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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Hermann Klein (1886-1964)


Hermann Klein und Familie, Neuhausen, Sommer 1951. Fotografie in Privatbesitz, Karl Heinrich Klein, Schaffhausen.

Der im schweizerischen Neuhausen, Schaffhausen, geborene Hermann Klein arbeitete als Werkzeugschmied bei Allweiler. Verheiratet war er mit Emma Luise Schaller aus Pohlitz (Greiz) (1887-1969). Das Paar hatte zwei Söhne, Willi und Rudolf Klein (geb. 1911 und 1914), die als Angehörige der Wehrmacht beide 1943 in Russland umkamen.

Hermann Klein war von 1920 bis 1933 Mitglied der SPD und gehörte 1930 zum letzten frei gewählten Radolfzeller Gemeinderat vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. Klein gehörte ferner dem evangelischen Kirchengemeinderat der evangelischen Kirchengemeinde Radolfzell an und war dort von 1926 bis 1959 Kirchenältester.

Nachdem zum 1. Mai 1933 im Rahmen der (Selbst-) „Gleichschaltung“ und Parteiverbote der Radolfzeller Gemeinderat von sieben auf drei Parteien (NSDAP, Zentrum, SPD) reduziert worden war, verblieben von den 1930 frei gewählten Ratsherren nur noch Hermann Klein für die SPD und drei Angehörige des Zentrums in dem ansonsten von NSDAP-Angehörigen dominierten Gremium, das ab 1. September 1933 ganz von Nationalsozialisten besetzt war.

Ebenso wie die ehemaligen Bürgerausschuss-Mitglieder Julius Fuchs (SPD), Gustav Troll (SPD), Johann Baptist Kaiser (SPD) und Karl Teufel (KPD) wurde auch Hermann Klein im Rahmen der Aktion „Gitter“ am 22. August 1944 durch die Geheime Staatspolizei in Radolfzell verhaftet, in das Landgerichtsgefängnis Konstanz eingeliefert und von dort am 23. August 1944 in das Konzentrationslager Natzweiler verschleppt; Häftlings-Kategorie: „Schutzhaft“, politisch. Die reichsweit geplante und durchgeführte Verhaftungsaktion richtete sich gegen Gewerkschafter und ehemalige Funktionäre und Mandatsträger der SPD, der KPD und - eingeschränkt - der Zentrumspartei.

Am 6. September 1944 überstellte man Klein in das Konzentrationslager Dachau. Klein wurde schließlich am 25. September 1944 aus dem Dachauer Außenlager Allach entlassen.

Hermann Klein überlebte, kam nach Radolfzell zurück und beantragte 1950 vom „Landesamt für die Wiedergutmachung“ seine Anerkennung als Verfolgter des Nationalsozialismus. Über den behördlichen Entscheid bzw. eine evtl. zugesprochene Wiedergutmachungszahlung finden sich keine Belege in seiner Akte.

Hermann Klein starb 1964 im Alter von 78 Jahren in der Psychiatrischen Anstalt Reichenau; seine Frau fünf Jahre später, ebenfalls in Reichenau.


Stolperstein für Hermann Klein, Johannisstr. 7, Radolfzell, verlegt am 11. September 2015.

Das Wohnhaus der Familie Klein, Johannisstraße 7, stand linksseitig zwischen der alten Querung der Schiesserstr. im Süden und der Querung der Hadwigstr im Norden. (= Hausnummern 3-9). Das Haus Nummer 7 war nach Hermann Kleins Tod an die Schiesser-AG verkauft worden, die es bald darauf abreißen ließ. Die Verlegestelle des Stolpersteins liegt in etwa vor der nördlichen, der beiden heute dort befindlichen Holzbänke.

Ein lebender Angehöriger ist Karl Heinrich Klein, Schaffhausen, Sohn von Karl Klein, Neuhausen (Schweiz), eines Neffen von Hermann Klein.

Recherche: Markus Wolter
Patenschaft: SPD Radolfzell

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Quellen:

Staatsarchiv Freiburg - F 196/1 Nr. 156, Landesamt für die Wiedergutmachung; D 180/2 Nr. 223218, Spruchkammer Südbaden: DNZ-Akten; Schreibstubenkarte Hermann Klein, KZ Dachau, lt. Häftlingsdatenbank Steve Morse. Nachweis des Todesdatums und der Beerdigung - auch von Kleins Ehefrau Emma Klein, geb. Schaller - auf dem Radolfzeller Stadtfriedhof: Friedhofsverwaltung Radolfzell; mündliche Auskunft: Karl Heinrich Klein, Schaffhausen.

Termine

Eröffnung der Ausstellung: "Ein Panzer gegen die hässliche Zeit" - Hermann Hesses "Glasperlenspiel" im "Dritten Reich"

„1943 veröffentlichte Hermann Hesse seinen letzten Roman in kleiner Auflage in der Schweiz, erst Ende 1946 wurde „Das Glasperlenspiel“ auch einem größeren Publikum in Deutschland bekannt. Ursprünglich hätte „Das Glasperlenspiel“ schon 1942 in Berlin erscheinen sollen, doch die NS-Behörden verweigerten die Druckgenehmigung. Seinem Sohn Heiner teilte Hesse 1942 resigniert mit, „dass das Buch nun also die Leser, für die es bestimmt war, nicht erreicht“.“

Ort: Hesse Museum, Kapellenstr. 8, Gaienhofen

Zeit: 17. März 2019, 11.00 Uhr

http://www.hesse-museum-gaienhofen.de

2019/03/16 09:23 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"Wie Dachau an den See kam..."

Filmvorführung und Gespräch mit der Zeitzeugin Dr. Grete Leutz und dem Regisseur Jürgen Weber am 27. Januar 2019 in Konstanz

Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wird in einer Gedenkveranstaltung der regionalhistorische Dokumentarfilm „Wie Dachau an den See kam …“ zur Geschichte des KZ-Außenlagers in Überlingen gezeigt.

Es ist geplant, dass an diesem Abend neben dem Filmemacher Jürgen Weber auch die Überlinger Zeitzeugin Dr. Grete Leutz anwesend sein wird. Als junge Frau wurde sie fast täglich Zeugin des Zuges der KZ-Häftlinge vom Lager Aufkirch zur Überlinger Stollenanlage. In der Außenstelle Überlingen des KZ Dachau mussten ab Oktober 1944 rund 800 Häftlinge einen Stollen in den Molassefelsen treiben, um die Friedrichshafener Rüstungsindustrie am Bodensee „bombensicher“ unterzubringen. Bis April 1945 liefen viermal pro Tag die Kolonnen der Häftlinge - schwer bewacht durch die SS - durch den Überlinger Westen.

Der Film zeichnet mit Aussagen zweier ehemaliger Häftlinge, mit den Erinnerungen von damals jungen Menschen aus Überlingen und mit Fachleuten die Geschichte der KZ-Außenstelle Überlingen nach. Aufgrund seiner regionalhistorischen Bedeutung und teilweise einmaliger Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen wurde der Film aus dem Jahr 1995 als Retrospektive 2017 neu in der Reihe „Zeitgeschichtliche Kurz- und Dokumentarfilme“ aufgelegt.

Termin: 27. Januar 2019

Zeit: 19:30 – 21:00 Uhr

Ort: Wolkenstein-Saal (Kulturzentrum am Münster), Konstanz

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturamt der Stadt Konstanz, vhs Landkreis Konstanz e. V. DIG Bodensee Region, Gesellschaft für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit e.V. Konstanz und weitere

Eintritt: frei

2019/02/11 23:45 · sw · 0 Kommentare

Uraufführung: Gerron

Im Stadttheater Konstanz wird am 2.2.2019 das Stück „Gerron“ von Charles Lewinsky uraufgeführt. Regisseurin ist Annette Gleichmann.

Das Stück basiert auf der wahren Geschichte des jüdischen Künstlers Kurt Gerron. Als Frontsoldat und Arzt im 1. Weltkrieg kämpfend, mehrfach schwer verletzt, wurde er später im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet. Er floh 1933 zunächst nach Paris, dann nach Österreich, Italien und in die Niederlande, wo er 1943 interniert wurde. Im Jahr 1944 wurden er und seine Familie in das KZ Theresienstadt deportiert. Seine Mitwirkung als Regisseur an dem im KZ gedrehten Propagandafilm “Theresienstadt“ schützte ihn nicht vor der Deportation nach Auschwitz, wo er ebenso wie die 1600 mitwirkenden Kinder nach Ende der Dreharbeiten vergast wurde.

Uraufführung: 2.2.2019, Theaterwerkstatt Inselgasse, 20 Uhr

Ticketreservierung und weitere Spielzeiten: Gerron

Quelle: Stadttheater Konstanz

2019/02/02 13:14 · sw · 0 Kommentare

Vor 80 Jahren: Aktion "T4" - "Denkmal der Grauen Busse" 2019 im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen

Wirtschaftsgebäude von Grafeneck, Personal der als Tarnorganisation eingerichteten „Gemeinnützigen Krankentransport GmbH (Gekrat)“; einer von drei Bussen der Gekrat, mit denen ab Januar 1940 geistig und körperlich behinderte und psychisch kranke Menschen aus Pflegeeinrichtungen und Heilanstalten (wie z. B. Freiburg, Emmendingen und Reichenau, Konstanz) in die Vernichtungsanstalt Grafeneck gebracht wurden. Innerhalb eines Jahres wurden in der Gaskammer von Grafeneck 10.654 Menschen ermordet. Fotografie: Gedenkstätte Grafeneck

Die Radolfzeller Opfer der Aktion "T4" 1939-1941 waren Patient/innen der psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalten Reichenau, Emmendingen und Wiesloch, der Kreispflegeanstalt Geisingen, der Universitätsnervenklink Freiburg und/oder minderjährige „Pfleglinge“ der St. Josefsanstalt Herten und davor in Kinderheimen in Freiburg, Konstanz und Sigmaringen untergebracht:

Maria Amann 1899-1941 | Frieda Armbruster 1890-1940 | Alwin Bödler 1883-1940 | Walter Böhler 1934-1940 | Emma Braun 1886-1940 | Albertine Hässig 1890-1940 | Nikolaus Honsell 1887-1940 | Otto Hans Keller 1893-1940 | Leopold Kohler 1887-1940 | Anna Ronkat 1904-1940 | Josefa Trost, geb. Klaus 1878-1940 | Helmut Waller 1920-1940 | Berta Welschinger 1902-1940 | Elisabeth Welschinger 1931-1940

"Denkmal der grauen Busse" 2019 im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen.

Montag, 28. Januar 2019, 11.00 Uhr Eröffnungsveranstaltung zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus

Ort: Festhalle des Zentrums für Psychiatrie Emmendingen

Programm: Kranzniederlegung und Gedenkminute am Denkmal im ZfP Emmendingen Begrüßung Michael Eichhorst, Geschäftsführer ZfP Emmendingen und Calw

Vortrag „Erinnern, gedenken, bilden: Oder: Wie können wir in unseren psychiatrischen Kliniken mit der NS Vergangenheit umgehen?“

Referent: Prof. Dr. med. Thomas Müller, Leiter des Forschungsbereichs Geschichte und Ethik in der Medizin am ZfP Südwürttemberg / Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I der Universität Ulm. Er ist Leiter des Württembergischen Psychiatriemuseums und Koordinator der Historischen Forschung der Zentren für Psychiatrie in Baden-Württemberg.

Eröffnung und Ausstellung des Denkmals der Grauen Busse

Zu den weiteren Veranstaltungen des Begleitprogramms 2019:

Download (PDF)

Beschlussvorlage - Zur Umbenennung des "Landserwegs" in "Fritz-Klose-Weg"

Der „Landserweg“ im Dezember 2018, links die alte Mauereinfassung des Kasernenareals, rechts die Wohnblöcke der ehemaligen SS-Siedlung. Fotografie: Markus Wolter

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In seiner Sitzung am 27. November 2018 wird der Radolfzeller Gemeinderat über eine Straßenumbenennnung entscheiden. Der durch den einschlägigen NS-Kontext in die Kritik geratene „Landserweg“ - zwischen ehemaliger SS-Kaserne und SS-Wohnsiedlung - soll nach einer im Sommer 2018 an den Ältestenrat übermittelten Initiativanfrage umbenannt werden. Nach ensprechender Empfehlung des Ältestenrats folgte eine nochmalige, quellengestützte Überprüfung der Sachlage und Stellungnahme durch die Abteilung Stadtgeschichte. In der Initiativanfrage war von Markus Wolter die Umbennung des „Landserwegs“ in „Fritz-Klose-Weg“ vorgeschlagen worden, benannt nach dem neben Jacob Dörr zweiten nachweislichen Todesfall eines KZ-Häftlings im Außenkommando Radolfzell. Alternativ schlägt die Abteilung Stadtgeschichte die historisch überlieferte Flurbezeichnung „Am Entennest“ (sic) vor.

Beschlussvorlage:abgerufen auf: Ratsinformationssystem, Sitzungskalender (PDF)

2018/11/23 20:57 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
stolpersteine/hermann_klein.txt · Zuletzt geändert: 2019/01/06 22:58 von mw
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