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Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



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ss-kaserne [2019/02/07 17:50]
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-Eine Straße auf dem Gebiet einer ehemaligen SS-Kaserne, die lt. städtischem Bebauungsplan seit 1991 den Namen Walter-Schellenberg-Straße trägt, sorgt für Irritationen. Nicht alle dürften wissen, dass hier nicht der verurteilte Kriegsverbrecher [[http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Schellenberg|Walter Schellenberg]] (SS-Brigadeführer, Generalmajor der Polizei und Leiter der vereinigten Geheimdienste von SD und Abwehr im Reichssicherheitshauptamt), sondern der gleichnamige ehemalige Vorstandsvorsitzende des Radolfzeller Unternehmens Schiesser-AG ab 1936 gemeint ist. Um diese Irritationen zu vermeiden, müsste eine biografische Zusatzinformation am Straßenschild angebracht werden.[(Vgl. hierzu: [[https://www.radolfzell.de/eu/Buerger-Stadt/Stadtverwaltung/Buerger-fragen-OB-Staab-antwortet/Fragen-und-Antworten/page18475.htm?newsid=305394&newsrefid=18475&row=0&newsrefaddcoid=&nafrom=&nato=|Bürger fragen, OB Staab antwortet, www.radolfzell.de, abgerufen am 28.10.2017.]])] Spätestens dann müsste allerdings auch die Frage beantwortet werden, welches die "Verdienste" des Schiesser-Vorstandsvorsitzenden Schellenberg (1910-1992) gewesen sein mögen, die eine Straßenbenennung nach ihm im Jahr 1991 rechtfertigten. So wurde unter Schellenbergs Führung der Schiesser-AG am 1. Mai 1940 im betrieblichen Leistungskampf 1939/40 von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) der Titel "Nationalsozialistischer Musterbetrieb" verliehen. [(Vgl. ''Badens Betriebe im Leistungskampf. Auszeichnung zum Nationalen Feiertag des deutschen Volkes'', in: Freiburger Zeitung, 1. Mai 1940; [[http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=05&day=01&year=1940&month=05&project=3&anzahl=10|Digitalisat UB Freiburg]])] Überdies setzte die Schiesser-AG nach Beginn des Russlandfeldzugs 1941 zahlreiche russische und ukrainische Zwangsarbeiter/innen in ihrer Kriegsproduktion ein.[(Vgl. hierzu: Christian Ruch, Myriam Rais-Liechti, Roland Peter: Geschäfte und Zwangsarbeit: Schweizer Industrieunternehmen im «Dritten Reich», Zurich 2001.)]+Eine Straße auf dem Gebiet einer ehemaligen SS-Kaserne, die lt. städtischem Bebauungsplan seit 1991 den Namen Walter-Schellenberg-Straße trägt, sorgt für Irritationen. Nicht alle dürften wissen, dass hier nicht der verurteilte Kriegsverbrecher [[http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Schellenberg|Walter Schellenberg]] (SS-Brigadeführer, Generalmajor der Polizei und Leiter der vereinigten Geheimdienste von SD und Abwehr im Reichssicherheitshauptamt), sondern der gleichnamige Vorstandsvorsitzende des Radolfzeller Unternehmens Schiesser-AG 1936-1945 gemeint ist. Um diese Irritationen zu vermeiden, müsste eine biografische Zusatzinformation am Straßenschild angebracht werden.[(Vgl. hierzu: [[https://www.radolfzell.de/eu/Buerger-Stadt/Stadtverwaltung/Buerger-fragen-OB-Staab-antwortet/Fragen-und-Antworten/page18475.htm?newsid=305394&newsrefid=18475&row=0&newsrefaddcoid=&nafrom=&nato=|Bürger fragen, OB Staab antwortet, www.radolfzell.de, abgerufen am 28.10.2017.]])] Spätestens dann müsste allerdings auch die Frage beantwortet werden, welches die "Verdienste" des Schiesser-Vorstandsvorsitzenden Schellenberg (1910-1992) gewesen sein mögen, die eine Straßenbenennung nach ihm im Jahr 1991 rechtfertigten. So wurde unter Schellenbergs Führung der Schiesser-AG am 1. Mai 1940 im betrieblichen Leistungskampf 1939/40 von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) der Titel "Nationalsozialistischer Musterbetrieb" verliehen. [(Vgl. ''Badens Betriebe im Leistungskampf. Auszeichnung zum Nationalen Feiertag des deutschen Volkes'', in: Freiburger Zeitung, 1. Mai 1940; [[http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=05&day=01&year=1940&month=05&project=3&anzahl=10|Digitalisat UB Freiburg]])] Überdies setzte die Schiesser-AG nach Beginn des Russlandfeldzugs 1941 zahlreiche russische und ukrainische Zwangsarbeiter/innen in ihrer Kriegsproduktion ein.[(Vgl. hierzu: Christian Ruch, Myriam Rais-Liechti, Roland Peter: Geschäfte und Zwangsarbeit: Schweizer Industrieunternehmen im «Dritten Reich», Zurich 2001.)]
===Jakob-Dörr-Straße=== ===Jakob-Dörr-Straße===
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===Landserweg>Fritz-Klose-Weg=== ===Landserweg>Fritz-Klose-Weg===
-{{gallery>:landserweg-dezember_2018-bundespolizei-3.jpg?300x300&lightbox}} +**Geschichtsklitterung und Renazifizierung 1950-1956 - Von den "ehemaligen Wehrmachtswohnungen" in der "Kasernensiedlung" zum ";Landserweg"**
-Landserweg 11: Bundespolizeiinspektion Konstanz, Dezember 2018. Fotografie: Markus Wolter+
-**Renazifizierung 1956: der Landserweg im "Kasernengebiet"**+{{gallery>:kasernengebiet_-_einwohnerbuch_1952.jpg?300x300&lightbox}} 
 +"Ehem. Wehrm.-Wohnungen"(!). Einwohnerbuch der Stadt Radolfzell, Konstanz, Stadler 1952.
 {{gallery>:landserweg_radolfzell1956.jpg?300x300&lightbox}}  {{gallery>:landserweg_radolfzell1956.jpg?300x300&lightbox}}
-**Adressbuch der Stadt Radolfzell 1956**+"Landserweg": Der "Name ehrt den einfachen Soldaten der beiden Weltkriege." Einwohnerbuch der Stadt Radolfzell, Konstanz, Stadler 1956.
Die im Rahmen des Kasernen-Neubaus 1937 angelegte "Hans-Cyranka-Str.", benannt nach dem Hamburger SS-Angehörigen, „Blutzeugen der Bewegung“ und „alten Kämpfer“ Hans Cyranka (1910-1932), führte von der damaligen SS-Wohnsiedlung bis zum Stabsgebäude der SS-Kaserne an der Steißlinger Straße; der heutige "Landserweg" endet an der "Kasernenstraße". Die im Rahmen des Kasernen-Neubaus 1937 angelegte "Hans-Cyranka-Str.", benannt nach dem Hamburger SS-Angehörigen, „Blutzeugen der Bewegung“ und „alten Kämpfer“ Hans Cyranka (1910-1932), führte von der damaligen SS-Wohnsiedlung bis zum Stabsgebäude der SS-Kaserne an der Steißlinger Straße; der heutige "Landserweg" endet an der "Kasernenstraße".
-Durch Beschluss des Gemeinderates wurde die nach 1945 gebotene Umbenennung der "Hans-Cyranka-Str." offiziell erst im Jahr 1956 vorgenommen; wie auch die übrigen, nach "Alten Kämpfern" benannten Straßen in der ehemaligen SS-Wohnsiedlung war sie zunächst namenlos geblieben. Der neue Name "Landserweg" gab 1956 offenbar keinen Anlass für Bedenken; auch nicht die damit verbundene und ausdrückliche "Ehrung des einfachen Soldaten der beiden Weltkriege".[( Im Grund stellt diese Benennung einen nachträglichen Verstoß gegen Direktive Nr. 30 des Alliierten Kontrollrats dar, die die Entfernung aller Symbole des alten Regimes und seiner militärischen Tradition zum 1. Januar 1947 angeordnet hatte: „Von dem Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Direktive an ist untersagt und als gesetzeswidrig erklärt die Planung, der Entwurf, die Errichtung, die Aufstellung und der Anschlag oder die sonstige Zurschaustellung von Gedenksteinen, Denkmälern, Plakaten, Statuen, Bauwerken, Straßen- oder Landstraßenschildern, Wahrzeichen, Gedenktafeln oder Abzeichen, die darauf abzielen, die deutsche militärische Tradition zu bewahren und lebendig zu erhalten, den Militarismus wachzurufen oder die Erinnerung an die nationalsozialistische Partei aufrechtzuerhalten, oder ihrem Wesen nach in der Verherrlichung von kriegerischen Ereignissen bestehen“. Dies sollte sich bereits beziehen „auf Kriegshandlungen nach dem 1. August 1914 zu Lande, zu Wasser oder in der Luft und auf Personen, Organisationen und Einrichtungen, die mit diesen Handlungen in unmittelbarem Zusammenhang stehen.“ Als allerdings der "Landserweg" 1956 Straßenname in Radolfzell wurde, war die besagte Kontrollrats-Direktive breits seit einem Jahr durch Artikel 2 des Gesetzes Nr. A-37 der Alliierten Hohen Kommission vom 5. Mai 1955 (ABl. AHK S. 3268)  "außer Wirkung" gesetzt.)] Unkritisch und ohne zwischen Reichswehr- und Wehrmachtssoldaten zu differenzieren, bediente und tradierte man stattdessen vor allem das historisch falsche Stereotyp der vermeintlich "sauberen Wehrmacht", deren Beteiligung an Kriegsverbrechen 1939-1945 man bis heute selbstredend unterschlägt.+Durch Beschluss des Gemeinderates wurde die nach 1945 gebotene Umbenennung der "Hans-Cyranka-Str." offiziell erst im Jahr 1956 vorgenommen; wie auch die anderen, nach weiteren "Alten Kämpfern" benannten Straßen in der ehemaligen SS-Wohnsiedlung war sie zunächst namenlos geblieben. Den Einwohnerbüchern zufolge wurde sie 1950-1956 ohne nähere Straßeneinteilung als "Kasernensiedlung" bzw. "Wohnsiedlung bei der ehemaligen Kaserne" geführt. Dass die aufgeführten "Blöcke I, II, IIa, III, IIIa und IV" dabei fälschlich und offensichtlich wider besseres Wissen als "ehemalige Wehrmachts-Wohnungen" bezeichnet werden, gibt zu denken und sollte wohl die spätere Namensgebung "Landserweg" vorbereiten. Der Name bot dem Gemeinderat 1956 keinen Anlass für Kritik; auch nicht die damit verbundene und ausdrückliche "Ehrung des einfachen Soldaten der beiden Weltkriege".[( Im Grund stellt diese Benennung einen nachträglichen Verstoß gegen Direktive Nr. 30 des Alliierten Kontrollrats dar, die die Entfernung aller Symbole des alten Regimes und seiner militärischen Tradition zum 1. Januar 1947 angeordnet hatte: „Von dem Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Direktive an ist untersagt und als gesetzeswidrig erklärt die Planung, der Entwurf, die Errichtung, die Aufstellung und der Anschlag oder die sonstige Zurschaustellung von Gedenksteinen, Denkmälern, Plakaten, Statuen, Bauwerken, Straßen- oder Landstraßenschildern, Wahrzeichen, Gedenktafeln oder Abzeichen, die darauf abzielen, die deutsche militärische Tradition zu bewahren und lebendig zu erhalten, den Militarismus wachzurufen oder die Erinnerung an die nationalsozialistische Partei aufrechtzuerhalten, oder ihrem Wesen nach in der Verherrlichung von kriegerischen Ereignissen bestehen“. Dies sollte sich bereits beziehen „auf Kriegshandlungen nach dem 1. August 1914 zu Lande, zu Wasser oder in der Luft und auf Personen, Organisationen und Einrichtungen, die mit diesen Handlungen in unmittelbarem Zusammenhang stehen.“ Als allerdings der "Landserweg" 1956 Straßenname in Radolfzell wurde, war die besagte Kontrollrats-Direktive breits seit einem Jahr durch Artikel 2 des Gesetzes Nr. A-37 der Alliierten Hohen Kommission vom 5. Mai 1955 (ABl. AHK S. 3268)  "außer Wirkung" gesetzt.)] Unkritisch und ohne zwischen Reichswehr- und Wehrmachtssoldaten zu differenzieren, bediente und tradierte man stattdessen vor allem das historisch falsche Stereotyp der vermeintlich "sauberen Wehrmacht", deren Beteiligung an Kriegsverbrechen 1939-1945 man bis heute selbstredend unterschlägt.
Entlang der ehemaligen SS-Kaserne verlaufend, suggerierte der Name zudem, dass es sich um eine Wehrmachtskaserne gehandelt haben könnte, oder aber, bedenklicher noch, dass die hier 1937-1945 stationierten Angehörigen der Waffen-SS eben auch nur "einfache Soldaten", „Soldaten wie andere auch“ gewesen wären -   eine Problematik, die sich 1958 am Kriegerdenkmal fortsetzte und bis heute nicht gelöst ist.     Entlang der ehemaligen SS-Kaserne verlaufend, suggerierte der Name zudem, dass es sich um eine Wehrmachtskaserne gehandelt haben könnte, oder aber, bedenklicher noch, dass die hier 1937-1945 stationierten Angehörigen der Waffen-SS eben auch nur "einfache Soldaten", „Soldaten wie andere auch“ gewesen wären -   eine Problematik, die sich 1958 am Kriegerdenkmal fortsetzte und bis heute nicht gelöst ist.    
Soldaten der Wehrmacht waren übrigens bis auf wenige Tage im April 1945 zu keiner Zeit in der Radolfzeller Kaserne stationiert. Soldaten der Wehrmacht waren übrigens bis auf wenige Tage im April 1945 zu keiner Zeit in der Radolfzeller Kaserne stationiert.
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Außer in Radolfzell gab es in Deutschland wohl keinen weiteren "Landserweg", "Landserstraße" oder eine ähnliche Straßen- oder Platzbezeichnung. Außer in Radolfzell gab es in Deutschland wohl keinen weiteren "Landserweg", "Landserstraße" oder eine ähnliche Straßen- oder Platzbezeichnung.
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Der Begriff „Landser“ wurde und wird vor allem in rechtsextremen Kreisen und Publikationen (v.a. „Der Landser“-Heftromane) als Inbegriff des besagten "einfachen" Wehrmachtsoldaten 1939-1945 verklärt und heroisiert. Auch eine Rechtsrock-Band aus Berlin trug diesen Namen. Sie war bis zu ihrem Verbot im Jahr 2003 die  bekannteste Musikgruppe aus dem neonazistischen Milieu. Der Begriff „Landser“ wurde und wird vor allem in rechtsextremen Kreisen und Publikationen (v.a. „Der Landser“-Heftromane) als Inbegriff des besagten "einfachen" Wehrmachtsoldaten 1939-1945 verklärt und heroisiert. Auch eine Rechtsrock-Band aus Berlin trug diesen Namen. Sie war bis zu ihrem Verbot im Jahr 2003 die  bekannteste Musikgruppe aus dem neonazistischen Milieu.
 +{{gallery>:caserne-vauban-stadion-landserweg-ruine_des_ss-fuehrerheims.jpg?300x300&lightbox}}
 +Fotografie um 1947, die ehemalige SS-Wohnsiedlung noch im Tarnanstrich. Sammlung Markus Wolter
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Die SS-Wohnsiedlung 1938 an der "Hans-Cyranka-Str.", dem späteren "Landserweg". Fotografie Hillebrecht. Sammlung Markus Wolter Die SS-Wohnsiedlung 1938 an der "Hans-Cyranka-Str.", dem späteren "Landserweg". Fotografie Hillebrecht. Sammlung Markus Wolter
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-Fotografie um 1947, die ehemalige SS-Wohnsiedlung noch im Tarnanstrich. Sammlung Markus Wolter+{{gallery>:landserweg-dezember_2018-3.jpg?300x300&lightbox}} 
 +Der Landserweg. Links die alte Kasernenmauer, rechts die ehemalige SS-Wohnsiedlung.  
 +{{gallery>:landserweg-dezember_2018-bundespolizei-3.jpg?300x300&lightbox}} 
 +Landserweg 11: Bundespolizeiinspektion Konstanz. Fotografien: Markus Wolter, Dezember 2018.
Eine Umbenennung des "Landserwegs" wurde vor diesem Hintergrund dringend empfohlen; von Markus Wolter wurde in einer Initiativanfrage an den Gemeinderat "Fritz-Klose-Weg" vorgeschlagen, nach dem - neben Jacob Dörr zweiten namentlich bekannten KZ-Häftling, der im KZ-Außenkommando Radolfzell gewaltsam zu Tode kam: [[ss-kaserne#aussenkommando_des_kz_dachau|Fritz Klose (1904-1943).]] Eine Umbenennung des "Landserwegs" wurde vor diesem Hintergrund dringend empfohlen; von Markus Wolter wurde in einer Initiativanfrage an den Gemeinderat "Fritz-Klose-Weg" vorgeschlagen, nach dem - neben Jacob Dörr zweiten namentlich bekannten KZ-Häftling, der im KZ-Außenkommando Radolfzell gewaltsam zu Tode kam: [[ss-kaserne#aussenkommando_des_kz_dachau|Fritz Klose (1904-1943).]]

Termine

"Wie Dachau an den See kam..."

Filmvorführung und Gespräch mit der Zeitzeugin Dr. Grete Leutz und dem Regisseur Jürgen Weber am 27. Januar 2019 in Konstanz

Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wird in einer Gedenkveranstaltung der regionalhistorische Dokumentarfilm „Wie Dachau an den See kam …“ zur Geschichte des KZ-Außenlagers in Überlingen gezeigt.

Es ist geplant, dass an diesem Abend neben dem Filmemacher Jürgen Weber auch die Überlinger Zeitzeugin Dr. Grete Leutz anwesend sein wird. Als junge Frau wurde sie fast täglich Zeugin des Zuges der KZ-Häftlinge vom Lager Aufkirch zur Überlinger Stollenanlage. In der Außenstelle Überlingen des KZ Dachau mussten ab Oktober 1944 rund 800 Häftlinge einen Stollen in den Molassefelsen treiben, um die Friedrichshafener Rüstungsindustrie am Bodensee „bombensicher“ unterzubringen. Bis April 1945 liefen viermal pro Tag die Kolonnen der Häftlinge - schwer bewacht durch die SS - durch den Überlinger Westen.

Der Film zeichnet mit Aussagen zweier ehemaliger Häftlinge, mit den Erinnerungen von damals jungen Menschen aus Überlingen und mit Fachleuten die Geschichte der KZ-Außenstelle Überlingen nach. Aufgrund seiner regionalhistorischen Bedeutung und teilweise einmaliger Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen wurde der Film aus dem Jahr 1995 als Retrospektive 2017 neu in der Reihe „Zeitgeschichtliche Kurz- und Dokumentarfilme“ aufgelegt.

Termin: 27. Januar 2019

Zeit: 19:30 – 21:00 Uhr

Ort: Wolkenstein-Saal (Kulturzentrum am Münster), Konstanz

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturamt der Stadt Konstanz, vhs Landkreis Konstanz e. V. DIG Bodensee Region, Gesellschaft für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit e.V. Konstanz und weitere

Eintritt: frei

2019/02/11 23:45 · sw · 0 Kommentare

Uraufführung: Gerron

Im Stadttheater Konstanz wird am 2.2.2019 das Stück „Gerron“ von Charles Lewinsky uraufgeführt. Regisseurin ist Annette Gleichmann.

Das Stück basiert auf der wahren Geschichte des jüdischen Künstlers Kurt Gerron. Als Frontsoldat und Arzt im 1. Weltkrieg kämpfend, mehrfach schwer verletzt, wurde er später im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet. Er floh 1933 zunächst nach Paris, dann nach Österreich, Italien und in die Niederlande, wo er 1943 interniert wurde. Im Jahr 1944 wurden er und seine Familie in das KZ Theresienstadt deportiert. Seine Mitwirkung als Regisseur an dem im KZ gedrehten Propagandafilm “Theresienstadt“ schützte ihn nicht vor der Deportation nach Auschwitz, wo er ebenso wie die 1600 mitwirkenden Kinder nach Ende der Dreharbeiten vergast wurde.

Uraufführung: 2.2.2019, Theaterwerkstatt Inselgasse, 20 Uhr

Ticketreservierung und weitere Spielzeiten: Gerron

Quelle: Stadttheater Konstanz

2019/02/02 13:14 · sw · 0 Kommentare

Vor 80 Jahren: Aktion "T4" - "Denkmal der Grauen Busse" 2019 im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen

Wirtschaftsgebäude von Grafeneck, Personal der als Tarnorganisation eingerichteten „Gemeinnützigen Krankentransport GmbH (Gekrat)“; einer von drei Bussen der Gekrat, mit denen ab Januar 1940 geistig und körperlich behinderte und psychisch kranke Menschen aus Pflegeeinrichtungen und Heilanstalten (wie z. B. Freiburg, Emmendingen und Reichenau, Konstanz) in die Vernichtungsanstalt Grafeneck gebracht wurden. Innerhalb eines Jahres wurden in der Gaskammer von Grafeneck 10.654 Menschen ermordet. Fotografie: Gedenkstätte Grafeneck

Die Radolfzeller Opfer der Aktion "T4" 1939-1941 waren Patient/innen der psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalten Reichenau, Emmendingen und Wiesloch, der Kreispflegeanstalt Geisingen, der Universitätsnervenklink Freiburg und/oder minderjährige „Pfleglinge“ der St. Josefsanstalt Herten und davor in Kinderheimen in Freiburg, Konstanz und Sigmaringen untergebracht:

Maria Amann 1899-1941 | Frieda Armbruster 1890-1940 | Alwin Bödler 1883-1940 | Walter Böhler 1934-1940 | Emma Braun 1886-1940 | Albertine Hässig 1890-1940 | Nikolaus Honsell 1887-1940 | Otto Hans Keller 1893-1940 | Leopold Kohler 1887-1940 | Anna Ronkat 1904-1940 | Josefa Trost, geb. Klaus 1878-1940 | Helmut Waller 1920-1940 | Berta Welschinger 1902-1940 | Elisabeth Welschinger 1931-1940

"Denkmal der grauen Busse" 2019 im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen.

Montag, 28. Januar 2019, 11.00 Uhr Eröffnungsveranstaltung zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus

Ort: Festhalle des Zentrums für Psychiatrie Emmendingen

Programm: Kranzniederlegung und Gedenkminute am Denkmal im ZfP Emmendingen Begrüßung Michael Eichhorst, Geschäftsführer ZfP Emmendingen und Calw

Vortrag „Erinnern, gedenken, bilden: Oder: Wie können wir in unseren psychiatrischen Kliniken mit der NS Vergangenheit umgehen?“

Referent: Prof. Dr. med. Thomas Müller, Leiter des Forschungsbereichs Geschichte und Ethik in der Medizin am ZfP Südwürttemberg / Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I der Universität Ulm. Er ist Leiter des Württembergischen Psychiatriemuseums und Koordinator der Historischen Forschung der Zentren für Psychiatrie in Baden-Württemberg.

Eröffnung und Ausstellung des Denkmals der Grauen Busse

Zu den weiteren Veranstaltungen des Begleitprogramms 2019:

Download (PDF)

Beschlussvorlage - Zur Umbenennung des "Landserwegs" in "Fritz-Klose-Weg"

Der „Landserweg“ im Dezember 2018, links die alte Mauereinfassung des Kasernenareals, rechts die Wohnblöcke der ehemaligen SS-Siedlung. Fotografie: Markus Wolter

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In seiner Sitzung am 27. November 2018 wird der Radolfzeller Gemeinderat über eine Straßenumbenennnung entscheiden. Der durch den einschlägigen NS-Kontext in die Kritik geratene „Landserweg“ - zwischen ehemaliger SS-Kaserne und SS-Wohnsiedlung - soll nach einer im Sommer 2018 an den Ältestenrat übermittelten Initiativanfrage umbenannt werden. Nach ensprechender Empfehlung des Ältestenrats folgte eine nochmalige, quellengestützte Überprüfung der Sachlage und Stellungnahme durch die Abteilung Stadtgeschichte. In der Initiativanfrage war von Markus Wolter die Umbennung des „Landserwegs“ in „Fritz-Klose-Weg“ vorgeschlagen worden, benannt nach dem neben Jacob Dörr zweiten nachweislichen Todesfall eines KZ-Häftlings im Außenkommando Radolfzell. Alternativ schlägt die Abteilung Stadtgeschichte die historisch überlieferte Flurbezeichnung „Am Entennest“ (sic) vor.

Beschlussvorlage:abgerufen auf: Ratsinformationssystem, Sitzungskalender (PDF)

2018/11/23 20:57 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Bunte Demo statt braunes Denkmal

Antifaschistische Kundgebung zum Vokstrauertag in Radolfzell am Sonntag, 18.11.18 um 11:30 Uhr.

Der Text des Flyers

Wenn Kriegstoten gedacht werden soll, muss erklärt werden warum sie gestorben sind. So gibt es Täter die morden und Menschen die jenen zum Opfer fallen. Im postnazistischen Deutschland wird diese Erklärung ausgelassen. Das führt dazu, dass Opfern und Tätern im selben Atemzug gedacht wird. Das Kriegerdenkmal in Radolfzell treibt diese absurde Form des Gedenkens auf die Spitze. Unterschiedslos stehen auf den Gedenkplatten die Namen der Ermordeten in mitten ihrer Häscher. So finden sich zahlreiche SS-Offiziere und Wehrmachtssoldaten inmitten derer, der jährlich zum Volkstrauertag gedacht wird. Das Kriegerdenkmal wurde 1938 im Auftrag der SS errichtet. Das macht den Ort zu einer Pilgerstätte für Neonazis aus der Region. Wiederholt nutzte die faschistische Partei Der Dritte Weg diesen Ort um Kränze nieder zu legen und Kriegsverbrechern zu huldigen. Antifaschistische Proteste gegen solche PR-Aktionen versuchte die Stadt schon zweimal zu verhindern – ohne Erfolg: Die Demoverbote wurden vor Gericht als illegal eingestuft und kosteten die Stadt über 10.000 Euro.

Aus diesen Gründen sagen wir nein zu unterschiedsloser Trauer, zu Nazidenkmälern und zu faschistischen Umtrieben. Deswegen wollen wir den Opfern faschistischer Gewalt auf angemessene Weise gedenken.

Treffpunkt: Gedenkstein der deportierten Jüdinnen und Juden an der Seetorstraße vor dem Bahnhof Radolfzell. Danach wird es am Kriegerdenkmal auf dem Luisenplatz eine Kundgebung gegen das Denkmal geben.

Quelle: https://de-de.facebook.com/events/491576801250024/

2018/11/17 15:05 · sw · 0 Kommentare
 
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