Aktuelles
Stolpersteine
Radolfzell
Bodenseeregion
Recherche
Wiki
Karte von Radolfzell

Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

stolpersteine:ernst_ludwig_kreer [2019/01/15 08:51]
mw
stolpersteine:ernst_ludwig_kreer [2019/02/01 12:00] (aktuell)
mw
Zeile 55: Zeile 55:
**Vom SS-Oberscharführer zum "Narrenvater": Der Fall Karl Knobelspies** **Vom SS-Oberscharführer zum "Narrenvater": Der Fall Karl Knobelspies**
-Zur Person von "SS-Mann Knobelspies aus Orsingen" war bislang nichts bekannt. Jüngste Recherchen ergaben Folgendes: Ein Spruchkammerverfahren gegen Knobelspies hat es offenbar nicht gegeben; stattdessen hatte er sich lt. Spruchkammerakte Friedrich Baumanns nach 1946 vor dem besagten Rastatter Kriegsverbecherprozess des Tribunal général zu verantworten und wurde wegen Beihilfe zum Mord an Zimmermann zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Knobelspies soll lt. Verteidiger Dr. Frowein vor Gericht eingeräumt haben, am Mordgeschehen in Steißlingen beteiligt gewesen zu sein, allerdings habe er lediglich versucht, Jegler und Zimmermann voneinander zu trennen. Das Gericht stellte dagegen fest, dass durch Knobelspies' Eingreifen Jegler erst in die Lage versetzt worden sei, seine Pistole zu betätigen und auf Jean Zimmermann zu schießen. Eine Sichtung der Prozessunterlagen, die das Archiv des Franz. Außenministeriums in La Courneuve bei Paris verwahrt, steht derzeit noch aus. Im Stadtarchiv Stockach sind mehrere Dokumente und Verzeichnisse überliefert, die Karl Knobelspies, geb. 11.1.1912 in Orsingen, als Angehörigen der [[https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_SS|Allgemeinen SS]] ausweisen. In den Stockacher Archivalien findet sich u.a. auch der Hinweis, dass seine Ehefrau in Stockach, Nenzinger Str. 69, lebte (Stadtarchiv Stockach, Berner B, XIII.1/53); das Paar, das 1936 in Nenzingen geheiratet hatte, bekam zwei Töchter, geb. 1937 und 1939. Der Wohnort von Karl Knobelspies wird dort als „unbekannt“ vermerkt. Knobelspies wird ferner in einem 1945 erstellten „Verzeichnis der noch in Stockach wohnenden männlichen Personen“ als Beschäftigter der Stockacher Metallwarenfabrik Glatt (heute Aluminium Stockach) geführt (Berner B, XIII. 1/46). Im Aktenfaszikel B, XIII.1/49 (Feststellung über Mitglieder der NSDAP sowie Beamten und Würdenträger der NSDAP. Liste der Parteimitglieder) wird Karl Knobelspies 1946 mit 9 anderen Mitgliedern als Mitglied der „Allgemeinen SS“ gelistet. Dort finden sich auch sein Beruf (Schmiedemeister), sein Geburtsdatum (11. Januar 1912) und sein letzter Dienstgrad (SS-Oberscharführer), NSDAP-Mitgliedschaft seit 1933. Letzter Aufenthaltsort: Stockach (nachgetragen. Das zunächst eingetragene Orsingen wurde gestrichen). "Augenblicklicher Aufenthaltsort: unbekannt" (Stockach wurde gestrichen). Berner B, XIII. 1/53 (Durchführung des Gesetzes Nr. 52. Verzeichnis der gesperrten Vermögen) führt Karl Knobelspies in 2 Listen. Einmal wird er dort als Mitglied der "Heimat-SS" genannt, das andere Mal in einer Liste der Bezirkssparkasse Stockach als Karl Knobelspies, SS-Oscha, Wohnort Stockach/Risstorf.+Zur Person von "SS-Mann Knobelspies aus Orsingen" war bislang nichts bekannt. Jüngste Recherchen ergaben Folgendes: Ein Spruchkammerverfahren gegen Knobelspies hat es offenbar nicht gegeben; stattdessen hatte er sich lt. Spruchkammerakte Friedrich Baumanns nach 1946 vor dem besagten Rastatter Kriegsverbecherprozess des Tribunal général zu verantworten und wurde wegen Beihilfe zum Mord an Zimmermann zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Knobelspies soll lt. Verteidiger Dr. Frowein vor Gericht eingeräumt haben, am Mordgeschehen in Steißlingen beteiligt gewesen zu sein, allerdings habe er lediglich versucht, Jegler und Zimmermann voneinander zu trennen. Das Gericht stellte dagegen fest, dass durch Knobelspies' Eingreifen Jegler erst in die Lage versetzt worden sei, seine Pistole zu betätigen und auf Jean Zimmermann zu schießen. Eine Sichtung der Prozessunterlagen, die das Archiv des Franz. Außenministeriums in La Courneuve bei Paris verwahrt, steht derzeit noch aus. Im Stadtarchiv Stockach sind mehrere Dokumente und Verzeichnisse überliefert, die Karl Knobelspies, geb. 11.1.1912 in Orsingen, als Angehörigen der [[https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_SS|Allgemeinen SS]] ausweisen. In den Stockacher Archivalien findet sich u.a. auch der Hinweis, dass seine Ehefrau in Stockach, Nenzinger Str. 69, lebte (Stadtarchiv Stockach, Berner B, XIII.1/53); das Paar, das 1936 in Nenzingen geheiratet hatte, bekam zwei Töchter, geb. 1937 und 1939. Der Wohnort von Karl Knobelspies wird dort als „unbekannt“ vermerkt.
 +Im "Einwohnerbuch für den Bezirk Stockach", Meßkirch 1938, S. 22, ist Karl Knobelspieß(!) als Einwohner der Stadt Stockach verzeichnet; Berufsangabe: Schmied, Adresse: Rißtorferstr. 69.
 +
 +Knobelspies wird ferner in einem 1945 erstellten „Verzeichnis der noch in Stockach wohnenden männlichen Personen“ als Beschäftigter der Stockacher Metallwarenfabrik Glatt (heute Aluminium Stockach) geführt (Berner B, XIII. 1/46). Im Aktenfaszikel B, XIII.1/49 (Feststellung über Mitglieder der NSDAP sowie Beamten und Würdenträger der NSDAP. Liste der Parteimitglieder) wird Karl Knobelspies 1946 mit 9 anderen Mitgliedern als Mitglied der „Allgemeinen SS“ gelistet. Dort finden sich auch sein Beruf (Schmiedemeister), sein Geburtsdatum (11. Januar 1912) und sein letzter Dienstgrad (SS-Oberscharführer), NSDAP-Mitgliedschaft seit 1933. Letzter Aufenthaltsort: Stockach (nachgetragen. Das zunächst eingetragene Orsingen wurde gestrichen). "Augenblicklicher Aufenthaltsort: unbekannt" (Stockach wurde gestrichen). Berner B, XIII. 1/53 (Durchführung des Gesetzes Nr. 52. Verzeichnis der gesperrten Vermögen) führt Karl Knobelspies in 2 Listen. Einmal wird er dort als Mitglied der "Heimat-SS" genannt, das andere Mal in einer Liste der Bezirkssparkasse Stockach als Karl Knobelspies, SS-Oscha, Wohnort Stockach/Risstorf.
Durch Internet-Recherchen fanden sich auf der Homepage des [[https://www.nussdorf-bodensee.de/fotoalbum/fasnet.html|"Fördervereins  Dorfgemeinschaft Nußdorf e.V." (abgerufen 9.6.2017|15.1.2019)]], [[https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberlingen|Überlingen-Nußdorf]], mehrere Fotografien der "Nußdorfer Narrengesellschaft" eingestellt, die u.a. den Nußdorfer "Narrenvater Karl Knobelspies" der Jahre 1955-1970, genannt "Zacken-Karle", zeigen und eine Identifizierung ermöglichten: laut Auskunft der Friedhofsverwaltung Überlingen sind dessen Geburtsdatum und Geburtsort mit den Daten des Orsinger SS-Oberscharführers Karl Knobelspies identisch. Durch Internet-Recherchen fanden sich auf der Homepage des [[https://www.nussdorf-bodensee.de/fotoalbum/fasnet.html|"Fördervereins  Dorfgemeinschaft Nußdorf e.V." (abgerufen 9.6.2017|15.1.2019)]], [[https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberlingen|Überlingen-Nußdorf]], mehrere Fotografien der "Nußdorfer Narrengesellschaft" eingestellt, die u.a. den Nußdorfer "Narrenvater Karl Knobelspies" der Jahre 1955-1970, genannt "Zacken-Karle", zeigen und eine Identifizierung ermöglichten: laut Auskunft der Friedhofsverwaltung Überlingen sind dessen Geburtsdatum und Geburtsort mit den Daten des Orsinger SS-Oberscharführers Karl Knobelspies identisch.

Termine

Der Reichspogrom 1938 am westlichen Bodensee - Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Klöckler in Radolfzell

Der 9. November 1938 im westlichen Bodenseeraum: Opfer – Täter – Zuschauer“

Vortrag in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Radolfzell und des Arbeitskreises „Erinnerung“

„Kaum ein anderes Datum der deutschen Geschichte ist so aufgeladen wie der 9. November 1938. Aus der Perspektive von Opfern und Tätern, aber auch der zahlreichen Zuschauer, sollen die Ereignisse in Radolfzell, auf der Höri sowie im westlichen Bodenseeraum rekonstruiert und in das allgemeine Verfolgungsgeschehen im Deutschen Reich eingebettet werden. Die entscheidende Rolle bei der Zerstörung der Synagogen in Wangen, Gailingen und Randegg kam der in Radolfzell stationierten SS zu. Mit Ekrasit sprengte sie unter der Verantwortung von SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen auch die Konstanzer Synagoge.“ (www.radolfzell.de)

Referent: Prof. Dr. Jürgen Klöckler, Stadtarchiv/Universität Konstanz

Ort: Stadtbibliothek Radolfzell

Zeit: Freitag, 8. November 2019, 19.30 Uhr

2019/11/07 12:56 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Verlegung des Stolpersteins für Karl Teufel

Zum Ersatz des vor rund einem Jahr im Zuge von Straßenbauarbeiten fahrlässig beseitigten und verloren gegangenen Stolpersteins für Karl Teufel wird am 28. Oktober 2019, 16.30 Uhr, in der Konstanzer Str. 30/1 ein von Gunter Demnig neu gefertigtes Exemplar verlegt.

2019/10/28 12:33 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Zum mahnenden Gedenken an die Deportation der badischen und saarpfälzischen Juden nach Gurs im Jahr 1940

Verzeichnis der am 22. Oktober 1940 aus Baden in das Internierunglager Gurs deportierten Juden, Badische Landesbibliothek Karlsruhe.

Aus Baden deportierte Frauen vor ihren Baracken. Camp de Gurs, 1940

_

Gedenkstättenort Radolfzell:

Gedenkstätte ehemalige SS-Kaserne Radolfzell, Informationstafel u.a. zur Rolle der Radolfzeller SS bei der „Wagner-Bürckel-Aktion“ 1940

Gurs-Mahnmal (Projekt Neckarzimmern) / Stolperstein Alice Fleischel, Seetorplatz

2019/10/21 23:02 · Markus Wolter · 0 Kommentare

In memoriam Oldřich Sedláček (1919–1949) und Leonhard Oesterle (1916–2009)

Dachauer Schreibstubenkarte. Arolsen Archives, Digitales Archiv.

Anlässlich des 100. Geburtstages von Oldřich Sedláček am 15. September 2019 lädt die Initiative Stolpersteine Radolfzell zu einer Gedenk- und Informationsveranstaltung ein:

„Geführte Radtour zu Stationen der KZ-Häftlinge in Radolfzell“

In Erinnerung an Oldrich Sedlacek und Leonhard Oesterle (1916-2009), denen am 15. November 1943 die Flucht aus dem Dachauer KZ-Außenkommando Radolfzell über den Bodensee in die Schweiz gelang.

Zeit: Sonntag, 15.09.2019 – 15 bis 17 Uhr

Treffpunkt: Gurs-Gedenkstein, Seetorplatz, Radolfzell


Von Jiří Sedláček, dem Sohn von Oldrich Sedláček, erreichte uns die folgende Grußbotschaft aus Kladno, Tschechische Republik:

Dears, I am sending you my heartiest greetings, to Markus Wolter, to his friends and to everybody who will take part in this commemoration for Leonhard Oesterle and my father, Oldřich Sedláček. I feel sorrow not to come and meet you in person, but my health is not allowing me to travel so long way. I will be with you in my mind, My best regards,

Jiří Sedláček

2019/09/02 08:44 · Markus Wolter · 2 Kommentare

Täter-Helfer-Trittbrettfahrer: Prof. Dr. Eugen Fischer (1874-1967)

Eugen Fischer: Der völkische Staat, biologisch gesehen. Berlin 1933. Fotografie: Wikipedia

Vortrag:

Dr. Wolfgang Proske (Hrsg.) / Markus Wolter:

Prof. Dr. Eugen Fischer (1874–1967). Die Freiburger Schule des Rassenwahns

Zeit und Ort:

Dienstag, 28. Mai, 20 Uhr, HS 1009 (Uni Freiburg KGI)

Veranstaltet vom Referat gegen Antisemitismus, Studierendenrat der Universität Freiburg, in Kooperation mit der Fachschaft Geschichte und der Fachschaft Medizin.

https://www.stura.uni-freiburg.de/gremien/referate/gegenantisemitismus

http://www.ns-belastete.de/band_9.html

2019/05/15 16:43 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
stolpersteine/ernst_ludwig_kreer.1547538663.txt.gz · Zuletzt geändert: 2019/01/15 08:51 von mw
Recent changes RSS feed Creative Commons License Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki