Aktuelles
Stolpersteine
Radolfzell
Bodenseeregion
Recherche
Wiki
Karte von Radolfzell

Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Radolfzell im Nationalsozialismus

„Ich weiß, dass wir all diese Dinge zu wissen meinen, und zwar, wie man sagt, zur Genüge.
Wenn man an Ort und Stelle steht, zeigt es sich, dass wir sie durchaus nicht wissen.
Das Unvorstellbare entzieht sich unserem Gedächtnis.“
Max Frisch

SS-Garnison Radolfzell, Hansa-Luftbild, 1941. Zeitgenössische Ansichtskarte, Richard Burk & Co.

Radolfzell ist eine Kleinstadt am Bodensee. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde hier eine Kaserne für die Waffen-SS erbaut und 1937 bezogen, von der in den darauf folgenden Jahren hier und weit über die Region hinaus Verbrechen ausgingen. Die Radolfzeller SS sprengte in der Region Synagogen, deportierte Jüdinnen und Juden in Konzentrationslager, war am 'Anschluß' von Österreich, der Besetzung der Su­de­ten­deut­schen Ge­bie­te, der Zer­schla­gung der Tsche­cho­slo­wa­kei und dem Über­fall auf Polen beteiligt.

Die Ra­dolf­zel­ler Ka­ser­ne wurde von 1941 bis 1945 zu einem Außenkommando1) des KZ Dachau.

Beinahe 65 Jahre lang wurde darüber weitgehend geschwiegen. Erst in den letzten Jahren änderte sich das. Mittlerweile ist das Thema Stadtgespräch. Im Jahr 2010 wurde ein Theaterstück geschrieben, ein Dokumentarfilm gedreht und in der Presse breit darüber berichtet.

Mehr zur historischen Aufarbeitung der NS-Zeit und dem Gedenken in Radolfzell findet sich in der Chronologie.

Das Wiki

Dieses Wiki soll dazu beitragen, die Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell und Umgebung wieder sichtbar zu machen und ein würdiges Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu ermöglichen.

Neu im Wiki

Spuren-Suche

Die Birken von Brzezinka - זיכרון

Brzezinka, 26. Mai 1944

Brzezinka, 30. Oktober 2018

„Sie warteten im allgemeinen in einem Wäldchen hinter Krematorium IV. Man sagte den Juden, sie sollten sich zwischen den Bäumen niederlassen, sich 'ausruhen' und weitere Befehle abwarten.“

Israel Gutman / Bella Guttermann (Hrsg.): Das Auschwitz-Album. Die Geschichte eines Transports. Göttingen, Wallstein / Yad Vashem 2005.

Buchempfehlung

Michael Ruetz: Pogrom 1938. Das Gesicht in der Menge. Wädenswil am Zürichsee, Nimbus 2018.

Vgl.: Lothar Müller: Täter. Zeugen, SZ, 8. November 2018.

Bettina Schulte: Der erschütternde Fotoband "Pogrom 1938. Das Gesicht in der Menge", Badische Zeitung, 9. November 2018.

Offenes Gedenken

Das ist der Webauftritt für eine Initiative zum Offenen Gedenken rund um den Komplex Radolfzell zur Zeit des Nationalsozialismus.

Offenes Gedenken meint nicht nur die historischen Fakten sondern vor allem den Umgang damit. Geschichte soll - ganz in der Tradition der Geschichtswerkstätten - Geschichte von unten sein, deren Erforschung und Bewertung jeder Person gleichermaßen zugänglich ist. Geschichte von unten ist voraussetzungslos, d.h. man muss dazu nicht ausgewiesener Historiker sein oder ein Amt innehaben.

Offenes Gedenken kann sehr praktische Formen annehmen. So können Zeitzeugengespräche organisiert, Infotafeln oder Gedenkstelen installiert, Informations-Veranstaltungen durchgeführt und Gedenkstätten erschlossen und gepflegt werden. Ein Element ist sicher auch das Zusammentragen sämtlicher Fakten zu den Gedenkorten und das Sichern und Archivieren des gefundenen Materials.

Mögliche Themen, die sich zum Komplex Radolfzell zur NS-Zeit anbieten, sind:

Mach mit!

Heutzutage kann ein ein derartiges Vorhaben sehr gut mit elektronischen Medien unterstützt werden.

Geplant ist, eine Mailingliste für alle Interessierten einzurichten und gemeinsam mit vielen Leuten eine Wiki-Seite aufzubauen und zu pflegen. An dieser Wiki-Seite kann jeder und jede mitarbeiten. Die Kontaktaufnahme geschieht einfach über das Kontaktformular.

