Aktuelles
Stolpersteine
Radolfzell
Bodenseeregion
Recherche
Wiki
Karte von Radolfzell

Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

ss-kaserne [2019/05/26 11:44]
mw
ss-kaserne [2020/07/04 19:44] (aktuell)
mw
Zeile 4: Zeile 4:
Radolfzell und das Kasernenareal (unten links), Luftbild Franz Thorbecke, um 1955. Sammlung Markus Wolter. Radolfzell und das Kasernenareal (unten links), Luftbild Franz Thorbecke, um 1955. Sammlung Markus Wolter.
 +{{gallery>:luftbild_ritschel_-_radolfzell_um_1960.jpg?300x300&lightbox}}
 +Radolfzell und das Kasernenaral von Süden aus aufgenommen, im Vordergrund Moos und das Aachried, um 1960. Luftbild Ritschel, Singen. Sammlung Markus Wolter.
Zeile 22: Zeile 24:
Die Initiative für den Bau der SS-Kaserne ging auf den NSDAP-Kreisleiter und Gauinspekteur Eugen Speer zurück. Er war im Februar 1934 von Gauleiter [[https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Wagner_(Gauleiter)|Robert Wagner]] als Radolfzeller Bürgermeister eingesetzt worden. Zeitgleich wurde damals der Gemeinderat ausgetauscht und durchgängig mit Nationalsozialisten besetzt. [(wolter>Wolter, Markus: Radolfzell empfängt die SS - Kein Festspiel. In: Programmheft zum Theaterstück „Die Flüsterstadt“. Doppelgänger Theaterforum, Radolfzell 2010, S. 12f.)] Die Initiative für den Bau der SS-Kaserne ging auf den NSDAP-Kreisleiter und Gauinspekteur Eugen Speer zurück. Er war im Februar 1934 von Gauleiter [[https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Wagner_(Gauleiter)|Robert Wagner]] als Radolfzeller Bürgermeister eingesetzt worden. Zeitgleich wurde damals der Gemeinderat ausgetauscht und durchgängig mit Nationalsozialisten besetzt. [(wolter>Wolter, Markus: Radolfzell empfängt die SS - Kein Festspiel. In: Programmheft zum Theaterstück „Die Flüsterstadt“. Doppelgänger Theaterforum, Radolfzell 2010, S. 12f.)]
-Mit vereinten Kräften warben die Radolfzeller Ratsherren für dieses Projekt und erhielten schließlich den Zuschlag, nachdem sie dem Deutschen Reich große Teile der Gemarkung Radolfzell kostenlos für das Kasernenareal überlassen hatten.[(Klöckler, Jürgen: [[http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/Ein-Hort-der-Nazi-Ideologie;art372455,4517233|Ein Hort der Nazi-Ideologie]], Südkurier, 8.10.2010)]+Mit vereinten Kräften warben Eugen Speer und die Radolfzeller Ratsherren für dieses Projekt und erhielten schließlich den Zuschlag, nachdem sie dem Deutschen Reich große Teile der Gemarkung Radolfzell kostenlos für das Kasernenareal überlassen hatten.[(Klöckler, Jürgen: [[http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/Ein-Hort-der-Nazi-Ideologie;art372455,4517233|Ein Hort der Nazi-Ideologie]], Südkurier, 8.10.2010)]
{{gallery>:stabsgebaude_1938-hillebrecht.jpg?300x300&lightbox}} {{gallery>:stabsgebaude_1938-hillebrecht.jpg?300x300&lightbox}}
Stabsgebäude, Zufahrt mit vorgelagerten Wachhäuschen, 1937/38. Fotografie Hillebrecht. Sammlung Markus Wolter Stabsgebäude, Zufahrt mit vorgelagerten Wachhäuschen, 1937/38. Fotografie Hillebrecht. Sammlung Markus Wolter
-Der Entwurf stammt von dem Karlsruher Architekten [[http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Alker|Hermann Alker]]. Seit spätestens Februar 1934 Mitglied der NSDAP und der Allgemeinen SS, verdankte Alker seinen guten Kontakten zu Gauleiter Robert Wagner, zum NSDAP-Funktionär [[https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Moraller|Franz Moraller]] und vor allem zum Adjutanten Robert Wagners, SS-Standartenführer Karl Bock (1899-1943), die Auftragsvergabe für die SS-Kaserne Radolfzell. Am 26. Juli 1934 kamen Bock und Alker zu einem gemeinsamen Ortstermin nach Radolfzell, um sich ein Bild des projektierten Kasernenareals zu machen. Im Jahr 1935 konnte mit dem Bau begonnen werden, ein Jahr später, am 26. September 1936, war bereits Richtfest.[(Vgl. Roos, Dorothea: Der Karlsruher Architekt Hermann Reinhard Alker, Bauten und Projekte 1921 bis 1958, Tübingen, Wasmuth 2011, S. 296.)] Entgegen aller Hoffnung kamen Radolfzeller Baufirmen und Gewerbebetriebe nicht zum Zug. [(linksrhein>[[http://linksrhein.blogsport.de/2008/04/21/ehemalige-ss-kaserne-in-radolfzell-und-das-kz-aussenlager-von-dachau/|Ehemalige SS-Kaserne in Radolfzell und das KZ Außenlager von Dachau]], LinksRhein 21.04.2008)] +Der Entwurf stammt von dem Karlsruher Architekten [[http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Alker|Hermann Alker]]. Seit spätestens Februar 1934 Mitglied der NSDAP und der Allgemeinen SS, verdankte Alker seinen guten Kontakten zu Gauleiter Robert Wagner, zum NSDAP-Funktionär [[https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Moraller|Franz Moraller]] und vor allem zum Adjutanten Robert Wagners, SS-Standartenführer Karl Bock (1899-1943), die Auftragsvergabe für die SS-Kaserne Radolfzell. Am 26. Juli 1934 kamen Bock und Alker zu einem gemeinsamen Ortstermin nach Radolfzell, um sich ein Bild des projektierten Kasernenareals zu machen. Im Jahr 1935 konnte mit dem Bau begonnen werden. Ein Jahr später, am 26. September 1936, war bereits Richtfest.[(Vgl. Roos, Dorothea: Der Karlsruher Architekt Hermann Reinhard Alker, Bauten und Projekte 1921 bis 1958, Tübingen, Wasmuth 2011, S. 296.)] Wider Erwarten kamen Radolfzeller Baufirmen und Gewerbebetriebe nicht zum Zug.[(linksrhein>[[http://linksrhein.blogsport.de/2008/04/21/ehemalige-ss-kaserne-in-radolfzell-und-das-kz-aussenlager-von-dachau/|Ehemalige SS-Kaserne in Radolfzell und das KZ Außenlager von Dachau]], LinksRhein 21.04.2008)]
-Doch wurden 800 Arbeitslose beim Bau eingesetzt, unter bewusstem Verzicht auf arbeitserleichternde Maschinen.[(Exner, Georg: [[http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/Experte-berichtet-Neues-zur-SS-Gewalt;art372455,4559104|Experte berichtet Neues zur SS-Gewalt]], Südkurier 03.11.2010)] „Arbeiten für die Volksgemeinschaft“ hieß das damals, Vorbote von Zwangsarbeit und Arbeitserziehungslager. Die nationalsozialistische Arbeitsmarktpolitk der Arbeitsbeschaffung durch Wiederaufrüstung wird am Beispiel des Radolfzeller Kasernenbaus besonders deutlich.+{{gallery>:radolfzell_-_erinnerung_an_den_kasernenbau_1936_-_gaststatte_zum_maimilian_-_poststrasse_28.jpg?300x300&lightbox}} 
 +<html><font size="0.8em">"Zur Erinnerung an den Kasernenbau R'zell / zum 'Maximilian', 1936." Eine Gruppe von Kasernenbauarbeitern in ihrem Radolfzeller Stammlokal, der Gaststätte "Maximilian" (Inh. Anton Knaus). Aufgenommen wohl zum Abschied am Ende ihres Arbeitseinsatzes (anlässlich des Richtfests im September?) in Radolfzell; Umtrunk mit dem Gaststätten- und Küchenpersonal im Hinterhof der Gaststätte, Poststraße 28. Fotografie: Sammlung Markus Wolter.</font></html>  
 + 
 + 
 +Bei dem nicht zuletzt als NS-Arbeitsbeschaffungsmaßnahme konzipierten Projekts wurden bis zu 800 Arbeitslose eingesetzt, unter bewusstem Verzicht auf arbeitserleichternde Maschinen.[(Exner, Georg: [[http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/Experte-berichtet-Neues-zur-SS-Gewalt;art372455,4559104|Experte berichtet Neues zur SS-Gewalt]], Südkurier 03.11.2010)] „Arbeiten für die Volksgemeinschaft“ hieß das damals, Vorbote von Zwangsarbeit und Arbeitserziehungslager. Die nationalsozialistische Arbeitsmarktpolitk der Arbeitsbeschaffung durch Wiederaufrüstung wird am Beispiel des Radolfzeller Kasernenbaus besonders deutlich.
Am 31. Juli 1937 bezog das 3. Bataillon der SS-Germania die Kaserne. Die Stadt Radolfzell empfing die Einheiten mit stürmischem Jubel.[(linksrhein)] Am 31. Juli 1937 bezog das 3. Bataillon der SS-Germania die Kaserne. Die Stadt Radolfzell empfing die Einheiten mit stürmischem Jubel.[(linksrhein)]
Zeile 58: Zeile 64:
{{gallery>:17._usr-kompanie_nov._1943-marz_1944_-_mg_42_-_tarnuniform.jpg?300x300&lightbox}} {{gallery>:17._usr-kompanie_nov._1943-marz_1944_-_mg_42_-_tarnuniform.jpg?300x300&lightbox}}
-MG-Kompanie der USR, Winter 1943/44. Stabs- und Mannschaftsgebäude in Tarnanstrich. Fotografie in Privatbesitz. Digitalisat: Sammlung Markus Wolter+MG-Kompanie, Angehörige der [[https://de.wikipedia.org/wiki/14._Waffen-Grenadier-Division_der_SS_(galizische_Nr._1)|14. Waffen-Grenadier-Division bei der SS (galizische SS-Division Nr. 1)]], die vom 1. November 1943 bis 15. März 1944 an der USR ausgebildet wurden. Stabs- und Mannschaftsgebäude in Tarnanstrich. Fotografie in Privatbesitz. Digitalisat: Sammlung Markus Wolter
  * 4. Kriegs-Reserve-Führer-Anwärter-Lehrgang (RFA) an der USR (März-Mai 1941), Lehrpersonal u. a. von der Junkerschule Bad Tölz.   * 4. Kriegs-Reserve-Führer-Anwärter-Lehrgang (RFA) an der USR (März-Mai 1941), Lehrpersonal u. a. von der Junkerschule Bad Tölz.
-  * Angehörige des SS-Totenkopf-Sturmbanns Dachau, die Wachmannschaft des KZ-Außenkommandos Radolfzell (19. Mai 1941-Januar 1945) +  * Angehörige des SS-Totenkopf-Sturmbanns Dachau, die Wachmannschaft des KZ-Außenkommandos Radolfzell (19. Mai 1941-Januar 1945) 
 +  * Angehörige der 14. Waffen-Grenadier-Division bei der SS (galizische SS-Division Nr. 1) wurden im Winter 1943/44 kompanieweise an der USR ausgebildet und auf ihren Einsatz an der Ostfront vorbereitet.   
 +  * [[https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrert%C3%BCchtigungslager|Wehrertüchtigungslager]] V im HJ-Gebiet 21 (Baden), SS-Hauptamt, SS-Ausbildungskommando, durchgeführt an der Waffen-SS-Unterführerschule Radolfzell (Februar/März 1945). Neben der militärischen Grundausbildung durch SS-Personal dienten solche WE-Lager vor allem der Rekrutierung von HJ-Angehörigen für die Waffen-SS.  
Zeile 70: Zeile 78:
Die Radolfzeller SS-Einheiten sprengten in der Region Synagogen, deportierten Jüdinnen und Juden in Konzentrationslager, waren am [[http://de.wikipedia.org/wiki/Anschluss_%C3%96sterreichs|'Anschluß' von Österreich]], der Besetzung der [[http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/zweiter-weltkrieg/ns-aussenpolitik-bis-kriegsbeginn/158.html|Su­de­ten­deut­schen Ge­bie­te]], der [[http://de.wikipedia.org/wiki/Zerschlagung_der_Rest-Tschechei|Zer­schla­gung der Tsche­cho­slo­wa­kei]] und dem [[http://de.wikipedia.org/wiki/Polenfeldzug|Über­fall auf Polen]] beteiligt. Die Radolfzeller SS-Einheiten sprengten in der Region Synagogen, deportierten Jüdinnen und Juden in Konzentrationslager, waren am [[http://de.wikipedia.org/wiki/Anschluss_%C3%96sterreichs|'Anschluß' von Österreich]], der Besetzung der [[http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/zweiter-weltkrieg/ns-aussenpolitik-bis-kriegsbeginn/158.html|Su­de­ten­deut­schen Ge­bie­te]], der [[http://de.wikipedia.org/wiki/Zerschlagung_der_Rest-Tschechei|Zer­schla­gung der Tsche­cho­slo­wa­kei]] und dem [[http://de.wikipedia.org/wiki/Polenfeldzug|Über­fall auf Polen]] beteiligt.
-Überliefert sind folgende Verbrechen, für die u.a. Radolfzeller SS-Einheiten bzw. die KZ-Wachmannschaften des Außenlagers verantwortlich sind:+Nachgewiesen sind folgende Verbrechen, für die u.a. Radolfzeller SS-Einheiten bzw. die KZ-Wachmannschaften des Außenlagers verantwortlich sind:
  * Im Verlauf der [[http://de.wikipedia.org/wiki/Reichspogromnacht| Reichspogromnacht (9./10.11.1938)]] wurden in Horn, Wan­gen, Gai­lin­gen, Ran­degg, Sin­gen und Über­lin­gen viele jü­di­sche Män­ner in die Kel­ler der Rat­häu­ser ver­schleppt und schwer miss­han­delt bzw. ge­fol­tert. Ein Pionierzug der III.SS-VT-Standarte aus Radolfzell sprengte und plünderte die Synagogen von Konstanz, Gailingen, Wangen und Randegg. Viele jü­di­sche Män­ner wur­den am dar­auf fol­gen­den Tag ins KZ Dachau ver­bracht, wo ei­ni­ge von ihnen ums Leben kamen, an­de­re, die wie­der­kehr­ten, waren see­lisch und kör­per­lich ge­bro­chen. Beteiligt waren die Allgemeine SS, die SS-Verfügungstruppe aus der Radolfzeller Kaserne, SA-Einheiten sowie die Gestapo. [(Bloch, Erich: Die Ge­schich­te der Juden von Kon­stanz im 19. und 20. Jahr­hun­dert. Eine Do­ku­men­ta­ti­on. Stad­ler 1996. S. 145 - 150)] [(Gläser, Dietrich: Die Nacht in der die Fenster klirrten - Die Pogromnacht vom 9./10. November in Konstanz und im Hegau. In: Hegau. Zeitschrift für Geschichte, Volkskunde und Naturgeschichte des Gebietes zwischen Rhein, Donau und Bodensee, Bd. 64, Singen, 2007, S. 185-210)]   * Im Verlauf der [[http://de.wikipedia.org/wiki/Reichspogromnacht| Reichspogromnacht (9./10.11.1938)]] wurden in Horn, Wan­gen, Gai­lin­gen, Ran­degg, Sin­gen und Über­lin­gen viele jü­di­sche Män­ner in die Kel­ler der Rat­häu­ser ver­schleppt und schwer miss­han­delt bzw. ge­fol­tert. Ein Pionierzug der III.SS-VT-Standarte aus Radolfzell sprengte und plünderte die Synagogen von Konstanz, Gailingen, Wangen und Randegg. Viele jü­di­sche Män­ner wur­den am dar­auf fol­gen­den Tag ins KZ Dachau ver­bracht, wo ei­ni­ge von ihnen ums Leben kamen, an­de­re, die wie­der­kehr­ten, waren see­lisch und kör­per­lich ge­bro­chen. Beteiligt waren die Allgemeine SS, die SS-Verfügungstruppe aus der Radolfzeller Kaserne, SA-Einheiten sowie die Gestapo. [(Bloch, Erich: Die Ge­schich­te der Juden von Kon­stanz im 19. und 20. Jahr­hun­dert. Eine Do­ku­men­ta­ti­on. Stad­ler 1996. S. 145 - 150)] [(Gläser, Dietrich: Die Nacht in der die Fenster klirrten - Die Pogromnacht vom 9./10. November in Konstanz und im Hegau. In: Hegau. Zeitschrift für Geschichte, Volkskunde und Naturgeschichte des Gebietes zwischen Rhein, Donau und Bodensee, Bd. 64, Singen, 2007, S. 185-210)]
Zeile 113: Zeile 121:
-Zwischen 22. Oktober 1941 und 19. Mai 1942 ins  Außenkommando Radolfzell verlegt, wurde Klose, den die Dachauer Bestandstärkeliste vom Mai 1942 als "PSV"-Häftling (= "polizeiliche Sicherungsverwahrung") führt, am 3. August 1943 mutmaßlich bei einem Außeneinsatz in Böhringen und/oder "auf der Flucht" von einer SS-Wache umgebracht. Seine Leiche wurde nach Angaben des SS-Hauptscharführers Heinz Wendt am 5. August 1943 im [[https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6hringer_See|Böhringer See]] gefunden, was Wendt am selben Tag beim Gendarmerie-Posten Radolfzell zur Meldung brachte. Nach Angaben des ebenfalls vorstelligen SS-Unterscharführers Julius Ueltzhöffer (1892-?)[(Julius Ueltzhöffer wurde 1947 von einem amerikanischen Militärgericht in einem Dachauer Folgeprozess([[https://www.online.uni-marburg.de/icwc/dachau/000-050-0002-069.pdf|Case 50-2-69 (PDF))]] wegen begangener Kriegssverbrechen zu lebenslanger Haft veurteilt. Ueltzhöffer war mehrere Jahre in verschiedenen Konzentrations- und Vernichtungslagern eingesetzt: Auschwitz, Mauthausen, Ravensbrück, Natzweiler, Dachau und Außenlager, darunter 1943 in Radolfzell.)]  - als Kommandoführer für die "Betreuung" (sic!) der KZ-Häftlinge in Radolfzell zuständig - sei Klose in einer Gruppe von insgesamt 24 Häftlingen am 3. August 1943, 21. Uhr, "zum Baden in den Böhringer See geführt" worden. "Nachdem das Baden beendet war" habe Ueltzhöffer beim "Feststellen der Häftlinge" die Abwesenheit Kloses bemerkt. Unmittelbar einsetzende Suchmaßnahmen von "im Tauchen geübte(n) Häftlinge(n)" (sic!) hätten wegen der Dunkelheit ergebnislos abgebrochen werden müssen. Erst anderthalb Tage später sei die Leiche Kloses von Ueltzhöffer im abgetrennten Nichtschwimmerbereich des Sees treibend entdeckt und von Wendt geborgen worden. Die Leiche sei in die USR gebracht und dort "eingesargt" worden. SS-Stabsarzt "//Dr. Fischel//"[(Durch Archivrecherchen 2019 (Markus Wolter) identifiziert als Dr. Walter Fischel, geb. 20.10.1908 in Düsseldorf, gest. 29.5.1977 in Berlin (DDR). Studium der Humanmedizin 1927-1933 LMU München, 1934 Promotion LMU München, 30. Juli 1934. Diss.: Die Resorption der Fette bei Pankreasinsuffizienz. Würzburg, Stürz 1934. NSDAP-Mitglied seit 1.7.1937; SS- und Waffen-SS-Mitglied seit ?, NSDÄB seit 25.10.1939. Vom 1.Juni 1936 bis 30. April 1939 Oberarzt, Heil- und Pflegeanstalt Werneck; dort u.a. für Anzeigen/Anträge zur Zwangssterilisation vermeintlich erbkranker Anstaltspatienten nach Maßgabe des GzVeN verantwortlich; Insulin-Schockbehandlungen. Nach eigenen Angaben in Fischels Personalakte 1948 ff., Landesarchiv Berlin, C Rep.118, Nr. 1414): 19.12.1938: Anerkennung als Facharzt für Psychiatrie und Neurologie; Oktober 1939 bis Ende Januar 1940: Innere Abt., Virchow-Krankenhaus, Berlin; 1940 "zur Luftwaffe eingezogen"; 14.8.1940-13.6.1941: Luftwaffen-Lazarett Stolpmünde; 13.6.1941-7.4.1942: Luftwaffen-Lazarett Berlin, Neurochirurgie, Prof. Wilhelm Tönnis; 1.12.1942-12.7.1943: Luftwaffen-Lazarett Le Havre. Seine Mitgliedschaft in NSDAP, (Waffen-)SS und NSDÄB verschweigt Fischel dabei ebenso wie seine Oberarzttätigkeit in Werneck 1936-1939 und 1943 als SS-Truppenarzt (Stabsarzt) der Waffen-SS: "In den [1942] nachfolgenden Kriegsjahren war ich wieder Internist und als Abteilungsarzt in verschiedenen Lazaretten, meist in Frankreich eingesetzt". Auch dass er seit 1946 in amerikanischer Internierungshaft in Ludwigsburg-Oßweil (Lager I.C.74) und in Lager 76 auf der Festung Hohenasperg war, aus der er 1948 - als  "Kriegsgefangenschaft" bezeichet - entlassen wurde(damalige Wohnadresse in München-Stockdorf), ist seiner Lücken aufweisenden Personalakte  nicht zu entnehmen. Laut eigenen Angaben: 1.9.1943-7.6.1944: Lazarett Turnhout-Beerse, Belgien und Lazarett in L'Aigle (Aube), Frankreich;[8.6.1944-1948: keine Angaben]; 15.5.1948-7.10.1948: Rot-Kreuz-Krankenhaus Bad Reichenhall und Kaufbeuren, Inn. Abt. Anfang 1949 Wechsel nach Berlin (Ost). Dort ab 1.4.1949 Chefarzt, Innere Abt., im "Krankenhaus der Volkspolizei".  +Zwischen 22. Oktober 1941 und 19. Mai 1942 ins  Außenkommando Radolfzell verlegt, wurde Klose, den die Dachauer Bestandstärkeliste vom Mai 1942 als "PSV"-Häftling (= "polizeiliche Sicherungsverwahrung") führt, am 3. August 1943 mutmaßlich bei einem Außeneinsatz in Böhringen und/oder "auf der Flucht" von einer SS-Wache umgebracht. Seine Leiche wurde nach Angaben des SS-Hauptscharführers Heinz Wendt am 5. August 1943 im [[https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6hringer_See|Böhringer See]] gefunden, was Wendt am selben Tag beim Gendarmerie-Posten Radolfzell zur Meldung brachte. Nach Angaben des ebenfalls vorstelligen SS-Unterscharführers Julius Ueltzhöffer (1892-?)[(Julius Ueltzhöffer wurde 1947 von einem amerikanischen Militärgericht in einem Dachauer Folgeprozess([[https://www.online.uni-marburg.de/icwc/dachau/000-050-0002-069.pdf|Case 50-2-69 (PDF))]] wegen begangener Kriegssverbrechen zu lebenslanger Haft veurteilt. Ueltzhöffer war mehrere Jahre in verschiedenen Konzentrations- und Vernichtungslagern eingesetzt: Auschwitz, Mauthausen, Ravensbrück, Natzweiler, Dachau und Außenlager, darunter 1943 in Radolfzell.)]  - als Kommandoführer für die "Betreuung" (sic!) der KZ-Häftlinge in Radolfzell zuständig - sei Klose in einer Gruppe von insgesamt 24 Häftlingen am 3. August 1943, 21. Uhr, "zum Baden in den Böhringer See geführt" worden. "Nachdem das Baden beendet war" habe Ueltzhöffer beim "Feststellen der Häftlinge" die Abwesenheit Kloses bemerkt. Unmittelbar einsetzende Suchmaßnahmen von "im Tauchen geübte(n) Häftlinge(n)" (sic!) hätten wegen der Dunkelheit ergebnislos abgebrochen werden müssen. Erst anderthalb Tage später sei die Leiche Kloses von Ueltzhöffer im abgetrennten Nichtschwimmerbereich des Sees treibend entdeckt und von Wendt geborgen worden. Die Leiche sei in die USR gebracht und dort "eingesargt" worden. Stabsarzt "//Dr. Fischel//"[(Durch Archivrecherchen 2019 (Markus Wolter) identifiziert als Dr. Walter Fischel, geb. 20.10.1908 in Düsseldorf, gest. 29.5.1977 in Berlin (DDR). Studium der Humanmedizin 1927-1933 LMU München, 1934 Promotion LMU München, 30. Juli 1934. Diss.: Die Resorption der Fette bei Pankreasinsuffizienz. Würzburg, Stürz 1934. NSDAP-Mitglied seit 1.7.1937; Waffen-SS-Mitglied erst seit 3. Mai 1944, NSDÄB seit 25.10.1939. Vom 1. Juni 1936 bis 30. April 1939 Oberarzt, Heil- und Pflegeanstalt Werneck; dort u.a. für Anzeigen/Anträge zur Zwangssterilisation vermeintlich erbkranker Anstaltspatienten nach Maßgabe des GzVeN verantwortlich; Insulin-Schockbehandlungen. Nach eigenen Angaben in Fischels Personalakte 1948 ff., Landesarchiv Berlin, C Rep.118, Nr. 1414): 19.12.1938: Anerkennung als Facharzt für Psychiatrie und Neurologie; Oktober 1939 bis Ende Januar 1940: Innere Abt., Virchow-Krankenhaus, Berlin; 1940 "zur Luftwaffe eingezogen" (Höchster erreichter Dienstgrad in der Luftwaffe: Hauptmann / Stabsarzt); 14.8.1940-13.6.1941: Luftwaffen-Lazarett Stolpmünde; 13.6.1941-7.4.1942: Luftwaffen-Lazarett Berlin, Neurochirurgie, Prof. Wilhelm Tönnis; 1.12.1942-12.7.1943: Luftwaffen-Lazarett Le Havre. Seine Mitgliedschaft in NSDAP, die Übernahme in die (Waffen-)SS als SS-Haupturmführer (3. Mai 1944) und die Mitgliedschaft im NSDÄB verschweigt Fischel dabei ebenso wie seine Oberarzttätigkeit in Werneck 1936-1939 und 1943 als Truppenarzt (Stabsarzt) der Waffen-SS: "In den [1942] nachfolgenden Kriegsjahren war ich wieder Internist und als Abteilungsarzt in verschiedenen Lazaretten, meist in Frankreich eingesetzt". Auch dass er seit 1946 in amerikanischer Internierungshaft in Ludwigsburg-Oßweil (Lager I.C.74) und in Lager 76 auf der Festung Hohenasperg war, aus der er 1948 - als  "Kriegsgefangenschaft" bezeichet - entlassen wurde(damalige Wohnadresse in München-Stockdorf), ist seiner Lücken aufweisenden Personalakte  nicht zu entnehmen. Laut eigenen Angaben: 1.9.1943-7.6.1944: Lazarett Turnhout-Beerse, Belgien und Lazarett in L'Aigle (Aube), Frankreich;[8.6.1944-1948: keine Angaben]; 15.5.1948-7.10.1948: Rot-Kreuz-Krankenhaus Bad Reichenhall und Kaufbeuren, Inn. Abt. Anfang 1949 Wechsel nach Berlin (Ost). Dort ab 1.4.1949 Chefarzt, Innere Abt., im "Krankenhaus der Volkspolizei".  
-1955-1959 Facharzt für innere Krankheiten, Chefarzt, Innere Abteilung des "[[https://de.wikipedia.org/wiki/Regierungskrankenhaus_der_DDR|Regierungskrankenhauses der DDR]]",  Scharnhorststr. 36, Berlin; 1959-1966 Chefarzt der Zentrale für Herz-Kreislaufkranke, Klosterstr. 71 (Berlin-Ost). 1977 begraben auf dem Dorotheenstädtisch-Friedrichswerderschen Friedhof I, Berlin)] führte als SS-Truppenarzt der USR am 5. August 1943 eine von ihm als "äußere Besichtigung" bezeichnete Leichenschau durch; nach Fischels Angaben: "die Leiche eines großen, kräftigen Mannes in gutem Ernährungszustand mit Badehose bekleidet" (sic!), wenngleich Fischel dann doch auch die "kahlgeschorene Kopfhaut" erwähnenswert findet. An der ansonsten unauffälligen Wasserleiche will ihm noch aufgefallen sein, dass Augenumgebung und linke Stirn mit "frischem rotem Blut verschmiert" gewesen seien und am linken oberen Augenlid eine "3 cm lange Stichwunde", die er als Verletzung duch einen Bootshaken deutet, der bei der Bergung der Leiche verwendet worden sein soll. Als Todesursache wird von Dr. Fischel, der keine weiteren  "Anzeichen äußerer Gewalt" an der Leiche erkennen kann, "Ertrinken" genannt: "Feststellung des Todes durch ärztliche Leichenschau am 5.3.1943 vormittags, 11.30 Uhr. / gez. Dr. Fischel"    +1955-1959 Facharzt für innere Krankheiten, Chefarzt, Innere Abteilung des "[[https://de.wikipedia.org/wiki/Regierungskrankenhaus_der_DDR|Regierungskrankenhauses der DDR]]",  Scharnhorststr. 36, Berlin; 1959-1966 Chefarzt der Zentrale für Herz-Kreislaufkranke, Klosterstr. 71 (Berlin-Ost). 1977 begraben auf dem Dorotheenstädtisch-Friedrichswerderschen Friedhof I, Berlin)] führte als "Truppenarzt" der USR am 5. August 1943 eine von ihm als "äußere Besichtigung" bezeichnete Leichenschau durch; nach Fischels Angaben: "die Leiche eines großen, kräftigen Mannes in gutem Ernährungszustand mit Badehose bekleidet" (sic!), wenngleich Fischel dann doch auch die "kahlgeschorene Kopfhaut" erwähnenswert findet. An der ansonsten unauffälligen Wasserleiche will ihm noch aufgefallen sein, dass Augenumgebung und linke Stirn mit "frischem rotem Blut verschmiert" gewesen seien und am linken oberen Augenlid eine "3 cm lange Stichwunde", die er als Verletzung duch einen Bootshaken deutet, der bei der Bergung der Leiche verwendet worden sein soll. Als Todesursache wird von Dr. Fischel, der keine weiteren  "Anzeichen äußerer Gewalt" an der Leiche erkennen kann, "Ertrinken" genannt: "Feststellung des Todes durch ärztliche Leichenschau am 5.3.1943 vormittags, 11.30 Uhr. / gez. Dr. Fischel"    
Die Leiche Kloses wurde von der für den Fall zuständigen Oberstaatsanwaltschaft Konstanz am 6. August 1943 zur Kremation in Konstanz freigegeben; ob und wo die Asche begraben wurde, ist nicht bekannt. Am selben Tag stellte der Oberstaatsanwalt am Landgericht Konstanz, Dr. Walter Melcher, das "Verfahren" ein; seine lapidare Begründung: "Es liegt kein Verschulden Dritter vor." [(Akten der Oberstaatsanwaltschaft Konstanz, StAF F 178/4 Tote 1 JS 1468/43]])] Die Leiche Kloses wurde von der für den Fall zuständigen Oberstaatsanwaltschaft Konstanz am 6. August 1943 zur Kremation in Konstanz freigegeben; ob und wo die Asche begraben wurde, ist nicht bekannt. Am selben Tag stellte der Oberstaatsanwalt am Landgericht Konstanz, Dr. Walter Melcher, das "Verfahren" ein; seine lapidare Begründung: "Es liegt kein Verschulden Dritter vor." [(Akten der Oberstaatsanwaltschaft Konstanz, StAF F 178/4 Tote 1 JS 1468/43]])]
Zeile 151: Zeile 159:
   * [[http://en.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Dietsche|Bernhard Dietsche]], geb. 1912 in Singen/Htwl., III/SS-"Germania" seit 1937, Zugführer in der 12. (MG) bzw. 13. (IG) Kompanie in Radolfzell 1937-1939. SS-Division "Wiking" (Westland), Angriff auf die SU, später SS-Gebirgsjäger-Regiment 2 "Prinz Eugen" ("Partisanen"-Bekämpfung) in Jugoslawien. Taktikausbilder an der Junkerschule Bad Tölz.[(Vgl.: Strittmatter, Wolf-Ulrich: Bernhard Dietsche - "Ich blieb ein Bergsteiger und Wanderer in Uniform, auch während des Krieges", in: Proske, Wolfgang (Hg.). Täter, Helfer, Trittbrettfahrer. Band 4, NS-Belastete aus Oberschwaben, Kugelberg Verlag, Gerstetten 2015, S. 84-97)]    * [[http://en.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Dietsche|Bernhard Dietsche]], geb. 1912 in Singen/Htwl., III/SS-"Germania" seit 1937, Zugführer in der 12. (MG) bzw. 13. (IG) Kompanie in Radolfzell 1937-1939. SS-Division "Wiking" (Westland), Angriff auf die SU, später SS-Gebirgsjäger-Regiment 2 "Prinz Eugen" ("Partisanen"-Bekämpfung) in Jugoslawien. Taktikausbilder an der Junkerschule Bad Tölz.[(Vgl.: Strittmatter, Wolf-Ulrich: Bernhard Dietsche - "Ich blieb ein Bergsteiger und Wanderer in Uniform, auch während des Krieges", in: Proske, Wolfgang (Hg.). Täter, Helfer, Trittbrettfahrer. Band 4, NS-Belastete aus Oberschwaben, Kugelberg Verlag, Gerstetten 2015, S. 84-97)]
   * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Dorr|Hans Dorr]], III/SS-"Germania", Zugführer der 10. Kompanie in Radolfzell 1938/39.    * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Dorr|Hans Dorr]], III/SS-"Germania", Zugführer der 10. Kompanie in Radolfzell 1938/39.
-   * [[http://en.wikipedia.org/wiki/Markus_Faulhaber|Markus Faulhaber]], III/SS-"Germania", 1938 ff. In Radolfzell 1939 verheiratet. Einer der "gefallenen Söhne" der Stadt Radolfzell, derer am Kriegerdenkmal als "Opfer der Gewaltherrschaft" namentlich gedacht wird. Begraben zunächst auf dem städtischen Friedhof (alt), umgebettet auf die Kriegsgräberstätte des neuen städtischen Friedhofs von Radolfzell im Altbohl.([Recherche: Markus Wolter, 2011-2017.)]+   * [[http://en.wikipedia.org/wiki/Markus_Faulhaber|Markus Faulhaber]], III/SS-"Germania", 1938 ff. In Radolfzell 1939 verheiratet. Einer der "gefallenen Söhne" der Stadt Radolfzell, derer am Kriegerdenkmal als "Opfer der Gewaltherrschaft" namentlich gedacht wird. Begraben zunächst auf dem städtischen Friedhof (alt), umgebettet auf die Kriegsgräberstätte des neuen städtischen Friedhofs von Radolfzell im Altbohl.[(Recherche: Markus Wolter, 2011-2017.)]
   * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_F%C3%B6rschner|Otto Förschner]], III/SS-"Germania", 12. Kompanie, 31. Juli 1937-1. April 1938 in Radolfzell; August 1943-Anfang Februar 1945 Lagerkommandant KZ Dora-Mittelbau. Im Dachau-Hauptprozess zum Tod verurteilt und als Kriegsverbrecher hingerichtet.    * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_F%C3%B6rschner|Otto Förschner]], III/SS-"Germania", 12. Kompanie, 31. Juli 1937-1. April 1938 in Radolfzell; August 1943-Anfang Februar 1945 Lagerkommandant KZ Dora-Mittelbau. Im Dachau-Hauptprozess zum Tod verurteilt und als Kriegsverbrecher hingerichtet.
   * [[http://en.wikipedia.org/wiki/Karl_Gesele|Karl Gesele]], SS-Standartenführer, Taktik-Ausbilder an der USR beim 4. RFA-Lehrgang 1941 (1. März 1941-31. Mai 1941); am 12. August 1944 als Kdr. des SS-Panzergrenadier-Regiments 35 verantwortlich für das [[https://de.wikipedia.org/wiki/Sant%E2%80%99Anna_di_Stazzema|Massaker von Sant'Anna di Stazzema]].    * [[http://en.wikipedia.org/wiki/Karl_Gesele|Karl Gesele]], SS-Standartenführer, Taktik-Ausbilder an der USR beim 4. RFA-Lehrgang 1941 (1. März 1941-31. Mai 1941); am 12. August 1944 als Kdr. des SS-Panzergrenadier-Regiments 35 verantwortlich für das [[https://de.wikipedia.org/wiki/Sant%E2%80%99Anna_di_Stazzema|Massaker von Sant'Anna di Stazzema]].
-   * [[https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Gro%C3%9F|Kurt Groß]], SS-Sturmbannführer, WE-Leiter, Stabsabteilung VI, 1943 und Kommandeur USR-'Regiment Radolfzell' und stellvertretender Kommandeur der USR 1944/45.([Recherche: Markus Wolter, 2011-2017.)] +   * [[https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Gro%C3%9F|Kurt Groß]], SS-Sturmbannführer, WE-Leiter, Stabsabteilung VI, 1943 und Kommandeur USR-'Regiment Radolfzell' und stellvertretender Kommandeur der USR 1944/45.[(Recherche: Markus Wolter, 2011-2017.)]
-   * [[https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_Niethammer|Günther Niethammer]], SS-Obersturmführer (F), der "Ornithologe von Auschwitz"; nach 1945 enge Verbindungen zur Vogelwarte Radolfzell.([Recherche: Markus Wolter, 2018.)]+
   * [[http://en.wikipedia.org/wiki/Walter_Harzer|Walter Harzer]], SS-Standartenführer, Taktik-Ausbilder an der USR beim 4. RFA-Lehrgang 1941 (1. März  1941-31.Mai 1941).    * [[http://en.wikipedia.org/wiki/Walter_Harzer|Walter Harzer]], SS-Standartenführer, Taktik-Ausbilder an der USR beim 4. RFA-Lehrgang 1941 (1. März  1941-31.Mai 1941).
   * [[http://en.wikipedia.org/wiki/Willi_Hund|Willi Hund]], SS-Obersturmführer, Zugführer als 19-jähriger Untersturmführer an der USR (1.September 1942 – 2. März 1943).    * [[http://en.wikipedia.org/wiki/Willi_Hund|Willi Hund]], SS-Obersturmführer, Zugführer als 19-jähriger Untersturmführer an der USR (1.September 1942 – 2. März 1943).
   * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Robert_Jau%C3%9F|Hans Robert Jauß]], SS-Hauptsturmführer. 1941 Führerausbildung, in deren Verlauf Teilnahme am 4. Kriegs-Reserve-Führer-Anwärter-Lehrgang (RFA) an der USR, 1. März - 31. Mai 1941, nach erfolgreichem Abschluss Beförderung zum Führeranwärter der Reserve und SS-Oberscharführer d. R. zum 1. Juni 1941.[(Vgl.: Westemeier, Jens: Hans Robert Jauß. Jugend, Krieg und Internierung. Konstanz University Press, Konstanz 2016, S. 55 ff.)]    * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Robert_Jau%C3%9F|Hans Robert Jauß]], SS-Hauptsturmführer. 1941 Führerausbildung, in deren Verlauf Teilnahme am 4. Kriegs-Reserve-Führer-Anwärter-Lehrgang (RFA) an der USR, 1. März - 31. Mai 1941, nach erfolgreichem Abschluss Beförderung zum Führeranwärter der Reserve und SS-Oberscharführer d. R. zum 1. Juni 1941.[(Vgl.: Westemeier, Jens: Hans Robert Jauß. Jugend, Krieg und Internierung. Konstanz University Press, Konstanz 2016, S. 55 ff.)]
-   * [[https://en.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Kling|Heinrich ("Heinz") Kling]], als SS-Untersturmführer 1938/39 Komp.führer der 9. Kompanie des III.SS-VT "Germania" in Radolfzell; 1939/40 Komp.führer 6./SS-Totenkopf-Standarte 12 in  Łódź, in dieser Einheit beteiligt an Massenerschießungen von  polnischen Intellektuellen und Juden; später Angehöriger der SS-Panzer-Division „Leibstandarte-SS Adolf Hitler“, Bataillonskommandeur unter [[https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Peiper|Joachim Peiper]]; SS-Sturmbannführer (1944); verheiratet in Radolfzell, nach 1945 dort Textilvertreter bei Schiesser und ab 1950 Textil-Fabrikant ("Mettnau-Kleidung"), am 30. September 1951 bei einer Regatta des Yacht-Clubs Radolfzell im Zellersee gekentert und ertrunken.([Recherche: Markus Wolter, 2019.)]  +   * [[https://en.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Kling|Heinrich ("Heinz") Kling]], als SS-Untersturmführer 1938/39 Komp.führer der 9. Kompanie des III.SS-VT "Germania" in Radolfzell; 1939/40 Komp.führer 6./SS-Totenkopf-Standarte 12 in  Łódź, in dieser Einheit beteiligt an Massenerschießungen von  polnischen Intellektuellen und Juden; später Angehöriger der SS-Panzer-Division „Leibstandarte-SS Adolf Hitler“, Bataillonskommandeur unter [[https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Peiper|Joachim Peiper]]; SS-Sturmbannführer (1944); verheiratet in Radolfzell, 3 Kinder. Nach britischer Internierungshaft 1945 (Bad Nenndorf)  Textilvertreter bei Schiesser, Radolfzell, und ab 1950 selbstständiger Textil-Kaufmann mit Fabrikation von Kittelschürzen, Blusen und Röcken ("Mettnau-Kleidung"). Am 30. September 1951 bei einer Regatta des Yacht-Clubs Radolfzell im Zellersee gekentert und ertrunken.[(Recherche: Markus Wolter, 2019.)]  
   * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Lausterer|Hugo Lausterer]], Wachmannschaft des KZ-Außenkommandos, 1941/42.    * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Lausterer|Hugo Lausterer]], Wachmannschaft des KZ-Außenkommandos, 1941/42.
   * [[http://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_M%C3%BCller_(SS_officer)|Thomas Müller]], Kdr. der USR, Februar 1941 - Februar 1943    * [[http://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_M%C3%BCller_(SS_officer)|Thomas Müller]], Kdr. der USR, Februar 1941 - Februar 1943
   * [[https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Mussert|Anton Mussert]], Mitgründer und Vorsitzender der niederländischen nationalsozialistischen NSB, NS-„Führer“ der Niederlande, gründete 1941 die [[https://de.wikipedia.org/wiki/34._SS-Freiwilligen-Grenadier-Division_%E2%80%9ELandstorm_Nederland%E2%80%9C_(niederl%C3%A4ndische_Nr._2)|"SS-Freiwilligen-Legion Niederlande"]]. Mussert "rückt am 15.3.[1943] (...)  nach Radolfzell ein." [([[https://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Rauter|Hanns Rauter]] in einem Brief an Heinrich Himmler, 31. März 1943; vgl.: [[https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/35/N.K.C.A._in_%27t_Veld_-_De_SS_en_Nederland_Documenten_uit_de_SS-archieven_1935-1945_-_Deel_II_1943-1945.pdf|"De SS en Nederland 1933-1945. Documenten uit SS-Archiven, S-Gravenhage-Martinus Nijhoff 1976, Band II, S. 1006]], PDF.)] Näheres zu Funktion und Aufenthaltsdauer in der SS-Kaserne Radolfzell ist bislang nicht bekannt.[(Recherche: Markus Wolter, 2019)]    * [[https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Mussert|Anton Mussert]], Mitgründer und Vorsitzender der niederländischen nationalsozialistischen NSB, NS-„Führer“ der Niederlande, gründete 1941 die [[https://de.wikipedia.org/wiki/34._SS-Freiwilligen-Grenadier-Division_%E2%80%9ELandstorm_Nederland%E2%80%9C_(niederl%C3%A4ndische_Nr._2)|"SS-Freiwilligen-Legion Niederlande"]]. Mussert "rückt am 15.3.[1943] (...)  nach Radolfzell ein." [([[https://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Rauter|Hanns Rauter]] in einem Brief an Heinrich Himmler, 31. März 1943; vgl.: [[https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/35/N.K.C.A._in_%27t_Veld_-_De_SS_en_Nederland_Documenten_uit_de_SS-archieven_1935-1945_-_Deel_II_1943-1945.pdf|"De SS en Nederland 1933-1945. Documenten uit SS-Archiven, S-Gravenhage-Martinus Nijhoff 1976, Band II, S. 1006]], PDF.)] Näheres zu Funktion und Aufenthaltsdauer in der SS-Kaserne Radolfzell ist bislang nicht bekannt.[(Recherche: Markus Wolter, 2019)]
 +   * [[https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_Niethammer|Günther Niethammer]], SS-Obersturmführer (F), der "Ornithologe von Auschwitz"; nach 1945 enge Verbindungen zur Vogelwarte Radolfzell.[(Recherche: Markus Wolter, 2018.)]
   * [[http://pl.wikipedia.org/wiki/Max_Pausch|Max Pausch]], III/SS-"Germania", 1935-1939. SS-Obersturmführer und "Musikführer" des Bataillons. 1940-1941 SS-Rgt. "Nordland", 1941-1943 SS-Ers.Btl. 5 "Wiking". Dezember 1944-Mai 1945 Lagerführung im KZ-Außenlager Gusen II (Mauthausen). In einem Mauthausen-Nebenprozess 1947 zum Tod verurteilt und als Kriegsverbrecher 1948 hingerichtet.    * [[http://pl.wikipedia.org/wiki/Max_Pausch|Max Pausch]], III/SS-"Germania", 1935-1939. SS-Obersturmführer und "Musikführer" des Bataillons. 1940-1941 SS-Rgt. "Nordland", 1941-1943 SS-Ers.Btl. 5 "Wiking". Dezember 1944-Mai 1945 Lagerführung im KZ-Außenlager Gusen II (Mauthausen). In einem Mauthausen-Nebenprozess 1947 zum Tod verurteilt und als Kriegsverbrecher 1948 hingerichtet.
-   * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Rumohr|Joachim Rumohr]], III/SS-"Germania", 1937 ff. SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS. In Radolfzell verheiratet. Einer der "gefallenen Söhne" der Stadt Radolfzell, derer am Kriegerdenkmal als Opfer der Gewaltherrschaft" namentlich gedacht wird.([Recherche: Markus Wolter, 2017.)] +   * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Rumohr|Joachim Rumohr]], III/SS-"Germania", 1937 ff. SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS. In Radolfzell verheiratet. Einer der "gefallenen Söhne" der Stadt Radolfzell, derer am Kriegerdenkmal als Opfer der Gewaltherrschaft" namentlich gedacht wird.[(Recherche: Markus Wolter, 2017.)]
  * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Seuß|Josef Seuß]], Kommandoführer des KZ-Außenkommandos, 1941/42. Im Dachau-Hauptprozess zum Tod verurteilt und als Kriegsverbrecher hingerichtet.   * [[http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Seuß|Josef Seuß]], Kommandoführer des KZ-Außenkommandos, 1941/42. Im Dachau-Hauptprozess zum Tod verurteilt und als Kriegsverbrecher hingerichtet.
  * [[https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Stein_(SS-Mitglied)|Walter Stein]], SS-Oberführer, Führer des SS-Abschnitts XXIX der Allgemeinen SS, Konstanz 1937-1939. Mitverantwortlich für die Synagogen-Zerstörung in Konstanz am 9./10.11.1938 und Koordinator der "Zusammenarbeit" mit dem Radolfzeller SS-VT-Bataillon an diesem Tag. Markanter Repräsentant der Allgemeinen SS der Region und häufig Gast des III./SS-VT-"Germania" in Radolfzell.   * [[https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Stein_(SS-Mitglied)|Walter Stein]], SS-Oberführer, Führer des SS-Abschnitts XXIX der Allgemeinen SS, Konstanz 1937-1939. Mitverantwortlich für die Synagogen-Zerstörung in Konstanz am 9./10.11.1938 und Koordinator der "Zusammenarbeit" mit dem Radolfzeller SS-VT-Bataillon an diesem Tag. Markanter Repräsentant der Allgemeinen SS der Region und häufig Gast des III./SS-VT-"Germania" in Radolfzell.
Zeile 208: Zeile 216:
{{gallery>:caserne_vauban_1965.jpg?300x300&lightbox}} {{gallery>:caserne_vauban_1965.jpg?300x300&lightbox}}
Caserne Vauban, LKW Berliet GBC 8 KT in der Einfahrt, um 1965. In dieser Zeit (1961-1966) waren das [[https://de.wikipedia.org/wiki/42e_r%C3%A9giment_d%E2%80%99infanterie#Nachkriegszeit|42e régiment d'infanterie]] und die 302e groupe d´artillerie / US-9th Missile Detachment in der Radolfzeller Kaserne stationiert, ausgerüstet mit atomar bestückbaren [[https://de.wikipedia.org/wiki/MGR-1_Honest_John|"Honest John"]]-Kurzstrecken-Raketen. - Zeitgen. Ansichtskarte, Sammlung Markus Wolter. Caserne Vauban, LKW Berliet GBC 8 KT in der Einfahrt, um 1965. In dieser Zeit (1961-1966) waren das [[https://de.wikipedia.org/wiki/42e_r%C3%A9giment_d%E2%80%99infanterie#Nachkriegszeit|42e régiment d'infanterie]] und die 302e groupe d´artillerie / US-9th Missile Detachment in der Radolfzeller Kaserne stationiert, ausgerüstet mit atomar bestückbaren [[https://de.wikipedia.org/wiki/MGR-1_Honest_John|"Honest John"]]-Kurzstrecken-Raketen. - Zeitgen. Ansichtskarte, Sammlung Markus Wolter.
 +
 +Am 31. Mai 1977 wurde die französische Garnison in Radolfzell aufgehoben: Die zuletzt rund 1.100 Soldaten des 1968 in Radolfzell neu aufgestellten 3. Infanterieregiment "Régiment de Piémont" und 400 Familienangehörige verließen die Stadt.  
Zeile 261: Zeile 271:
{{gallery>bilder:ss-kaserne:walter-schellenberg-strasse.jpg?200x200&lightbox}} {{gallery>bilder:ss-kaserne:walter-schellenberg-strasse.jpg?200x200&lightbox}}
-Eine Straße auf dem Gebiet einer ehemaligen SS-Kaserne, die lt. städtischem Bebauungsplan seit 1991 den Namen Walter-Schellenberg-Straße trägt, sorgt für Irritationen. Nicht alle dürften wissen, dass hier nicht der verurteilte Kriegsverbrecher [[http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Schellenberg|Walter Schellenberg]] (SS-Brigadeführer, Generalmajor der Polizei und Leiter der vereinigten Geheimdienste von SD und Abwehr im Reichssicherheitshauptamt), sondern der gleichnamige Vorstandsvorsitzende des Radolfzeller Unternehmens Schiesser-AG 1936-1945 gemeint ist. Um diese Irritationen zu vermeiden, müsste eine biografische Zusatzinformation am Straßenschild angebracht werden.[(Vgl. hierzu: [[https://www.radolfzell.de/eu/Buerger-Stadt/Stadtverwaltung/Buerger-fragen-OB-Staab-antwortet/Fragen-und-Antworten/page18475.htm?newsid=305394&newsrefid=18475&row=0&newsrefaddcoid=&nafrom=&nato=|Bürger fragen, OB Staab antwortet, www.radolfzell.de, abgerufen am 28.10.2017.]])] Spätestens dann müsste allerdings auch die Frage beantwortet werden, welches die "Verdienste" des Schiesser-Vorstandsvorsitzenden Schellenberg (1910-1992) gewesen sein mögen, die eine Straßenbenennung nach ihm im Jahr 1991 rechtfertigten. So wurde unter Schellenbergs Führung der Schiesser-AG am 1. Mai 1940 im betrieblichen Leistungskampf 1939/40 von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) der Titel "Nationalsozialistischer Musterbetrieb" verliehen. [(Vgl. ''Badens Betriebe im Leistungskampf. Auszeichnung zum Nationalen Feiertag des deutschen Volkes'', in: Freiburger Zeitung, 1. Mai 1940; [[http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=05&day=01&year=1940&month=05&project=3&anzahl=10|Digitalisat UB Freiburg]])] Überdies setzte die Schiesser-AG nach Beginn des Russlandfeldzugs 1941 zahlreiche russische und ukrainische Zwangsarbeiter/innen in ihrer Kriegsproduktion ein.[(Vgl. hierzu: Christian Ruch, Myriam Rais-Liechti, Roland Peter: Geschäfte und Zwangsarbeit: Schweizer Industrieunternehmen im «Dritten Reich», Zurich 2001.)]+Eine Straße auf dem Gebiet einer ehemaligen SS-Kaserne, die lt. städtischem Bebauungsplan seit 1991 den Namen Walter-Schellenberg-Straße trägt, sorgt für Irritationen. Nicht alle dürften wissen, dass hier //nicht// der verurteilte Kriegsverbrecher [[http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Schellenberg|Walter Schellenberg]] (SS-Brigadeführer, Generalmajor der Polizei und Leiter der vereinigten Geheimdienste von SD und Abwehr im Reichssicherheitshauptamt) als Namenspatron herhielt, sondern der gleichnamige //Vorstandsvorsitzende des Radolfzeller Unternehmens Schiesser-AG 1936-1945//. Um diese Irritationen zu vermeiden, müsste zumindest eine biografische Zusatzinformation am Straßenschild angebracht werden.[(Vgl. hierzu: [[https://www.radolfzell.de/eu/Buerger-Stadt/Stadtverwaltung/Buerger-fragen-OB-Staab-antwortet/Fragen-und-Antworten/page18475.htm?newsid=305394&newsrefid=18475&row=0&newsrefaddcoid=&nafrom=&nato=|Bürger fragen, OB Staab antwortet, www.radolfzell.de, abgerufen am 28.10.2017.]])] Spätestens dann müsste allerdings auch die Frage beantwortet werden, welches die "Verdienste" des Schiesser-Vorstandsvorsitzenden und [[https://de.wikipedia.org/wiki/Betriebsf%C3%BChrer_(Nationalsozialismus)|"Betriebsführers"]] Walter Schellenberg (1910-1992) gewesen sein mögen, die eine Straßenbenennung nach ihm im Jahr 1991 rechtfertigten. So wurde unter Schellenbergs Führung der Schiesser AG am 1. Mai 1940 im betrieblichen Leistungskampf 1939/40 von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) der Titel "Nationalsozialistischer Musterbetrieb" verliehen. [(Vgl. ''Badens Betriebe im Leistungskampf. Auszeichnung zum Nationalen Feiertag des deutschen Volkes'', in: Freiburger Zeitung, 1. Mai 1940; [[http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=05&day=01&year=1940&month=05&project=3&anzahl=10|Digitalisat UB Freiburg]])] Überdies setzte die Schiesser-AG nach Beginn des Russlandfeldzugs 1941 ukrainische Zwangsarbeiterinnen in ihrer Kriegsproduktion ein.[(Vgl. hierzu: Christian Ruch, Myriam Rais-Liechti, Roland Peter: Geschäfte und Zwangsarbeit: Schweizer Industrieunternehmen im «Dritten Reich», Zurich 2001.)] 
 + 
 +{{gallery>:schiesser_-_briefkopf_1938_-_vorstandsvors._walter_schellenberg.jpg?300x300&lightbox}} 
 + 
 +Briefkopf der Schiesser-AG, 1938. "Vorstand: Walter Schellenberg, Radolfzell". Sammlung Markus Wolter
===Jakob-Dörr-Straße=== ===Jakob-Dörr-Straße===

Termine

Vor 80 Jahren: "Aktion T4" - Zum Gedenken an die Opfer des NS-"Euthanasie"-Programms 1940

Die „Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz“ (Reichenau). Luftbild Paul Strähle, 1926. Sammlung M.W.

Im Rahmen der staatlich angeordneten und durchgeführten Massenmorde ("Aktion T4") an psychisch kranken und behinderten Menschen, die vor 80 Jahren in Deutschland begannen, wurden in den Monaten Mai bis November 1940 allein 214 Männer und 242 Frauen aus der „Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz“ (Reichenau) in die Tötungsanstalt Grafeneck gebracht und dort in einer Gaskammer ermordet. Im Dezember 1940 und Januar/Februar 1941 erfolgte in drei weiteren Transporten die „Verlegung“ von 69 Reichenauer Patient/inen in die als Zwischenanstalt fungierende Anstalt nach Wiesloch, von wo aus die meisten in die Tötungsanstalt Hadamar verbracht wurden. Die Reichenauer Anstalt wies damit eine „Tötungsrate“ von über 50 % ihres Krankenstandes (869 Patient/innen) von Anfang 1940 auf.

Insgesamt konnten 14 „T4“-Opfer aus Radolfzell und den Ortsteilen ermittelt werden; an ihr Leben erinnern in Radolfzell bislang sechs Stolpersteine, die 2015 und 2016 verlegt wurden. Die Frauen, Männer und Kinder waren Patient*innen der Heil- und Pflegeanstalten Reichenau, Emmendingen und Wiesloch, der Kreispflegeanstalt Geisingen, der Universitätsnervenklink Freiburg und/oder „Pfleglinge“ der St. Josefsanstalt Herten und davor in Kinderheimen in Freiburg, Konstanz und Sigmaringen untergebracht.

4. Stolperstein-Verlegung in Radolfzell, 24. September 2020

Am 24. September des Gedenkjahres kommt es zur Verlegung von fünf weiteren Stolpersteinen im Stadtgebiet von Radolfzell. Sie gelten Josefa Trost, geb. Klaus, Opfer der „Euthanasie“-„Aktion T4“ 1940, sowie Hermine Bauer und den Geschwistern Josefine Fetzer, Anna Fetzer und Agnes Zimmermann, geb. Fetzer, die nach Maßgabe des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuches“ 1934-1938 zwangssterilisiert wurden.

Vgl.: Informationssystem des Radolfzeller Gemeinderats, Beschluss in der GR-Sitzung vom 5. Juni 2020.

Vgl.: Initiative Stolpersteine-Radolfzell

2020/06/10 14:59 · Markus Wolter

Kundgebung zum 8. Mai 2020 auf dem Luisenplatz

Anlässlich des 75. Jahrestages des Endes des deutschen Nationalsozialismus organisierte das Feministische Antifaschistische Kollektiv (FAK) auf dem Radolfzeller Luisenplatz eine Kundgebung unter dem Motto “Entnazifizierung – Heraus zum 8. Mai!”, die erst von der Radolfzeller Stadtverwaltung verboten, später dann doch noch mit Auflagen zugelassen wurde. Mehrere regionale Gruppen wie die Konstanzer Seebrücke, das OAT Konstanz, die VVN-BdA, die Linksjugend, das Rojava-Bündnis und die Singener Teestube riefen mit zur Kundgebung auf und hielten teils eigene Reden. Ca. 40 Personen waren gekommen und informierten sich anhand von Texttafeln z.B. über das unsägliche Gedenkmal das heute noch gefallene SS-Angehörige als „Opfer“ ehrt. Die Namen der SS-Angehörigen waren mit pinker Kreide hervorgehoben worden - auf den Stufen vor dem Denkmal stand „Deutsche Täter sind keine Opfer“. Das Kriegerdenkmal wurde mit VVN- und Antifafahnen verziert.

Bericht beim Feministischen Antifaschistischen Kollektiv

2020/05/09 15:34 · sw · 0 Kommentare

Der Vortrag entfällt aus bekannten Gründen- Verschoben auf Herbst 2020

Vortrag VHS Konstanz - "Dr. med. Ludwig Finckh und die NS-Rassenhygiene"

Gauschulungslager des NS-Lehrerbundes (NSLB), Gaienhofen. „5. Lehrgang, Sonderkurs in Erbbiologie und Rassenkunde“, 1935. Ansichtskarte eines Kursteilnehmers an seine Familie in Pforzheim

Über Dr. med. Ludwig Finckh (1876-1964) wäre vermutlich längst das letzte Wort gesprochen und der Autor vergessen worden, wenn es sich bei ihm nur um den sogenannten „Heimat-Dichter“, den „Rosendoktor“ von der Höri gehandelt hätte. Als virulenter Nationalsozialist gibt Finckh stattdessen heute noch Anlass, sich mit seinem Fall kritisch auseinanderzusetzen. Teils als Vordenker, teils als Vortragsredner in Sachen NS-„Rassenhygiene“, betätigte sich Finckh u.a. als „Weltanschauungslehrer“ des NS-Lehrerbundes am Gauschulungslager des NSLB in Gaienhofen und an der Waffen-SS-Unterführerschule in Radolfzell. Neueste Recherchen belegen die Teilnahme von Finckhs Gauschulungslagern an eugenischen Tagungen der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau in den Jahren 1934-1938. (Text: Markus Wolter)

Referent: Markus Wolter, MA

Ort: VHS Konstanz-Singen e.V., Katzgasse 7, Astoria Saal

Datum: 24. März 2020

Zeit: 19.30 - 21.00 Uhr

Anmeldung: VHS-Konstanz

2020/01/30 12:15 · Markus Wolter · 2 Kommentare

Gerhard Zahner: "Weißes Blut". Eine dramatische Lesung zur Weihnacht

Zeit: 24.12.2019, 14.00 Uhr

Ort: THEATER-KULTUR-ZENTRUM, Fürstenbergstrasse 7a, Radolfzell

„Der Arzt Nathan Wolf (1882–1970) war Jude aus Wangen, er wurde von den Nazis vertrieben und im KZ Dachau eingesperrt und gepeinigt. Nach dem Krieg kehrte er nach Wangen, in seine Höri zurück. Er ist zurück gekehrt, nicht heimgekehrt. Die jüdische Gemeinde in der Höri vernichtet, die Synagogen zerstört. Nicht heimkehren, zurückkehren, darum geht es diesem Stück. Eine Situation, die heute so viele Flüchtlinge betrifft. Auch ihre Heimat ist für immer zerstört. Die neue Heimat ist vielleicht, solchen Menschen wie Nathan Wolf gerecht zu werden, ihrem Leben. Letztlich, wenn heute Abgeordnete aus den Protokollen der Weisen von Zion zitieren, diesem Buch aus dem Giftschrank der Verleumdung, scheitern wir alle und vertreiben uns selbst.“

Programmtext: http://www.zellerkultur.de/veranstaltungen.html

Hintergrund: https://www.wolf-wangen.com/

2019/12/14 16:25 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
ss-kaserne.1558863874.txt.gz · Zuletzt geändert: 2019/05/26 11:44 von mw
Recent changes RSS feed Creative Commons License Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki