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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



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ss-kaserne [2018/12/06 11:55]
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ss-kaserne [2019/02/20 07:36] (aktuell)
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====== SS-Kaserne und KZ-Außenkommando Radolfzell ====== ====== SS-Kaserne und KZ-Außenkommando Radolfzell ======
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 +{{gallery>:radolfzell-luftbild-franz_thorbecke-um1955-2.jpg?300x300&lightbox}}
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 +Radolfzell und das Kasernenareal (unten links), Luftbild Franz Thorbecke, um 1955. Sammlung Markus Wolter.
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In [[http://de.wikipedia.org/wiki/Radolfzell_am_Bodensee|Radolfzell am Bodensee]] befindet sich eine ehemalige SS-Kaserne aus der Zeit des Nationalsozialismus. In [[http://de.wikipedia.org/wiki/Radolfzell_am_Bodensee|Radolfzell am Bodensee]] befindet sich eine ehemalige SS-Kaserne aus der Zeit des Nationalsozialismus.
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-{{gallery>:radolfzell-luftbild-franz_thorbecke-um1955-2.jpg?300x300&lightbox}} 
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-Zeitgenössische Ansichtskarte, Luftbild Franz Thorbecke, um 1955. Sammlung Markus Wolter. 
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-{{gallery>:caserne_vauban-od..jpg?300x300&lightbox}} 
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-Der Kasernenkomplex um 1950. Fotografie: Urheber unbekannt. Sammlung Markus Wolter. 
===== Entstehung ====== ===== Entstehung ======
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{{gallery>:stabsgebaude_1938-hillebrecht.jpg?300x300&lightbox}} {{gallery>:stabsgebaude_1938-hillebrecht.jpg?300x300&lightbox}}
Stabsgebäude, Zufahrt mit vorgelagerten Wachhäuschen, 1937/38. Fotografie Hillebrecht. Sammlung Markus Wolter Stabsgebäude, Zufahrt mit vorgelagerten Wachhäuschen, 1937/38. Fotografie Hillebrecht. Sammlung Markus Wolter
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Der Entwurf stammt von dem Karlsruher Architekten [[http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Alker|Hermann Alker]]. Seit spätestens Februar 1934 Mitglied der NSDAP und der Allgemeinen SS, verdankte Alker seinen guten Kontakten zu Gauleiter Robert Wagner, zum NSDAP-Funktionär [[https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Moraller|Franz Moraller]] und vor allem zum Adjutanten Robert Wagners, SS-Standartenführer Karl Bock (1899-1943), die Auftragsvergabe für die SS-Kaserne Radolfzell. Am 26. Juli 1934 kamen Bock und Alker zu einem gemeinsamen Ortstermin nach Radolfzell, um sich ein Bild des projektierten Kasernenareals zu machen. Im Jahr 1935 konnte mit dem Bau begonnen werden, ein Jahr später, am 26. September 1936, war bereits Richtfest.[(Vgl. Roos, Dorothea: Der Karlsruher Architekt Hermann Reinhard Alker, Bauten und Projekte 1921 bis 1958, Tübingen, Wasmuth 2011, S. 296.)] Entgegen aller Hoffnung kamen Radolfzeller Baufirmen und Gewerbebetriebe nicht zum Zug. [(linksrhein>[[http://linksrhein.blogsport.de/2008/04/21/ehemalige-ss-kaserne-in-radolfzell-und-das-kz-aussenlager-von-dachau/|Ehemalige SS-Kaserne in Radolfzell und das KZ Außenlager von Dachau]], LinksRhein 21.04.2008)] Der Entwurf stammt von dem Karlsruher Architekten [[http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Alker|Hermann Alker]]. Seit spätestens Februar 1934 Mitglied der NSDAP und der Allgemeinen SS, verdankte Alker seinen guten Kontakten zu Gauleiter Robert Wagner, zum NSDAP-Funktionär [[https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Moraller|Franz Moraller]] und vor allem zum Adjutanten Robert Wagners, SS-Standartenführer Karl Bock (1899-1943), die Auftragsvergabe für die SS-Kaserne Radolfzell. Am 26. Juli 1934 kamen Bock und Alker zu einem gemeinsamen Ortstermin nach Radolfzell, um sich ein Bild des projektierten Kasernenareals zu machen. Im Jahr 1935 konnte mit dem Bau begonnen werden, ein Jahr später, am 26. September 1936, war bereits Richtfest.[(Vgl. Roos, Dorothea: Der Karlsruher Architekt Hermann Reinhard Alker, Bauten und Projekte 1921 bis 1958, Tübingen, Wasmuth 2011, S. 296.)] Entgegen aller Hoffnung kamen Radolfzeller Baufirmen und Gewerbebetriebe nicht zum Zug. [(linksrhein>[[http://linksrhein.blogsport.de/2008/04/21/ehemalige-ss-kaserne-in-radolfzell-und-das-kz-aussenlager-von-dachau/|Ehemalige SS-Kaserne in Radolfzell und das KZ Außenlager von Dachau]], LinksRhein 21.04.2008)]
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Der Tagesablauf sah i.d.R. so aus: 6 Uhr wecken, 6:15 Uhr Appell, 6:30 Uhr Marsch zum Schießstand, Arbeit bis 12 Uhr, dann eine halbe Stunde Pause, und weiterarbeiten bis 17:30 Uhr. Danach ging es zurück in die Kaserne. Der Tagesablauf sah i.d.R. so aus: 6 Uhr wecken, 6:15 Uhr Appell, 6:30 Uhr Marsch zum Schießstand, Arbeit bis 12 Uhr, dann eine halbe Stunde Pause, und weiterarbeiten bis 17:30 Uhr. Danach ging es zurück in die Kaserne.
-Es kam zu mehreren Tötungen von KZ-Häftlingen:[(Recherchen Markus Wolter: [[http://www.antiquariat-wolter.de/188114.html]])]+====Häftlingstötungen===
-Während des Arbeitseinsatzes kamen, durch überlieferte Dokumente aus Dachau nachweislich, mindestens zwei Häftlinge gewaltsam zu Tode - im Jargon der Täter: "auf der Flucht erschossen" bzw. bei einem "Unfall": +Im KZ-Außenkommando Radolfzell kam es 1941-1943 mutmaßlich zu mehreren Tötungen von KZ-Häftlingen[(Recherchen u.a: Markus Wolter, Freiburg und Emmendingen, 2010-2019)], von denen namentlich zwei durch archivalische Dokumente aus Arolsen, Freiburg, Dachau und Radolfzell nachzuweisen sind; im Jargon der Täter wurden die KZ-Häftlinge "auf der Flucht erschossen" bzw. kamen bei einem "Unfall" ums Leben
-  * **Jacob Dörr** (geb. 1916) war erst am 25. April 1941 von seiner Geburtsstadt Frankfurt in das KZ Dachau verschleppt worden und wurde dort mit der Häftlingsnummer 24562 als "Asozialer", d.h. "AZR"-Häftling von der Lagerverwaltung registriert. Im Außenlager Radolfzell galt er allerdings als "politischer Vorbeugungshäftling". Er wurde von einem SS-Wachposten erschossen, nachdem seine Mütze hinter die Postenkette geworfen worden war und er den Befehl erhielt, die Mütze wieder zu holen. Seine Leiche wurde noch am Tag der Ermordung am 11. November 1941 im Krematorium Konstanz eingeäschert.  +  * **Jacob Dörr** (geb. 1916) war erst am 25. April 1941 von seiner Geburtsstadt Frankfurt in das KZ Dachau verschleppt worden und wurde dort mit der Häftlingsnummer 24562 als "Asozialer", d.h. "AZR"-Häftling von der Lagerverwaltung registriert. Im Außenlager Radolfzell galt er allerdings als "politischer Vorbeugungshäftling". Er wurde von einem SS-Wachposten erschossen, nachdem seine Mütze hinter die Postenkette geworfen worden war und er den Befehl erhielt, die Mütze wieder zu holen. Seine Leiche wurde noch am Tag der Ermordung am 11. November 1941 im Krematorium Konstanz eingeäschert. 
-  Mutmaßlicher Täter: (Ludwig) Schmidt (Schmitt), (geb. vmtl. in Mönchengladbach, gestorben 1976 in Mönchengladbach), SS-Rottenführer oder SS-Unterscharführer. Laut Aussage des überlebenden Häflings Josef Drehsen war Ludwig Schmidt „eine Art Stellvertreter“ von Kommandoführer Josef Seuß (BArch B 162/16384, Bl. 165 f.). Nach Aussage des überlebenden Häftlings Alfons Krzebietke habe ein SS-Unterscharführer oder SS-Rottenführer "mit Namen Schmidt (phon.)" einen Häftling auf dem Schießplatzgelände erschossen. Vor dem Kriminalkommissariat München sagte Alfons Krzebietke am 24. März 1969 wie folgt aus: „Während meines Aufenthaltes in Radolfzell [Mai 1941-Herbst 1942] habe ich nur eine Häftlingstötung miterlebt. Anfangs 1942 (!), während der Arbeiten am Schießstand, sah ich, wie der SS-Unterführer, er kann auch SS-Rottenführer gewesen sein, mit Namen Schmidt (phon.), einem mir namentlich nicht bekannten Häftling, der an der Lore arbeitete, die Mütze vom Kopf riss und diese außerhalb der Postenkette warf. Als der Häftling dann auf seinem Befehl die Mütze holen wollte und sich außerhalb der Postenkette begab, wurde er von Schmidt mit dem Karabiner erschossen. Nähere Einzelheiten von Schmidt sind mir nicht erinnerlich; ich würde ihn aber auf einnem Lichtbild sofort wieder erkennen.“ (BArch B 162/16384, Bl. 72) Möglicherweise handelte es sich bei dem erschossenen Häftling um Jacob Dörr; dieser allerdings wurde nachweislich bereits am 11. November 1941 auf dem Schießplatzgelände auf die von Krzebietke geschilderte Art erschossen. Im Rahmen der 1978 eingestellten Ermittlungen konnte der SS-Angehörige Ludwig Schmidt nicht (mehr) ausfindig gemacht werden.  + 
 +KZ-Bürokratie: Der Lagerkommandant des KZ Dachau, SS-Sturmbannführer [[https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Piorkowski|Alexander Piorkowski]] wandte sich am 17. November 1941 in einem Eilschreiben an das Radolfzeller Standesamt; Betr: "Tod des politischen Vorbeugungshäftlings Jakob Dörr. Das Standesamt wird gebeten die Sterburkunde anzufertigen, 1 Kopie an das Krematorium in Konstanz und  4 Exemplare an die Lagerverwaltung in Dachau zu schicken. Das Standesamt wird von Piorkowski ausdrücklich darauf hingewissen, dass es sich bei Jakob Dörr nicht um einen Wehrmachts- oder SS-Angehörigen handelt(e), "sondern um einen Gefangenen des Konzentrationslagers Dachau." Stadtarchiv Radolfzell. 
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 +{{gallery>:schreibstubenkarte_-_jacob_dorr-2.jpg?300x300&lightbox}} 
 +Die Dachauer Schreibstubenkarte Jacob Dörrs, mit dem Vermerk seiner Todes, datiert auf den 14.[recte: 11.] November 1941. Wie es zu dieser Datumsangabe kommt, ist ungeklärt. ITS Bad Arolsen.        
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 +  Mutmaßlicher Täter: (Ludwig) Schmidt (phon.), (geb. vmtl. in Mönchengladbach, gestorben 1976 in Mönchengladbach), SS-Rottenführer oder SS-Unterscharführer. Laut Aussage des überlebenden Häflings Josef Drehsen war Ludwig Schmidt „eine Art Stellvertreter“ von Kommandoführer Josef Seuß (BArch B 162/16384, Bl. 165 f.). Nach Aussage des überlebenden Häftlings Alfons Krzebietke habe ein SS-Unterscharführer oder SS-Rottenführer "mit Namen Schmidt (phon.)" einen Häftling auf dem Schießplatzgelände erschossen. Vor dem Kriminalkommissariat München sagte Alfons Krzebietke am 24. März 1969 wie folgt aus: „Während meines Aufenthaltes in Radolfzell [Mai 1941-Herbst 1942] habe ich nur eine Häftlingstötung miterlebt. Anfangs 1942 (!), während der Arbeiten am Schießstand, sah ich, wie der SS-Unterführer, er kann auch SS-Rottenführer gewesen sein, mit Namen Schmidt (phon.), einem mir namentlich nicht bekannten Häftling, der an der Lore arbeitete, die Mütze vom Kopf riss und diese außerhalb der Postenkette warf. Als der Häftling dann auf seinem Befehl die Mütze holen wollte und sich außerhalb der Postenkette begab, wurde er von Schmidt mit dem Karabiner erschossen. Nähere Einzelheiten von Schmidt sind mir nicht erinnerlich; ich würde ihn aber auf einnem Lichtbild sofort wieder erkennen.“ (BArch B 162/16384, Bl. 72) Möglicherweise handelte es sich bei dem erschossenen Häftling um Jacob Dörr; dieser allerdings wurde nachweislich bereits am 11. November 1941 auf dem Schießplatzgelände auf die von Krzebietke geschilderte Art erschossen. Im Rahmen der 1978 eingestellten Ermittlungen konnte der SS-Angehörige Ludwig Schmidt nicht (mehr) ausfindig gemacht werden.  
  * **Fritz Klose** (geb. 16.7.1904) aus Rehlau, Oberschlesien, seit 21.09.1940 im [[https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Sachsenhausen|KZ Sachsenhausen]] in "Vorbeugehaft" und in der Strafkompanie ("SK")- Häftlingskategorie: "BV/Sittl" (="Berufsverbrecher/ Sittlichkeitsverbrecher"[(Vgl. hierzu grundlegend: Dagmar Lieske: Unbequeme Opfer? "Berufsverbrecher" als Häftlinge im KZ Sachsenhausen. Metropol Verlag, Berlin 2016.)] - und vmtl. wegen TBC-Erkrankung mehrmals im Krankenbau, war am 21./22. Oktober 1941 von Sachsenhausen nach Dachau überstellt worden und kam dort in den TBC-Block.   * **Fritz Klose** (geb. 16.7.1904) aus Rehlau, Oberschlesien, seit 21.09.1940 im [[https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Sachsenhausen|KZ Sachsenhausen]] in "Vorbeugehaft" und in der Strafkompanie ("SK")- Häftlingskategorie: "BV/Sittl" (="Berufsverbrecher/ Sittlichkeitsverbrecher"[(Vgl. hierzu grundlegend: Dagmar Lieske: Unbequeme Opfer? "Berufsverbrecher" als Häftlinge im KZ Sachsenhausen. Metropol Verlag, Berlin 2016.)] - und vmtl. wegen TBC-Erkrankung mehrmals im Krankenbau, war am 21./22. Oktober 1941 von Sachsenhausen nach Dachau überstellt worden und kam dort in den TBC-Block.
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-Die Schreibstubenkarte von Fritz Klose, KZ Dachau, mit dem Vermerk seiner Überstellung aus Sachsenhausen am 22. Oktober 1941 und seines Todes am 5. August 1943 im "Außenkommando Radolfzell". ITS Bad Arolsen.+Die Schreibstubenkarte von Fritz Klose, KZ Dachau, mit dem Vermerk seiner Überstellung aus Sachsenhausen am 22. Oktober 1941 und dem Datum der Todesfeststellung, 5. August 1943, im "Außenkommando Radolfzell". ITS Bad Arolsen. 
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 +Zwischen 22. Oktober 1941 und 19. Mai 1942 ins  Außenkommando Radolfzell verlegt, wurde Klose, den die Dachauer Bestandstärkeliste vom Mai 1942 als "PSV"-Häftling (= "polizeiliche Sicherungsverwahrung") führt, am 3. August 1943 mutmaßlich bei einem Außeneinsatz in Böhringen und/oder "auf der Flucht" von einer SS-Wache umgebracht. Seine Leiche wurde nach Angaben des SS-Hauptscharführers Heinz Wendt am 5. August 1943 im [[https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6hringer_See|Böhringer See]] gefunden, was Wendt am selben Tag beim Gendarmerie-Posten Radolfzell zur Meldung brachte. Nach Angaben des ebenfalls vorstelligen SS-Unterscharführers Julius Ueltzhöffer (1892-?)[(Julius Ueltzhöffer wurde 1947 von einem amerikanischen Militärgericht in einem Dachauer Folgeprozess([[https://www.online.uni-marburg.de/icwc/dachau/000-050-0002-069.pdf|Case 50-2-69 (PDF))]] wegen begangener Kriegssverbrechen zu lebenslänger Haft veurteilt. Ueltzhöffer war mehrere Jahre in verschiedenen Konzentrations- und Vernichtungslagern eingesetzt: Auschwitz, Mauthausen, Ravensbrück, Natzweiler, Dachau und Außenlager, darunter 1943 in Radolfzell.)]  - als Kommandoführer nach eigenen Angaben für die "Betreuung" (sic!) der KZ-Häftlinge in Radolfzell zuständig - sei Klose in einer Gruppe von insgesamt 24 Häftlingen am 3. August 1943, 21. Uhr, "zum Baden in den Böhringer See geführt" worden. "Nachdem das Baden beendet war" habe Ueltzhöffer beim "Feststellen der Häftlinge" die Abwesenheit Kloses bemerkt. Unmmittelbar einsetzende Suchmaßnahmen von "im Tauchen geübte(n) Häftlinge(n)" (sic!) hätten wegen der Dunkelheit ergebnislos abgebrochen werden müssen. Erst anderthalb Tage später sei die Leiche Kloses von Ueltzhöffer im abgetrennten Nichtschwimmerbereich des Sees treibend entdeckt und von Wendt geborgen worden. Die Leiche sei in die USR gebracht und dort "eingesargt" worden. SS-Stabsarzt "Dr. Fischel" (Näheres bislang nicht zu ermitteln) führte als SS-Truppenarzt der USR am 5. August 1943 zuvor eine von ihm als "Äußere Besichtigung" bezeichnete Leichenschau durch; nach Fischels Angaben: "die Leiche eines großen, kräftigen Mannes in gutem Ernährungszustand mit Badehose bekleidet" (sic!), wenngleich Fischel dann doch auch die "kahlgeschorene Kopfhaut" erwähnenswert findet. An der ansonsten unauffälligen Wasserleiche will ihm noch aufgefallen sein, dass Augenumgebung und linke Stirn mit "frischem rotem Blut verschmiert" gewesen seien und am linken oberen Augenlid eine "3 cm lange Stichwunde", die er als Verletzung duch einen Bootshaken deutet, der bei der Bergung der Leiche verwendet worden sein soll. Als Todesursache wird von Dr. Fischel, der keine weiteren  "Anzeichen äußerer Gewalt" an der Leiche erkennen kann, "Ertrinken" genannt: "Feststellung des Todes durch ärztliche Leichenschau am 5.3.1943 vormittags, 11.30 Uhr. / gez. Dr. Fischel"     
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 +Die Leiche Kloses wurde von der für den Fall zuständigen Oberstaatsanwaltschaft Konstanz am 6. August 1943 zur Kremation in Konstanz freigegeben; ob und wo die Asche begraben wurde, ist nicht bekannt. Am selben Tag stellte der Oberstaatsanwalt am Landgericht Konstanz, Dr. Walter Melcher, das "Verfahren" ein; seine lapidare Begründung: "Es liegt kein Verschulden Dritter vor." [(Akten der Oberstaatsanwaltschaft Konstanz, StAF F 178/4 Tote 1 JS 1468/43]])] 
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 +In den Dachauer Lagerdokumenten (Totenbuch und Buch der "Veränderungsmeldungen") ist als verschleiernde Todesursache "Unfall" angegeben.[(wolter>zit.n. [[http://www.antiquariat-wolter.de/188114.html]])]
 +Auf der Schreibstubenkarte Kloses findet sich neben einem roten Kreuz lediglich der knappe, ebenfalls rote Vermerk des Dachauer Häftlingsschreibers: "am 5. August 1943 | im Ako: Radolfzell."
-Vor Mai 1942 ins  Außenkommando Radolfzell verlegt, wurde Klose, den die Dachauer Bestandstärkeliste vom Mai 1942 nun als "PSV"-Häftling (= "polizeiliche Sicherungsverwahrung") führt, zwischen dem 3. und 5. August 1943 mutmaßlich bei einem Außeneinsatz und/oder "auf der Flucht" von einer SS-Wache umgebracht. Seine Leiche wurde am 5. August 1943 im [[https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6hringer_See|Böhringer See]] gefunden, einer Leichenschau in Radolfzell unterzogen und dort begraben. Die genauen Umstände von Fritz Kloses Tod sind bis heute ungeklärt. In den Dachauer Lagerdokumenten (Totenbuch und Buch der "Veränderungsmeldungen") ist als verschleiernde Todesursache "Unfall" angegeben. [(wolter>zit.n. [[http://www.antiquariat-wolter.de/188114.html]])]+Die genauen Umstände des gewaltsamen Todes von Fritz Klose im Dachauer KZ-Außenkommando Radolfzell Anfang August 1943 sind bis heute ungeklärt und werden, wie zu befürchten ist, nicht mehr aufgeklärt werden können.
-  * Außerdem hat es nach Aussagen überlebender Häftlinge (Vorermittlungen der "Zentralen Stelle" Ludwigsburg) weitere Häftlingstötungen gegeben:+  * **Außerdem hat es nach Aussagen überlebender Häftlinge (Vorermittlungen der "Zentralen Stelle" Ludwigsburg) weitere Häftlingstötungen gegeben:**
