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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Georg Alfred Grein (1906–1954)

Georg Alfred Grein wurde am 31.08.1906 in Konstanz geboren und starb am 09.07.1954 in Radolfzell. Seine Eltern waren Johann Grein und Emilie Grein, geborene Kramer, aus Radolfzell, die in der Scheffelstr. 2 a ein Lebensmittel- und Kolonialwarengeschäft führten. Georg Grein war mit Martha Grein, geb. Trefzer, verheiratet. Das Paar hatte keine Kinder.

Zur Zeit der Verfolgungsmaßnahme war ihre Radolfzeller Wohnadresse die Adolf-Hitler-Str. 37, die heutige Schützenstr. 37.

Der Monteur Georg Grein wurde wegen seiner mutmaßlichen Zugehörigkeit zur KPD am 21. September 1937 in Radolfzell verhaftet und am 16. Juni 1939 in das Strafgefängnis und die Untersuchungshaftanstalt Mannheim eingeliefert. Am 27. September 1939 wurde er in das Untersuchungsgefängnis Stuttgart überstellt. Das Oberlandesgericht Stuttgart verurteilte ihn am 2. Oktober 1939 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu 2 Jahren und 6 Monaten Zuchthaus, abzüglich 3 Monate Untersuchungshaft. Seine Haft trat er am 2. Oktober 1939 im Zuchthaus Ludwigsburg an.


Georg Alfred Grein, „kriminalbiologische“ Erfassung, Zuchthaus Straubing, 5.4.1940. StA Ludwigsburg

Am 11. November 1939 wurde Georg Grein in die psychiatrische Abteilung des Gefängnisses Bruchsal überstellt, wo ihm der Anstaltspsychiater eine Erkrankung des „schizophrenen Formenkreises“ mit „wahnhaften Ideen“ und „Verfolgungsängsten“ (!) attestierte. Rücküberstellung am 4. Dezember 1939. „Zur Beobachtung seines Geisteszustands“ wurde Georg Grein am 22. Februar 1940 in das Zuchthaus und die Sicherungsanstalt Straubing, psychiatrische Abteilung, eingeliefert. Der dortige Anstaltspsychiater bestätigte die Bruchsaler Diagnose nicht, sprach stattdessen von einem „verschlossenen, heimtückischen und verschlagenen Psychopathen“, der „phantastischen, kommunistischen Ideen“ anhänge. Am 20. Juni 1940 wurde Grein ins Zuchthaus Ludwigsburg rücküberstellt.

Das Reichssicherheitshauptamt verfügte am 28. November 1941 die Verhängung der „Schutzhaft“ im Anschluss an die Verbüßung der Zuchthausstrafe: Georg Grein wurde daraufhin am 8. Januar 1942 in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert. Am 17. Juni 1942 erfolgte die Überstellung in das Dachauer Außenkommando Bad Ischl. Georg Grein wurde zu einem nicht genannten Zeitpunkt ins Konzentrationslager Dachau/Kommando Kempten überstellt und dort durch die amerikanische Armee schließlich im April 1945 befreit.

In einer behördlichen Anfrage aus dem Jahre 1953 geht hervor, dass Georg Grein zu diesem Zeitpunkt in Radolfzell, Böhringerstr. 25, gemeldet war. Die Einwohnermeldekarte verzeichnet als letzte Meldeadresse davor: Bollstetterstr. 35, bei Josef Paul Bayer, den er im KZ Dachau kennengelernt hatte. Vermerkt ist ferner ein Aufenthalt in der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau nach 1949. Lebende Angehörige waren nicht zu ermitteln.

Recherche: Markus Wolter
Patenschaft: Nicole Niedermüller und Stefan Winkler

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Quellen

Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand E 356 d V: Strafanstalt Ludwigsburg mit Zweiganstalt Hohenasperg: Gefangenenpersonalakten, Georg Alfred Grein: E 356 d V Bü 2597. ITS Bad Arolsen, 22.4.2013: Gef.Buch Strafgefängnis Mannheim, Doc.No. 11797723; Gef.Buch Zuchthaus Ludwigsburg, Doc.No. 78552121; Gef.Buch Zuchthaus Straubing, Doc.No. 11782879, Schreibstubenkarte KZ Dachau, Doc.No. 10653131; Arbeitseinsatz KZ Dachau, Doc.No. 9916501; Häftlingspersonalbogen KZ Dachau, Doc.No. 10076019; Schreiben Wehrmeldeamt Stuttgart, Doc.No. 10076020; Korrespondenzakte T/D-277704, Doc.No. 90577725. Ferner: Schreibstubenkarte von Georg Grein in der Datenbank des KZ Dachau (Steve Morse). Einwohnermeldekarte, Stadtarchiv Radolfzell.

Termine

Der Reichspogrom 1938 am westlichen Bodensee - Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Klöckler in Radolfzell

Der 9. November 1938 im westlichen Bodenseeraum: Opfer – Täter – Zuschauer“

Vortrag in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Radolfzell und des Arbeitskreises „Erinnerung“

„Kaum ein anderes Datum der deutschen Geschichte ist so aufgeladen wie der 9. November 1938. Aus der Perspektive von Opfern und Tätern, aber auch der zahlreichen Zuschauer, sollen die Ereignisse in Radolfzell, auf der Höri sowie im westlichen Bodenseeraum rekonstruiert und in das allgemeine Verfolgungsgeschehen im Deutschen Reich eingebettet werden. Die entscheidende Rolle bei der Zerstörung der Synagogen in Wangen, Gailingen und Randegg kam der in Radolfzell stationierten SS zu. Mit Ekrasit sprengte sie unter der Verantwortung von SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen auch die Konstanzer Synagoge.“ (www.radolfzell.de)

Referent: Prof. Dr. Jürgen Klöckler, Stadtarchiv/Universität Konstanz

Ort: Stadtbibliothek Radolfzell

Zeit: Freitag, 8. November 2019, 19.30 Uhr

2019/11/07 12:56 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Verlegung des Stolpersteins für Karl Teufel

Zum Ersatz des vor rund einem Jahr im Zuge von Straßenbauarbeiten fahrlässig beseitigten und verloren gegangenen Stolpersteins für Karl Teufel wird am 28. Oktober 2019, 16.30 Uhr, in der Konstanzer Str. 30/1 ein von Gunter Demnig neu gefertigtes Exemplar verlegt.

2019/10/28 12:33 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Zum mahnenden Gedenken an die Deportation der badischen und saarpfälzischen Juden nach Gurs im Jahr 1940

Verzeichnis der am 22. Oktober 1940 aus Baden in das Internierunglager Gurs deportierten Juden, Badische Landesbibliothek Karlsruhe.

Aus Baden deportierte Frauen vor ihren Baracken. Camp de Gurs, 1940

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Gedenkstättenort Radolfzell:

Gedenkstätte ehemalige SS-Kaserne Radolfzell, Informationstafel u.a. zur Rolle der Radolfzeller SS bei der „Wagner-Bürckel-Aktion“ 1940

Gurs-Mahnmal (Projekt Neckarzimmern) / Stolperstein Alice Fleischel, Seetorplatz

2019/10/21 23:02 · Markus Wolter · 0 Kommentare

In memoriam Oldřich Sedláček (1919–1949) und Leonhard Oesterle (1916–2009)

Dachauer Schreibstubenkarte. Arolsen Archives, Digitales Archiv.

Anlässlich des 100. Geburtstages von Oldřich Sedláček am 15. September 2019 lädt die Initiative Stolpersteine Radolfzell zu einer Gedenk- und Informationsveranstaltung ein:

„Geführte Radtour zu Stationen der KZ-Häftlinge in Radolfzell“

In Erinnerung an Oldrich Sedlacek und Leonhard Oesterle (1916-2009), denen am 15. November 1943 die Flucht aus dem Dachauer KZ-Außenkommando Radolfzell über den Bodensee in die Schweiz gelang.

Zeit: Sonntag, 15.09.2019 – 15 bis 17 Uhr

Treffpunkt: Gurs-Gedenkstein, Seetorplatz, Radolfzell


Von Jiří Sedláček, dem Sohn von Oldrich Sedláček, erreichte uns die folgende Grußbotschaft aus Kladno, Tschechische Republik:

Dears, I am sending you my heartiest greetings, to Markus Wolter, to his friends and to everybody who will take part in this commemoration for Leonhard Oesterle and my father, Oldřich Sedláček. I feel sorrow not to come and meet you in person, but my health is not allowing me to travel so long way. I will be with you in my mind, My best regards,

Jiří Sedláček

2019/09/02 08:44 · Markus Wolter · 2 Kommentare

Täter-Helfer-Trittbrettfahrer: Prof. Dr. Eugen Fischer (1874-1967)

Eugen Fischer: Der völkische Staat, biologisch gesehen. Berlin 1933. Fotografie: Wikipedia

Vortrag:

Dr. Wolfgang Proske (Hrsg.) / Markus Wolter:

Prof. Dr. Eugen Fischer (1874–1967). Die Freiburger Schule des Rassenwahns

Zeit und Ort:

Dienstag, 28. Mai, 20 Uhr, HS 1009 (Uni Freiburg KGI)

Veranstaltet vom Referat gegen Antisemitismus, Studierendenrat der Universität Freiburg, in Kooperation mit der Fachschaft Geschichte und der Fachschaft Medizin.

https://www.stura.uni-freiburg.de/gremien/referate/gegenantisemitismus

http://www.ns-belastete.de/band_9.html

2019/05/15 16:43 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
stolpersteine/georg_alfred_grein.txt · Zuletzt geändert: 2018/03/20 12:38 von mw
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