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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Julius Fuchs (1888-1958)

Julius Fuchs, geboren am 6. März 1888, gestorben am 12. Juni 1958, war ein Radolfzeller Sozialdemokrat und Mitglied des Bürgerausschusses. Zur Zeit der nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen gegen ihn lebte er in der Zangererstr. 10.

Der ausgebildete Schlosser arbeitete als Werkmeister bei Allweiler. Julius Fuchs war mit Gertrud Otten verheiratet und Vater zweier Kinder.


Werksgelände der Allweiler AG (links), Zangererstraße und Baracken des ehemaligen "Allweiler-Lagers" für russische und polnische Zwangsarbeiter. Fotografie (Ausschnitt) um 1955. Sammlung Markus Wolter.

Seit 1919 war Julius Fuchs Mitglied der SPD und langjähriger Schriftführer des SPD-Ortsvereins Radolfzell. Von 1923 bis 1933 vertrat er die SPD im Radolfzeller Bürgerausschuss. Julius Fuchs wurde im Rahmen der sogenannten Aktion „Gitter“ am 22. August 1944 durch die Geheime Staatspolizei verhaftet, in das Landgerichtsgefängnis Konstanz eingeliefert und von dort am 23. August 1944 in das Konzentrationslager Natzweiler verschleppt.

Die Aktion „Gitter“ (auch Aktion „Gewitter“ oder „Himmleraktion“ genannt) war eine umfassende Verhaftungsaktion der Gestapo nach dem gescheiterten Attentat des 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler. Sie richtete sich gegen ehemalige Funktionäre und Mandatsträger der bürgerlichen Parteien der Weimarer Republik.

Am 6. September 1944 wurde er in das Konzentrationslager Dachau überstellt und dort am 24. September 1944 entlassen. Zwei Jahre nach dem Krieg beschreibt Julius Fuchs seine Verhaftung rückblickend wie folgt: „Am 22. August 1944 wurde ich morgens 5.45 Uhr im Bahnhof Radolfzell durch den Gestapo Lehmann von Konstanz verhaftet und ohne jede Erklärung durch einen Radolfzeller Polizeibeamten nach Konstanz in das dortige Landgerichtsgefängnis eingeliefert. Am 23. August wurde ich mit noch mehreren Gesinnungsgenossen nach dem KZ Natzweiler im Elsass verbracht. Anfang September 1944 wurde das Lager geräumt und wir kamen alle nach Dachau in das dortige KZ. Hier wurden wir auf das energische Drängen von Angehörigen zweier Radolfzeller Häftlinge am 24. September 1944 entlassen.” Eine solche Intervention ist aufgrund der rigiden Lagerordnung jedoch sehr unwahrscheinlich.

Der SPD-Ortsverein bescheinigte Julius Fuchs am 7.11.1950, dass er in Radolfzell als „Gegner des Hitlersystems“ bekannt gewesen sei. Die „Badische Landesstelle für die Betreuung der Opfer des NS“ hatte ihn bereits 1946 als „aufrechten Antifaschisten“ gewürdigt.


Stolperstein für Julius Fuchs, Zangererstr. 10, Radolfzell, verlegt am 11. September 2015.

Über die Voraussetzungen, als Opfer der Aktion „Gitter“ Anspruch auf „Wiedergutmachung“ zu haben, wurde Julius Fuchs von den Behörden 1950 wie folgt belehrt:

„Ihr hier vorliegender Antrag kann von uns dem MdF. Abt. IV erst vorgelegt werden, wenn nachgewiesen ist, dass Sie wegen Ihrer politischen Haltung verfolgt worden sind. Die Tatsache allein, dass Sie im Zuge der Himmleraktion in KZ-Lager eingeliefert worden sind, genügt nicht für die Inanspruchnahme des Wiedergutmachungsgesetzes. Vielmehr muss nachgewiesen werden, dass Sie wegen Ihrer gegnerischen Haltung zum NS inhaftiert worden sind.“

Für die erlittene KZ-Haft erwirkte Julius Fuchs vom Landesamt für Wiedergutmachung schließlich eine Entschädigungszahlung von DM 160,–, nachdem er nachweisen konnte, dass seine „politische Haltung“ Grund für seine Verfolgung war.

Lebende Angehörige sind bislang nicht zu ermitteln. Sein Sohn Karl Fuchs pflegte das Familiengrab bis zur Einebnung 1997.

Recherche: Markus Wolter
Patenschaft: SPD Radolfzell

Quellen:

Wiedergutmachungsakte, StAF 196/1, Nr. 1849. Schreibstubenkarte Julius Fuchs, KZ Dachau, lt. Häftlingsdatenbank Steve Morse; Einwohnermeldekarte, Stadtarchiv Radolfzell (StAR); zu den Friedhofsakten: Friedhofsverwaltung Radolfzell.

Termine

Performance "508 ... Gegen das Vergessen"

Freitag, 11.08.2017, um 14:00 Uhr am Mahnmal im ZfP Reichenau

Im Gedenken an die 1940/41 im Rahmen der NS-Euthanasie ermordeten 508 Patienten in Reichenau schuf der Konstanzer Künstler Alexander Gebauer 1988 das „Mahnmal für die Opfer der NS-Euthanasie“ auf dem Gelände des ZfP. In Verbindung mit diesem Kunstwerk findet eine bewegende Aufführung, changierend zwischen Konzert und Performance, mit Bernhard Thomas Klein (Musiker und Komponist), Christine Koch (Bildhauerin) und Andieh Merk (Musiker) statt.

Weitere Informationen und den genauen Ablauf können Sie dem angefügten Faltblatt entnehmen: Faltblatt (6,4 MB)

Bitte beachten Sie, dass die Veranstaltung bei jedem Wetter unter freiem Himmel stattfindet. Es werden einfache Sitzgelegenheiten und Pavillons als Sonnen- oder Regenschutz zur Verfügung stehen.

Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltung wird organisiert und durchgeführt vom ZfP Reichenau und der Reihe „Kunst belebt“ des BodenseeKulturraum e.V., unterstützt von der Kunststiftung Landkreis Konstanz.

2017/08/07 20:08 · sw · 0 Kommentare

Duft der Steine - Theaterstück von Gerhard Zahner

Regie: Waltraud Rasch

Uraufführung: 21. September 2017

weitere Aufführungen 22.,23. September 6.,7., 20.,21. Oktober

Zeit: 20 Uhr

Ort: Theater-Zeller-Kultur, Fürstenbergstrasse 7a, 78315 Radolfzell

Karten: kartenbestellung@zellerkultur.de, Tel. 07732 8233941

Alice Fleischel wollte mit ihrem Sohn Günther nach dessen Entlassung die Flucht nach Brasilien wagen, aus diesem Grund wartete sie im Frühling 1940 im Hotel Schiff in Radolfzell auf ihn. Zu diesem Zeitpunkt in ihrer Geschichte setzt unser Theaterstück ein. Hier wird „unsübersteigend“ und beklemmend das Seelenleben eines Flüchtlings aufgezeigt. Wie Alice Fleischel im Schatten der Angst, des Misstrauens und der Ungerechtigkeit auf sich allein gestellt leben muss. In Ungewissheit und Schmerz, den widrigen Umständen zum Trotz zwischen vier Wänden ausharrt. Ihr einziger Berührungspunkt zur Außenwelt und der einzige warme Lichtblick in ihrem Leben ist der Hotelier Strudel, der sie beschützt. Obwohl sie ohne festen Wohnsitz und nur auf Fremdenzettel gemeldet ist, unterlässt er es die vorgeschriebene Anzeige zu erstatten. Auch als der Bürgermeister im Sommer 1940 anordnet, dass die Jüdin Stadt und Hotel zu verlassen habe, gewährt ihr Strudel weiter Obdach und riskiert dabei sein eigenes Leben.

2017/07/18 19:08 · sw · 0 Kommentare

"Täter, Helfer, Trittbrettfahrer", NS-Belastete aus Südbaden - Buchvorstellung/Vortrag zu Dr. Conrad Gröber (1872-1948), Münsterpfarrer von Konstanz, Erzbischof von Freiburg, förderndes Mitglied der SS.

Vortrag von Dr. Wolfgang Proske:

„Dr. Conrad Gröber: 'Deutschehrlich' und 'überreiche Register im Orgelwerk seiner Seele…'

Veranstalter: seemoz e.V.

Veranstaltungsort: Treffpunkt Petershausen, Georg-Elser-Platz 1, 78467 Konstanz

Datum: Dienstag, 4. April 2017

Beginn: 19.30 Uhr

Dr. Conrad Gröber: „Constantia. Das Konstanzer Lied“. Zeitgenössische Kunstkarte (Linolschnitt v. August Krumm, der das Lied auch vertonte), gelaufen 1938. Sammlung Markus Wolter

Ankündigung im seemoz

Zur Buchreihe:

http://ns-belastete.de/index.html

2017/03/09 13:37 · Markus Wolter

Politischer Widerstand in Konstanz während des Nationalsozialismus

Vortrag von Dr. Uwe Brügmann am 27. Januar 2017 um 19:30 Uhr im Astoria-Saal der vhs Konstanz. Eine Veranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Es waren vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten, die in vielfältiger Form Widerstand leisteten; Widerstand aus der bürgerlichen Mitte (Zentrumspartei) ist in Konstanz bislang nicht belegt. Zum Widerstand gehörte der Schmuggel von politischen Broschüren aus der Schweiz nach Deutschland, Sabotage in Betrieben, Fluchthilfe in die Schweiz, kommunistische Propaganda, Abhören von ausländischen Sendern und, weit verbreitet, Schimpfen über die politischen Verhältnisse und nationalsozialistische Funktionsträger. Auch die religiös motivierte Weigerung der Zeugen Jehovas, sich den nationalsozialistischen Machthabern unterzuordnen, war politischer Widerstand, denn wer den Hitlergruß und den Wehrdienst verweigerte, opponierte offen und für jedermann sichtbar gegen das NS-Regime. Das totalitäre NS-Regime ging gegen die Konstanzer Frauen und Männer, die den Mut zum Widerstand hatten, mit äußerster Härte vor; einige von ihnen wurden durch Sondergerichte zum Tod verurteilt, viele andere wurden zu langjährigen Haftstrafen in Gefängnissen oder Konzentrationslagern verurteilt.

Der Vortrag beleuchtet die verschiedenen Formen des politischen Widerstands in Konstanz, untersucht die Motive der Akteure und die Rolle der verbotenen SPD und KPD, vor allem aber soll an die Einzelschicksale jener Menschen erinnern werden, die in der dunklen Zeit des Nationalsozialismus den Mut hatten, Widerstand gegen ein unmenschliches System leisteten.

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturbüro der Stadt Konstanz, vhs Konstanz-Singen e.V.

2016/12/15 23:12 · sw · 0 Kommentare

Hesse-Museum Gaienhofen: Szenische Lesung, Buchvorstellung und Vortrag über den NS-Aktivisten, Arzt und Schriftsteller Dr. Ludwig Finckh (1876-1964)

Ludwig Finckh mit Stabsoffizieren der Waffen-SS aus Radolfzell, Posen-Treskau und Lauenburg/Pommern bei einem Ortstermin in Gaienhofen, „Auf Heiden“, August 1943. Fotografie: Stadtarchiv Reutlingen.

Im Anschluss an die szenische Lesung des Bühnenstücks „Sonnwend“ von Gerhard Zahner - Vortragender Jo Vossenkuhl und Haro von Eden (Klarinette) - wird Dr. Wolfgang Proske den 2016 erschienenen Band "NS-Belastete aus dem Bodenseeraum" aus der Reihe „Täter, Helfer, Trittbrettfahrer“ vorstellen.

Markus Wolter, einer der Buchautoren, spricht zum Thema seines Aufsatzes: “'Blutsbewusstsein' - Dr. Ludwig Finckh und die SS“.

Ort: Hesse-Museum Gaienhofen

Datum: 18. November 2016

Zeit: 19.00 Uhr

Veranstalter: Hesse-Museum Gaienhofen

2016/11/12 13:24 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
stolpersteine/julius_fuchs.txt · Zuletzt geändert: 2016/10/30 09:38 von mw
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