Die hier veröffentlichten Texte und Medien sind - falls nicht anders gekennzeichnet - gemeinfrei im Sinne folgender Creative Commons-Lizenz: Namensnennung, Nicht-Kommerziell, Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Flyer

Flyer download (PDF, 1MB)

Anmerkungen


1) Verschiedentlich auch als „Außenlager“ oder „Nebenlager“ bezeichnet

Termine

Beschlussvorlage - Zur Umbenennung des "Landserwegs" in "Fritz-Klose-Weg"

Die SS-Wohnsiedlung 1938 an der „Hans-Cyranka-Str.“, dem späteren „Landserweg“. Fotografie Hillebrecht. Sammlung Markus Wolter

___

In seiner Sitzung am 27. November 2018 wird der Radolfzeller Gemeinderat über eine Straßenumbenennnung entscheiden. Der durch den einschlägigen NS-Kontext in die Kritik geratene „Landserweg“ - zwischen ehemaliger SS-Kaserne und SS-Wohnsiedlung - soll nach einer im Sommer 2018 an den Ältestenrat übermittelten Initiativanfrage umbenannt werden. Nach ensprechender Empfehlung des Ältestenrats folgte eine nochmalige, quellengestützte Überprüfung der Sachlage und Stellungnahme durch die Abteilung Stadtgeschichte. In der Initiativanfrage war von Markus Wolter die Umbennung des „Landserwegs“ in „Fritz-Klose-Weg“ vorgeschlagen worden, benannt nach dem neben Jacob Dörr zweiten nachweislichen Todesfall eines KZ-Häftlings im Außenkommando Radolfzell. Alternativ schlägt die Abteilung Stadtgeschichte die historisch überlieferte Flurbezeichnung „Am Entennest“ (sic) vor.

Beschlussvorlage:abgerufen auf: Ratsinformationssystem, Sitzungskalender (PDF)

2018/11/23 20:57 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Bunte Demo statt braunes Denkmal

Antifaschistische Kundgebung zum Vokstrauertag in Radolfzell am Sonntag, 18.11.18 um 11:30 Uhr.

Der Text des Flyers

Wenn Kriegstoten gedacht werden soll, muss erklärt werden warum sie gestorben sind. So gibt es Täter die morden und Menschen die jenen zum Opfer fallen. Im postnazistischen Deutschland wird diese Erklärung ausgelassen. Das führt dazu, dass Opfern und Tätern im selben Atemzug gedacht wird. Das Kriegerdenkmal in Radolfzell treibt diese absurde Form des Gedenkens auf die Spitze. Unterschiedslos stehen auf den Gedenkplatten die Namen der Ermordeten in mitten ihrer Häscher. So finden sich zahlreiche SS-Offiziere und Wehrmachtssoldaten inmitten derer, der jährlich zum Volkstrauertag gedacht wird. Das Kriegerdenkmal wurde 1938 im Auftrag der SS errichtet. Das macht den Ort zu einer Pilgerstätte für Neonazis aus der Region. Wiederholt nutzte die faschistische Partei Der Dritte Weg diesen Ort um Kränze nieder zu legen und Kriegsverbrechern zu huldigen. Antifaschistische Proteste gegen solche PR-Aktionen versuchte die Stadt schon zweimal zu verhindern – ohne Erfolg: Die Demoverbote wurden vor Gericht als illegal eingestuft und kosteten die Stadt über 10.000 Euro.

Aus diesen Gründen sagen wir nein zu unterschiedsloser Trauer, zu Nazidenkmälern und zu faschistischen Umtrieben. Deswegen wollen wir den Opfern faschistischer Gewalt auf angemessene Weise gedenken.

Treffpunkt: Gedenkstein der deportierten Jüdinnen und Juden an der Seetorstraße vor dem Bahnhof Radolfzell. Danach wird es am Kriegerdenkmal auf dem Luisenplatz eine Kundgebung gegen das Denkmal geben.

Quelle: https://de-de.facebook.com/events/491576801250024/

2018/11/17 15:05 · sw · 0 Kommentare

Volkstrauertag 2018 in Radolfzell

„Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Radolfzell am Bodensee sind herzlich eingeladen, an der Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages am 18. November 2018 um 11.15 Uhr an den Gedenktafeln auf dem Luisenplatz teilzunehmen. An diesem Tag gedenken wir der Opfer der Gewaltherrschaft und der Toten aller Kriege.“

Programm:

Sinfonia aus Kantate Nr. 157 (J.S. Bach) - Stadtkapelle Radolfzell

Gedenkrede - Christof Stadler, Stadtrat

Menuett aus Berenice (G. F. Händel) - Stadtkapelle Radolfzell

Kranzniederlegungen

Lied „Ich hatt‘ einen Kameraden“ - Dietmar Baumgartner, Trompete“

Quelle: www.radolfzell.de

In Konsequenz des Gemeinderatsbeschlusses vom 6. November 2018: auch in diesem Jahr sind der Luisenplatz, das Kriegerdenkmal und die „Gedenktafeln“ der - falsche - Ort für die Begehung des Volkstrauertags, zum Gedenken an die „Opfer der [NS-]Gewaltherrschaft und der Toten aller Kriege“.

„Ich hatt' einen Kameraden“ - zum Beispiel: SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Joachim Rumohr

"Die gefallenenen Söhne der Stadt"

"Opfer der Gewaltherrschaft"?

2018/11/16 08:43 · Markus Wolter · 0 Kommentare

80 Jahre Reichspogromnacht 1938 - Gedenkveranstaltungen in Radolfzell

gailingen_synagogen-zerstorung_1938-2.jpg

Die am 10. November 1938 u. a. von Angehörigen des III.SS „Germania“ aus Radolfzell zerstörte Synagoge von Gailingen

Aus der Ankündigung auf der Homepage der Stadt Radolfzell:

„Am 9. November 2018 jährt sich die Reichspogromnacht zum 80. Mal. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden jüdische Geschäfte zerstört, fast in jeder Stadt wurden die Synagogen in Brand gesetzt und deutsche Juden auf offener Straße angegriffen.

(…)

Gemeinsam mit der „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Radolfzell“ (ACK) und der Stolperstein Initiative Radolfzell wurde ein Themenabend erarbeitet, der nicht nur einen Rückblick auf die NS-Zeit in Radolfzell wirft, sondern auch mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft für gemeinsames Miteinander und ein offenes Radolfzell.“

Die Veranstaltungen im Überblick:

17.30 Uhr, Foyer RIZ

Andacht zum Friedensweg 2018 der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Radolfzell

18 Uhr, am Mahnmal beim RIZ

Gedenken an die Pogrome und Begrüßung durch Oberbürgermeister Martin Staab Die Stolperstein Initiative Radolfzell wird zusammengefasst die Pogrome benennen, die von der ehemaligen SS-Kaserne Radolfzell ausgingen und damit auf die Ziele der Initiative STOLPERSTEINE-RADOLFZELL hinweisen: Erinnerung an Opfer des NS-Terrors wachhalten und an die nächste Generation weitergeben. Verantwortung tragen im Umgang mit rassistischen und nationalistischen Aktivitäten in Radolfzell, insbesondere in der ehemaligen SS-Kaserne.

18.30 Uhr, Gedenkstein Alice Fleischel am Seetorplatz

Stolperstein-Reinigung Die Initiative STOLPERSTEINE-RADOLFZELL will die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus – VORORT erhalten und an die nächste Generation weitergeben. Zusätzlich wendet sie sich gegen rassistische und nationalistische Aktivitäten in Radolfzell. http://www.stolpersteine-radolfzell.de

Der um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek angekündigte Vortrag „Im westlichen Bodenseeraum: Opfer, Täter, Zuschauer.“ muss leider ausfallen. Ein neuer Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.

2018/11/06 22:04 · Markus Wolter · 0 Kommentare

22. Oktober 1940

Im Gedenken, gegen das Vergessen

alice_fleischel-stolperstein.jpg

Am 22. Oktober jährt sich zum 78. Mal die Massendeportation von 6551 badischen und saarpfälzischen Juden in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Jahr 1940. Die nach den verantwortlichen Gauleitern Robert Wagner (Baden) und Josef Bürckel (Saarpfalz) bezeichnete „Aktion“ war die Fortsetzung der systematischen Erfassung, Isolation, Entrechtung und staatlichen Beraubung der deutschen Juden seit 1933 und zugleich der Vorlauf zu ihrer Ermordung in den deutschen Vernichtungslagern im besetzten Polen und im Baltikum nach 1941. Das Bestreben des glühenden Antisemiten Wagner und dessen Amtskollegen Bürckel war es gewesen, zwei Jahre nach der Reichspogromnacht von 1938 die „Judenfrage“ - als eine der ersten im Deutschen Reich – „territorial“ zu lösen. Bei der Umsetzung der Deportationspläne im Landkreis Konstanz waren lokale Ordnungspolizei, Konstanzer Gestapo und vor allem das in der Radolfzeller Kaserne stationierte SS- Totenkopf-Infanterie-Ersatz-Bataillon im Einsatz, das die Juden von Wangen, Gailingen und Randegg zusammentrieb und in LKWs an die Bahnhöfe fuhr. Von den aus Baden in sieben Zügen der Reichsbahn deportierten 5592 Juden überlebten nur 750, 2000 wurden 1942 in die Konzentrationslager Majdanek und Auschwitz verschleppt und ermordet. Der Gau Baden sei „judenrein“, vermeldeten die NS-Täter im Herbst 1940 befriedigt; die Deportationen seien „reibungslos und ohne Zwischenfälle“ verlaufen und „von der Bevölkerung kaum wahrgenommen“ worden.

2018/10/22 08:54 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
start.txt · Zuletzt geändert: 2018/11/24 19:33 von mw
Recent changes RSS feed Creative Commons License Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki