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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



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**Vom SS-Oberscharführer zum "Narrenvater": Der Fall Karl Knobelspies** **Vom SS-Oberscharführer zum "Narrenvater": Der Fall Karl Knobelspies**
-Zur Person von "SS-Mann Knobelspies aus Orsingen" war bislang nichts bekannt. Jüngste Recherchen ergaben Folgendes: Ein Spruchkammerverfahren gegen Knobelspies hat es offenbar nicht gegeben; stattdessen hatte er sich lt. Spruchkammerakte Friedrich Baumanns nach 1946 vor dem besagten Rastatter Kriegsverbecherprozess des Tribunal général zu verantworten und wurde wegen Beihilfe zum Mord an Zimmermann zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Knobelspies soll lt. Verteidiger Dr. Frowein vor Gericht eingeräumt haben, am Mordgeschehen in Steißlingen beteiligt gewesen zu sein, allerdings habe er lediglich versucht, Jegler und Zimmermann voneinander zu trennen. Das Gericht stellte dagegen fest, dass durch Knobelspies' Eingreifen Jegler erst in die Lage versetzt worden sei, seine Pistole zu betätigen und auf Jean Zimmermann zu schießen. Eine Sichtung der Prozessunterlagen, die das Archiv des Franz. Außenministeriums in La Courneuve bei Paris verwahrt, steht derzeit noch aus. Im Stadtarchiv Stockach sind mehrere Dokumente und Verzeichnisse überliefert, die Karl Knobelspies, geb. 11.1.1912 in Orsingen, als Angehörigen der [[https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_SS|Allgemeinen SS]] ausweisen. In den Stockacher Archivalien findet sich u.a. auch der Hinweis, dass seine Ehefrau in Stockach, Nenzinger Str. 69, lebte (Stadtarchiv Stockach, Berner B, XIII.1/53); das Paar, das 1936 in Nenzingen geheiratet hatte, bekam zwei Töchter, geb. 1937 und 1939. Der Wohnort von Karl Knobelspies wird dort als „unbekannt“ vermerkt. Knobelspies wird ferner in einem 1945 erstellten „Verzeichnis der noch in Stockach wohnenden männlichen Personen“ als Beschäftigter der Stockacher Metallwarenfabrik Glatt (heute Aluminium Stockach) geführt (Berner B, XIII. 1/46). Im Aktenfaszikel B, XIII.1/49 (Feststellung über Mitglieder der NSDAP sowie Beamten und Würdenträger der NSDAP. Liste der Parteimitglieder) wird Karl Knobelspies 1946 mit 9 anderen Mitgliedern als Mitglied der „Allgemeinen SS“ gelistet. Dort finden sich auch sein Beruf (Schmiedemeister), sein Geburtsdatum (11. Januar 1912) und sein letzter Dienstgrad (SS-Oberscharführer), NSDAP-Mitgliedschaft seit 1933. Letzter Aufenthaltsort: Stockach (nachgetragen. Das zunächst eingetragene Orsingen wurde gestrichen). "Augenblicklicher Aufenthaltsort: unbekannt" (Stockach wurde gestrichen). Berner B, XIII. 1/53 (Durchführung des Gesetzes Nr. 52. Verzeichnis der gesperrten Vermögen) führt Karl Knobelspies in 2 Listen. Einmal wird er dort als Mitglied der "Heimat-SS" genannt, das andere Mal in einer Liste der Bezirkssparkasse Stockach als Karl Knobelspies, SS-Oscha, Wohnort Stockach/Risstorf.+Zur Person von "SS-Mann Knobelspies aus Orsingen" war bislang nichts bekannt. Jüngste Recherchen ergaben Folgendes: Ein Spruchkammerverfahren gegen Knobelspies hat es offenbar nicht gegeben; stattdessen hatte er sich lt. Spruchkammerakte Friedrich Baumanns nach 1946 vor dem besagten Rastatter Kriegsverbecherprozess des Tribunal général zu verantworten und wurde wegen Beihilfe zum Mord an Zimmermann zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Knobelspies soll lt. Verteidiger Dr. Frowein vor Gericht eingeräumt haben, am Mordgeschehen in Steißlingen beteiligt gewesen zu sein, allerdings habe er lediglich versucht, Jegler und Zimmermann voneinander zu trennen. Das Gericht stellte dagegen fest, dass durch Knobelspies' Eingreifen Jegler erst in die Lage versetzt worden sei, seine Pistole zu betätigen und auf Jean Zimmermann zu schießen. Eine Sichtung der Prozessunterlagen, die das Archiv des Franz. Außenministeriums in La Courneuve bei Paris verwahrt, steht derzeit noch aus. Im Stadtarchiv Stockach sind mehrere Dokumente und Verzeichnisse überliefert, die Karl Knobelspies, geb. 11.1.1912 in Orsingen, als Angehörigen der [[https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_SS|Allgemeinen SS]] ausweisen. In den Stockacher Archivalien findet sich u.a. auch der Hinweis, dass seine Ehefrau in Stockach, Nenzinger Str. 69, lebte (Stadtarchiv Stockach, Berner B, XIII.1/53); das Paar, das 1936 in Nenzingen geheiratet hatte, bekam zwei Töchter, geb. 1937 und 1939. Der Wohnort von Karl Knobelspies wird dort als „unbekannt“ vermerkt.
 +Im "Einwohnerbuch für den Bezirk Stockach", Meßkirch 1938, S. 22, ist Karl Knobelspieß(!) als Einwohner der Stadt Stockach verzeichnet; Berufsangabe: Schmied, Adresse: Rißtorferstr. 69.
 +
 +Knobelspies wird ferner in einem 1945 erstellten „Verzeichnis der noch in Stockach wohnenden männlichen Personen“ als Beschäftigter der Stockacher Metallwarenfabrik Glatt (heute Aluminium Stockach) geführt (Berner B, XIII. 1/46). Im Aktenfaszikel B, XIII.1/49 (Feststellung über Mitglieder der NSDAP sowie Beamten und Würdenträger der NSDAP. Liste der Parteimitglieder) wird Karl Knobelspies 1946 mit 9 anderen Mitgliedern als Mitglied der „Allgemeinen SS“ gelistet. Dort finden sich auch sein Beruf (Schmiedemeister), sein Geburtsdatum (11. Januar 1912) und sein letzter Dienstgrad (SS-Oberscharführer), NSDAP-Mitgliedschaft seit 1933. Letzter Aufenthaltsort: Stockach (nachgetragen. Das zunächst eingetragene Orsingen wurde gestrichen). "Augenblicklicher Aufenthaltsort: unbekannt" (Stockach wurde gestrichen). Berner B, XIII. 1/53 (Durchführung des Gesetzes Nr. 52. Verzeichnis der gesperrten Vermögen) führt Karl Knobelspies in 2 Listen. Einmal wird er dort als Mitglied der "Heimat-SS" genannt, das andere Mal in einer Liste der Bezirkssparkasse Stockach als Karl Knobelspies, SS-Oscha, Wohnort Stockach/Risstorf.
Durch Internet-Recherchen fanden sich auf der Homepage des [[https://www.nussdorf-bodensee.de/fotoalbum/fasnet.html|"Fördervereins  Dorfgemeinschaft Nußdorf e.V." (abgerufen 9.6.2017|15.1.2019)]], [[https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberlingen|Überlingen-Nußdorf]], mehrere Fotografien der "Nußdorfer Narrengesellschaft" eingestellt, die u.a. den Nußdorfer "Narrenvater Karl Knobelspies" der Jahre 1955-1970, genannt "Zacken-Karle", zeigen und eine Identifizierung ermöglichten: laut Auskunft der Friedhofsverwaltung Überlingen sind dessen Geburtsdatum und Geburtsort mit den Daten des Orsinger SS-Oberscharführers Karl Knobelspies identisch. Durch Internet-Recherchen fanden sich auf der Homepage des [[https://www.nussdorf-bodensee.de/fotoalbum/fasnet.html|"Fördervereins  Dorfgemeinschaft Nußdorf e.V." (abgerufen 9.6.2017|15.1.2019)]], [[https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberlingen|Überlingen-Nußdorf]], mehrere Fotografien der "Nußdorfer Narrengesellschaft" eingestellt, die u.a. den Nußdorfer "Narrenvater Karl Knobelspies" der Jahre 1955-1970, genannt "Zacken-Karle", zeigen und eine Identifizierung ermöglichten: laut Auskunft der Friedhofsverwaltung Überlingen sind dessen Geburtsdatum und Geburtsort mit den Daten des Orsinger SS-Oberscharführers Karl Knobelspies identisch.

Termine

Vor 80 Jahren: "Aktion T4" - Zum Gedenken an die Opfer des NS-"Euthanasie"-Programms 1940

Die „Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz“ (Reichenau). Luftbild Paul Strähle, 1926. Alle Rechte vorbehalten. Copyright by Luftverkehr Strähle. Schorndorf / Württ. Sammlung M.W.

Im Rahmen der staatlich angeordneten und durchgeführten Massenmorde ("Aktion T4") an psychisch kranken und behinderten Menschen, die vor 80 Jahren in Deutschland begannen, wurden in den Monaten Mai bis November 1940 allein 214 Männer und 242 Frauen aus der „Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz“ (Reichenau) in die Tötungsanstalt Grafeneck gebracht und dort in einer Gaskammer ermordet. Im Dezember 1940 und Januar/Februar 1941 erfolgte in drei weiteren Transporten die „Verlegung“ von 69 Reichenauer Patient/inen in die als Zwischenanstalt fungierende Anstalt nach Wiesloch, von wo aus die meisten in die Tötungsanstalt Hadamar verbracht wurden. Die Reichenauer Anstalt wies damit eine „Tötungsrate“ von über 50 % ihres Krankenstandes (869 Patient/innen) von Anfang 1940 auf.

Insgesamt konnten 14 „T4“-Opfer aus Radolfzell und den Ortsteilen ermittelt werden; an ihr Leben erinnern in Radolfzell bislang sechs Stolpersteine, die 2015 und 2016 verlegt wurden. Die Frauen, Männer und Kinder waren Patient*innen der Heil- und Pflegeanstalten Reichenau, Emmendingen und Wiesloch, der Kreispflegeanstalt Geisingen, der Universitätsnervenklink Freiburg und/oder „Pfleglinge“ der St. Josefsanstalt Herten und davor in Kinderheimen in Freiburg, Konstanz und Sigmaringen untergebracht.

4. Stolperstein-Verlegung in Radolfzell, 24. September 2020

Am 24. September des Gedenkjahres kommt es zur Verlegung von fünf weiteren Stolpersteinen im Stadtgebiet von Radolfzell. Sie gelten Josefa Trost, geb. Klaus, Opfer der „Euthanasie“-„Aktion T4“ 1940, sowie Hermine Bauer und den Geschwistern Josefine Fetzer, Anna Fetzer und Agnes Zimmermann, geb. Fetzer, die nach Maßgabe des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuches“ 1934-1938 zwangssterilisiert wurden.

Vgl.: Informationssystem des Radolfzeller Gemeinderats, Beschluss in der GR-Sitzung vom 5. Juni 2020.

Vgl.: Initiative Stolpersteine-Radolfzell

2020/06/10 14:59 · Markus Wolter

Kundgebung zum 8. Mai 2020 auf dem Luisenplatz

Anlässlich des 75. Jahrestages des Endes des deutschen Nationalsozialismus organisierte das Feministische Antifaschistische Kollektiv (FAK) auf dem Radolfzeller Luisenplatz eine Kundgebung unter dem Motto “Entnazifizierung – Heraus zum 8. Mai!”, die erst von der Radolfzeller Stadtverwaltung verboten, später dann doch noch mit Auflagen zugelassen wurde. Mehrere regionale Gruppen wie die Konstanzer Seebrücke, das OAT Konstanz, die VVN-BdA, die Linksjugend, das Rojava-Bündnis und die Singener Teestube riefen mit zur Kundgebung auf und hielten teils eigene Reden. Ca. 40 Personen waren gekommen und informierten sich anhand von Texttafeln z.B. über das unsägliche Gedenkmal das heute noch gefallene SS-Angehörige als „Opfer“ ehrt. Die Namen der SS-Angehörigen waren mit pinker Kreide hervorgehoben worden - auf den Stufen vor dem Denkmal stand „Deutsche Täter sind keine Opfer“. Das Kriegerdenkmal wurde mit VVN- und Antifafahnen verziert.

Bericht beim Feministischen Antifaschistischen Kollektiv

2020/05/09 15:34 · sw · 0 Kommentare

Der Vortrag entfällt aus bekannten Gründen- Verschoben auf Herbst 2020

Vortrag VHS Konstanz - "Dr. med. Ludwig Finckh und die NS-Rassenhygiene"

Gauschulungslager des NS-Lehrerbundes (NSLB), Gaienhofen. „5. Lehrgang, Sonderkurs in Erbbiologie und Rassenkunde“, 1935. Ansichtskarte eines Kursteilnehmers an seine Familie in Pforzheim

Über Dr. med. Ludwig Finckh (1876-1964) wäre vermutlich längst das letzte Wort gesprochen und der Autor vergessen worden, wenn es sich bei ihm nur um den sogenannten „Heimat-Dichter“, den „Rosendoktor“ von der Höri gehandelt hätte. Als virulenter Nationalsozialist gibt Finckh stattdessen heute noch Anlass, sich mit seinem Fall kritisch auseinanderzusetzen. Teils als Vordenker, teils als Vortragsredner in Sachen NS-„Rassenhygiene“, betätigte sich Finckh u.a. als „Weltanschauungslehrer“ des NS-Lehrerbundes am Gauschulungslager des NSLB in Gaienhofen und an der Waffen-SS-Unterführerschule in Radolfzell. Neueste Recherchen belegen die Teilnahme von Finckhs Gauschulungslagern an eugenischen Tagungen der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau in den Jahren 1934-1938. (Text: Markus Wolter)

Referent: Markus Wolter, MA

Ort: VHS Konstanz-Singen e.V., Katzgasse 7, Astoria Saal

Datum: 24. März 2020

Zeit: 19.30 - 21.00 Uhr

Anmeldung: VHS-Konstanz

2020/01/30 12:15 · Markus Wolter · 2 Kommentare

Gerhard Zahner: "Weißes Blut". Eine dramatische Lesung zur Weihnacht

Zeit: 24.12.2019, 14.00 Uhr

Ort: THEATER-KULTUR-ZENTRUM, Fürstenbergstrasse 7a, Radolfzell

„Der Arzt Nathan Wolf (1882–1970) war Jude aus Wangen, er wurde von den Nazis vertrieben und im KZ Dachau eingesperrt und gepeinigt. Nach dem Krieg kehrte er nach Wangen, in seine Höri zurück. Er ist zurück gekehrt, nicht heimgekehrt. Die jüdische Gemeinde in der Höri vernichtet, die Synagogen zerstört. Nicht heimkehren, zurückkehren, darum geht es diesem Stück. Eine Situation, die heute so viele Flüchtlinge betrifft. Auch ihre Heimat ist für immer zerstört. Die neue Heimat ist vielleicht, solchen Menschen wie Nathan Wolf gerecht zu werden, ihrem Leben. Letztlich, wenn heute Abgeordnete aus den Protokollen der Weisen von Zion zitieren, diesem Buch aus dem Giftschrank der Verleumdung, scheitern wir alle und vertreiben uns selbst.“

Programmtext: http://www.zellerkultur.de/veranstaltungen.html

Hintergrund: https://www.wolf-wangen.com/

2019/12/14 16:25 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
stolpersteine/ernst_ludwig_kreer.1547538663.txt.gz · Zuletzt geändert: 2019/01/15 08:51 von mw
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