Aktuelles
Stolpersteine
Radolfzell
Bodenseeregion
Recherche
Wiki
Karte von Radolfzell

Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Gustav Troll (1895-1979)


Gustav Troll, Passbild um 1950, StAF.

Der am 7. Mai 1895 als Sohn des Landwirts Franz Troll (Wiesengasse 3) in Radolfzell geborene Gustav Troll arbeitete als Werkzeugschleifer bei Allweiler. Zeit seines Lebens war er politisch in der SPD aktiv. Von 1927 bis 1933 erster Vorsitzender des Ortsvereins der SPD, war Gustav Troll von 1928 bis zum Parteiverbot Mitglied des Bürgerausschusses und zuletzt noch für fünf Tage Gemeinderatsmitglied. Die Amtszeit der letzten frei gewählten Gemeinderäte aus SPD, KPD und Zentrumspartei endete nach der „Gleichschaltung“ der kommunalen Selbstverwaltungen faktisch zum 1. Mai 1933.

Im Rahmen der sogenannten „Aktion Gitter“ wurde Gustav Troll am 22. August 1944 von der Geheimen Staatspolizei festgenommen. Die reichsweit geplante und durchgeführte Verhaftungsaktion richtete sich gegen ehemalige Gewerkschafter, Funktionäre und Mandatsträger der SPD, KPD und - eingeschränkt - der Zentrumspartei der Weimarer Republik. Gustav Troll kam zunächst in das Landgerichtgefängnis Konstanz und von dort nach einem Tag in das Konzentrationslager Natzweiler. Nach weiteren zwei Wochen wurde er als politischer Häftling nach Dachau überstellt. Am 24. September wurde er entlassen. Seine Haftdauer beträgt ziemlich genau einen Monat.

Gustav Troll selbst erklärte, dass ihm der Grund seiner Verhaftung bis zuletzt nicht mitgeteilt wurde. Er habe jedoch angenommen, dass es mit seiner Tätigkeit als Mitglied von SPD und Bürgerausschuss zu tun hatte.

Vom Landesamt für Wiedergutmachung wurde Gustav Troll als Verfolgter des Nazi-Regimes anerkannt. Über die Kriterien einer solchen Anerkennung wurden die Opfer der Aktion „Gitter“ von den Behörden wie folgt belehrt:

„Ihr hier vorliegender Antrag kann von uns dem MdF. Abt. IV erst vorgelegt werden, wenn nachgewiesen ist, dass Sie wegen Ihrer politischen Haltung verfolgt worden sind. Die Tatsache allein, dass Sie im Zuge der Himmleraktion in KZ-Lager eingeliefert worden sind, genügt nicht für die Inanspruchnahme des Wiedergutmachungsgesetzes. Vielmehr muss nachgewiesen werden, dass Sie wegen Ihrer gegnerischen Haltung zum NS inhaftiert worden sind.“

Für die erlittene KZ-Haft erwirkte Troll schließlich eine geringe Entschädigungszahlung, nachdem er nachweisen konnte, dass seine „politische Haltung“ Grund für seine Verfolgung war.


Stolperstein für Gustav Troll, Ratoldusstr. 39, Radolfzell, verlegt am 11. September 2015.

Von 1945 bis 1975 war Gustav Troll Stadtrat und zweiter Bürgermeisterstellvertreter. Für NS-Verfolgte der SPD trat er im Rahmen von deren Wiedergutmachungsverfahren als Bürge und Zeuge ein, so etwa für Julius Fuchs und Hermann Klein. Troll arbeitete während dieser langen Zeit in vielen Ausschüssen und Gremien der Stadt und erwarb sich große Verdienste. Daneben war er nach dem Krieg 13 Jahre lang erster Vorsitzender der Radolfzeller SPD (1946 - 1959).

Die Stadt verlieh ihm 1974 die Ehrenbürgerwürde. Gustav Troll starb 1979 in Radolfzell. Nach Troll ist die Gustav-Troll-Str. in Radolfzell benannt.

Er war verheiratet, hatte jedoch keine Kinder. Sein Bruder Ernst Troll hatte eine Tochter, Ulrike Troll, und drei Söhne, Arnold, Karl und Werner Troll. Als Angehörige von Gustav Troll leben in Singen Ulrike Troll und in Radolfzell die Witwe seines Neffen Arnold, Erika Knauth-Troll.

Recherche: Markus Wolter
Patenschaft: SPD Radolfzell

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite ist nicht gemeinfrei im Sinne der ansonsten in diesem Wiki geltenden Creative Commons CC 3.0 Lizenz.

Quellen:

Staatsarchiv Freiburg - F 196/1 Nr. 1611, Landesamt für die Wiedergutmachung. ITS Bad Arolsen, Gef. Buch Landgerichtsgefängnis Konstanz, Doc.No. 12058119; Häftlingsfragebogen KZ Natzweiler, Doc.No. 3242305; Schreibstubenkarte Gustav Troll, KZ Dachau, lt. Häftlingsdatenbank Steve Morse (ITS Doc.No. 10768664).

Termine

In memoriam Oldřich Sedláček (1919–1949) und Leonhard Oesterle (1916–2009)

Dachauer Schreibstubenkarte. Arolsen Archives, Digitales Archiv.

Anlässlich des 100. Geburtstages von Oldřich Sedláček am 15. September 2019 lädt die Initiative Stolpersteine Radolfzell zu einer Gedenk- und Informationsveranstaltung ein:

„Geführte Radtour zu Stationen der KZ-Häftlinge in Radolfzell“

In Erinnerung an Oldrich Sedlacek und Leonhard Oesterle (1916-2009), denen am 15. November 1943 die Flucht aus dem Dachauer KZ-Außenkommando Radolfzell über den Bodensee in die Schweiz gelang.

Zeit: Sonntag, 15.09.2019 – 15 bis 17 Uhr

Treffpunkt: Gurs-Gedenkstein, Seetorplatz, Radolfzell


Von Jiří Sedláček, dem Sohn von Oldrich Sedláček, erreichte uns die folgende Grußbotschaft aus Kladno, Tschechische Republik:

Dears, I am sending you my heartiest greetings, to Markus Wolter, to his friends and to everybody who will take part in this commemoration for Leonhard Oesterle and my father, Oldřich Sedláček. I feel sorrow not to come and meet you in person, but my health is not allowing me to travel so long way. I will be with you in my mind, My best regards,

Jiří Sedláček

2019/09/02 08:44 · Markus Wolter · 2 Kommentare

Täter-Helfer-Trittbrettfahrer: Prof. Dr. Eugen Fischer (1874-1967)

Eugen Fischer: Der völkische Staat, biologisch gesehen. Berlin 1933. Fotografie: Wikipedia

Vortrag:

Dr. Wolfgang Proske (Hrsg.) / Markus Wolter:

Prof. Dr. Eugen Fischer (1874–1967). Die Freiburger Schule des Rassenwahns

Zeit und Ort:

Dienstag, 28. Mai, 20 Uhr, HS 1009 (Uni Freiburg KGI)

Veranstaltet vom Referat gegen Antisemitismus, Studierendenrat der Universität Freiburg, in Kooperation mit der Fachschaft Geschichte und der Fachschaft Medizin.

https://www.stura.uni-freiburg.de/gremien/referate/gegenantisemitismus

http://www.ns-belastete.de/band_9.html

2019/05/15 16:43 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Vier Filme zum Nationalsozialismus in Überlingen, Radolfzell, Schwarzwald

Gedenkveranstaltung in Überlingen änlässlich des 74. Jahrestages des Kriegsendes

Anlässlich des 74. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges bringt die KulturKiste Überlingen e. V. am Sonntag, 12. Mai 2019 im Rahmen ihrer jährlichen Gedenkveranstaltung „Vier Filme zum Thema Nationalsozialismus in Überlingen, Radolfzell und im Schwarzwald“.

Zu Überlingen werden die beiden Dokumentarfilme über den „Goldbacher Stollen“ „Unter Deutschlands Erde“ von Didi Danquart (BRD 1983) (10.00 Uhr + 19.00 Uhr) sowie „Wie Dachau an den See kam …“ von Jürgen Weber (D 1995) (11.00 Uhr + 18.00 Uhr) gezeigt.

Der Film "Leichen im Keller" von Günter Köhler (D 2010) handelt von Radolfzell im Nationalsozialismus sowie den späteren Umgang damit. (12.00 Uhr + 17.00 Uhr). Darüber hinaus wird um 13.00 Uhr, sowie um 15.00 Uhr der Spielfilm „Viejud Levi“ von Didi Danquart gezeigt, der den Nationalsozialismus in einem Schwarzwaldtal behandelt.

Das Gesamtprogramm findet sich unter: www.kulturkiste-ueberlingen.eu

Wann: Sonntag, 12. Mai 2019

Wo: Kulturbahnhof Nussdorf / Die Rampe, Nussdorfer Str. 100, Überlingen

Eintritt Frei / Spende erwünscht

2019/05/05 14:56 · sw · 0 Kommentare

Eröffnung der Ausstellung: "Ein Panzer gegen die hässliche Zeit" - Hermann Hesses "Glasperlenspiel" im "Dritten Reich"

„1943 veröffentlichte Hermann Hesse seinen letzten Roman in kleiner Auflage in der Schweiz, erst Ende 1946 wurde „Das Glasperlenspiel“ auch einem größeren Publikum in Deutschland bekannt. Ursprünglich hätte „Das Glasperlenspiel“ schon 1942 in Berlin erscheinen sollen, doch die NS-Behörden verweigerten die Druckgenehmigung. Seinem Sohn Heiner teilte Hesse 1942 resigniert mit, „dass das Buch nun also die Leser, für die es bestimmt war, nicht erreicht“.“

Ort: Hesse Museum, Kapellenstr. 8, Gaienhofen

Zeit: 17. März 2019, 11.00 Uhr

http://www.hesse-museum-gaienhofen.de

2019/03/16 09:23 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"Wie Dachau an den See kam..."

Filmvorführung und Gespräch mit der Zeitzeugin Dr. Grete Leutz und dem Regisseur Jürgen Weber am 27. Januar 2019 in Konstanz

Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wird in einer Gedenkveranstaltung der regionalhistorische Dokumentarfilm „Wie Dachau an den See kam …“ zur Geschichte des KZ-Außenlagers in Überlingen gezeigt.

Es ist geplant, dass an diesem Abend neben dem Filmemacher Jürgen Weber auch die Überlinger Zeitzeugin Dr. Grete Leutz anwesend sein wird. Als junge Frau wurde sie fast täglich Zeugin des Zuges der KZ-Häftlinge vom Lager Aufkirch zur Überlinger Stollenanlage. In der Außenstelle Überlingen des KZ Dachau mussten ab Oktober 1944 rund 800 Häftlinge einen Stollen in den Molassefelsen treiben, um die Friedrichshafener Rüstungsindustrie am Bodensee „bombensicher“ unterzubringen. Bis April 1945 liefen viermal pro Tag die Kolonnen der Häftlinge - schwer bewacht durch die SS - durch den Überlinger Westen.

Der Film zeichnet mit Aussagen zweier ehemaliger Häftlinge, mit den Erinnerungen von damals jungen Menschen aus Überlingen und mit Fachleuten die Geschichte der KZ-Außenstelle Überlingen nach. Aufgrund seiner regionalhistorischen Bedeutung und teilweise einmaliger Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen wurde der Film aus dem Jahr 1995 als Retrospektive 2017 neu in der Reihe „Zeitgeschichtliche Kurz- und Dokumentarfilme“ aufgelegt.

Termin: 27. Januar 2019

Zeit: 19:30 – 21:00 Uhr

Ort: Wolkenstein-Saal (Kulturzentrum am Münster), Konstanz

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturamt der Stadt Konstanz, vhs Landkreis Konstanz e. V. DIG Bodensee Region, Gesellschaft für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit e.V. Konstanz und weitere

Eintritt: frei

2019/02/11 23:45 · sw · 0 Kommentare
 
stolpersteine/gustav_troll.txt · Zuletzt geändert: 2019/01/30 20:36 von mw
Recent changes RSS feed Creative Commons License Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki