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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



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Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

ss-kaserne [2019/09/10 10:22]
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Radolfzell und das Kasernenareal (unten links), Luftbild Franz Thorbecke, um 1955. Sammlung Markus Wolter. Radolfzell und das Kasernenareal (unten links), Luftbild Franz Thorbecke, um 1955. Sammlung Markus Wolter.
 +{{gallery>:luftbild_ritschel_-_radolfzell_um_1960.jpg?300x300&lightbox}}
 +Radolfzell und das Kasernenaral von Süden aus aufgenommen, im Vordergrund Moos und das Aachried, um 1960. Luftbild Ritschel, Singen. Sammlung Markus Wolter.
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Die Initiative für den Bau der SS-Kaserne ging auf den NSDAP-Kreisleiter und Gauinspekteur Eugen Speer zurück. Er war im Februar 1934 von Gauleiter [[https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Wagner_(Gauleiter)|Robert Wagner]] als Radolfzeller Bürgermeister eingesetzt worden. Zeitgleich wurde damals der Gemeinderat ausgetauscht und durchgängig mit Nationalsozialisten besetzt. [(wolter>Wolter, Markus: Radolfzell empfängt die SS - Kein Festspiel. In: Programmheft zum Theaterstück „Die Flüsterstadt“. Doppelgänger Theaterforum, Radolfzell 2010, S. 12f.)] Die Initiative für den Bau der SS-Kaserne ging auf den NSDAP-Kreisleiter und Gauinspekteur Eugen Speer zurück. Er war im Februar 1934 von Gauleiter [[https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Wagner_(Gauleiter)|Robert Wagner]] als Radolfzeller Bürgermeister eingesetzt worden. Zeitgleich wurde damals der Gemeinderat ausgetauscht und durchgängig mit Nationalsozialisten besetzt. [(wolter>Wolter, Markus: Radolfzell empfängt die SS - Kein Festspiel. In: Programmheft zum Theaterstück „Die Flüsterstadt“. Doppelgänger Theaterforum, Radolfzell 2010, S. 12f.)]
-Mit vereinten Kräften warben die Radolfzeller Ratsherren für dieses Projekt und erhielten schließlich den Zuschlag, nachdem sie dem Deutschen Reich große Teile der Gemarkung Radolfzell kostenlos für das Kasernenareal überlassen hatten.[(Klöckler, Jürgen: [[http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/Ein-Hort-der-Nazi-Ideologie;art372455,4517233|Ein Hort der Nazi-Ideologie]], Südkurier, 8.10.2010)]+Mit vereinten Kräften warben Eugen Speer und die Radolfzeller Ratsherren für dieses Projekt und erhielten schließlich den Zuschlag, nachdem sie dem Deutschen Reich große Teile der Gemarkung Radolfzell kostenlos für das Kasernenareal überlassen hatten.[(Klöckler, Jürgen: [[http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/Ein-Hort-der-Nazi-Ideologie;art372455,4517233|Ein Hort der Nazi-Ideologie]], Südkurier, 8.10.2010)]
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Stabsgebäude, Zufahrt mit vorgelagerten Wachhäuschen, 1937/38. Fotografie Hillebrecht. Sammlung Markus Wolter Stabsgebäude, Zufahrt mit vorgelagerten Wachhäuschen, 1937/38. Fotografie Hillebrecht. Sammlung Markus Wolter
-Der Entwurf stammt von dem Karlsruher Architekten [[http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Alker|Hermann Alker]]. Seit spätestens Februar 1934 Mitglied der NSDAP und der Allgemeinen SS, verdankte Alker seinen guten Kontakten zu Gauleiter Robert Wagner, zum NSDAP-Funktionär [[https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Moraller|Franz Moraller]] und vor allem zum Adjutanten Robert Wagners, SS-Standartenführer Karl Bock (1899-1943), die Auftragsvergabe für die SS-Kaserne Radolfzell. Am 26. Juli 1934 kamen Bock und Alker zu einem gemeinsamen Ortstermin nach Radolfzell, um sich ein Bild des projektierten Kasernenareals zu machen. Im Jahr 1935 konnte mit dem Bau begonnen werden, ein Jahr später, am 26. September 1936, war bereits Richtfest.[(Vgl. Roos, Dorothea: Der Karlsruher Architekt Hermann Reinhard Alker, Bauten und Projekte 1921 bis 1958, Tübingen, Wasmuth 2011, S. 296.)] Entgegen aller Hoffnung kamen Radolfzeller Baufirmen und Gewerbebetriebe nicht zum Zug. [(linksrhein>[[http://linksrhein.blogsport.de/2008/04/21/ehemalige-ss-kaserne-in-radolfzell-und-das-kz-aussenlager-von-dachau/|Ehemalige SS-Kaserne in Radolfzell und das KZ Außenlager von Dachau]], LinksRhein 21.04.2008)] +Der Entwurf stammt von dem Karlsruher Architekten [[http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Alker|Hermann Alker]]. Seit spätestens Februar 1934 Mitglied der NSDAP und der Allgemeinen SS, verdankte Alker seinen guten Kontakten zu Gauleiter Robert Wagner, zum NSDAP-Funktionär [[https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Moraller|Franz Moraller]] und vor allem zum Adjutanten Robert Wagners, SS-Standartenführer Karl Bock (1899-1943), die Auftragsvergabe für die SS-Kaserne Radolfzell. Am 26. Juli 1934 kamen Bock und Alker zu einem gemeinsamen Ortstermin nach Radolfzell, um sich ein Bild des projektierten Kasernenareals zu machen. Im Jahr 1935 konnte mit dem Bau begonnen werden. Ein Jahr später, am 26. September 1936, war bereits Richtfest.[(Vgl. Roos, Dorothea: Der Karlsruher Architekt Hermann Reinhard Alker, Bauten und Projekte 1921 bis 1958, Tübingen, Wasmuth 2011, S. 296.)] Wider Erwarten kamen Radolfzeller Baufirmen und Gewerbebetriebe nicht zum Zug.[(linksrhein>[[http://linksrhein.blogsport.de/2008/04/21/ehemalige-ss-kaserne-in-radolfzell-und-das-kz-aussenlager-von-dachau/|Ehemalige SS-Kaserne in Radolfzell und das KZ Außenlager von Dachau]], LinksRhein 21.04.2008)]
-Doch wurden 800 Arbeitslose beim Bau eingesetzt, unter bewusstem Verzicht auf arbeitserleichternde Maschinen.[(Exner, Georg: [[http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/Experte-berichtet-Neues-zur-SS-Gewalt;art372455,4559104|Experte berichtet Neues zur SS-Gewalt]], Südkurier 03.11.2010)] „Arbeiten für die Volksgemeinschaft“ hieß das damals, Vorbote von Zwangsarbeit und Arbeitserziehungslager. Die nationalsozialistische Arbeitsmarktpolitk der Arbeitsbeschaffung durch Wiederaufrüstung wird am Beispiel des Radolfzeller Kasernenbaus besonders deutlich.+{{gallery>:radolfzell_-_erinnerung_an_den_kasernenbau_1936_-_gaststatte_zum_maimilian_-_poststrasse_28.jpg?300x300&lightbox}} 
 +<html><font size="0.8em">"Zur Erinnerung an den Kasernenbau R'zell / zum 'Maximilian', 1936." Eine Gruppe von Kasernenbauarbeitern in ihrem Radolfzeller Stammlokal, der Gaststätte "Maximilian" (Inh. Anton Knaus). Aufgenommen wohl zum Abschied am Ende ihres Arbeitseinsatzes (anlässlich des Richtfests im September?) in Radolfzell; Umtrunk mit dem Gaststätten- und Küchenpersonal im Hinterhof der Gaststätte, Poststraße 28. Fotografie: Sammlung Markus Wolter.</font></html>  
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 +Bei dem nicht zuletzt als NS-Arbeitsbeschaffungsmaßnahme konzipierten Projekts wurden bis zu 800 Arbeitslose eingesetzt, unter bewusstem Verzicht auf arbeitserleichternde Maschinen.[(Exner, Georg: [[http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/Experte-berichtet-Neues-zur-SS-Gewalt;art372455,4559104|Experte berichtet Neues zur SS-Gewalt]], Südkurier 03.11.2010)] „Arbeiten für die Volksgemeinschaft“ hieß das damals, Vorbote von Zwangsarbeit und Arbeitserziehungslager. Die nationalsozialistische Arbeitsmarktpolitk der Arbeitsbeschaffung durch Wiederaufrüstung wird am Beispiel des Radolfzeller Kasernenbaus besonders deutlich.
Am 31. Juli 1937 bezog das 3. Bataillon der SS-Germania die Kaserne. Die Stadt Radolfzell empfing die Einheiten mit stürmischem Jubel.[(linksrhein)] Am 31. Juli 1937 bezog das 3. Bataillon der SS-Germania die Kaserne. Die Stadt Radolfzell empfing die Einheiten mit stürmischem Jubel.[(linksrhein)]
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-MG-Kompanie der USR, Winter 1943/44. Stabs- und Mannschaftsgebäude in Tarnanstrich. Fotografie in Privatbesitz. Digitalisat: Sammlung Markus Wolter+MG-Kompanie, Angehörige der [[https://de.wikipedia.org/wiki/14._Waffen-Grenadier-Division_der_SS_(galizische_Nr._1)|14. Waffen-Grenadier-Division bei der SS (galizische SS-Division Nr. 1)]], die vom 1. November 1943 bis 15. März 1944 an der USR ausgebildet wurden. Stabs- und Mannschaftsgebäude in Tarnanstrich. Fotografie in Privatbesitz. Digitalisat: Sammlung Markus Wolter
  * 4. Kriegs-Reserve-Führer-Anwärter-Lehrgang (RFA) an der USR (März-Mai 1941), Lehrpersonal u. a. von der Junkerschule Bad Tölz.   * 4. Kriegs-Reserve-Führer-Anwärter-Lehrgang (RFA) an der USR (März-Mai 1941), Lehrpersonal u. a. von der Junkerschule Bad Tölz.
-  * Angehörige des SS-Totenkopf-Sturmbanns Dachau, die Wachmannschaft des KZ-Außenkommandos Radolfzell (19. Mai 1941-Januar 1945) +  * Angehörige des SS-Totenkopf-Sturmbanns Dachau, die Wachmannschaft des KZ-Außenkommandos Radolfzell (19. Mai 1941-Januar 1945) 
 +  * Angehörige der 14. Waffen-Grenadier-Division bei der SS (galizische SS-Division Nr. 1) wurden im Winter 1943/44 kompanieweise an der USR ausgebildet und auf ihren Einsatz an der Ostfront vorbereitet.   
 +  * [[https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrert%C3%BCchtigungslager|Wehrertüchtigungslager]] V im HJ-Gebiet 21 (Baden), SS-Hauptamt, SS-Ausbildungskommando, durchgeführt an der Waffen-SS-Unterführerschule Radolfzell (Februar/März 1945). Neben der militärischen Grundausbildung durch SS-Personal dienten solche WE-Lager vor allem der Rekrutierung von HJ-Angehörigen für die Waffen-SS.  
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Die Radolfzeller SS-Einheiten sprengten in der Region Synagogen, deportierten Jüdinnen und Juden in Konzentrationslager, waren am [[http://de.wikipedia.org/wiki/Anschluss_%C3%96sterreichs|'Anschluß' von Österreich]], der Besetzung der [[http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/zweiter-weltkrieg/ns-aussenpolitik-bis-kriegsbeginn/158.html|Su­de­ten­deut­schen Ge­bie­te]], der [[http://de.wikipedia.org/wiki/Zerschlagung_der_Rest-Tschechei|Zer­schla­gung der Tsche­cho­slo­wa­kei]] und dem [[http://de.wikipedia.org/wiki/Polenfeldzug|Über­fall auf Polen]] beteiligt. Die Radolfzeller SS-Einheiten sprengten in der Region Synagogen, deportierten Jüdinnen und Juden in Konzentrationslager, waren am [[http://de.wikipedia.org/wiki/Anschluss_%C3%96sterreichs|'Anschluß' von Österreich]], der Besetzung der [[http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/zweiter-weltkrieg/ns-aussenpolitik-bis-kriegsbeginn/158.html|Su­de­ten­deut­schen Ge­bie­te]], der [[http://de.wikipedia.org/wiki/Zerschlagung_der_Rest-Tschechei|Zer­schla­gung der Tsche­cho­slo­wa­kei]] und dem [[http://de.wikipedia.org/wiki/Polenfeldzug|Über­fall auf Polen]] beteiligt.
-Überliefert sind folgende Verbrechen, für die u.a. Radolfzeller SS-Einheiten bzw. die KZ-Wachmannschaften des Außenlagers verantwortlich sind:+Nachgewiesen sind folgende Verbrechen, für die u.a. Radolfzeller SS-Einheiten bzw. die KZ-Wachmannschaften des Außenlagers verantwortlich sind:
  * Im Verlauf der [[http://de.wikipedia.org/wiki/Reichspogromnacht| Reichspogromnacht (9./10.11.1938)]] wurden in Horn, Wan­gen, Gai­lin­gen, Ran­degg, Sin­gen und Über­lin­gen viele jü­di­sche Män­ner in die Kel­ler der Rat­häu­ser ver­schleppt und schwer miss­han­delt bzw. ge­fol­tert. Ein Pionierzug der III.SS-VT-Standarte aus Radolfzell sprengte und plünderte die Synagogen von Konstanz, Gailingen, Wangen und Randegg. Viele jü­di­sche Män­ner wur­den am dar­auf fol­gen­den Tag ins KZ Dachau ver­bracht, wo ei­ni­ge von ihnen ums Leben kamen, an­de­re, die wie­der­kehr­ten, waren see­lisch und kör­per­lich ge­bro­chen. Beteiligt waren die Allgemeine SS, die SS-Verfügungstruppe aus der Radolfzeller Kaserne, SA-Einheiten sowie die Gestapo. [(Bloch, Erich: Die Ge­schich­te der Juden von Kon­stanz im 19. und 20. Jahr­hun­dert. Eine Do­ku­men­ta­ti­on. Stad­ler 1996. S. 145 - 150)] [(Gläser, Dietrich: Die Nacht in der die Fenster klirrten - Die Pogromnacht vom 9./10. November in Konstanz und im Hegau. In: Hegau. Zeitschrift für Geschichte, Volkskunde und Naturgeschichte des Gebietes zwischen Rhein, Donau und Bodensee, Bd. 64, Singen, 2007, S. 185-210)]   * Im Verlauf der [[http://de.wikipedia.org/wiki/Reichspogromnacht| Reichspogromnacht (9./10.11.1938)]] wurden in Horn, Wan­gen, Gai­lin­gen, Ran­degg, Sin­gen und Über­lin­gen viele jü­di­sche Män­ner in die Kel­ler der Rat­häu­ser ver­schleppt und schwer miss­han­delt bzw. ge­fol­tert. Ein Pionierzug der III.SS-VT-Standarte aus Radolfzell sprengte und plünderte die Synagogen von Konstanz, Gailingen, Wangen und Randegg. Viele jü­di­sche Män­ner wur­den am dar­auf fol­gen­den Tag ins KZ Dachau ver­bracht, wo ei­ni­ge von ihnen ums Leben kamen, an­de­re, die wie­der­kehr­ten, waren see­lisch und kör­per­lich ge­bro­chen. Beteiligt waren die Allgemeine SS, die SS-Verfügungstruppe aus der Radolfzeller Kaserne, SA-Einheiten sowie die Gestapo. [(Bloch, Erich: Die Ge­schich­te der Juden von Kon­stanz im 19. und 20. Jahr­hun­dert. Eine Do­ku­men­ta­ti­on. Stad­ler 1996. S. 145 - 150)] [(Gläser, Dietrich: Die Nacht in der die Fenster klirrten - Die Pogromnacht vom 9./10. November in Konstanz und im Hegau. In: Hegau. Zeitschrift für Geschichte, Volkskunde und Naturgeschichte des Gebietes zwischen Rhein, Donau und Bodensee, Bd. 64, Singen, 2007, S. 185-210)]
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-Eine Straße auf dem Gebiet einer ehemaligen SS-Kaserne, die lt. städtischem Bebauungsplan seit 1991 den Namen Walter-Schellenberg-Straße trägt, sorgt für Irritationen. Nicht alle dürften wissen, dass hier nicht der verurteilte Kriegsverbrecher [[http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Schellenberg|Walter Schellenberg]] (SS-Brigadeführer, Generalmajor der Polizei und Leiter der vereinigten Geheimdienste von SD und Abwehr im Reichssicherheitshauptamt), sondern der gleichnamige Vorstandsvorsitzende des Radolfzeller Unternehmens Schiesser-AG 1936-1945 gemeint ist. Um diese Irritationen zu vermeiden, müsste eine biografische Zusatzinformation am Straßenschild angebracht werden.[(Vgl. hierzu: [[https://www.radolfzell.de/eu/Buerger-Stadt/Stadtverwaltung/Buerger-fragen-OB-Staab-antwortet/Fragen-und-Antworten/page18475.htm?newsid=305394&newsrefid=18475&row=0&newsrefaddcoid=&nafrom=&nato=|Bürger fragen, OB Staab antwortet, www.radolfzell.de, abgerufen am 28.10.2017.]])] Spätestens dann müsste allerdings auch die Frage beantwortet werden, welches die "Verdienste" des Schiesser-Vorstandsvorsitzenden Schellenberg (1910-1992) gewesen sein mögen, die eine Straßenbenennung nach ihm im Jahr 1991 rechtfertigten. So wurde unter Schellenbergs Führung der Schiesser-AG am 1. Mai 1940 im betrieblichen Leistungskampf 1939/40 von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) der Titel "Nationalsozialistischer Musterbetrieb" verliehen. [(Vgl. ''Badens Betriebe im Leistungskampf. Auszeichnung zum Nationalen Feiertag des deutschen Volkes'', in: Freiburger Zeitung, 1. Mai 1940; [[http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=05&day=01&year=1940&month=05&project=3&anzahl=10|Digitalisat UB Freiburg]])] Überdies setzte die Schiesser-AG nach Beginn des Russlandfeldzugs 1941 zahlreiche russische und ukrainische Zwangsarbeiter/innen in ihrer Kriegsproduktion ein.[(Vgl. hierzu: Christian Ruch, Myriam Rais-Liechti, Roland Peter: Geschäfte und Zwangsarbeit: Schweizer Industrieunternehmen im «Dritten Reich», Zurich 2001.)]+Eine Straße auf dem Gebiet einer ehemaligen SS-Kaserne, die lt. städtischem Bebauungsplan seit 1991 den Namen Walter-Schellenberg-Straße trägt, sorgt für Irritationen. Nicht alle dürften wissen, dass hier //nicht// der verurteilte Kriegsverbrecher [[http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Schellenberg|Walter Schellenberg]] (SS-Brigadeführer, Generalmajor der Polizei und Leiter der vereinigten Geheimdienste von SD und Abwehr im Reichssicherheitshauptamt) als Namenspatron herhielt, sondern der gleichnamige //Vorstandsvorsitzende des Radolfzeller Unternehmens Schiesser-AG 1936-1945//. Um diese Irritationen zu vermeiden, müsste zumindest eine biografische Zusatzinformation am Straßenschild angebracht werden.[(Vgl. hierzu: [[https://www.radolfzell.de/eu/Buerger-Stadt/Stadtverwaltung/Buerger-fragen-OB-Staab-antwortet/Fragen-und-Antworten/page18475.htm?newsid=305394&newsrefid=18475&row=0&newsrefaddcoid=&nafrom=&nato=|Bürger fragen, OB Staab antwortet, www.radolfzell.de, abgerufen am 28.10.2017.]])] Spätestens dann müsste allerdings auch die Frage beantwortet werden, welches die "Verdienste" des Schiesser-Vorstandsvorsitzenden und [[https://de.wikipedia.org/wiki/Betriebsf%C3%BChrer_(Nationalsozialismus)|"Betriebsführers"]] Walter Schellenberg (1910-1992) gewesen sein mögen, die eine Straßenbenennung nach ihm im Jahr 1991 rechtfertigten. So wurde unter Schellenbergs Führung der Schiesser AG am 1. Mai 1940 im betrieblichen Leistungskampf 1939/40 von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) der Titel "Nationalsozialistischer Musterbetrieb" verliehen. [(Vgl. ''Badens Betriebe im Leistungskampf. Auszeichnung zum Nationalen Feiertag des deutschen Volkes'', in: Freiburger Zeitung, 1. Mai 1940; [[http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=05&day=01&year=1940&month=05&project=3&anzahl=10|Digitalisat UB Freiburg]])] Überdies setzte die Schiesser-AG nach Beginn des Russlandfeldzugs 1941 ukrainische Zwangsarbeiterinnen in ihrer Kriegsproduktion ein.[(Vgl. hierzu: Christian Ruch, Myriam Rais-Liechti, Roland Peter: Geschäfte und Zwangsarbeit: Schweizer Industrieunternehmen im «Dritten Reich», Zurich 2001.)] 
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 +{{gallery>:schiesser_-_briefkopf_1938_-_vorstandsvors._walter_schellenberg.jpg?300x300&lightbox}} 
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 +Briefkopf der Schiesser-AG, 1938. "Vorstand: Walter Schellenberg, Radolfzell". Sammlung Markus Wolter
===Jakob-Dörr-Straße=== ===Jakob-Dörr-Straße===

Termine

Gedenken an NS-Opfer: 4. Stolperstein-Verlegung in Radolfzell, 24. September 2020

Am 24. September 2020 kommt es zur Verlegung von fünf neuen Stolpersteinen im Stadtgebiet von Radolfzell. Sie gelten Josefa Trost, geb. Klaus, Opfer der "Euthanasie"-"Aktion T4" 1940, sowie Hermine Bauer und den Geschwistern Josefine Fetzer, Anna Fetzer und Agnes Zimmermann, geb. Fetzer, die nach Maßgabe des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuches“ 1934-1938 zwangssterilisiert wurden.

Vgl.: Informationssystem des Radolfzeller Gemeinderats, Beschluss in der GR-Sitzung vom 5. Juni 2020.

Vgl.: Initiative Stolpersteine-Radolfzell

2020/06/10 14:59 · Markus Wolter

Kundgebung zum 8. Mai 2020 auf dem Luisenplatz

Anlässlich des 75. Jahrestages des Endes des deutschen Nationalsozialismus organisierte das Feministische Antifaschistische Kollektiv (FAK) auf dem Radolfzeller Luisenplatz eine Kundgebung unter dem Motto “Entnazifizierung – Heraus zum 8. Mai!”, die erst von der Radolfzeller Stadtverwaltung verboten, später dann doch noch mit Auflagen zugelassen wurde. Mehrere regionale Gruppen wie die Konstanzer Seebrücke, das OAT Konstanz, die VVN-BdA, die Linksjugend, das Rojava-Bündnis und die Singener Teestube riefen mit zur Kundgebung auf und hielten teils eigene Reden. Ca. 40 Personen waren gekommen und informierten sich anhand von Texttafeln z.B. über das unsägliche Gedenkmal das heute noch gefallene SS-Angehörige als „Opfer“ ehrt. Die Namen der SS-Angehörigen waren mit pinker Kreide hervorgehoben worden - auf den Stufen vor dem Denkmal stand „Deutsche Täter sind keine Opfer“. Das Kriegerdenkmal wurde mit VVN- und Antifafahnen verziert.

Bericht beim Feministischen Antifaschistischen Kollektiv

2020/05/09 15:34 · sw · 0 Kommentare

Der Vortrag entfällt aus bekannten Gründen- Verschoben auf Herbst 2020

Vortrag VHS Konstanz - "Dr. med. Ludwig Finckh und die NS-Rassenhygiene"

Gauschulungslager des NS-Lehrerbundes (NSLB), Gaienhofen. „5. Lehrgang, Sonderkurs in Erbbiologie und Rassenkunde“, 1935. Ansichtskarte eines Kursteilnehmers an seine Familie in Pforzheim

Über Dr. med. Ludwig Finckh (1876-1964) wäre vermutlich längst das letzte Wort gesprochen und der Autor vergessen worden, wenn es sich bei ihm nur um den sogenannten „Heimat-Dichter“, den „Rosendoktor“ von der Höri gehandelt hätte. Als virulenter Nationalsozialist gibt Finckh stattdessen heute noch Anlass, sich mit seinem Fall kritisch auseinanderzusetzen. Teils als Vordenker, teils als Vortragsredner in Sachen NS-„Rassenhygiene“, betätigte sich Finckh u.a. als „Weltanschauungslehrer“ des NS-Lehrerbundes am Gauschulungslager des NSLB in Gaienhofen und an der Waffen-SS-Unterführerschule in Radolfzell. Neueste Recherchen belegen die Teilnahme von Finckhs Gauschulungslagern an eugenischen Tagungen der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau in den Jahren 1934-1938. (Text: Markus Wolter)

Referent: Markus Wolter, MA

Ort: VHS Konstanz-Singen e.V., Katzgasse 7, Astoria Saal

Datum: 24. März 2020

Zeit: 19.30 - 21.00 Uhr

Anmeldung: VHS-Konstanz

2020/01/30 12:15 · Markus Wolter · 2 Kommentare

Gerhard Zahner: "Weißes Blut". Eine dramatische Lesung zur Weihnacht

Zeit: 24.12.2019, 14.00 Uhr

Ort: THEATER-KULTUR-ZENTRUM, Fürstenbergstrasse 7a, Radolfzell

„Der Arzt Nathan Wolf (1882–1970) war Jude aus Wangen, er wurde von den Nazis vertrieben und im KZ Dachau eingesperrt und gepeinigt. Nach dem Krieg kehrte er nach Wangen, in seine Höri zurück. Er ist zurück gekehrt, nicht heimgekehrt. Die jüdische Gemeinde in der Höri vernichtet, die Synagogen zerstört. Nicht heimkehren, zurückkehren, darum geht es diesem Stück. Eine Situation, die heute so viele Flüchtlinge betrifft. Auch ihre Heimat ist für immer zerstört. Die neue Heimat ist vielleicht, solchen Menschen wie Nathan Wolf gerecht zu werden, ihrem Leben. Letztlich, wenn heute Abgeordnete aus den Protokollen der Weisen von Zion zitieren, diesem Buch aus dem Giftschrank der Verleumdung, scheitern wir alle und vertreiben uns selbst.“

Programmtext: http://www.zellerkultur.de/veranstaltungen.html

Hintergrund: https://www.wolf-wangen.com/

2019/12/14 16:25 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
ss-kaserne.1568103745.txt.gz · Zuletzt geändert: 2019/09/10 10:22 von mw
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