Aktuelles
Stolpersteine
Radolfzell
Bodenseeregion
Recherche
Wiki
Karte von Radolfzell

Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

radolfzell_zur_ns-zeit [2017/07/10 15:54]
mw
radolfzell_zur_ns-zeit [2019/04/15 09:19] (aktuell)
mw
Zeile 4: Zeile 4:
Doch  die NS-Geschichte von Radolfzell beginnt wesentlich früher, vielleicht mit der Gründung der NSDAP-Ortsgruppe im Jahr 1926. Erster NSDAP-Ortsgruppenleiter war Willy Renz, gefolgt von Arnold Haller am  12.  Oktober 1937, bis dieser  nach  seiner  Bestellung  zum  Villinger Kreisleiter  am  1.  August  1938 das Amt an den Radolfzeller Heilpraktiker(!) Otto Gräble abgab. Doch  die NS-Geschichte von Radolfzell beginnt wesentlich früher, vielleicht mit der Gründung der NSDAP-Ortsgruppe im Jahr 1926. Erster NSDAP-Ortsgruppenleiter war Willy Renz, gefolgt von Arnold Haller am  12.  Oktober 1937, bis dieser  nach  seiner  Bestellung  zum  Villinger Kreisleiter  am  1.  August  1938 das Amt an den Radolfzeller Heilpraktiker(!) Otto Gräble abgab.
 +
===== NS-Geschichte von Radolfzell ===== ===== NS-Geschichte von Radolfzell =====
-Weitere markante Daten sind [(Quelle überwiegend: Friedrich Stadler (Hrsg. ) Adressbuch der Stadt Radolfzell am Bodensee und Umgebung, 1938, S. 22-41)]:  +{{gallery>:ehrentafel_-_nsdap-ortsgruppe_radolfzell_1930.jpg?400x400&lightbox}} 
-  * die Gründung eines SS-Zugs ("Allgemeine SS") in Radolfzell im Jahr 1931, unterstellt dem SS-Sturm von Konstanz, dieser wiederum dem dortigen SS-Sturmbann.   +"[[https://de.wikipedia.org/wiki/Alter_K%C3%A4mpfer|Alte Kämpfer]]": "Ehrentafel der alten PG der NSDAP-Ortsgruppe Radolfzell, Oktober 1930"; angefertigt 1933.[(Stadtarchiv Radolfzell; abgebildet in: Sebastian Hausendorf: "Eine böse Mißwirtschaft". Radolfzell 1933-1935, Konstanz 2013, S. 34/35.)]  
-  * die Wahlkampfveranstaltung mit Adolf Hitler am 29.7.1932 (vor angeblich 30.000 ZuhörerInnen) sowie zwei weitere Wahlkundgebungen im März 1938 + 
 +Von links nach rechts, oben nach unten: E. Engelhardt, Friedrich Stoß, Viktor Graf (SA), Franz Hafner (SA), A. Berger, Rudolf Schwarzwälder (SS), Willy Renz (Ortsgruppenleiter), Richard Burk, Otto Hanauer, Ludwig Beck (SA), Egon Gabele, Willy Ritter, Ernst Weißhaupt | Hermann Gabele, A. Graf (SA), Johann Graf (SA), Vinzenz Miehle, Ch. Blessing, J. Poppe (SS), Emil Traub (SS), Eduard Schmidt, M. Renn, Oskar Klaumünzer, A. Haller, K. Hock, K. Glas, Eugen Speer | Emil Honold, W. Hügle, Otto Großhanser, Otto Braun, J. Frank, Georg Delp (SA), Rudolf Schoch (SA), Matthäus Renn (SA), Leo Bader (SA), Otto Bader, Alois Dellamaria, Karl Keck, Josef Häne, R. Riedmüller | Fritz Bachmann, W. Hügle, F. Straub (SA), Anton Simmendinger (SA), Anton Muffler, O. Keller (SA), Josef Mayer, Josef Ruh, Berthold Krembs, Josef Schlosser (SA), Ludwig Kurz, Ernst Bleyhl, Hermann Kirner (SA), Adolf Bonauer | Karl Truckenbrod, W. Schellinger (SS), E. Stier (SS), W. Stier, Franz Weschenfelder, K. Auer, Karl Riester (SA), Richard Bruttel, Johann Graf, Franz Sauter, E. Nutz, Theodor Thum, Oskar Bohl, Johann Hertenstein | E. Baumann, K. Barth (SS), G. Sigg (SA), Josef Deininger, Josef Glatt (SA), Reinhard Dischinger, Ernst Büche, J. Bertsche, Otto Bastian, H. Peter, O. Göhring, Th. Simmendinger, F. Heuer, Karl Stocker (SA).[(Zur Ergänzung der Vornamen diente u.a.: Adressbuch der Stadt Radolfzell am Bodensee und Umgebung, Stadler Verlag 1938.)]    
 + 
 +Einige der genannten "Söhne der Stadt Radolfzell" finden sich auch auf den Namenstafeln am "Kriegerdenkmal".   
 +             
 +  
 + 
 +Weitere markante Daten sind:[(Quelle überwiegend: Friedrich Stadler (Hrsg.): Adressbuch der Stadt Radolfzell am Bodensee und Umgebung, Konstanz, Stadler Verlag 1938, S. 22-41.)] 
 + 
 +  * Im Oktober 1930 die Bildung einer SA in Radolfzell, die sich am 17. Mai 1931 unter Truppführer Ludwig Beck (siehe oben) bei einem Aufmarsch erstmals öffentlich präsentierte. Prominente Gastredner waren [[https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Plattner|Fritz Plattner]] und der Münchner Gauleiter [[https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Wagner_(Gauleiter)|Adolf Wagner.]]   
 +  * die Gründung eines SS-Zugs ("Allgemeine SS") in Radolfzell im Jahr 1931, unterstellt dem SS-Sturm von Konstanz, dieser wiederum dem dortigen SS-Sturmbann.  
 + * SA-Oberführer [[https://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Ludin|Hanns Ludin]] nimmt im November 1931 den Appell des Radolfzeller SA-Sturms 32 im Gasthaus "Adler" ab. 
 +  * die Wahlkampfveranstaltung mit Adolf Hitler am 29.7.1932 (vor angeblich 30.000 ZuhörerInnen) sowie zwei weitere Wahlkundgebungen im März 1938 
 +  * Gründung des Radolfzeller SA-Sturmbanns II/114 (SA-Standarte 114, Konstanz) im Jahr 1934 unter Obertruppführer Ludwig Beck und Adjutant Viktor Graf
  * die Propagandamärsche der SA und SS auf der Höri (1932, 1933 und 1938)   * die Propagandamärsche der SA und SS auf der Höri (1932, 1933 und 1938)
-  * Radolfzeller SA-Angehörige stehen anlässlich des Reichspogroms im November 1938 vor dem Überlinger Textilgeschäft Wilhelm Levi (heute Münsterstraße 12) und hielten Kunden davon ab, "beim Juden zu kaufen".[(Geschäftsführer Viktor Levi, Sohn von Wilhelm Levi, wurde nach dem Pogrom nach Dachau deportiert und Tage später freigelassen, mit der Auflage, Deutschland sofort zu verlassen. Die Stadt Überlingen plant, Stolpersteine vor dem Geschäft zu verlegen. Quelle: Überlinger Stadtführung von Oswald Burger am 13.10.2013, sowie [[http://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/ueberlingen/Nazi-Unrecht-8222-Stolpersteine-8220-erinnern-an-Familie-Levi;art372495,5953758|Südkurier, 13.3.2013]].)].  
  * der Fackelzug der SA anläßlich der Machtübernahme durch Hitler im Jahr 1933   * der Fackelzug der SA anläßlich der Machtübernahme durch Hitler im Jahr 1933
-  * die starke Zunahme der SA im Jahr 1934; Radolfzell ist Sitz der SA-Reiterstandarte 156+  * die starke Zunahme der SA im Jahr 1934; Radolfzell wird Sitz der SA-Reiterstandarte 156 
 +  * Radolfzeller SA-Angehörige stehen anlässlich des Reichspogroms im November 1938 vor dem Überlinger Textilgeschäft Wilhelm Levi (heute Münsterstraße 12) und hielten Kunden davon ab, "beim Juden zu kaufen".[(Geschäftsführer Viktor Levi, Sohn von Wilhelm Levi, wurde nach dem Pogrom nach Dachau deportiert und Tage später freigelassen, mit der Auflage, Deutschland sofort zu verlassen. Die Stadt Überlingen plant, Stolpersteine vor dem Geschäft zu verlegen. Quelle: Überlinger Stadtführung von Oswald Burger am 13.10.2013, sowie [[http://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/ueberlingen/Nazi-Unrecht-8222-Stolpersteine-8220-erinnern-an-Familie-Levi;art372495,5953758|Südkurier, 13.3.2013]].)].
  * die Radolfzeller Wahlerfolge der NSDAP bei der Reichstagswahl am 31.7.1932 (NSDAP wird zweitstärkste Partei) sowie bei den Scheinwahlen nach der Machtergreifung (z.B. 98% Ja-Stimmen für Hitler bei der Reichstagswahl am 29.3.1936 oder 98,37% bei der Reichstagswahl am 10.4.1938 bei jeweils extrem hohen Wahlbeteiligungen)[(Zur Bedeutung der Wahlen im Nationalsozialismus vgl. http://www.geschichte-s-h.de/vonabisz/wahlen-1933-bis-1938.htm)]   * die Radolfzeller Wahlerfolge der NSDAP bei der Reichstagswahl am 31.7.1932 (NSDAP wird zweitstärkste Partei) sowie bei den Scheinwahlen nach der Machtergreifung (z.B. 98% Ja-Stimmen für Hitler bei der Reichstagswahl am 29.3.1936 oder 98,37% bei der Reichstagswahl am 10.4.1938 bei jeweils extrem hohen Wahlbeteiligungen)[(Zur Bedeutung der Wahlen im Nationalsozialismus vgl. http://www.geschichte-s-h.de/vonabisz/wahlen-1933-bis-1938.htm)]
  * die Ernennung des NSDAP-Kreisleiters Eugen Speer zum Bürgermeister im Februar 1934   * die Ernennung des NSDAP-Kreisleiters Eugen Speer zum Bürgermeister im Februar 1934
  * diverse NS-Veranstaltungen im [[scheffelhof|Scheffelhof ]]("Gemeindepolitische" Kundgebungen, "Braune" Weihnachtsfeier, Theateraufführung der Hitlerjugend, Vereidigung von NSDAP-Mitgliedern,...)   * diverse NS-Veranstaltungen im [[scheffelhof|Scheffelhof ]]("Gemeindepolitische" Kundgebungen, "Braune" Weihnachtsfeier, Theateraufführung der Hitlerjugend, Vereidigung von NSDAP-Mitgliedern,...)
  * Feier des "Tags des deutschen Volkstums in der Welt" mit 1000 Radolfzeller Schülern auf dem früheren Hindenburgplatz (Marktplatz) am 22.9.1935   * Feier des "Tags des deutschen Volkstums in der Welt" mit 1000 Radolfzeller Schülern auf dem früheren Hindenburgplatz (Marktplatz) am 22.9.1935
 +  * Großkundgebung mit Reichsstatthalter und Gauleiter Robert Wagner als Redner; Gegenstand seiner völkischen Hetzrede: "Kampf dem Bolschewismus", 25.10.1936
  * "Bodensee-Lager der Leipziger HJ" in Iznang - Ankunft und Aufenthalt von rund 1000 Angehörigen der HJ aus Leipzig im Juli 1938. Empfang am Radolfzeller Bahnhof durch die SS.[([[http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=06&day=13b&year=1938&month=07&project=3&anzahl=9|Vgl. Zeitungsbericht in der ''Freiburger Zeitung'', 13. Juli 1938]])]   * "Bodensee-Lager der Leipziger HJ" in Iznang - Ankunft und Aufenthalt von rund 1000 Angehörigen der HJ aus Leipzig im Juli 1938. Empfang am Radolfzeller Bahnhof durch die SS.[([[http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=06&day=13b&year=1938&month=07&project=3&anzahl=9|Vgl. Zeitungsbericht in der ''Freiburger Zeitung'', 13. Juli 1938]])]
  * Bemerkenswert ist vor allem das einträchtige Miteinander der Zivilbevölkerung, der verschiedenen NS-Organisationen (SA, SS, HJ, BDM[([[http://de.wikipedia.org/wiki/Bund_Deutscher_M%C3%A4del|Bund Deutscher Mädel]])], NSV[([[http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Volkswohlfahrt|Nationalsozialistische Volkswohlfahrt]])], KdF[([[http://de.wikipedia.org/wiki/Kraft_durch_Freude|Kraft durch Freude]])] ) und der Waffen-SS im öffentlichen Leben der Stadt Radolfzell, sei es bei Turn- und Erntedankfesten, beim "Eintopfsonntag", bei Fasnachtsumzügen, Weihnachtsfeiern oder sonstigen NS-Großveranstaltungen.   * Bemerkenswert ist vor allem das einträchtige Miteinander der Zivilbevölkerung, der verschiedenen NS-Organisationen (SA, SS, HJ, BDM[([[http://de.wikipedia.org/wiki/Bund_Deutscher_M%C3%A4del|Bund Deutscher Mädel]])], NSV[([[http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Volkswohlfahrt|Nationalsozialistische Volkswohlfahrt]])], KdF[([[http://de.wikipedia.org/wiki/Kraft_durch_Freude|Kraft durch Freude]])] ) und der Waffen-SS im öffentlichen Leben der Stadt Radolfzell, sei es bei Turn- und Erntedankfesten, beim "Eintopfsonntag", bei Fasnachtsumzügen, Weihnachtsfeiern oder sonstigen NS-Großveranstaltungen.
Zeile 90: Zeile 105:
|11,46%|33,23%|7,65%|39,16%|8,50%| |11,46%|33,23%|7,65%|39,16%|8,50%|
-Bei den Reichpräsidentenwahlen wurde in Radolfzell wie folgt gewählt[(Hausendorf, Sebastian: »Eine böse Mißwirtschaft«. Radolfzell 1933-1935. Konstanz, UVK 2012, S. 141 f)]:+Bei den Reichspräsidentenwahlen wurde in Radolfzell wie folgt gewählt[(Hausendorf, Sebastian: »Eine böse Mißwirtschaft«. Radolfzell 1933-1935. Konstanz, UVK 2012, S. 141 f)]:
**[[http://de.wikipedia.org/wiki/Reichspr%C3%A4sidentenwahl_1925|Reichspräsidentenwahl 26.4.1925]]** **[[http://de.wikipedia.org/wiki/Reichspr%C3%A4sidentenwahl_1925|Reichspräsidentenwahl 26.4.1925]]**
Zeile 133: Zeile 148:
{{gallery>:empfang_der_ss-vt-germania_1937.jpg?300x300&lightbox}} {{gallery>:empfang_der_ss-vt-germania_1937.jpg?300x300&lightbox}}
"Deutscher Gruß" der Repräsentanten aus NSDAP, SS und Wehrmacht, u.a. Landeskommissär Gustav Wöhrle und [[https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Stein_(SS-Mitglied)|SS-Oberführer Walter Stein]], dieser hebt statt des vorgeschriebenen rechten den linken Arm. StAR.[(wolter1>Fotografien und Bildunterschriften in: Wolter, Markus: Radolfzell im Nationalsozialismus - Die Heinrich-Koeppen-Kaserne als Standort der Waffen-SS, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, Band 129, Thorbecke, Ostfildern 2011, hier S. 254/55.)] "Deutscher Gruß" der Repräsentanten aus NSDAP, SS und Wehrmacht, u.a. Landeskommissär Gustav Wöhrle und [[https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Stein_(SS-Mitglied)|SS-Oberführer Walter Stein]], dieser hebt statt des vorgeschriebenen rechten den linken Arm. StAR.[(wolter1>Fotografien und Bildunterschriften in: Wolter, Markus: Radolfzell im Nationalsozialismus - Die Heinrich-Koeppen-Kaserne als Standort der Waffen-SS, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, Band 129, Thorbecke, Ostfildern 2011, hier S. 254/55.)]
 +
 +===NSV-Kindergarten und Volksschule===
 +
 +{{gallery>:st._antonius-kindergarten_radolfzell_mit_hk-fahne.jpg?300x300&lightbox}}
 +{{gallery>:nsv-kindergarten.jpg?150x150&lightbox}}
 +Das "St. Antoniushaus" mit Hakenkreuzfahne und NSV-Runen-Schild ("Kindergarten der NSV") an der Hausfassade, [[https://de.wikipedia.org/wiki/Walther_Darr%C3%A9|R. Walther-Darréstr. 23]] (vormals Schwertstraße). Fotografie um 1940, Privatbesitz. Sammlung Markus Wolter
 +
 +Das noch kurz vor der NS-"Machtübernahme", am 29.1.1933 als Kindergarten und Krankenpflegeanstalt eingeweihte "St. Antoniushaus" war neben dem Kindergarten St. Josef in der Fürstenbergstr. 2 die zweite Vorschuleinrichtung des katholischen Frauenvereins Radolfzell. Nach Verbot des Frauenvereins 1937 wurde das Eigentum dem Deutschen Roten Kreuz, Badischer Frauenverein - Zweigverein Radolfzell  übertragen und die beiden Einrichtungen wurden laut Adressbuch 1938 als NSV-Kindergarten und Krankenpflegeanstalt von der [[https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Volkswohlfahrt|Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV)]] mit NSV-Schwestern geführt. NSV-Ortsamtsleiter war der "Alte Kämpfer" (NSDAP-Eintritt 1931) und Uniformträger Adolf Bonauer, seit 1934 auch Rektor der Radolfzeller Volksschule. 1944 erfolgte schließlich die Vermögensübertragung an die NSV.
 +{{gallery>:tegginger-schule-flaggenhissung.jpg?300x300&lightbox}}
 +Das NS-Ritual der Flaggenhissung auf dem Schulhof der Volksschule Radolfzell. Fotografie o.D., Stadtarchiv Radolfzell.
 +{{gallery>:kollegium_volksschule_radolfzell_1934.jpg?300x300&lightbox}}
 +Das "gleichgeschaltete" Kollegium der Radolfzeller Volksschule, 1934. In der Mitte, in der Uniform eines Politischen Leiters der NSDAP, der seit November 1933 als (zunächst kommissarischer) Rektor amtierende "Alte Kämpfer" Adolf Bonauer (1886-1965).
 +
 +Aus einer dienstlichen Beurteilung Bonauers durch das Kreischulamt Konstanz, 25.10.1937:
 +"Mit Beziehung auf die am 27./28./30. 9. und 1.10. 1937 an der dortigen Schule vorgenommenen Schulbesuche spreche ich Ihnen meine besondere Anerkennung aus für die umsichtige, zielbewusste, ausgleichende und //deutsche Leitung//(!) der Grund- und Hauptschule Radolfzell. (...). Die Erziehung zu Volk und Staat ist überall erreicht." [(Personalakte Adolf Bonauer, StAF, L 50/111218.)]  
=== "bystanders" - Fotografien von den Rändern (30. Juni 1939)=== === "bystanders" - Fotografien von den Rändern (30. Juni 1939)===

Termine

Täter-Helfer-Trittbrettfahrer: Prof. Dr. Eugen Fischer (1874-1967)

Eugen Fischer: Der völkische Staat, biologisch gesehen. Berlin 1933. Fotografie: Wikipedia

Vortrag:

Dr. Wolfgang Proske (Hrsg.) / Markus Wolter:

Prof. Dr. Eugen Fischer (1874–1967). Die Freiburger Schule des Rassenwahns

Zeit und Ort:

Dienstag, 28. Mai, 20 Uhr, HS 1009 (Uni Freiburg KGI)

Veranstaltet vom Referat gegen Antisemitismus, Studierendenrat der Universität Freiburg, in Kooperation mit der Fachschaft Geschichte und der Fachschaft Medizin.

https://www.stura.uni-freiburg.de/gremien/referate/gegenantisemitismus

http://www.ns-belastete.de/band_9.html

2019/05/15 16:43 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Vier Filme zum Nationalsozialismus in Überlingen, Radolfzell, Schwarzwald

Gedenkveranstaltung in Überlingen änlässlich des 74. Jahrestages des Kriegsendes

Anlässlich des 74. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges bringt die KulturKiste Überlingen e. V. am Sonntag, 12. Mai 2019 im Rahmen ihrer jährlichen Gedenkveranstaltung „Vier Filme zum Thema Nationalsozialismus in Überlingen, Radolfzell und im Schwarzwald“.

Zu Überlingen werden die beiden Dokumentarfilme über den „Goldbacher Stollen“ „Unter Deutschlands Erde“ von Didi Danquart (BRD 1983) (10.00 Uhr + 19.00 Uhr) sowie „Wie Dachau an den See kam …“ von Jürgen Weber (D 1995) (11.00 Uhr + 18.00 Uhr) gezeigt.

Der Film "Leichen im Keller" von Günter Köhler (D 2010) handelt von Radolfzell im Nationalsozialismus sowie den späteren Umgang damit. (12.00 Uhr + 17.00 Uhr). Darüber hinaus wird um 13.00 Uhr, sowie um 15.00 Uhr der Spielfilm „Viejud Levi“ von Didi Danquart gezeigt, der den Nationalsozialismus in einem Schwarzwaldtal behandelt.

Das Gesamtprogramm findet sich unter: www.kulturkiste-ueberlingen.eu

Wann: Sonntag, 12. Mai 2019

Wo: Kulturbahnhof Nussdorf / Die Rampe, Nussdorfer Str. 100, Überlingen

Eintritt Frei / Spende erwünscht

2019/05/05 14:56 · sw · 0 Kommentare

Eröffnung der Ausstellung: "Ein Panzer gegen die hässliche Zeit" - Hermann Hesses "Glasperlenspiel" im "Dritten Reich"

„1943 veröffentlichte Hermann Hesse seinen letzten Roman in kleiner Auflage in der Schweiz, erst Ende 1946 wurde „Das Glasperlenspiel“ auch einem größeren Publikum in Deutschland bekannt. Ursprünglich hätte „Das Glasperlenspiel“ schon 1942 in Berlin erscheinen sollen, doch die NS-Behörden verweigerten die Druckgenehmigung. Seinem Sohn Heiner teilte Hesse 1942 resigniert mit, „dass das Buch nun also die Leser, für die es bestimmt war, nicht erreicht“.“

Ort: Hesse Museum, Kapellenstr. 8, Gaienhofen

Zeit: 17. März 2019, 11.00 Uhr

http://www.hesse-museum-gaienhofen.de

2019/03/16 09:23 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"Wie Dachau an den See kam..."

Filmvorführung und Gespräch mit der Zeitzeugin Dr. Grete Leutz und dem Regisseur Jürgen Weber am 27. Januar 2019 in Konstanz

Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wird in einer Gedenkveranstaltung der regionalhistorische Dokumentarfilm „Wie Dachau an den See kam …“ zur Geschichte des KZ-Außenlagers in Überlingen gezeigt.

Es ist geplant, dass an diesem Abend neben dem Filmemacher Jürgen Weber auch die Überlinger Zeitzeugin Dr. Grete Leutz anwesend sein wird. Als junge Frau wurde sie fast täglich Zeugin des Zuges der KZ-Häftlinge vom Lager Aufkirch zur Überlinger Stollenanlage. In der Außenstelle Überlingen des KZ Dachau mussten ab Oktober 1944 rund 800 Häftlinge einen Stollen in den Molassefelsen treiben, um die Friedrichshafener Rüstungsindustrie am Bodensee „bombensicher“ unterzubringen. Bis April 1945 liefen viermal pro Tag die Kolonnen der Häftlinge - schwer bewacht durch die SS - durch den Überlinger Westen.

Der Film zeichnet mit Aussagen zweier ehemaliger Häftlinge, mit den Erinnerungen von damals jungen Menschen aus Überlingen und mit Fachleuten die Geschichte der KZ-Außenstelle Überlingen nach. Aufgrund seiner regionalhistorischen Bedeutung und teilweise einmaliger Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen wurde der Film aus dem Jahr 1995 als Retrospektive 2017 neu in der Reihe „Zeitgeschichtliche Kurz- und Dokumentarfilme“ aufgelegt.

Termin: 27. Januar 2019

Zeit: 19:30 – 21:00 Uhr

Ort: Wolkenstein-Saal (Kulturzentrum am Münster), Konstanz

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturamt der Stadt Konstanz, vhs Landkreis Konstanz e. V. DIG Bodensee Region, Gesellschaft für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit e.V. Konstanz und weitere

Eintritt: frei

2019/02/11 23:45 · sw · 0 Kommentare

Uraufführung: Gerron

Im Stadttheater Konstanz wird am 2.2.2019 das Stück „Gerron“ von Charles Lewinsky uraufgeführt. Regisseurin ist Annette Gleichmann.

Das Stück basiert auf der wahren Geschichte des jüdischen Künstlers Kurt Gerron. Als Frontsoldat und Arzt im 1. Weltkrieg kämpfend, mehrfach schwer verletzt, wurde er später im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet. Er floh 1933 zunächst nach Paris, dann nach Österreich, Italien und in die Niederlande, wo er 1943 interniert wurde. Im Jahr 1944 wurden er und seine Familie in das KZ Theresienstadt deportiert. Seine Mitwirkung als Regisseur an dem im KZ gedrehten Propagandafilm “Theresienstadt“ schützte ihn nicht vor der Deportation nach Auschwitz, wo er ebenso wie die 1600 mitwirkenden Kinder nach Ende der Dreharbeiten vergast wurde.

Uraufführung: 2.2.2019, Theaterwerkstatt Inselgasse, 20 Uhr

Ticketreservierung und weitere Spielzeiten: Gerron

Quelle: Stadttheater Konstanz

2019/02/02 13:14 · sw · 0 Kommentare
 
radolfzell_zur_ns-zeit.1499694857.txt.gz · Zuletzt geändert: 2017/07/10 15:54 von mw
Recent changes RSS feed Creative Commons License Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki