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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Stadtarchiv Radolfzell

Das Stadtarchiv Radolfzell wurde in den Jahren 1954 bis 1956 neu geordnet und inventarisiert. Die auf mehrere städtische Einrichtungen verteilten Bestände wurden zusammengeführt.

Die überraschend umfangreichen Archivalien wurden gesichtet, bewertet, geordnet, neu aufgestellt und in einem Findbuch 1) verzeichnet. Es wurde eine Zettelkartei angelegt.

Dieser Archivbestand wurde als abgeschlossen betrachtet. Neu hinzukommende Archivalien wurden in eine neue Abteilung aufgenommen, die nach der Systematik von Theurer verzeichnet.

Eine aktuelle, wenngleich oberflächliche Bestandsübersicht findet sich auf dem Radolfzeller Teil von http://www.archive-bw.de .

Findbuch

Das von Herbert Berner herausgegebene Findbuch 2) verzeichnet Urkunden, Akten, Bücher, Pläne und Sammlungen bis zum Jahr 1952.

Jede darin verzeichnete Archivalie erhielt eine Signatur nach der Systematik von Külby. Band II und III können an der Bibliothek der Universität Konstanz ausgeliehen werden.

Inhalt des dreibändigen Nachschlagewerks

  • Band I (nicht erschienen)
    • Verzeichnis der Urkunden und ungeordneten fliegenden Blätter
    • Verzeichnis der Akten ab Hauptgruppe XIII
    • Bücher
    • Karten und Pläne
    • Sammlungen und Bilder
    • Personenregister
    • Sachregister

NS-Zeit im Stadtarchiv Radolfzell

Das og. Findbuch 3) kann als einschlägig für den Gegenstand dieses Wikis, die NS-Zeit von Radolfzell, bezeichnet werden. Die Wände des Stadtarchivs Radolfzell werden dadurch quasi transparent.

Der große Umfang der Bestände in einem Zeitraum, der das Aufkommen des Nationalsozialismus in den 30er Jahren ebenso abdeckt wie die Zeit des 2. Weltkriegs und die ersten Jahre der Nachkriegszeit, erlaubt Einblicke in lokale Strukturen und Personalien aus Militär, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie deren vielfältigen Verknüpfungen untereinander, die sich nicht nur auf das relativ eng begrenzte Thema „SS-Kaserne“ beschränken.

Dennoch soll hier als erstes ein Eindruck zu den im Stadtarchiv Radolfzell lagernden Archivalien zur SS-Kaserne und den SS-Verfügungstruppen vermittelt werden.

Akten zur SS-Kaserne

(IX. Militär- und Kriegssachen / 325 ff)

325. Pläne und eine Photographie des Modells der Radolfzeller SS—Kaserne Sp.AN. 1934

326. Anschaffung von Bau— und Kantinenbaracken für das Kasernengelände Sp.AN.Sg. 1934 — 1937

327. Schriftverkehr über Erstellung der Radolfzeller SS-Kaserne Sp.AU.Sg. 1934 — 1937

328. Bauarbeiten am Ausbildungslager (SS—Kaserne). Pläne G+Sp.AU.Sg. 1934 - 1943

329. Verzeichnis der Betriebe, die für die Ausführung von Arbeiten am Schulungslager in Radolfzell (SS-Kaserne, SS—Unterführerschule) in Frage kommen Sp.AN.Sg. A 1935 5

330. Geländekauf zum Bau der Kaserne. Kaufverträge, Grundbuchauszüge, Meßbriefe G+Sp.AU.Sg. 1935 — 1939

331. Erwerb von Grundstücken von Martin Bader und anderen zur Verwendung als Kasernengelände Sp.AN.Sg. 1935 — 1959

332. Anlage eines Schießplatzes für die SS—Verfügungstruppe. Pläne sp.AU.sg. 1937 — 1947

333. SS—Schießplatz: Wertberechnung und Pläne Sp.AN.Sg. 1938 · 1939

334. Entwässerung des Schießstandes der SS im „Alten Bohl” bei Radolfzell Sp. 3 Bl. 1940

335. Erweiterung des Exerzierplatzes bei der Kaserne. Verwendung desselben für landwirtschaftliche Zwecke. Pläne. Sp.AN.Sg. 1941 — 1947

336. Verpflichtung der Stadt zur baulichen Unterhaltung der früheren SS-Kaserne G+Sp.AN.Sg. 1945 — 1947

337. Barackenlieferung der Firma Geerg Schneider an die SS-Unterführerschule Radolfzell und Verwendung der Baracken nach dem Zusammenbruch des 3. Reiches sp.AN.sg. 1946 - 1948

Akten zu SS-Verfügungstruppen

(IX. Militär- und Kriegssachen / 338 ff)

338. Wohnungsbeschaffung für SS—Führer. Pläne 3 Fasz. Sp.AN.Sg. 1934 — 1935 Sp. 6 Bl. 1937 - 1939 Sp. 2 Bl. 1939

339. Empfang der SS—Standarte „Germania“ (3.Batl.) in Radolfzell Sp.AN.Sg. 1937

340. Sturmbann III der SS „Germania“: Vorbereitung und Durchführung des Einzuges desselben in Radolfzell; Korrespondenz mit Standartenführer Demelhuber und Obersturmbannführer Koeppen. Das Verhalten verschiedener SS—Männer in Radolfzell u.a. Sp.AN.Sg. 1937 - 1940

341. Fleisch— und Wurstlieferungen an die SS Sp.AN.Sg. 1937 — 1941

342. Schriftwechsel mit SS—Sturmbannführer Heinrich Koeppen und SS—Standartenführer Thomas Müller Sp.AN.Sg. 1937 — 1943

343. Verträge über die Aufnahme von SS—Angehörigen zur stationären Behandlung im Krankenhaus Radolfzell Sp.AN.Sg. 1937 - 1945

344. Berufsschulungswesen der SS Sp. 4 Bl. Sg. 1938

345. Erstellung eines SS—Mutterbrunnens (Projekt nicht zustande gekommen) G+Sp.AN.Sg. 1939 — 1940

346. Schriftwechsel des Bürgermeisters Jöhle mit Angehörigen und Bekannten des am 15.9.1939 bei Jaworow gefallenen Kommandeurs des III. Batl. der SS „Germania“, Oberstleutnant Koeppen. Regelung seines Nachlasses und Vormundschaft über Gertrud Koeppen, die Tochter des Gefallenen Sp.AU.Sg. 1939 — 1941

347. Schriftwechsel mit dem SS—Regiment „Germania“ und mit der SS—Unterführerschule Radolfzell Sp.AN.Sg. 1940 — 1942

348. Quartierleistungen in Radolfzell fur das Truppenwirtschaftslager der Waffen—SS Kirchheim/Teck G+Sp.AN. 1943 — 1945

349. Strandbadbenützung durch die SS-Unterfuhrerschule in Radolfzell Sp.AN.Sg. 1944

350. Verzeichnisse der in Radolfzell wohnhaften „SS—Frauen“. Verzeichnis der Personen, die an der weltanschaulichen Schulung sowie am Schulschießen der SS-Unterführerschule Radolfzell teilgenommen haben

351. Aufstellungen und Namenslisten der ehem. Offiziere, Unteroffiziere und Angehörigen der Waffen—SS G+Sp.AU.Sg. 1946 — 1951

Akten zu Partei- und NS-Formationen

(IX. Militär- und Kriegssachen / 310 ff)

310. Abhaltung einer Hitlerversammlung am 29. Juli 1932 in der Kampfbahn unter persönlicher Anwesenheit Hitlers. Vorbereitungen und Berichte Sp.AN.Sg. 1932

311. Aufstellung der Gliederungen und Formationen der NSDAP. NS-Akten verschiedener Art. Entnazifizierung Sp.AU.Sg. 1933 - 1948

312. Einige NS-Schriftstücke, Entnazifizierung Sp.AU.Sg. 1933 - 1950

313. Überlassung dee Nebengebäudes im Hofe des ehemaligen Versorgungsamtsgebäudes an das Jungvolk. Plan Sp.AN.Sg. 1934 - 1936

314. Heimbeschaffung für die HJ. Erstellung einen HJ-Heimes. Pläne , G+Sp.AN.Sg. 1934 — 1943

315. Listen über Angehörige von NS-Organisationen Sp.AN.Sg. 1934 — 1946

316. Die örtliche NS-Presse G+Sp.AN.Sg. 1955 - 1939

317. Zuwendungen die NSDAP. Wahlkampffonds G+Sp.AN.Sg. 1936 — 1942

318. Umwandlung der Stadtkapelle in den SA Marine-Sturmbann-Musikzug VI/18 G+Sp.AN.Sg. 1936 — 1945

319. Ehrengabe an alte Parteigenossen Sp.AN.Sg. 1938 — 1940

320. Überlassung von Räumen für NS—Einheiten Sp.AN.Sg. 1938 - 1943

321. Antrag auf Gewährung eines Zuschusses zu den Kosten für Errichtung eines HJ-Heimes in Radolfzell Sp. 8 Bl. Sg. 1939

322. Statistik über Parteizugehörigkeit. Leistungskampf der deutschen Betriebe Sp. 5 Bl. Sg. 1940 - 1941

323. HJ – Sing- und Spielschar, HJ-Orchester Sp. 9 Bl. 1941 — 1943

324. Funktionäre der NSDAP (Listen) Sp.AN.Sg. 1944 - 1945

Bildsammlungen

(E Sammlungen: Bildarchiv)

14. Album mit Photos über Radolfzell und Radolfzeller Ereignisse: Scheffelschlößchen, Luftschutz, Herrenlandsiedlung, Neubautätigkeit ca. 1935 - 1940

16. Album mit Photos über Radolfzell und Radolfzeller Ereignisse, unter anderem Aufnahmen aus der NS-Zeit ca. 1937 - 1940

Hinweise

Legende zu Aktenbeschaffenheit:

  • G = Generalia
  • Sp. = Spezialia
  • Bl. = Anzahl d. Blätter
  • AN. = Akte normal (bis 2,5 cm Dicke)
  • AU. = Akte umfangreich (über 2,5 cm)
  • Sg. = Schriftgut gefährdet

1), 2), 3) Berner, Herbert (Hrsg.): Die Akten, Bücher, Pläne und Sammlungen des Stadtarchivs Radolfzell, Bd. 1-3 / Wiss. Mitarb.: Franz Götz. Radolfzell. Stadtarchiv Radolfzell

Termine

Täter-Helfer-Trittbrettfahrer: Prof. Dr. Eugen Fischer (1874-1967)

Eugen Fischer: Der völkische Staat, biologisch gesehen. Berlin 1933. Fotografie: Wikipedia

Vortrag:

Dr. Wolfgang Proske (Hrsg.) / Markus Wolter:

Prof. Dr. Eugen Fischer (1874–1967). Die Freiburger Schule des Rassenwahns

Zeit und Ort:

Donnerstag, 28. Mai, 20 Uhr, HS 1009 (Uni Freiburg KGI)

Veranstaltet vom Referat gegen Antisemitismus, Studierendenrat der Universität Freiburg, in Kooperation mit der Fachschaft Geschichte und der Fachschaft Medizin.

https://www.stura.uni-freiburg.de/gremien/referate/gegenantisemitismus

http://www.ns-belastete.de/band_9.html

2019/05/15 16:43 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Vier Filme zum Nationalsozialismus in Überlingen, Radolfzell, Schwarzwald

Gedenkveranstaltung in Überlingen änlässlich des 74. Jahrestages des Kriegsendes

Anlässlich des 74. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges bringt die KulturKiste Überlingen e. V. am Sonntag, 12. Mai 2019 im Rahmen ihrer jährlichen Gedenkveranstaltung „Vier Filme zum Thema Nationalsozialismus in Überlingen, Radolfzell und im Schwarzwald“.

Zu Überlingen werden die beiden Dokumentarfilme über den „Goldbacher Stollen“ „Unter Deutschlands Erde“ von Didi Danquart (BRD 1983) (10.00 Uhr + 19.00 Uhr) sowie „Wie Dachau an den See kam …“ von Jürgen Weber (D 1995) (11.00 Uhr + 18.00 Uhr) gezeigt.

Der Film "Leichen im Keller" von Günter Köhler (D 2010) handelt von Radolfzell im Nationalsozialismus sowie den späteren Umgang damit. (12.00 Uhr + 17.00 Uhr). Darüber hinaus wird um 13.00 Uhr, sowie um 15.00 Uhr der Spielfilm „Viejud Levi“ von Didi Danquart gezeigt, der den Nationalsozialismus in einem Schwarzwaldtal behandelt.

Das Gesamtprogramm findet sich unter: www.kulturkiste-ueberlingen.eu

Wann: Sonntag, 12. Mai 2019

Wo: Kulturbahnhof Nussdorf / Die Rampe, Nussdorfer Str. 100, Überlingen

Eintritt Frei / Spende erwünscht

2019/05/05 14:56 · sw · 0 Kommentare

Eröffnung der Ausstellung: "Ein Panzer gegen die hässliche Zeit" - Hermann Hesses "Glasperlenspiel" im "Dritten Reich"

„1943 veröffentlichte Hermann Hesse seinen letzten Roman in kleiner Auflage in der Schweiz, erst Ende 1946 wurde „Das Glasperlenspiel“ auch einem größeren Publikum in Deutschland bekannt. Ursprünglich hätte „Das Glasperlenspiel“ schon 1942 in Berlin erscheinen sollen, doch die NS-Behörden verweigerten die Druckgenehmigung. Seinem Sohn Heiner teilte Hesse 1942 resigniert mit, „dass das Buch nun also die Leser, für die es bestimmt war, nicht erreicht“.“

Ort: Hesse Museum, Kapellenstr. 8, Gaienhofen

Zeit: 17. März 2019, 11.00 Uhr

http://www.hesse-museum-gaienhofen.de

2019/03/16 09:23 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"Wie Dachau an den See kam..."

Filmvorführung und Gespräch mit der Zeitzeugin Dr. Grete Leutz und dem Regisseur Jürgen Weber am 27. Januar 2019 in Konstanz

Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wird in einer Gedenkveranstaltung der regionalhistorische Dokumentarfilm „Wie Dachau an den See kam …“ zur Geschichte des KZ-Außenlagers in Überlingen gezeigt.

Es ist geplant, dass an diesem Abend neben dem Filmemacher Jürgen Weber auch die Überlinger Zeitzeugin Dr. Grete Leutz anwesend sein wird. Als junge Frau wurde sie fast täglich Zeugin des Zuges der KZ-Häftlinge vom Lager Aufkirch zur Überlinger Stollenanlage. In der Außenstelle Überlingen des KZ Dachau mussten ab Oktober 1944 rund 800 Häftlinge einen Stollen in den Molassefelsen treiben, um die Friedrichshafener Rüstungsindustrie am Bodensee „bombensicher“ unterzubringen. Bis April 1945 liefen viermal pro Tag die Kolonnen der Häftlinge - schwer bewacht durch die SS - durch den Überlinger Westen.

Der Film zeichnet mit Aussagen zweier ehemaliger Häftlinge, mit den Erinnerungen von damals jungen Menschen aus Überlingen und mit Fachleuten die Geschichte der KZ-Außenstelle Überlingen nach. Aufgrund seiner regionalhistorischen Bedeutung und teilweise einmaliger Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen wurde der Film aus dem Jahr 1995 als Retrospektive 2017 neu in der Reihe „Zeitgeschichtliche Kurz- und Dokumentarfilme“ aufgelegt.

Termin: 27. Januar 2019

Zeit: 19:30 – 21:00 Uhr

Ort: Wolkenstein-Saal (Kulturzentrum am Münster), Konstanz

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturamt der Stadt Konstanz, vhs Landkreis Konstanz e. V. DIG Bodensee Region, Gesellschaft für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit e.V. Konstanz und weitere

Eintritt: frei

2019/02/11 23:45 · sw · 0 Kommentare

Uraufführung: Gerron

Im Stadttheater Konstanz wird am 2.2.2019 das Stück „Gerron“ von Charles Lewinsky uraufgeführt. Regisseurin ist Annette Gleichmann.

Das Stück basiert auf der wahren Geschichte des jüdischen Künstlers Kurt Gerron. Als Frontsoldat und Arzt im 1. Weltkrieg kämpfend, mehrfach schwer verletzt, wurde er später im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet. Er floh 1933 zunächst nach Paris, dann nach Österreich, Italien und in die Niederlande, wo er 1943 interniert wurde. Im Jahr 1944 wurden er und seine Familie in das KZ Theresienstadt deportiert. Seine Mitwirkung als Regisseur an dem im KZ gedrehten Propagandafilm “Theresienstadt“ schützte ihn nicht vor der Deportation nach Auschwitz, wo er ebenso wie die 1600 mitwirkenden Kinder nach Ende der Dreharbeiten vergast wurde.

Uraufführung: 2.2.2019, Theaterwerkstatt Inselgasse, 20 Uhr

Ticketreservierung und weitere Spielzeiten: Gerron

Quelle: Stadttheater Konstanz

2019/02/02 13:14 · sw · 0 Kommentare
 
stadtarchiv_radolfzell.txt · Zuletzt geändert: 2011/12/02 11:08 von mw
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