Lt. Zeugenaussage des ehemaligen Häftlings Josef Drehsen, 8.12.1976, vor dem Amtsgericht Mönchengladbach, AS 23-31, erschoss der SS-Rottenfüher und spätere SS-Unterscharführer Jakob Stock kurze Zeit vor Rücküberstellung Drehsens nach Dachau (26.8.1942) zwei Häftlinge bei der Arbeit auf dem Schießplatzgelände. „Ziemlich gegen Ende meines Aufenthalts in Radolfzell war ich Zeuge, wie von einem Wachposten zwei Häftlinge erschossen worden sind. Die beiden Häftlinge waren dabei, eine Böschung oben einzuebnen. Ich war mit anderen Häftlingen unterhalb der Böschung mit Arbeiten beschäftigt. Plötzlich hörten wir zwei Schüsse. Die beiden toten Häftlinge lagen noch innerhalb des Arbeitsplatzes oben auf der Böschung. Einer der beiden hieß mit Vornamen Fritz. Den Namen des anderen weiß ich nicht mehr. Der SS-Mann, der die tödlichen Schüsse abgegeben hat, hieß Jakob Stock und stammte aus Sachsen. Er hat hinterher erklärt, daß die beiden Häftlinge flüchten wollten. Ich bin ganz sicher, daß dieser SS-Mann Jakob Stock hieß. Der Mann ist später SS-Unterscharführer geworden; zum Zeitpunkt der Schüsse war er meiner Erinnerung nach SS-Oberrottenführer (sic!). Sein Ärmelabzeichen bestand aus zwei Winkeln.“ (vgl. BArch B 162/16384, Bl. 164 verso). Weder der Täter (Jakob Stock) noch die beiden von ihm erschossenen Häftlinge konnten im Rahmen der 1978 eingestellten Ludwigsburger Ermittlungen eindeutig identifiziert bzw. verifiziert werden. Lt. Zeugenaussage des ehemaligen Häftlings Josef Drehsen, 8.12.1976, vor dem Amtsgericht Mönchengladbach, AS 23-31, erschoss der SS-Rottenfüher und spätere SS-Unterscharführer Jakob Stock kurze Zeit vor Rücküberstellung Drehsens nach Dachau (26.8.1942) zwei Häftlinge bei der Arbeit auf dem Schießplatzgelände. „Ziemlich gegen Ende meines Aufenthalts in Radolfzell war ich Zeuge, wie von einem Wachposten zwei Häftlinge erschossen worden sind. Die beiden Häftlinge waren dabei, eine Böschung oben einzuebnen. Ich war mit anderen Häftlingen unterhalb der Böschung mit Arbeiten beschäftigt. Plötzlich hörten wir zwei Schüsse. Die beiden toten Häftlinge lagen noch innerhalb des Arbeitsplatzes oben auf der Böschung. Einer der beiden hieß mit Vornamen Fritz. Den Namen des anderen weiß ich nicht mehr. Der SS-Mann, der die tödlichen Schüsse abgegeben hat, hieß Jakob Stock und stammte aus Sachsen. Er hat hinterher erklärt, daß die beiden Häftlinge flüchten wollten. Ich bin ganz sicher, daß dieser SS-Mann Jakob Stock hieß. Der Mann ist später SS-Unterscharführer geworden; zum Zeitpunkt der Schüsse war er meiner Erinnerung nach SS-Oberrottenführer (sic!). Sein Ärmelabzeichen bestand aus zwei Winkeln.“ (vgl. BArch B 162/16384, Bl. 164 verso). Weder der Täter (Jakob Stock) noch die beiden von ihm erschossenen Häftlinge konnten im Rahmen der 1978 eingestellten Ludwigsburger Ermittlungen eindeutig identifiziert bzw. verifiziert werden.
-  * Nach Erinnerung des ehemaligen "Schutzhäftlings" **[[https://de.wikipedia.org/wiki/Leonhard_Oesterle|Leonhard Oesterle]]** versuchten **drei tschechische Häftlinge** vor November 1943 zu fliehen, wurden wieder ergriffen und mindestens einer von ihnen auf dem Kasernenareal erschossen. Am 15./16.11.1943 gelang **Leonhard Oesterle** (1915-2009) zusammen mit **[[https://www.vets.cz/vpm/22760-hrob-oldrich-sedlacek/#22760-hrob-oldrich-sedlacek|Oldrich Sedláček]]** (1919-1949) die Flucht über den Bodensee in die Schweiz.[(Markus Wolter: Vor 70 Jahren: Die KZ-Häftlinge Oldrich Sedláček und Leonhard Oesterle fliehen aus dem Dachauer KZ-Außenkommando Radolfzell in die Schweiz; [[http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/Waghalsige-Flucht-als-letzter-Ausweg;art372455,6457453|Südkurier, 15.11.2013]])] [(Kluwe, Sigbert E.: Glücksvogel. Leos Geschichte, Baden-Baden 1990)] +  * Nach Erinnerung des ehemaligen "Schutzhäftlings" **[[https://de.wikipedia.org/wiki/Leonhard_Oesterle|Leonhard Oesterle]]** versuchten **drei tschechische Häftlinge** vor November 1943 zu fliehen, wurden wieder ergriffen; einer sei tot aufgefunden worden und mindestens einer der beiden anderen auf dem Kasernenareal erschossen worden. Am 15./16.11.1943 gelang **Leonhard Oesterle** (1915-2009) zusammen mit **[[https://www.vets.cz/vpm/22760-hrob-oldrich-sedlacek/#22760-hrob-oldrich-sedlacek|Oldrich Sedláček]]** (1919-1949) die Flucht über den Bodensee in die Schweiz.[(Markus Wolter: Vor 70 Jahren: Die KZ-Häftlinge Oldrich Sedláček und Leonhard Oesterle fliehen aus dem Dachauer KZ-Außenkommando Radolfzell in die Schweiz; [[http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/Waghalsige-Flucht-als-letzter-Ausweg;art372455,6457453|Südkurier, 15.11.2013]])] [(Kluwe, Sigbert E.: Glücksvogel. Leos Geschichte, Baden-Baden 1990)]
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   * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Lausterer|Hugo Lausterer]], Wachmannschaft des KZ-Außenkommandos, 1941/42.    * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Lausterer|Hugo Lausterer]], Wachmannschaft des KZ-Außenkommandos, 1941/42.
   * [[http://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_M%C3%BCller_(SS_officer)|Thomas Müller]], Kdr. der USR, Februar 1941 - Februar 1943    * [[http://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_M%C3%BCller_(SS_officer)|Thomas Müller]], Kdr. der USR, Februar 1941 - Februar 1943
 +   * [[https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Mussert|Anton Mussert]], Mitgründer und Vorsitzender der niederländischen nationalsozialistischen NSB, NS-„Führer“ der Niederlande, gründete 1941 die [[https://de.wikipedia.org/wiki/34._SS-Freiwilligen-Grenadier-Division_%E2%80%9ELandstorm_Nederland%E2%80%9C_(niederl%C3%A4ndische_Nr._2)|"SS-Freiwilligen-Legion Niederlande"]]. Mussert "rückt am 15.3.[1943] (...)  nach Radolfzell ein." [([[https://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Rauter|Hanns Rauter]] in einem Brief an Heinrich Himmler, 31. März 1943; vgl.: [[https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/35/N.K.C.A._in_%27t_Veld_-_De_SS_en_Nederland_Documenten_uit_de_SS-archieven_1935-1945_-_Deel_II_1943-1945.pdf|"De SS en Nederland 1933-1945. Documenten uit SS-Archiven, S-Gravenhage-Martinus Nijhoff 1976, Band II, S. 1006]], PDF.)] Näheres zu Funktion und Aufenthaltsdauer in der SS-Kaserne Radolfzell ist bislang nicht bekannt.
   * [[http://pl.wikipedia.org/wiki/Max_Pausch|Max Pausch]], III/SS-"Germania", 1935-1939. SS-Obersturmführer und "Musikführer" des Bataillons. 1940-1941 SS-Rgt. "Nordland", 1941-1943 SS-Ers.Btl. 5 "Wiking". Dezember 1944-Mai 1945 Lagerführung im KZ-Außenlager Gusen II (Mauthausen). In einem Mauthausen-Nebenprozess 1947 zum Tod verurteilt und als Kriegsverbrecher 1948 hingerichtet.    * [[http://pl.wikipedia.org/wiki/Max_Pausch|Max Pausch]], III/SS-"Germania", 1935-1939. SS-Obersturmführer und "Musikführer" des Bataillons. 1940-1941 SS-Rgt. "Nordland", 1941-1943 SS-Ers.Btl. 5 "Wiking". Dezember 1944-Mai 1945 Lagerführung im KZ-Außenlager Gusen II (Mauthausen). In einem Mauthausen-Nebenprozess 1947 zum Tod verurteilt und als Kriegsverbrecher 1948 hingerichtet.
   * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Rumohr|Joachim Rumohr]], III/SS-"Germania", 1937 ff. SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS. In Radolfzell verheiratet. Einer der "gefallenen Söhne" der Stadt Radolfzell, derer am Kriegerdenkmal als "Opfer der Gewaltherrschaft" namentlich gedacht wird.    * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Rumohr|Joachim Rumohr]], III/SS-"Germania", 1937 ff. SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS. In Radolfzell verheiratet. Einer der "gefallenen Söhne" der Stadt Radolfzell, derer am Kriegerdenkmal als "Opfer der Gewaltherrschaft" namentlich gedacht wird.
  * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Seuß|Josef Seuß]], Kommandoführer des KZ-Außenkommandos, 1941/42. Im Dachau-Hauptprozess zum Tod verurteilt und als Kriegsverbrecher hingerichtet.   * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Seuß|Josef Seuß]], Kommandoführer des KZ-Außenkommandos, 1941/42. Im Dachau-Hauptprozess zum Tod verurteilt und als Kriegsverbrecher hingerichtet.
  * [[https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Stein_(SS-Mitglied)|Walter Stein]], SS-Oberführer, Führer des SS-Abschnitts XXIX der Allgemeinen SS, Konstanz 1937-1939. Mitverantwortlich für die Synagogen-Zerstörung in Konstanz am 9./10.11.1938 und Koordinator der "Zusammenarbeit" mit dem Radolfzeller SS-VT-Bataillon an diesem Tag. Markanter Repräsentant der Allgemeinen SS der Region und häufig Gast des III./SS-VT-"Germania" in Radolfzell.   * [[https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Stein_(SS-Mitglied)|Walter Stein]], SS-Oberführer, Führer des SS-Abschnitts XXIX der Allgemeinen SS, Konstanz 1937-1939. Mitverantwortlich für die Synagogen-Zerstörung in Konstanz am 9./10.11.1938 und Koordinator der "Zusammenarbeit" mit dem Radolfzeller SS-VT-Bataillon an diesem Tag. Markanter Repräsentant der Allgemeinen SS der Region und häufig Gast des III./SS-VT-"Germania" in Radolfzell.
 +  * [[https://pl.wikipedia.org/wiki/Julius_Ueltzhoeffer|Julius Ueltzhöffer]], Kommandoführer des KZ-Außenkommandos Radolfzell 1943, in dieser Funktion Nachfolger von Josef Seuß; mutmaßlich beteiligt am gewaltsamen Tod des KZ-Häftlings Fritz Klose, der am 5. August 1943 tot im Böhringer See aufgefunden wurde.
  * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Wicklein|Hermann Wicklein]], Führer-Lehrgang an der USR, August-Oktober 1942. Adjutant des Lagerkommandanten in den Konzentrationslagern Herzogenbusch, Ravensbrück und Flossenbürg.   * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Wicklein|Hermann Wicklein]], Führer-Lehrgang an der USR, August-Oktober 1942. Adjutant des Lagerkommandanten in den Konzentrationslagern Herzogenbusch, Ravensbrück und Flossenbürg.
===== Prozesse gegen die Täter ===== ===== Prozesse gegen die Täter =====
-[[/prozesse_gegen_radolfzeller_ss-angehoerige|18 SS-Angehörige, die zeitweilig in der Radolfzeller Kaserne]] stationiert und /oder in Radolfzell gemeldet waren, mussten sich nach dem Krieg wegen dort oder an anderen Orten verübten Kriegsverbrechen in Prozessen vor amerikanischen Militärgerichten verantworten. Die Prozesse lassen sich einteilen in: +[[/prozesse_gegen_radolfzeller_ss-angehoerige|19 SS-Angehörige, die zeitweilig in der Radolfzeller Kaserne]] stationiert und /oder in Radolfzell gemeldet waren bzw. zu der Dachauer KZ-Wachmannschaft im Außenkommando RAdolfzell gehörten, mussten sich nach dem Krieg wegen dort oder an anderen Orten verübten Kriegsverbrechen in Prozessen vor amerikanischen Militärgerichten verantworten. Die Prozesse lassen sich einteilen in:
  * [[/prozesse_gegen_radolfzeller_ss-angehoerige#dachauer_hauptprozess|Dachauer Hauptprozess]] (Josef Seuß, Hugo Lausterer, Otto Förschner)   * [[/prozesse_gegen_radolfzeller_ss-angehoerige#dachauer_hauptprozess|Dachauer Hauptprozess]] (Josef Seuß, Hugo Lausterer, Otto Förschner)
  * [[/prozesse_gegen_radolfzeller_ss-angehoerige#|Dachauer Folgeprozesse / Mauthausen-Prozesse]] (Max Pausch)   * [[/prozesse_gegen_radolfzeller_ss-angehoerige#|Dachauer Folgeprozesse / Mauthausen-Prozesse]] (Max Pausch)
-  * [[/prozesse_gegen_radolfzeller_ss-angehoerige#dachauer_folgeprozesse|Dachauer Folgeprozesse]] (Her­mann Ros­tek, Hans Hahn, Xaver Diethei, Georg Heinrich Hechler, Gottlob Beck, Friedrich Zimpelmann, Friedrich Karl Nemetz, Ernst August Behrens)+  * [[/prozesse_gegen_radolfzeller_ss-angehoerige#dachauer_folgeprozesse|Dachauer Folgeprozesse]] (Julius Ueltzhöffer, Her­mann Ros­tek, Hans Hahn, Xaver Diethei, Georg Heinrich Hechler, Gottlob Beck, Friedrich Zimpelmann, Friedrich Karl Nemetz, Ernst August Behrens)
  * [[/prozesse_gegen_radolfzeller_ss-angehoerige#dachauer_fliegerprozesse|Dachauer Fliegerprozess]] (Kurt Groß, Adolf Mat­tes, Rudolf Spletzer, Edu­ard Mack, Tho­mas Asch­ner)   * [[/prozesse_gegen_radolfzeller_ss-angehoerige#dachauer_fliegerprozesse|Dachauer Fliegerprozess]] (Kurt Groß, Adolf Mat­tes, Rudolf Spletzer, Edu­ard Mack, Tho­mas Asch­ner)
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Vgl. ausführlich: [[/prozesse_gegen_radolfzeller_ss-angehoerige|Prozesse gegen Radolfzeller SS-Angehörige]] Vgl. ausführlich: [[/prozesse_gegen_radolfzeller_ss-angehoerige|Prozesse gegen Radolfzeller SS-Angehörige]]
-===== Nutzung nach 1945 =====+===== Nutzung der Kaserne nach 1945 =====
{{gallery>bilder:ss-kaserne:ss-kaserne-und-kz-aussenlager-radolfzell.jpg?lightbox&300x300}} {{gallery>bilder:ss-kaserne:ss-kaserne-und-kz-aussenlager-radolfzell.jpg?lightbox&300x300}}
Die Grafik zeigt den Grundriss der SS-Kaserne nach der Fertigstellung im Jahr 1937 vor dem Hintergrund eines Luftbildes, das die heutige Bebauung wiedergibt. Die Grafik zeigt den Grundriss der SS-Kaserne nach der Fertigstellung im Jahr 1937 vor dem Hintergrund eines Luftbildes, das die heutige Bebauung wiedergibt.
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{{gallery>:kaserne_um_1955.jpg?300x250&lightbox}} {{gallery>:kaserne_um_1955.jpg?300x250&lightbox}}
-"Caserne Vauban" - Das Kasernenareal um 1955, während der Nutzung durch die französischen Streitkräfte. Zu diesem Zeitpunkt sind die ehemalige Reithalle und die Pferdeställe noch vorhanden. Auf dem ehemaligen Reitplatz und Sprunggarten beziehungsweise auf dem angrenzenden Rasenplatz sind die erst nach 1945 errichteten Lagerhallen zu erkennen. Fotografie: Zeitgenössische Postkarte (Ausschnitt), Luftbild von Franz Thorbecke. +"Caserne Vauban" - Das Kasernenareal um 1955, während der Nutzung durch die französischen Streitkräfte; in dieser Zeit (1945-1960) war das 4e Régiment de Tirailleurs Marocains in der Caserne Vauban stationiert. Die ehemalige Reithalle und die Pferdeställe waren noch vorhanden. Auf dem ehemaligen Reitplatz und Sprunggarten beziehungsweise auf dem angrenzenden Rasenplatz sind die erst nach 1945 errichteten Lagerhallen zu erkennen. Fotografie: Zeitgenössische Postkarte (Ausschnitt), Luftbild von Franz Thorbecke. 
-{{gallery>:caserne_vauban_-_stabsgebaude.jpg?300x300&lightbox}} + 
-Caserne Vauban. Fotografie: Verlag Rudolf Sutter, zeitgen. Ansichtskarte, um 1955. Sammlung Markus Wolter+{{gallery>:caserne_vauban-od..jpg?300x300&lightbox}} 
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 +Der Kasernenkomplex um 1950. Fotografie: Urheber unbekannt. Sammlung Markus Wolter. 
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 +{{gallery>:caserne_vauban-1950.jpg?300x300&lightbox}} 
 +Caserne Vauban. Fotografie: Verlag Rudolf Sutter, zeitgen. Ansichtskarte, um 1950. Sammlung Markus Wolter
 +{{gallery>:caserne_vauban_1965.jpg?300x300&lightbox}} 
 +Caserne Vauban, LKW Berliet GBC 8 KT in der Einfahrt, um 1965. In dieser Zeit (1961-1966) waren das [[https://de.wikipedia.org/wiki/42e_r%C3%A9giment_d%E2%80%99infanterie#Nachkriegszeit|42e régiment d'infanterie]] und die 302e groupe d´artillerie / US-9th Missile Detachment in der Radolfzeller Kaserne stationiert, ausgerüstet mit atomar bestückbaren [[https://de.wikipedia.org/wiki/MGR-1_Honest_John|"Honest John"]]-Kurzstrecken-Raketen. - Zeitgen. Ansichtskarte, Sammlung Markus Wolter. 
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 +Einige Gebäude der früheren SS-Kasernenbebauung, der Eingangsbereich mit dem Stabsgebäude, die Mannschaftsgebäude, das Wirtschaftsgebäude, die frühere Turn- und Exerzierhalle sowie das von den Franzosen anstelle des SS-Führerheims 1950 errichtete "Casino" existieren noch heute. Der zentrale Exerzierplatz wurde ebenso wie andere Freiflächen überbaut.  
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 +Insbesondere mehrere Gebäude im Nordwesten entsprechen nicht mehr der ursprünglichen Bebauung. Die Waffenmeisterei und die Reithalle mit den angrenzenden Reitställen, in denen früher die KZ-Häftlinge untergebracht waren, sind z.B. verschwunden. Bis mindestens Mitte der 1960er Jahre waren sie noch vorhanden, wie ein Luftbild aus dieser Zeit erkennen lässt.  
 + 
 +{{gallery>:luftbild-kaserne-1967.jpg?300x300&lightbox}} 
 +Ausschnitt aus einem Luftbild, um 1965. Stadtarchiv Radolfzell.[(Abgebildet in: Franz Götz: Geschichte der Stadt Radolfzell. Schrift- und Bilddokumente, Urteile, Daten. (= Hegau-Bibliothek. Band 12). Radolfzell 1967.)]
-Einige Gebäude der früheren Kasernenbebauung, der Eingangsbereich mit dem Stabsgebäude, die Mannschaftsgebäude, das Wirtschaftsgebäude, die frühere Turn- und Exerzierhalle sowie das SS-Führerheim existieren noch heute. Der zentrale Exerzierplatz wurde ebenso wie andere Freiflächen überbaut.  
-Insbesondere mehrere Gebäude im Nordwesten entsprechen nicht mehr der ursprünglichen Bebauung. Die Waffenmeisterei und die Reithalle mit den angrenzenden Reitställen, in denen früher die KZ-Häftlinge untergebracht waren, sind z.B. verschwunden.  
Die im Jahr 1995 unter Denkmalschutz gestellte Bausubstanz: Stabsgebäude, Mannschaftsgebäude, Wirtschaftsgebäude, Kraftwagenhalle, Turn- und Exerzierhalle, Führerheim und die Umfassungsmauern einschließlich der ehemaligen Wachhäuschen. Die im Jahr 1995 unter Denkmalschutz gestellte Bausubstanz: Stabsgebäude, Mannschaftsgebäude, Wirtschaftsgebäude, Kraftwagenhalle, Turn- und Exerzierhalle, Führerheim und die Umfassungsmauern einschließlich der ehemaligen Wachhäuschen.
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Es muß an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass Überbauungen des Geländes von ehemaligen Konzentrationslagern z.B. mit Umgehungsstraßen oder Einkaufszentren an anderen Orten entweder unterlassen wurden oder andernfalls zu starken Protesten und politischen Auseinandersetzungen geführt haben - nicht so in Radolfzell. Es muß an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass Überbauungen des Geländes von ehemaligen Konzentrationslagern z.B. mit Umgehungsstraßen oder Einkaufszentren an anderen Orten entweder unterlassen wurden oder andernfalls zu starken Protesten und politischen Auseinandersetzungen geführt haben - nicht so in Radolfzell.
-Mittlerweile sind die Abgrenzungen der früheren SS-Kaserne im Stadtbild kaum noch wieder zu erkennen.+Mittlerweile sind die Abgrenzungen der früheren SS-Kaserne im Stadtbild kaum noch wiederzuerkennen.
===== Offizielle Gedenkpolitik zur SS-Kaserne ===== ===== Offizielle Gedenkpolitik zur SS-Kaserne =====
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In einer städ­ti­schen Ar­beits­grup­pe wurde auch deswegen über ein Jahr lang um jeden Satz ge­run­gen, der auf den vier ge­plan­ten Informationss­te­len vor der ehe­ma­li­gen Ka­ser­ne stehen soll. In öffentlicher Sitzung des Gemeinderats stimmten die Stadträte schließlich am 16.10.2012 u.a. für die von der Arbeitsgruppe erarbeiteten Textentwürfe (Stelen I und IV: Achim Fenner, Stelen II und III: Markus Wolter).[(Vgl. [[http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/Anderer-Blickwinkel-auf-die-Geschichte;art372455,5731828|Südkurier, 18.10.2012]])] In einer städ­ti­schen Ar­beits­grup­pe wurde auch deswegen über ein Jahr lang um jeden Satz ge­run­gen, der auf den vier ge­plan­ten Informationss­te­len vor der ehe­ma­li­gen Ka­ser­ne stehen soll. In öffentlicher Sitzung des Gemeinderats stimmten die Stadträte schließlich am 16.10.2012 u.a. für die von der Arbeitsgruppe erarbeiteten Textentwürfe (Stelen I und IV: Achim Fenner, Stelen II und III: Markus Wolter).[(Vgl. [[http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/Anderer-Blickwinkel-auf-die-Geschichte;art372455,5731828|Südkurier, 18.10.2012]])]
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 +{{gallery>:gedenkstatte_kaserne.jpg?300x300&lightbox}}
 +Die Gedenkstätte kurz nach ihrer Einweihung 2013. Fotografie: Alfred Heim.
Am 8. September 2013, dem [[http://www.tag-des-offenen-denkmals.de/thema/|"Tag des offenen Denkmals"]], der in diesem Jahr unter dem Motto "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?" stand, wurde das Ensemble aus Gedenkskulptur und Informationstafeln im Eingangsbereich der ehemaligen SS-Kaserne mit einem Festakt eingeweiht. Es ist zusammen mit den Informations- und Gedenktafeln am Schießstand und dem Gurs-Mahnmal künftig Teil einer dezentralen NS-Gedenkstätte der Stadt Radolfzell.[(Vgl. [[http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/Gedenkstele-erinnert-an-Geschichte-der-Kaserne;art372455,6269029|Südkurier, 8./9.9.2013]])] Am 8. September 2013, dem [[http://www.tag-des-offenen-denkmals.de/thema/|"Tag des offenen Denkmals"]], der in diesem Jahr unter dem Motto "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?" stand, wurde das Ensemble aus Gedenkskulptur und Informationstafeln im Eingangsbereich der ehemaligen SS-Kaserne mit einem Festakt eingeweiht. Es ist zusammen mit den Informations- und Gedenktafeln am Schießstand und dem Gurs-Mahnmal künftig Teil einer dezentralen NS-Gedenkstätte der Stadt Radolfzell.[(Vgl. [[http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/Gedenkstele-erinnert-an-Geschichte-der-Kaserne;art372455,6269029|Südkurier, 8./9.9.2013]])]
-{{gallery>:gedenkstatte_kaserne.jpg?300x300&lightbox}} +|{{gallery>:gedenkstaette-kaserne-dezember_2018-5.jpg?150x150&lightbox}}|{{gallery>:gedenkstaette-kaserne-dezember_2018-8.jpg?150x150&lightbox}}|{{gallery>:gedenkstaette-kaserne-dezember_2018-7.jpg?150x150&lightbox}}|{{gallery>:gedenkstaette-kaserne-dezember_2018-2.jpg?150x150&lightbox}}| 
-Gedenkstätte an der ehemaligen SS-Kaserne Radolfzell, 2013. Fotografie Alfred Heim.+Die Gedenkstätte im Dezember 2018; die Trauerweide fiel 2014 einem Sturm zum Opfer; die verschmutzten Informationstafeln II und III zeigen Ansiedlungen von Flechten und Moos. Fotografien: Markus Wolter.
**Die Texte auf den vier Informationstafeln:** **Die Texte auf den vier Informationstafeln:**
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{{gallery>bilder:ss-kaserne:walter-schellenberg-strasse.jpg?200x200&lightbox}} {{gallery>bilder:ss-kaserne:walter-schellenberg-strasse.jpg?200x200&lightbox}}
-Eine Straße auf dem Gebiet einer ehemaligen SS-Kaserne, die lt. städtischem Bebauungsplan seit 1991 den Namen Walter-Schellenberg-Straße trägt, sorgt für Irritationen. Nicht alle dürften wissen, dass hier nicht der verurteilte Kriegsverbrecher [[http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Schellenberg|Walter Schellenberg]] (SS-Brigadeführer, Generalmajor der Polizei und Leiter der vereinigten Geheimdienste von SD und Abwehr im Reichssicherheitshauptamt), sondern der gleichnamige ehemalige Vorstandsvorsitzende des Radolfzeller Unternehmens Schiesser-AG ab 1936 gemeint ist. Um diese Irritationen zu vermeiden, müsste eine biografische Zusatzinformation am Straßenschild angebracht werden.[(Vgl. hierzu: [[https://www.radolfzell.de/eu/Buerger-Stadt/Stadtverwaltung/Buerger-fragen-OB-Staab-antwortet/Fragen-und-Antworten/page18475.htm?newsid=305394&newsrefid=18475&row=0&newsrefaddcoid=&nafrom=&nato=|Bürger fragen, OB Staab antwortet, www.radolfzell.de, abgerufen am 28.10.2017.]])] Spätestens dann müsste allerdings auch die Frage beantwortet werden, welches die "Verdienste" des Schiesser-Vorstandsvorsitzenden Schellenberg (1910-1992) gewesen sein mögen, die eine Straßenbenennung nach ihm im Jahr 1991 rechtfertigten. So wurde unter Schellenbergs Führung der Schiesser-AG am 1. Mai 1940 im betrieblichen Leistungskampf 1939/40 von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) der Titel "Nationalsozialistischer Musterbetrieb" verliehen. [(Vgl. ''Badens Betriebe im Leistungskampf. Auszeichnung zum Nationalen Feiertag des deutschen Volkes'', in: Freiburger Zeitung, 1. Mai 1940; [[http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=05&day=01&year=1940&month=05&project=3&anzahl=10|Digitalisat UB Freiburg]])] Überdies setzte die Schiesser-AG nach Beginn des Russlandfeldzugs 1941 zahlreiche russische und ukrainische Zwangsarbeiter/innen in ihrer Kriegsproduktion ein.[(Vgl. hierzu: Christian Ruch, Myriam Rais-Liechti, Roland Peter: Geschäfte und Zwangsarbeit: Schweizer Industrieunternehmen im «Dritten Reich», Zurich 2001.)]+Eine Straße auf dem Gebiet einer ehemaligen SS-Kaserne, die lt. städtischem Bebauungsplan seit 1991 den Namen Walter-Schellenberg-Straße trägt, sorgt für Irritationen. Nicht alle dürften wissen, dass hier nicht der verurteilte Kriegsverbrecher [[http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Schellenberg|Walter Schellenberg]] (SS-Brigadeführer, Generalmajor der Polizei und Leiter der vereinigten Geheimdienste von SD und Abwehr im Reichssicherheitshauptamt), sondern der gleichnamige Vorstandsvorsitzende des Radolfzeller Unternehmens Schiesser-AG 1936-1945 gemeint ist. Um diese Irritationen zu vermeiden, müsste eine biografische Zusatzinformation am Straßenschild angebracht werden.[(Vgl. hierzu: [[https://www.radolfzell.de/eu/Buerger-Stadt/Stadtverwaltung/Buerger-fragen-OB-Staab-antwortet/Fragen-und-Antworten/page18475.htm?newsid=305394&newsrefid=18475&row=0&newsrefaddcoid=&nafrom=&nato=|Bürger fragen, OB Staab antwortet, www.radolfzell.de, abgerufen am 28.10.2017.]])] Spätestens dann müsste allerdings auch die Frage beantwortet werden, welches die "Verdienste" des Schiesser-Vorstandsvorsitzenden Schellenberg (1910-1992) gewesen sein mögen, die eine Straßenbenennung nach ihm im Jahr 1991 rechtfertigten. So wurde unter Schellenbergs Führung der Schiesser-AG am 1. Mai 1940 im betrieblichen Leistungskampf 1939/40 von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) der Titel "Nationalsozialistischer Musterbetrieb" verliehen. [(Vgl. ''Badens Betriebe im Leistungskampf. Auszeichnung zum Nationalen Feiertag des deutschen Volkes'', in: Freiburger Zeitung, 1. Mai 1940; [[http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=05&day=01&year=1940&month=05&project=3&anzahl=10|Digitalisat UB Freiburg]])] Überdies setzte die Schiesser-AG nach Beginn des Russlandfeldzugs 1941 zahlreiche russische und ukrainische Zwangsarbeiter/innen in ihrer Kriegsproduktion ein.[(Vgl. hierzu: Christian Ruch, Myriam Rais-Liechti, Roland Peter: Geschäfte und Zwangsarbeit: Schweizer Industrieunternehmen im «Dritten Reich», Zurich 2001.)]
===Jakob-Dörr-Straße=== ===Jakob-Dörr-Straße===
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In der Nähe der längst abgerissenen KZ-Unterkünfte wurde auf dem ehemaligen Kasernenareal 2004 eine Sackgasse nach dem 1941 von SS-Wachpersonal erschossenen KZ-Häftling Jacob Dörr (1916-1941) benannt. Das Straßenschild blieb ohne Kommentierung, weshalb nicht nur bei den Anwohnern bis heute weitgehend unbekannt blieb, dass mit dieser Straßenbenennung ein Opfer der NS-Gewaltherrschaft in Radolfzell gewürdigt werden soll. Erst auf einer Informationstafel der 2013 eingeweihten Gedenkstätte werden die Hintergründe dargestellt. In der Nähe der längst abgerissenen KZ-Unterkünfte wurde auf dem ehemaligen Kasernenareal 2004 eine Sackgasse nach dem 1941 von SS-Wachpersonal erschossenen KZ-Häftling Jacob Dörr (1916-1941) benannt. Das Straßenschild blieb ohne Kommentierung, weshalb nicht nur bei den Anwohnern bis heute weitgehend unbekannt blieb, dass mit dieser Straßenbenennung ein Opfer der NS-Gewaltherrschaft in Radolfzell gewürdigt werden soll. Erst auf einer Informationstafel der 2013 eingeweihten Gedenkstätte werden die Hintergründe dargestellt.
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 +===Leonhard-Oesterle-Str.===
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 +2016 wurde in einem Neubaugebiet im Norden der Stadt eine geplante Straße nach [[https://de.wikipedia.org/wiki/Leonhard_Oesterle|Leonhard Oesterle]] benannt, der zwischen 1941 und 1943 Häftling im KZ-Außenkommando Radolfzell gewesen war und dem zusammen mit dem tschechischen Mithäftling Oldřich Sedláček die Flucht in die Schweiz gelang.
   
===Landserweg>Fritz-Klose-Weg=== ===Landserweg>Fritz-Klose-Weg===
-{{gallery>:landserweg.jpg?300x300&lightbox}} 
-**Renazifizierung 1956: der Landserweg im "Kasernengebiet"**+**Geschichtsklitterung und Renazifizierung 1950-1956 - Von den "ehemaligen Wehrmachtswohnungen" in der "Kasernensiedlung" zum "Landserweg"** 
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 +{{gallery>:kasernengebiet_-_einwohnerbuch_1952.jpg?300x300&lightbox}} 
 +"Ehem. Wehrm.-Wohnungen"(!). Einwohnerbuch der Stadt Radolfzell, Konstanz, Stadler 1952.
 {{gallery>:landserweg_radolfzell1956.jpg?300x300&lightbox}}  {{gallery>:landserweg_radolfzell1956.jpg?300x300&lightbox}}
-**Adressbuch der Stadt Radolfzell 1956**+"Landserweg": Der "Name ehrt den einfachen Soldaten der beiden Weltkriege." Einwohnerbuch der Stadt Radolfzell, Konstanz, Stadler 1956.
Die im Rahmen des Kasernen-Neubaus 1937 angelegte "Hans-Cyranka-Str.", benannt nach dem Hamburger SS-Angehörigen, „Blutzeugen der Bewegung“ und „alten Kämpfer“ Hans Cyranka (1910-1932), führte von der damaligen SS-Wohnsiedlung bis zum Stabsgebäude der SS-Kaserne an der Steißlinger Straße; der heutige "Landserweg" endet an der "Kasernenstraße". Die im Rahmen des Kasernen-Neubaus 1937 angelegte "Hans-Cyranka-Str.", benannt nach dem Hamburger SS-Angehörigen, „Blutzeugen der Bewegung“ und „alten Kämpfer“ Hans Cyranka (1910-1932), führte von der damaligen SS-Wohnsiedlung bis zum Stabsgebäude der SS-Kaserne an der Steißlinger Straße; der heutige "Landserweg" endet an der "Kasernenstraße".
-Durch Beschluss des Gemeinderates wurde die nach 1945 gebotene Umbenennung der "Hans-Cyranka-Str." offiziell erst im Jahr 1956 vorgenommen; wie auch die übrigen, nach "Alten Kämpfern" benannten Straßen in der ehemaligen SS-Wohnsiedlung war sie zunächst namenlos geblieben. Der neue Name "Landserweg" gab 1956 offenbar keinen Anlass für Bedenken; auch nicht die damit verbundene und ausdrückliche "Ehrung des einfachen Soldaten der beiden Weltkriege".[( Im Grund stellt diese Benennung einen nachträglichen Verstoß gegen Direktive Nr. 30 des Alliierten Kontrollrats dar, die die Entfernung aller Symbole des alten Regimes und seiner militärischen Tradition zum 1. Januar 1947 angeordnet hatte: „Von dem Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Direktive an ist untersagt und als gesetzeswidrig erklärt die Planung, der Entwurf, die Errichtung, die Aufstellung und der Anschlag oder die sonstige Zurschaustellung von Gedenksteinen, Denkmälern, Plakaten, Statuen, Bauwerken, Straßen- oder Landstraßenschildern, Wahrzeichen, Gedenktafeln oder Abzeichen, die darauf abzielen, die deutsche militärische Tradition zu bewahren und lebendig zu erhalten, den Militarismus wachzurufen oder die Erinnerung an die nationalsozialistische Partei aufrechtzuerhalten, oder ihrem Wesen nach in der Verherrlichung von kriegerischen Ereignissen bestehen“. Dies sollte sich bereits beziehen „auf Kriegshandlungen nach dem 1. August 1914 zu Lande, zu Wasser oder in der Luft und auf Personen, Organisationen und Einrichtungen, die mit diesen Handlungen in unmittelbarem Zusammenhang stehen.“ Als allerdings der "Landserweg" 1956 Straßenname in Radolfzell wurde, war die besagte Kontrollrats-Direktive breits seit einem Jahr durch Artikel 2 des Gesetzes Nr. A-37 der Alliierten Hohen Kommission vom 5. Mai 1955 (ABl. AHK S. 3268)  "außer Wirkung" gesetzt.)] Unkritisch und ohne zwischen Reichswehr- und Wehrmachtssoldaten zu differenzieren, bediente und tradierte man stattdessen vor allem das historisch falsche Stereotyp der vermeintlich "sauberen Wehrmacht", deren Beteiligung an Kriegsverbrechen 1939-1945 man bis heute selbstredend unterschlägt.+Durch Beschluss des Gemeinderates wurde die nach 1945 gebotene Umbenennung der "Hans-Cyranka-Str." offiziell erst im Jahr 1956 vorgenommen; wie auch die anderen, nach weiteren "Alten Kämpfern" benannten Straßen in der ehemaligen SS-Wohnsiedlung war sie zunächst namenlos geblieben. Den Einwohnerbüchern zufolge wurde sie 1950-1956 ohne nähere Straßeneinteilung als "Kasernensiedlung" bzw. "Wohnsiedlung bei der ehemaligen Kaserne" geführt. Dass die aufgeführten "Blöcke I, II, IIa, III, IIIa und IV" dabei fälschlich und offensichtlich wider besseres Wissen als "ehemalige Wehrmachts-Wohnungen" bezeichnet werden, gibt zu denken und sollte wohl die spätere Namensgebung "Landserweg" vorbereiten. Der Name bot dem Gemeinderat 1956 keinen Anlass für Kritik; auch nicht die damit verbundene und ausdrückliche "Ehrung des einfachen Soldaten der beiden Weltkriege".[( Im Grund stellt diese Benennung einen nachträglichen Verstoß gegen Direktive Nr. 30 des Alliierten Kontrollrats dar, die die Entfernung aller Symbole des alten Regimes und seiner militärischen Tradition zum 1. Januar 1947 angeordnet hatte: „Von dem Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Direktive an ist untersagt und als gesetzeswidrig erklärt die Planung, der Entwurf, die Errichtung, die Aufstellung und der Anschlag oder die sonstige Zurschaustellung von Gedenksteinen, Denkmälern, Plakaten, Statuen, Bauwerken, Straßen- oder Landstraßenschildern, Wahrzeichen, Gedenktafeln oder Abzeichen, die darauf abzielen, die deutsche militärische Tradition zu bewahren und lebendig zu erhalten, den Militarismus wachzurufen oder die Erinnerung an die nationalsozialistische Partei aufrechtzuerhalten, oder ihrem Wesen nach in der Verherrlichung von kriegerischen Ereignissen bestehen“. Dies sollte sich bereits beziehen „auf Kriegshandlungen nach dem 1. August 1914 zu Lande, zu Wasser oder in der Luft und auf Personen, Organisationen und Einrichtungen, die mit diesen Handlungen in unmittelbarem Zusammenhang stehen.“ Als allerdings der "Landserweg" 1956 Straßenname in Radolfzell wurde, war die besagte Kontrollrats-Direktive breits seit einem Jahr durch Artikel 2 des Gesetzes Nr. A-37 der Alliierten Hohen Kommission vom 5. Mai 1955 (ABl. AHK S. 3268)  "außer Wirkung" gesetzt.)] Unkritisch und ohne zwischen Reichswehr- und Wehrmachtssoldaten zu differenzieren, bediente und tradierte man stattdessen vor allem das historisch falsche Stereotyp der vermeintlich "sauberen Wehrmacht", deren Beteiligung an Kriegsverbrechen 1939-1945 man bis heute selbstredend unterschlägt.
-Entlang der ehemaligen SS-Kaserne verlaufend, suggeriert der Name zudem, dass es sich um eine Wehrmachtskaserne gehandelt haben könnte, oder aber, bedenklicher noch, dass die hier 1937-1945 stationierten Angehörigen der Waffen-SS eben auch nur "einfache Soldaten", „Soldaten wie andere auch“ gewesen seien -   eine Problematik, die sich 1958 am Kriegerdenkmal fortsetzt und bis heute nicht gelöst ist.    +Entlang der ehemaligen SS-Kaserne verlaufend, suggerierte der Name zudem, dass es sich um eine Wehrmachtskaserne gehandelt haben könnte, oder aber, bedenklicher noch, dass die hier 1937-1945 stationierten Angehörigen der Waffen-SS eben auch nur "einfache Soldaten", „Soldaten wie andere auch“ gewesen wären -   eine Problematik, die sich 1958 am Kriegerdenkmal fortsetzte und bis heute nicht gelöst ist.    
Soldaten der Wehrmacht waren übrigens bis auf wenige Tage im April 1945 zu keiner Zeit in der Radolfzeller Kaserne stationiert. Soldaten der Wehrmacht waren übrigens bis auf wenige Tage im April 1945 zu keiner Zeit in der Radolfzeller Kaserne stationiert.
- +Außer in Radolfzell gab es in Deutschland wohl keinen weiteren "Landserweg", "Landserstraße" oder eine ähnliche Straßen- oder Platzbezeichnung.
-Außer in Radolfzell gibt es in Deutschland sonst keinen "Landserweg", "Landserstraße" oder eine ähnliche Straßen- oder Platzbezeichnung. +
Der Begriff „Landser“ wurde und wird vor allem in rechtsextremen Kreisen und Publikationen (v.a. „Der Landser“-Heftromane) als Inbegriff des besagten "einfachen" Wehrmachtsoldaten 1939-1945 verklärt und heroisiert. Auch eine Rechtsrock-Band aus Berlin trug diesen Namen. Sie war bis zu ihrem Verbot im Jahr 2003 die  bekannteste Musikgruppe aus dem neonazistischen Milieu. Der Begriff „Landser“ wurde und wird vor allem in rechtsextremen Kreisen und Publikationen (v.a. „Der Landser“-Heftromane) als Inbegriff des besagten "einfachen" Wehrmachtsoldaten 1939-1945 verklärt und heroisiert. Auch eine Rechtsrock-Band aus Berlin trug diesen Namen. Sie war bis zu ihrem Verbot im Jahr 2003 die  bekannteste Musikgruppe aus dem neonazistischen Milieu.
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-Die SS-Wohnsiedlung 1938 an der "Hans-Cyranka-Str.", dem späteren "Landserweg". Fotografie Hillebrecht. Sammlung Markus Wolter 
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Fotografie um 1947, die ehemalige SS-Wohnsiedlung noch im Tarnanstrich. Sammlung Markus Wolter Fotografie um 1947, die ehemalige SS-Wohnsiedlung noch im Tarnanstrich. Sammlung Markus Wolter
-Eine Umbenennung des "Landserwegs" wird vor diesem Hintergrund dringend empfohlen; von Markus Wolter wird "Fritz-Klose-Weg" vorgeschlagen, nach dem - neben Jacob Dörr zweiten namentlich bekannten KZ-Häftling, der im KZ-Außenkommando Radolfzell gewaltsam zu Tode kam: [[ss-kaserne#aussenkommando_des_kz_dachau|Fritz Klose (1904-1943).]]+{{gallery>:ss-wohnsiedlung.jpg?300x300&lightbox}}218 
 +Die SS-Wohnsiedlung 1938 an der "Hans-Cyranka-Str.", dem späteren "Landserweg". Fotografie Hillebrecht. Sammlung Markus Wolter 
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 +Der Landserweg. Links die alte Kasernenmauer, rechts die ehemalige SS-Wohnsiedlung.  
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 +Landserweg 11: Bundespolizeiinspektion Konstanz. Fotografien: Markus Wolter, Dezember 2018. 
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 +Eine Umbenennung des "Landserwegs" wurde vor diesem Hintergrund dringend empfohlen; von Markus Wolter wurde in einer Initiativanfrage an den Gemeinderat "Fritz-Klose-Weg" vorgeschlagen, nach dem - neben Jacob Dörr zweiten namentlich bekannten KZ-Häftling, der im KZ-Außenkommando Radolfzell gewaltsam zu Tode kam: [[ss-kaserne#aussenkommando_des_kz_dachau|Fritz Klose (1904-1943).]] 
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 +**Straßenumbenennung 2019** 
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 +Im Juni 2018 war die entsprechende Initiativanfrage an den Ältestenrat des Radolfzeller Gemeinderats übermittelt worden. Am 27. November 2018 beschloss der Gemeinderat, den "Landserweg" in "Fritz-Klose-Weg" umzubenennen. Der Beschluss wurde am 1. Februar 2019 u.a. mit dem Anbringen der neuen Straßenschilder umgesetzt.
-**Straßenumbenennung 2018** 
-Im Juni 2018 wurde eine entsprechende Initiativanfrage an den Ältestenrat des Radolfzeller Gemeinderats übermittelt. Am 27. November 2018 beschloss der Gemeinderat, den "Landserweg" in "Fritz-Klose-Weg" umzubenennen.  
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-**SS-Führerheim** 
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-Der Sportplatz der Kaserne, dahinter die ehemalige SS-Wohnsiedlung am späteren "Landserweg", rechts die Ruine des ehemaligen SS-Führerheims. Fotografie um 1947, zeitgenössische Ansichtskarte aus einem Leporello zur Caserne Vauban.  
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-Bei Einmarsch der Franzosen am 25. April 1945 wurde das sogenannte "Führerheim" der Radolfzeller Waffen-SS durch Granatenbeschuss stark beschädigt. Die Ruine des Gebäudes wurde im November 1950 bis auf die Grundmauern abgetragen; anschließend bauten die Franzosen unter Wiederbenützung der Trümmersteine das Offiziers-Casino wieder auf (Richtfest: 18. Juli 1951); bis heute blieb das ehemalige "Casino" nahezu unverändert.[(Vgl.: Exner, Georg: Als auch in Radolfzells Kaserne der Friede einzog, in: [[https://www.suedkurier.de/leben/geschichte/lokalhistorie/geschichte-kkn/Als-auch-in-Radolfzells-Kaserne-der-Frieden-einzog;art1367846,8880050|Südkurier, 31. August 2016]])] 
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-**Turn- und Exerzierhalle** 
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-**Kasernenmauer (West)** 
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**SS-Runen im Treppengeländer des Stabsgebäudes, 2004 entfernt** **SS-Runen im Treppengeländer des Stabsgebäudes, 2004 entfernt**
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 +Die alte, originale Eingangstür des Mannschaftsgebäudes I, rechte Hälfte. Fotografie: Markus Wolter, 2018.
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 +Blick in das Treppenhaus des ehemaligen Mannschaftsgebäudes IV, linke Hälfte. Fotografie: Markus Wolter.
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 +**Turn- und Exerzierhalle**
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 +**SS-Führerheim**
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 +Der Sportplatz der Kaserne, dahinter die ehemalige SS-Wohnsiedlung am späteren "Landserweg", rechts die Ruine des ehemaligen SS-Führerheims. Fotografie um 1947, zeitgenössische Ansichtskarte aus einem Leporello zur Caserne Vauban.
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 +Bei Einmarsch der Franzosen am 25. April 1945 wurde das sogenannte "Führerheim" der Radolfzeller Waffen-SS durch Granatenbeschuss stark beschädigt. Die Ruine des Gebäudes wurde im November 1950 bis auf die Grundmauern abgetragen; anschließend bauten die Franzosen unter Wiederbenützung der Trümmersteine das Offiziers-Casino wieder auf (Richtfest: 18. Juli 1951); bis heute blieb das ehemalige "Casino" nahezu unverändert.[(Vgl.: Exner, Georg: Als auch in Radolfzells Kaserne der Friede einzog, in: [[https://www.suedkurier.de/leben/geschichte/lokalhistorie/geschichte-kkn/Als-auch-in-Radolfzells-Kaserne-der-Frieden-einzog;art1367846,8880050|Südkurier, 31. August 2016]])]
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 +**SS-Wohnsiedlung**
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 +Die von Kasernen-Architekt [[https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Alker|Hermann Alker]] gebaute Wohnsiedlung für SS-Führer und deren Familien; hinter dem Sportplatz der Kaserne, entlang der Kasernenmauer an der damaligen „Hans-Cyranka-Straße“, 1938. Fotografie: Hillebrecht, Sammlung Markus Wolter.
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 +{{gallery>:kaserne-riz-dezember_2018-_wohnsiedlung-4.jpg?300x300&lightbox}}
 +Die Wohnblöcke 80 Jahre später, Dezember 2018. Vom Landserweg abzweigend: vorne der Schiedelenweg und hinten der Keltenweg. Fotografien: Markus Wolter.  
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===== Historische Abbildungen ===== ===== Historische Abbildungen =====
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-**Sportplatz der Kaserne, dahinter Wohnsiedlung für SS-Führer und deren Familien, Hans-Cyranka-Straße. / Fotografie Hillebrecht 1938** 
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Termine

"Wie Dachau an den See kam..."

Filmvorführung und Gespräch mit der Zeitzeugin Dr. Grete Leutz und dem Regisseur Jürgen Weber am 27. Januar 2019 in Konstanz

Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wird in einer Gedenkveranstaltung der regionalhistorische Dokumentarfilm „Wie Dachau an den See kam …“ zur Geschichte des KZ-Außenlagers in Überlingen gezeigt.

Es ist geplant, dass an diesem Abend neben dem Filmemacher Jürgen Weber auch die Überlinger Zeitzeugin Dr. Grete Leutz anwesend sein wird. Als junge Frau wurde sie fast täglich Zeugin des Zuges der KZ-Häftlinge vom Lager Aufkirch zur Überlinger Stollenanlage. In der Außenstelle Überlingen des KZ Dachau mussten ab Oktober 1944 rund 800 Häftlinge einen Stollen in den Molassefelsen treiben, um die Friedrichshafener Rüstungsindustrie am Bodensee „bombensicher“ unterzubringen. Bis April 1945 liefen viermal pro Tag die Kolonnen der Häftlinge - schwer bewacht durch die SS - durch den Überlinger Westen.

Der Film zeichnet mit Aussagen zweier ehemaliger Häftlinge, mit den Erinnerungen von damals jungen Menschen aus Überlingen und mit Fachleuten die Geschichte der KZ-Außenstelle Überlingen nach. Aufgrund seiner regionalhistorischen Bedeutung und teilweise einmaliger Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen wurde der Film aus dem Jahr 1995 als Retrospektive 2017 neu in der Reihe „Zeitgeschichtliche Kurz- und Dokumentarfilme“ aufgelegt.

Termin: 27. Januar 2019

Zeit: 19:30 – 21:00 Uhr

Ort: Wolkenstein-Saal (Kulturzentrum am Münster), Konstanz

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturamt der Stadt Konstanz, vhs Landkreis Konstanz e. V. DIG Bodensee Region, Gesellschaft für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit e.V. Konstanz und weitere

Eintritt: frei

2019/02/11 23:45 · sw · 0 Kommentare

Uraufführung: Gerron

Im Stadttheater Konstanz wird am 2.2.2019 das Stück „Gerron“ von Charles Lewinsky uraufgeführt. Regisseurin ist Annette Gleichmann.

Das Stück basiert auf der wahren Geschichte des jüdischen Künstlers Kurt Gerron. Als Frontsoldat und Arzt im 1. Weltkrieg kämpfend, mehrfach schwer verletzt, wurde er später im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet. Er floh 1933 zunächst nach Paris, dann nach Österreich, Italien und in die Niederlande, wo er 1943 interniert wurde. Im Jahr 1944 wurden er und seine Familie in das KZ Theresienstadt deportiert. Seine Mitwirkung als Regisseur an dem im KZ gedrehten Propagandafilm “Theresienstadt“ schützte ihn nicht vor der Deportation nach Auschwitz, wo er ebenso wie die 1600 mitwirkenden Kinder nach Ende der Dreharbeiten vergast wurde.

Uraufführung: 2.2.2019, Theaterwerkstatt Inselgasse, 20 Uhr

Ticketreservierung und weitere Spielzeiten: Gerron

Quelle: Stadttheater Konstanz

2019/02/02 13:14 · sw · 0 Kommentare

Vor 80 Jahren: Aktion "T4" - "Denkmal der Grauen Busse" 2019 im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen

Wirtschaftsgebäude von Grafeneck, Personal der als Tarnorganisation eingerichteten „Gemeinnützigen Krankentransport GmbH (Gekrat)“; einer von drei Bussen der Gekrat, mit denen ab Januar 1940 geistig und körperlich behinderte und psychisch kranke Menschen aus Pflegeeinrichtungen und Heilanstalten (wie z. B. Freiburg, Emmendingen und Reichenau, Konstanz) in die Vernichtungsanstalt Grafeneck gebracht wurden. Innerhalb eines Jahres wurden in der Gaskammer von Grafeneck 10.654 Menschen ermordet. Fotografie: Gedenkstätte Grafeneck

Die Radolfzeller Opfer der Aktion "T4" 1939-1941 waren Patient/innen der psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalten Reichenau, Emmendingen und Wiesloch, der Kreispflegeanstalt Geisingen, der Universitätsnervenklink Freiburg und/oder minderjährige „Pfleglinge“ der St. Josefsanstalt Herten und davor in Kinderheimen in Freiburg, Konstanz und Sigmaringen untergebracht:

Maria Amann 1899-1941 | Frieda Armbruster 1890-1940 | Alwin Bödler 1883-1940 | Walter Böhler 1934-1940 | Emma Braun 1886-1940 | Albertine Hässig 1890-1940 | Nikolaus Honsell 1887-1940 | Otto Hans Keller 1893-1940 | Leopold Kohler 1887-1940 | Anna Ronkat 1904-1940 | Josefa Trost, geb. Klaus 1878-1940 | Helmut Waller 1920-1940 | Berta Welschinger 1902-1940 | Elisabeth Welschinger 1931-1940

"Denkmal der grauen Busse" 2019 im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen.

Montag, 28. Januar 2019, 11.00 Uhr Eröffnungsveranstaltung zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus

Ort: Festhalle des Zentrums für Psychiatrie Emmendingen

Programm: Kranzniederlegung und Gedenkminute am Denkmal im ZfP Emmendingen Begrüßung Michael Eichhorst, Geschäftsführer ZfP Emmendingen und Calw

Vortrag „Erinnern, gedenken, bilden: Oder: Wie können wir in unseren psychiatrischen Kliniken mit der NS Vergangenheit umgehen?“

Referent: Prof. Dr. med. Thomas Müller, Leiter des Forschungsbereichs Geschichte und Ethik in der Medizin am ZfP Südwürttemberg / Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I der Universität Ulm. Er ist Leiter des Württembergischen Psychiatriemuseums und Koordinator der Historischen Forschung der Zentren für Psychiatrie in Baden-Württemberg.

Eröffnung und Ausstellung des Denkmals der Grauen Busse

Zu den weiteren Veranstaltungen des Begleitprogramms 2019:

Download (PDF)

Beschlussvorlage - Zur Umbenennung des "Landserwegs" in "Fritz-Klose-Weg"

Der „Landserweg“ im Dezember 2018, links die alte Mauereinfassung des Kasernenareals, rechts die Wohnblöcke der ehemaligen SS-Siedlung. Fotografie: Markus Wolter

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In seiner Sitzung am 27. November 2018 wird der Radolfzeller Gemeinderat über eine Straßenumbenennnung entscheiden. Der durch den einschlägigen NS-Kontext in die Kritik geratene „Landserweg“ - zwischen ehemaliger SS-Kaserne und SS-Wohnsiedlung - soll nach einer im Sommer 2018 an den Ältestenrat übermittelten Initiativanfrage umbenannt werden. Nach ensprechender Empfehlung des Ältestenrats folgte eine nochmalige, quellengestützte Überprüfung der Sachlage und Stellungnahme durch die Abteilung Stadtgeschichte. In der Initiativanfrage war von Markus Wolter die Umbennung des „Landserwegs“ in „Fritz-Klose-Weg“ vorgeschlagen worden, benannt nach dem neben Jacob Dörr zweiten nachweislichen Todesfall eines KZ-Häftlings im Außenkommando Radolfzell. Alternativ schlägt die Abteilung Stadtgeschichte die historisch überlieferte Flurbezeichnung „Am Entennest“ (sic) vor.

Beschlussvorlage:abgerufen auf: Ratsinformationssystem, Sitzungskalender (PDF)

2018/11/23 20:57 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Bunte Demo statt braunes Denkmal

Antifaschistische Kundgebung zum Vokstrauertag in Radolfzell am Sonntag, 18.11.18 um 11:30 Uhr.

Der Text des Flyers

Wenn Kriegstoten gedacht werden soll, muss erklärt werden warum sie gestorben sind. So gibt es Täter die morden und Menschen die jenen zum Opfer fallen. Im postnazistischen Deutschland wird diese Erklärung ausgelassen. Das führt dazu, dass Opfern und Tätern im selben Atemzug gedacht wird. Das Kriegerdenkmal in Radolfzell treibt diese absurde Form des Gedenkens auf die Spitze. Unterschiedslos stehen auf den Gedenkplatten die Namen der Ermordeten in mitten ihrer Häscher. So finden sich zahlreiche SS-Offiziere und Wehrmachtssoldaten inmitten derer, der jährlich zum Volkstrauertag gedacht wird. Das Kriegerdenkmal wurde 1938 im Auftrag der SS errichtet. Das macht den Ort zu einer Pilgerstätte für Neonazis aus der Region. Wiederholt nutzte die faschistische Partei Der Dritte Weg diesen Ort um Kränze nieder zu legen und Kriegsverbrechern zu huldigen. Antifaschistische Proteste gegen solche PR-Aktionen versuchte die Stadt schon zweimal zu verhindern – ohne Erfolg: Die Demoverbote wurden vor Gericht als illegal eingestuft und kosteten die Stadt über 10.000 Euro.

Aus diesen Gründen sagen wir nein zu unterschiedsloser Trauer, zu Nazidenkmälern und zu faschistischen Umtrieben. Deswegen wollen wir den Opfern faschistischer Gewalt auf angemessene Weise gedenken.

Treffpunkt: Gedenkstein der deportierten Jüdinnen und Juden an der Seetorstraße vor dem Bahnhof Radolfzell. Danach wird es am Kriegerdenkmal auf dem Luisenplatz eine Kundgebung gegen das Denkmal geben.

Quelle: https://de-de.facebook.com/events/491576801250024/

2018/11/17 15:05 · sw · 0 Kommentare
 
ss-kaserne.1544093758.txt.gz · Zuletzt geändert: 2018/12/06 11:55 von mw
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