 KZ-Häftlingen bei einem Arbeitseinsatz(?) bei Böhringen(?). Nach eigenen Angaben habe er die Häftlinge gegen 21.00 Uhr "zum Baden in den [Böhringer] See geführt"(!). Am 5. August 1943 wurde die Leiche eines dieser Häflinge, des seit diesem Abend abgängigen Fritz Klose (1904-1943), im Böhringer See treibend aufgefunden. Vgl.: [[http://radolfzell-ns-geschichte.von-unten.org/ss-kaserne#aussenkommando_des_kz_dachau|Fritz Klose (1904-1943) im KZ-Außenkommando Radolfzell.]] Spätestens im Dezember 1943 wurde Ueltzhoffer als Kommandoführer von Hermann Rostek (siehe nachfolgend) abgelöst und nach Dachau zurückversetzt.
 +    
 +Julius Ueltzhöffer wurde 1947 von einem amerikanischen Militärgericht in einem Dachauer Folgeprozess ([[https://www.online.uni-marburg.de/icwc/dachau/000-050-0002-069.pdf|Case 50-2-69 (PDF))]] wegen der von ihm im KZ Dachau und seinen Außenlagern begangenen Kriegsverbrechen (Tatvorwurf des "common design" und persönliche Grausamkeit im Umgang mit Häftlingen) zu lebenslänglicher Haft veurteilt.
 +
 +Entlassung aus der Haft in Landsberg bereits am 15.3.1954, Rückkehr nach Rielasingen, wo er, von Beruf Zöllner, seit 1919 gemeldet war und 1920 geheiratet hatte. Ueltzhöffer arbeitete nach seiner Haftentlassung und bis zur Pensionierung als Fabrikarbeiter und starb am 3. Juni 1974 in Rielasingen.[(Recherchen und Text: Markus Wolter, 2019. Vgl.: Meldekarte Julius Ueltzhöffer, Einwohnermeldamt Rielasingen; vgl. auch Klee, Ernst: Auschwitz. Täter, Gehilfen, Opfer und was aus ihnen wurde. ein Personenlexikon. Frankfurt, S. Fischer 2013, S. 408.)]
**Her­mann Ros­tek (1898-​1970)** **Her­mann Ros­tek (1898-​1970)**

Termine

Eröffnung der Ausstellung: "Ein Panzer gegen die hässliche Zeit" - Hermann Hesses "Glasperlenspiel" im "Dritten Reich"

„1943 veröffentlichte Hermann Hesse seinen letzten Roman in kleiner Auflage in der Schweiz, erst Ende 1946 wurde „Das Glasperlenspiel“ auch einem größeren Publikum in Deutschland bekannt. Ursprünglich hätte „Das Glasperlenspiel“ schon 1942 in Berlin erscheinen sollen, doch die NS-Behörden verweigerten die Druckgenehmigung. Seinem Sohn Heiner teilte Hesse 1942 resigniert mit, „dass das Buch nun also die Leser, für die es bestimmt war, nicht erreicht“.“

Ort: Hesse Museum, Kapellenstr. 8, Gaienhofen

Zeit: 17. März 2019, 11.00 Uhr

http://www.hesse-museum-gaienhofen.de

2019/03/16 09:23 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"Wie Dachau an den See kam..."

Filmvorführung und Gespräch mit der Zeitzeugin Dr. Grete Leutz und dem Regisseur Jürgen Weber am 27. Januar 2019 in Konstanz

Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wird in einer Gedenkveranstaltung der regionalhistorische Dokumentarfilm „Wie Dachau an den See kam …“ zur Geschichte des KZ-Außenlagers in Überlingen gezeigt.

Es ist geplant, dass an diesem Abend neben dem Filmemacher Jürgen Weber auch die Überlinger Zeitzeugin Dr. Grete Leutz anwesend sein wird. Als junge Frau wurde sie fast täglich Zeugin des Zuges der KZ-Häftlinge vom Lager Aufkirch zur Überlinger Stollenanlage. In der Außenstelle Überlingen des KZ Dachau mussten ab Oktober 1944 rund 800 Häftlinge einen Stollen in den Molassefelsen treiben, um die Friedrichshafener Rüstungsindustrie am Bodensee „bombensicher“ unterzubringen. Bis April 1945 liefen viermal pro Tag die Kolonnen der Häftlinge - schwer bewacht durch die SS - durch den Überlinger Westen.

Der Film zeichnet mit Aussagen zweier ehemaliger Häftlinge, mit den Erinnerungen von damals jungen Menschen aus Überlingen und mit Fachleuten die Geschichte der KZ-Außenstelle Überlingen nach. Aufgrund seiner regionalhistorischen Bedeutung und teilweise einmaliger Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen wurde der Film aus dem Jahr 1995 als Retrospektive 2017 neu in der Reihe „Zeitgeschichtliche Kurz- und Dokumentarfilme“ aufgelegt.

Termin: 27. Januar 2019

Zeit: 19:30 – 21:00 Uhr

Ort: Wolkenstein-Saal (Kulturzentrum am Münster), Konstanz

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturamt der Stadt Konstanz, vhs Landkreis Konstanz e. V. DIG Bodensee Region, Gesellschaft für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit e.V. Konstanz und weitere

Eintritt: frei

2019/02/11 23:45 · sw · 0 Kommentare

Uraufführung: Gerron

Im Stadttheater Konstanz wird am 2.2.2019 das Stück „Gerron“ von Charles Lewinsky uraufgeführt. Regisseurin ist Annette Gleichmann.

Das Stück basiert auf der wahren Geschichte des jüdischen Künstlers Kurt Gerron. Als Frontsoldat und Arzt im 1. Weltkrieg kämpfend, mehrfach schwer verletzt, wurde er später im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet. Er floh 1933 zunächst nach Paris, dann nach Österreich, Italien und in die Niederlande, wo er 1943 interniert wurde. Im Jahr 1944 wurden er und seine Familie in das KZ Theresienstadt deportiert. Seine Mitwirkung als Regisseur an dem im KZ gedrehten Propagandafilm “Theresienstadt“ schützte ihn nicht vor der Deportation nach Auschwitz, wo er ebenso wie die 1600 mitwirkenden Kinder nach Ende der Dreharbeiten vergast wurde.

Uraufführung: 2.2.2019, Theaterwerkstatt Inselgasse, 20 Uhr

Ticketreservierung und weitere Spielzeiten: Gerron

Quelle: Stadttheater Konstanz

2019/02/02 13:14 · sw · 0 Kommentare

Vor 80 Jahren: Aktion "T4" - "Denkmal der Grauen Busse" 2019 im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen

Wirtschaftsgebäude von Grafeneck, Personal der als Tarnorganisation eingerichteten „Gemeinnützigen Krankentransport GmbH (Gekrat)“; einer von drei Bussen der Gekrat, mit denen ab Januar 1940 geistig und körperlich behinderte und psychisch kranke Menschen aus Pflegeeinrichtungen und Heilanstalten (wie z. B. Freiburg, Emmendingen und Reichenau, Konstanz) in die Vernichtungsanstalt Grafeneck gebracht wurden. Innerhalb eines Jahres wurden in der Gaskammer von Grafeneck 10.654 Menschen ermordet. Fotografie: Gedenkstätte Grafeneck

Die Radolfzeller Opfer der Aktion "T4" 1939-1941 waren Patient/innen der psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalten Reichenau, Emmendingen und Wiesloch, der Kreispflegeanstalt Geisingen, der Universitätsnervenklink Freiburg und/oder minderjährige „Pfleglinge“ der St. Josefsanstalt Herten und davor in Kinderheimen in Freiburg, Konstanz und Sigmaringen untergebracht:

Maria Amann 1899-1941 | Frieda Armbruster 1890-1940 | Alwin Bödler 1883-1940 | Walter Böhler 1934-1940 | Emma Braun 1886-1940 | Albertine Hässig 1890-1940 | Nikolaus Honsell 1887-1940 | Otto Hans Keller 1893-1940 | Leopold Kohler 1887-1940 | Anna Ronkat 1904-1940 | Josefa Trost, geb. Klaus 1878-1940 | Helmut Waller 1920-1940 | Berta Welschinger 1902-1940 | Elisabeth Welschinger 1931-1940

"Denkmal der grauen Busse" 2019 im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen.

Montag, 28. Januar 2019, 11.00 Uhr Eröffnungsveranstaltung zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus

Ort: Festhalle des Zentrums für Psychiatrie Emmendingen

Programm: Kranzniederlegung und Gedenkminute am Denkmal im ZfP Emmendingen Begrüßung Michael Eichhorst, Geschäftsführer ZfP Emmendingen und Calw

Vortrag „Erinnern, gedenken, bilden: Oder: Wie können wir in unseren psychiatrischen Kliniken mit der NS Vergangenheit umgehen?“

Referent: Prof. Dr. med. Thomas Müller, Leiter des Forschungsbereichs Geschichte und Ethik in der Medizin am ZfP Südwürttemberg / Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I der Universität Ulm. Er ist Leiter des Württembergischen Psychiatriemuseums und Koordinator der Historischen Forschung der Zentren für Psychiatrie in Baden-Württemberg.

Eröffnung und Ausstellung des Denkmals der Grauen Busse

Zu den weiteren Veranstaltungen des Begleitprogramms 2019:

Download (PDF)

Beschlussvorlage - Zur Umbenennung des "Landserwegs" in "Fritz-Klose-Weg"

Der „Landserweg“ im Dezember 2018, links die alte Mauereinfassung des Kasernenareals, rechts die Wohnblöcke der ehemaligen SS-Siedlung. Fotografie: Markus Wolter

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In seiner Sitzung am 27. November 2018 wird der Radolfzeller Gemeinderat über eine Straßenumbenennnung entscheiden. Der durch den einschlägigen NS-Kontext in die Kritik geratene „Landserweg“ - zwischen ehemaliger SS-Kaserne und SS-Wohnsiedlung - soll nach einer im Sommer 2018 an den Ältestenrat übermittelten Initiativanfrage umbenannt werden. Nach ensprechender Empfehlung des Ältestenrats folgte eine nochmalige, quellengestützte Überprüfung der Sachlage und Stellungnahme durch die Abteilung Stadtgeschichte. In der Initiativanfrage war von Markus Wolter die Umbennung des „Landserwegs“ in „Fritz-Klose-Weg“ vorgeschlagen worden, benannt nach dem neben Jacob Dörr zweiten nachweislichen Todesfall eines KZ-Häftlings im Außenkommando Radolfzell. Alternativ schlägt die Abteilung Stadtgeschichte die historisch überlieferte Flurbezeichnung „Am Entennest“ (sic) vor.

Beschlussvorlage:abgerufen auf: Ratsinformationssystem, Sitzungskalender (PDF)

2018/11/23 20:57 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
prozesse_gegen_radolfzeller_ss-angehoerige.1534835600.txt.gz · Zuletzt geändert: 2018/08/21 09:13 von mw
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