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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Ernst Ludwig Kreer (1878-1960)


Passbild, Ausweis "Verfolgter des Nationalsozialismus", 1949. StAF

Ernst Ludwig Kreer wurde am 19. November 1878 in St. Gallen geboren und starb am 31. März 1960 in Radolfzell. Er wuchs in einer Pflegefamilie in Essingen-Lauterburg auf, wo er die Volksschule besuchte und 1892 konfirmiert wurde. Nach seiner Ausbildung zum Schreiner arbeitete er als Geselle an verschiedenen Orten in Süddeutschland und in der Schweiz. Im Oktober 1915 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und kämpfte von 1916 bis Kriegsende an der Westfront. Nach dem Krieg machte er sich in Göggingen, Landkreis Stockach, als Schreiner selbstständig und zog 1925 nach Radolfzell, wo er seine Schreinerei im Hinterhaus der Allweilerstraße 31 betrieb. Dort war er Hausnachbar von Ernst Gnirß, der ab November 1938 in der Allweilerstr. 29 wohnte.

Der parteilose Ernst Ludwig Kreer wurde bereits 1934 wegen regimekritischer Äußerungen in einer Gastwirtschaft zu einer Geldstrafe verurteilt. Nach einer Denunziation wurde Kreer am 16.5.1940 durch die Gestapo in Radolfzell verhaftet. Seine Untersuchungshaft verbrachte er vom 3.6. bis 20.9.1940 im Konstanzer Gerichtsgefängnis. Angeklagt und verurteilt wurde er wegen „Rundfunkverbrechen“ und „gefährlicher Gegnerschaft gegen die Nationalsozialisten“. Zitat aus der Anklageschrift, Sondergericht Mannheim, 30. August 1940:

„In Radolfzell wird Kreer von jeher als ein Gegner des Nationalsozialismus eingeschätzt, der seine Einstellung bewusst zeige, indem er den Hitler-Gruß verweigere, sich durch Kritik hervortue und für das WHW (Winterhilfswerk) oder sonst. Sammlungen nie etwas gebe.“

Ebenfalls laut Anklageschrift hörte Ernst Ludwig Kreer in den Jahren 1939 und 1940 mit seinem Rundfunkgerät täglich ausländische Radiosender ab und besprach die gehörten Nachrichten mit mehreren Bekannten. Unter den von ihm abgehörten Sendern war auch der Schweizer Mittelwellensender Beromünster, der damals in weiten Teilen von Europa empfangen werden konnte und im Zweiten Weltkrieg eine wichtige, unabhängige Informationsquelle darstellte:

„Die Angeschuldigten [neben Kreer waren im selben Verfahren Karl Rösch und Wilhelm Steinwedel des 'Rundfunkverbrechens' angeklagt] haben somit, teilweise gemeinschaftlich, fortgesetzt absichtlich ausländische Sender abgehört. Kreer hat außerdem fortgesetzt Nachrichten ausl. Sender, die geeignet sind, die Widerstandskraft des Dt. Volkes zu gefährden, vorsätzlich verbreitet.“

Das Sondergericht Mannheim verurteilte den 61-Jährigen am 20. September 1940 zu 2 Jahren und 8 Monaten Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust. Kreer verbüßte seine Strafe unter Anrechnung der Untersuchungshaft bis zum 20. November 1942 im Zuchthaus Ludwigsburg.


Stolperstein für Ernst Ludwig Kreer, Allweilerstr. 31/1, Radolfzell, verlegt am 11. September 2015.

Ernst Ludwig Kreer überlebte, kehrte zurück und meldete sich direkt nach Kriegsende am 25. Mai 1945 in der Radolfzeller „Neuen Freien Stimme“ mit dem eindringlichen Artikel: "Wir haben doch gesiegt!" zu Wort. Zitat: „Nachdem die Alliierten (…) den Schleier gelüftet haben, erfasst uns ein Grauen vor all dem Tierischen, was durch den Nationalsozialismus im Menschen gezüchtet wurde.“ Kreer blieb ein kritischer Geist auch in den Anfangsjahren der Bundesrepublik. Im Zusammenhang seiner Anerkennung als Verfolgter des Nationalsozialismus und dem Wiedergutmachungsverfahren im Jahr 1952 protestierte er vehement gegen die Behörden, da diese selbst ehemalige NSDAP-Angehörige und Nutznießer des NS-Regimes als „Verfolgte des Nationalsozialismus“ anerkannt hätten.

Ernst Ludwig Kreer war verheiratet mit Maria Keller aus Radolfzell, geb. ?, gest. 24. Oktober 1974 in Radolfzell. Die Ehe blieb kinderlos.

Lebende Angehörige sind Anna Kreer, Radolfzell, Witwe von Adolf Kreer, des Neffen von Ernst Ludwig Kreer, und Heidi Rausch, Aach, deren Tochter.

Recherche: Markus Wolter
Patenschaft: Friedrich-Hecker-Gymnasium Radolfzell

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Quelle:

Wiedergutmachungsakte Ernst Ludwig Kreer, StAF F196/1-1157.

E.L. Kreer: „Wir brauchen nur an den Steißlinger Mord zu denken…“ - Jean Zimmermann (1918-1944)

Jean Zimmermann, hier als Mitglied der Basketball-Mannschaft "Black Star" von Bischheim, aufgenommen 1936/37. Vgl.: http://bischheimbasket.fr/histo.php.

Am 3. Dezember 1944 wurde der aus dem elsässischen Bischheim bei Straßburg stammende, nach Zwangsumschulung und Dienstverpflichtung seit Dezember 1941 an der Steißlinger Volksschule unterrichtende Lehrer Jean Zimmermann (19.2.1918, Bischheim - 3.12.1944, Steißlingen) im Rathaus von Steißlingen von „zwei auswärtigen NS-Funktionären“ (zit. Paul Forster) erschossen. Jean Zimmermann war seit 1942 mit Marta Gut, Straßburg, verheiratet, die ebenfalls mit nach Steißlingen gekommen war und dort 1943 vorübergehend als Organistin wirkte, bevor ihr dieses Amt von der Stockacher Kreisleitung verboten wurde. Das Paar hatte einen Sohn.

Initiiert wurde der Mord an Jean Zimmermann von dem Steißlinger NSDAP-Ortsgruppenleiter Friedrich (Fritz) Baumann (21.1.1901-April 1945); unter Einbindung der Stockacher NSDAP-Kreisleitung unter Kreisleiter Albert Zimmermann (1906-1949). Laut „Bericht des Bürgermeisters von Steißlingen [Franz Xaver Oexle] über den Mord von Lehrer Hans Zimmermann am 3.12.1944“ habe sich Jean Zimmermann im Rahmen seiner Einberufung zum Volkssturm am 26. November 1944 gegenüber Baumann geweigert, als Franzose den befohlenen Eid auf Adolf Hitler abzulegen. Daraufhin seien am Sonntag, den 3. Dezember 1944 gegen 17.10 Uhr Ortsgruppenleiter Baumann, der Ludwigshafener Bürgermeister, zugleich Ortsgruppenleiter und Btl.-Kommandeur des Volkssturms Eugen Jegler (?-11.5.1945) und „SS-Mann [N.N.] Knobelspies aus Orsingen“ am Steißlinger Rathaus vorgefahren. Baumann habe den „ahnungslosen“, lt. Oexle von Baumann bereits seit längerem drangsalierten und diesem persönlich verhassten Jean Zimmermann ins Rathaus rufen lassen, wo er durch das „nationalsozialistische Rollkommando“ (Pfarrer Andreas Strobel) durch vier Schüsse in den Kopf regelrecht hingerichtet wurde. Bei einem der Rastatter Kriegsverbrecherprozesse wurde laut Angabe in Baumanns Spruchkammerakte festgestellt, dass es Jegler gewesen sei, der nach einem „Handgemenge“ mit Zimmermann diese Schüsse aus seiner Dienstpistole abgegeben habe.

Gegen Weisung des Stockacher Kreisleiters Albert Zimmermann, der die „Verlochung“ der Leiche angeordnet hatte, bekam Jean Zimmermann am 6. Dezember 1944 auf dem Steißlinger Friedhof ein ordentliches Begräbnis. Gegen seine Mörder leitete die NS-Staatsanwaltschaft formell ein Verfahren wegen Totschlags ein, dessen Eröffnung von der SS und der Kreisleitung 1944 jedoch verhindert wurde. Die drei Täter machten zudem „Notwehr“ geltend.

Das französische Militär hielt Baumann für den Haupttäter und erschoss ihn nach seiner Festnahme am 29. April 1945; er wurde wenige Tage später in einem Wald bei Wahlwies tot aufgefunden. Das postume Spruchkammerverfahren ordnete Baumann 1949 der Gruppe der „Schuldigen“ zu.1) Der von den Franzosen in Ludwigshafen internierte und nach Stockach überführte Jegler starb dort am 11.5.1945.

Vom SS-Oberscharführer zum „Narrenvater“: Der Fall Karl Knobelspies

Zur Person von „SS-Mann Knobelspies aus Orsingen“ war bislang nichts bekannt. Jüngste Recherchen ergaben Folgendes: Ein Spruchkammerverfahren gegen Knobelspies hat es offenbar nicht gegeben; stattdessen hatte er sich lt. Spruchkammerakte Friedrich Baumanns nach 1946 vor dem besagten Rastatter Kriegsverbecherprozess des Tribunal général zu verantworten und wurde wegen Beihilfe zum Mord an Zimmermann zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Knobelspies soll lt. Verteidiger Dr. Frowein vor Gericht eingeräumt haben, am Mordgeschehen in Steißlingen beteiligt gewesen zu sein, allerdings habe er lediglich versucht, Jegler und Zimmermann voneinander zu trennen. Das Gericht stellte dagegen fest, dass durch Knobelspies' Eingreifen Jegler erst in die Lage versetzt worden sei, seine Pistole zu betätigen und auf Jean Zimmermann zu schießen. Eine Sichtung der Prozessunterlagen, die das Archiv des Franz. Außenministeriums in La Courneuve bei Paris verwahrt, steht derzeit noch aus. Im Stadtarchiv Stockach sind mehrere Dokumente und Verzeichnisse überliefert, die Karl Knobelspies, geb. 11.1.1912 in Orsingen, als Angehörigen der Allgemeinen SS ausweisen. In den Stockacher Archivalien findet sich u.a. auch der Hinweis, dass seine Ehefrau in Stockach, Nenzinger Str. 69, lebte (Stadtarchiv Stockach, Berner B, XIII.1/53); das Paar, das 1936 in Nenzingen geheiratet hatte, bekam zwei Töchter, geb. 1937 und 1939. Der Wohnort von Karl Knobelspies wird dort als „unbekannt“ vermerkt. Knobelspies wird ferner in einem 1945 erstellten „Verzeichnis der noch in Stockach wohnenden männlichen Personen“ als Beschäftigter der Stockacher Metallwarenfabrik Glatt (heute Aluminium Stockach) geführt (Berner B, XIII. 1/46). Im Aktenfaszikel B, XIII.1/49 (Feststellung über Mitglieder der NSDAP sowie Beamten und Würdenträger der NSDAP. Liste der Parteimitglieder) wird Karl Knobelspies 1946 mit 9 anderen Mitgliedern als Mitglied der „Allgemeinen SS“ gelistet. Dort finden sich auch sein Beruf (Schmiedemeister), sein Geburtsdatum (11. Januar 1912) und sein letzter Dienstgrad (SS-Oberscharführer), NSDAP-Mitgliedschaft seit 1933. Letzter Aufenthaltsort: Stockach (nachgetragen. Das zunächst eingetragene Orsingen wurde gestrichen). „Augenblicklicher Aufenthaltsort: unbekannt“ (Stockach wurde gestrichen). Berner B, XIII. 1/53 (Durchführung des Gesetzes Nr. 52. Verzeichnis der gesperrten Vermögen) führt Karl Knobelspies in 2 Listen. Einmal wird er dort als Mitglied der „Heimat-SS“ genannt, das andere Mal in einer Liste der Bezirkssparkasse Stockach als Karl Knobelspies, SS-Oscha, Wohnort Stockach/Risstorf.

Durch Internet-Recherchen fanden sich auf der Homepage des "Fördervereins Dorfgemeinschaft Nußdorf e.V." (abgerufen 9.6.2017), Überlingen-Nußdorf, mehrere Fotografien der „Nußdorfer Narrengesellschaft“ eingestellt, die u.a. den Nußdorfer „Narrenvater Karl Knobelspies“ der Jahre 1955-1970, genannt „Zacken-Karle“, zeigen und eine Identifizierung ermöglichten: laut Auskunft der Friedhofsverwaltung Überlingen sind dessen Geburtsdatum und Geburtsort mit den Daten des Orsinger SS-Oberscharführers Karl Knobelspies identisch.

Der offenbar vorzeitig aus der Haft entlassene Karl Knobelspies meldete sich laut Einwohnermeldekarte bereits am 21. Februar 1953, aus Stockach, Nenzinger Str. 69 kommend, mit seiner Familie in Nußdorf an und zog Anfang 1957 nach Überlingen, wo er bei den Kramer-Werken GmbH zum Maschinenbaumeister aufstieg und bis zu seinem Tod am 30. März 1993 lebte - ohne vermutlich jemals wieder mit seiner Vergangenheit konfrontiert zu werden. Die Nußdorfer Narrengesellschaft hielt „ihren“ „Narrenvater“ in Text und Bild bis zuletzt in ehrendem und unkritischem Andenken. Als „Zunftmeister der Schneckenzunft Nußdorf“ bekam Knobelspies 1967 den Auftrag, die Herstellung des „Narrenbuchs“ der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee in die Wege zu leiten, wofür er noch heute auch auf deren Homepage gewürdigt wird.2) Begraben liegt Knobelspies auf dem Nußdorfer Friedhof.

8, rue Jean Zimmermann, Bischheim

Die sterblichen Überreste Jean Zimmermanns wurden am 3. Dezember 1947 von Steißlingen nach Bischheim überführt. Seine Heimatstadt ehrt Jean Zimmermann seit 1946 mit einer nach ihm benannten Straße (rue Jean Zimmermann), in der damals noch seine Eltern wohnten.Vgl. Totenzettel o.J. und Hommage à Jean Zimmermann, Zeitungsartikel 1974.

Vgl.: Spruchkammerakte Friedrich Baumann, StAF D 180/2, 223495; ferner: Akte „Jean Zimmermann“: „Bericht des Bürgermeisters von Steißlingen über den Mord von Lehrer Hans Zimmermann am 3. Dezember 1944“; ferner: „Überführung des von Ortsgruppenleiter Baumann und dessen Helfern 1944 ermordeten elsässischen Lehrers Hans Zimmermann von Steißlingen nach Bischheim“ , 1946/47, Gemeindearchiv Steißlingen; Einwohnermeldekarte Karl Knobelspies, Stadtarchiv Überlingen; vgl. ferner: Paul Forster: Steißlingen. Vergangenheit und Gegenwart. Beiträge zur Geschichte des Dorfes Steißlingen, Singen, Hegau-Geschichtsverein (= Hegau-Bilbiothek, Band 60) 1988, S. 174.

Markus Wolter, 2017.


1) So in der Vorschlagsbegründung des Konstanzer Untersuchungsausschusses; das Spruchkammerurteil fehlt bezeichnenderweise in der Akte, StAF D 180/2, 223495.
2) Vgl. Narrenvereinigung Hegau-Bodensee (abgerufen am 9.10.2017): Zit.: „Am 5.März 1967 gab der Frühjahrskonvent in Neufrach seine Zustimmung ein Narrenbuch anzulegen. Es sollte eine Dokumentation der Vereinigung werden, in der sich jede Zunft mit einem Einlageblatt vorstellt. Initiator war der damalige Vizepräsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, Fritz Widenhorn. Auf der Suche nach einem Vorbild für das Buch wurden Präsident Heinrich Rehm, Vizepräsident Fritz Widenhorn und der Zunftmeister der Schneckenzunft Nußdorf, Karl Knobelspies eines Tages in Birnau vorstellig und ließen sich vom Prior alte Folianten zeigen. Karl Knobelspies erhielt dann den Auftrag, die Herstellung des Buches in die Wege zu leiten. Werner Hensler in Nußdorf hat das Buch gebunden während Karl Knobelspies die Beschläge anfertigte und anbrachte. Bei der Eröffnung des Fasnachtmuseums Schloss Langenstein am 9. November 1969 wurde das Buch der Narrenvereinigung übergeben.“

Termine

Bunte Demo statt braunes Denkmal

Antifaschistische Kundgebung zum Vokstrauertag in Radolfzell am Sonntag, 18.11.18 um 11:30 Uhr.

Der Text des Flyers

Wenn Kriegstoten gedacht werden soll, muss erklärt werden warum sie gestorben sind. So gibt es Täter die morden und Menschen die jenen zum Opfer fallen. Im postnazistischen Deutschland wird diese Erklärung ausgelassen. Das führt dazu, dass Opfern und Tätern im selben Atemzug gedacht wird. Das Kriegerdenkmal in Radolfzell treibt diese absurde Form des Gedenkens auf die Spitze. Unterschiedslos stehen auf den Gedenkplatten die Namen der Ermordeten in mitten ihrer Häscher. So finden sich zahlreiche SS-Offiziere und Wehrmachtssoldaten inmitten derer, der jährlich zum Volkstrauertag gedacht wird. Das Kriegerdenkmal wurde 1938 im Auftrag der SS errichtet. Das macht den Ort zu einer Pilgerstätte für Neonazis aus der Region. Wiederholt nutzte die faschistische Partei Der Dritte Weg diesen Ort um Kränze nieder zu legen und Kriegsverbrechern zu huldigen. Antifaschistische Proteste gegen solche PR-Aktionen versuchte die Stadt schon zweimal zu verhindern – ohne Erfolg: Die Demoverbote wurden vor Gericht als illegal eingestuft und kosteten die Stadt über 10.000 Euro.

Aus diesen Gründen sagen wir nein zu unterschiedsloser Trauer, zu Nazidenkmälern und zu faschistischen Umtrieben. Deswegen wollen wir den Opfern faschistischer Gewalt auf angemessene Weise gedenken.

Treffpunkt: Gedenkstein der deportierten Jüdinnen und Juden an der Seetorstraße vor dem Bahnhof Radolfzell. Danach wird es am Kriegerdenkmal auf dem Luisenplatz eine Kundgebung gegen das Denkmal geben.

Quelle: https://de-de.facebook.com/events/491576801250024/

2018/11/17 15:05 · sw · 0 Kommentare

Volkstrauertag 2018 in Radolfzell

„Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Radolfzell am Bodensee sind herzlich eingeladen, an der Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages am 18. November 2018 um 11.15 Uhr an den Gedenktafeln auf dem Luisenplatz teilzunehmen. An diesem Tag gedenken wir der Opfer der Gewaltherrschaft und der Toten aller Kriege.“

Programm:

Sinfonia aus Kantate Nr. 157 (J.S. Bach) - Stadtkapelle Radolfzell

Gedenkrede - Christof Stadler, Stadtrat

Menuett aus Berenice (G. F. Händel) - Stadtkapelle Radolfzell

Kranzniederlegungen

Lied „Ich hatt‘ einen Kameraden“ - Dietmar Baumgartner, Trompete“

Quelle: www.radolfzell.de

In Konsequenz des Gemeinderatsbeschlusses vom 6. November 2018: auch in diesem Jahr sind der Luisenplatz, das Kriegerdenkmal und die „Gedenktafeln“ der - falsche - Ort für die Begehung des Volkstrauertags, zum Gedenken an die „Opfer der [NS-]Gewaltherrschaft und der Toten aller Kriege“.

„Ich hatt' einen Kameraden“ - zum Beispiel: SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Joachim Rumohr

"Die gefallenenen Söhne der Stadt"

"Opfer der Gewaltherrschaft"?

2018/11/16 08:43 · Markus Wolter · 0 Kommentare

80 Jahre Reichspogromnacht 1938 - Gedenkveranstaltungen in Radolfzell

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Die am 10. November 1938 u. a. von Angehörigen des III.SS „Germania“ aus Radolfzell zerstörte Synagoge von Gailingen

Aus der Ankündigung auf der Homepage der Stadt Radolfzell:

„Am 9. November 2018 jährt sich die Reichspogromnacht zum 80. Mal. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden jüdische Geschäfte zerstört, fast in jeder Stadt wurden die Synagogen in Brand gesetzt und deutsche Juden auf offener Straße angegriffen.

(…)

Gemeinsam mit der „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Radolfzell“ (ACK) und der Stolperstein Initiative Radolfzell wurde ein Themenabend erarbeitet, der nicht nur einen Rückblick auf die NS-Zeit in Radolfzell wirft, sondern auch mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft für gemeinsames Miteinander und ein offenes Radolfzell.“

Die Veranstaltungen im Überblick:

17.30 Uhr, Foyer RIZ

Andacht zum Friedensweg 2018 der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Radolfzell

18 Uhr, am Mahnmal beim RIZ

Gedenken an die Pogrome und Begrüßung durch Oberbürgermeister Martin Staab Die Stolperstein Initiative Radolfzell wird zusammengefasst die Pogrome benennen, die von der ehemaligen SS-Kaserne Radolfzell ausgingen und damit auf die Ziele der Initiative STOLPERSTEINE-RADOLFZELL hinweisen: Erinnerung an Opfer des NS-Terrors wachhalten und an die nächste Generation weitergeben. Verantwortung tragen im Umgang mit rassistischen und nationalistischen Aktivitäten in Radolfzell, insbesondere in der ehemaligen SS-Kaserne.

18.30 Uhr, Gedenkstein Alice Fleischel am Seetorplatz

Stolperstein-Reinigung Die Initiative STOLPERSTEINE-RADOLFZELL will die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus – VORORT erhalten und an die nächste Generation weitergeben. Zusätzlich wendet sie sich gegen rassistische und nationalistische Aktivitäten in Radolfzell. http://www.stolpersteine-radolfzell.de

Der um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek angekündigte Vortrag „Im westlichen Bodenseeraum: Opfer, Täter, Zuschauer.“ muss leider ausfallen. Ein neuer Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.

2018/11/06 22:04 · Markus Wolter · 0 Kommentare

22. Oktober 1940

Im Gedenken, gegen das Vergessen

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Am 22. Oktober jährt sich zum 78. Mal die Massendeportation von 6551 badischen und saarpfälzischen Juden in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Jahr 1940. Die nach den verantwortlichen Gauleitern Robert Wagner (Baden) und Josef Bürckel (Saarpfalz) bezeichnete „Aktion“ war die Fortsetzung der systematischen Erfassung, Isolation, Entrechtung und staatlichen Beraubung der deutschen Juden seit 1933 und zugleich der Vorlauf zu ihrer Ermordung in den deutschen Vernichtungslagern im besetzten Polen und im Baltikum nach 1941. Das Bestreben des glühenden Antisemiten Wagner und dessen Amtskollegen Bürckel war es gewesen, zwei Jahre nach der Reichspogromnacht von 1938 die „Judenfrage“ - als eine der ersten im Deutschen Reich – „territorial“ zu lösen. Bei der Umsetzung der Deportationspläne im Landkreis Konstanz waren lokale Ordnungspolizei, Konstanzer Gestapo und vor allem das in der Radolfzeller Kaserne stationierte SS- Totenkopf-Infanterie-Ersatz-Bataillon im Einsatz, das die Juden von Wangen, Gailingen und Randegg zusammentrieb und in LKWs an die Bahnhöfe fuhr. Von den aus Baden in sieben Zügen der Reichsbahn deportierten 5592 Juden überlebten nur 750, 2000 wurden 1942 in die Konzentrationslager Majdanek und Auschwitz verschleppt und ermordet. Der Gau Baden sei „judenrein“, vermeldeten die NS-Täter im Herbst 1940 befriedigt; die Deportationen seien „reibungslos und ohne Zwischenfälle“ verlaufen und „von der Bevölkerung kaum wahrgenommen“ worden.

2018/10/22 08:54 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"NS-Belastete aus dem Süden des heutigen Baden-Württemberg"

Neuerscheinung, Oktober 2018

Täter Helfer Trittbrettfahrer, Bd. 9.

NS-Belastete aus dem Süden des heutigen Baden-Württemberg

Hrsg.: Wolfgang Proske

460 Seiten

19,99 Euro

Kugelberg Verlag, Gerstetten 2018

ISBN 978-3-945893-10-4

Bestellung unter: http://www.ns-belastete.de/bestellung.php

Die Artikel und ihre Autor*innen, u.a.:

Anton Blaser (Bürgermeister der Gemeinde Bodnegg, Krs. Ravensburg), Wolf-Ulrich Strittmatter.

Hugo F. Boss (Metzingen, Schneider, Kaufmann und Unternehmer), Rudolf Renz.

Wilhelm Emmerich (Östringen, Bäcker und SS-Oberscharführer im KZ Auschwitz), Christiane Walesch-Schneller.

Prof. Dr. Eugen Fischer (Freiburg, Mediziner, Anthropologe und Rassenforscher), Markus Wolter.

Dr. Hans Fleischhacker (Tübingen, Anthropologe, SS-Obersturmführer), Madeleine Wegner.

Georg Grünberg (Lagerleiter in Friedrichshafen, Überlingen), Oswald Burger.

Emil Haussmann (Ravensburg, Einsatzkommandoführer, Massenmörder), Wolf-Ulrich Strittmatter.

Prof. Dr. Martin Heidegger (Mai 1933 NSDAP, bis 1934 Rektor Universität Freiburg), Eggert Blum.

Prof. Dr. Hans Robert Jauß (Konstanz, Hauptsturmführer, „Bandenbekämpfung“), Dr. Jens Westemeier.

Friedrich Jeckeln (Hornberg, Höherer SS- und Polizeiführer, Massenmörder), Gerhard Wenzl.

Kurt Georg Kiesinger (Ebingen, 1933 NSDAP, 1966 Bundeskanzler), Prof. Dr. Phillip Gassert.

Martin Nauck (Tübingen, Kripo, „Vorbeugungshaft“), Udo Grausam.

Prof. Dr. Elisabeth Noelle-Neumann (Allensbach, Meinungsforscherin), Prof. Dr. Jörg Becker.

Johannes Pauli (Lagerleiter KZ Bisingen), Dr. Franziska Blum.

Dr. Rudolf Rahn (Ulm, Diplomat), Dr. Wolfgang Proske.

Dr.-Ing. Helmut Stellrecht (Wangen/Allg., im Amt Rosenberg, nach 1945 Schriftsteller), Udo Mischek, Mitarb. Tim Rose.

Bruno Störzer (Hailfingen, Bauleiter der Organisation Todt), Volker Mall.

Julius Viel (Schramberg/Wangen/Allg., Journalist, SS 1936), Wolf-Ulrich Strittmatter.

2018/09/30 11:35 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
stolpersteine/ernst_ludwig_kreer.txt · Zuletzt geändert: 2018/02/21 08:36 von sw
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