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Karte von Radolfzell

Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Lotte Bleicher, geb. Goldberg (1899–1972), und Josef Bleicher (1887–1972)

Das aus Galizien stammende jüdische Ehepaar Lotte Bleicher, geb. Goldberg (23.02.1899, Strzyzów, – 14.11.1972, Haifa), und Josef Bleicher (16.12.1887, Swilcza, – 07.03.1972, Haifa) lebte ab März 1924 in der Schützenstr. 15, 1925 in der Friedrich­straße 4 und ab 9.6.1933 schließlich in der Höllstr. 1, Radolfzell.

Josef Bleicher, Sohn von Frieda Bleicher, geb. Silbermann und Hermann Bleicher, war seit dem 11. Februar 1910 in der Stadt gemeldet und nahm am Ersten Weltkrieg teil. 1918 kam er vom Kriegsdienst zurück und bezog eine Wohnung am Luisenplatz 7.

Im Mai 1936 sahen sich die Bleichers in Folge der antijüdischen Boykott­maßnahmen ab April 1933 gezwungen, ihr seit 1924 bestehendes Textil- und Schuhwarengeschäft in der Schützenstraße, später Adolf-Hitler-Str. 1 (neben dem Hotel „Sonne-Post“), aufzulösen und die restlichen Lagerbestände zu verkaufen. Die reichsweite Boykottaktion der Nazis gegen jüdische Geschäfte, Warenhäuser, Banken, Arztpraxen, Rechtsanwalts- und Notarskanzleien ab 1. April 1933 hatte in Radolfzell in den Maßnahmen gegen Lotte und Josef Bleicher ihre konkrete Ausprägung, Entsprechung und Wirkung.

Das so „arisierte“ Textilgeschäft ging mit Kaufvertrag vom 1. Mai 1936 am 1. September 1936 an die Firma “(Carl) Renk & (Franz) Esser“ über, die für das noch vorhandene Warenlager einen Betrag von RM 40.000,– zahlten.

Unter den in Radolfzell offenkundigen Repressionen und der sich abzeichnenden Bedrohung lösten die Bleichers auch ihre Wohnung in der Höllstr. 1 auf und zogen noch für vier Monate in eine möblierte Zweizimmerwohnung in Konstanz. Im März 1937 gingen sie zunächst ins belgische Antwerpen zu Eltern und Geschwistern Lotte Bleichers und emigrierten Mitte April 1937 schließlich nach Haifa, Palästina. Wie für alle jüdischen Emigranten nach 1933 bestand auch für die Bleichers bei ihrer „durch die Rassenverfolgung bedingten Auswanderung“ (BEG) keine Möglichkeit, ihr Vermögen in das Emigrationsland zu transferieren; es wurde nach Maßgabe des sogenannten „Reichsflucht­steuer-Gesetzes“ von 1934 als Zwangsabgabe vom NS-Staat vollständig eingefordert. Insgesamt summierten sich die Verluste an Einkommen und Vermögen durch „Arisierung“, Verfolgung und Flucht nachweislich auf RM 266963. Die durch und nach ihrer Emigration nahezu mittellos gewordenen Bleichers lebten von der Unterstützung durch die Angehörigen Lotte Bleichers zunächst in Antwerpen, später in Haifa, wo sie erst 1950 mehr schlecht als recht durch Gründung einer Wäscherei ihr finanzielles Auskommen zu finden suchten.

Josef und Lotte Bleicher wurden 1953 als „Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung“ gemäß § 1 BEG (Bundesentschädigungsgesetz) anerkannt und erwirkten in einem langjährigen Wiedergutmachungsverfahren als „aus Gründen der Rasse“ Verfolgte Anspruch auf „Kapitalentschädigung“/Rente, da sie, gemäß der Gesetzesvorlage, nachweislich „erheblichen Schaden in beruflichem oder wirtschaftlichem Fortkommen erlitten“ hatten. Lotte Bleicher erwirkte darüber hinaus die Anerkennung, als Opfer nationalsozialistischer Verfolgungsmaßnahmen „Schaden an Körper und Gesundheit“ erlitten zu haben. Das Ehepaar hatte keine Kinder. Lebende Angehörige waren nicht zu ermitteln.

Recherche: Markus Wolter
Patenschaft: Marianne und Markus Wolter

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Manuskript der Rede anlässlich der Verlegung am 28. Juni 2014

Quellen

Die umfangreiche, mehrbändige Wiedergutmachungsakte Josef und Lotte Bleicher, Staatsarchiv Freiburg: Landesamt für die Wiedergutmachung: Außenstelle Freiburg, Josef Bleicher (1887-1972), F 196/1 Nr. 7221, Lotte Bleicher (1899-1972), F 196/1 Nr. 8492/1-8492/5. Zu den Wohnadressen in Radolfzell: Einwohnermeldekarte von Josef Bleicher, Stadtarchiv Radolfzell.

Dokumentation zu Verfolgung und „Arisierung“ im Fall Bleicher: Markus Wolter: Juden in Radofzell, 2013.

Termine

"Täter - Helfer - Trittbrettfahrer": Walther Kirn (1891-1944)

Vortrag: Bankrotteur - NS-Funktionär - „Volksschädling“. Aufstieg und Fall des Donaueschinger Kreisleiters Walther Kirn

Referenten: Dr. Wolf-Ingo Seidelmann + Dr. Wolfgang Proske

Veranstalter: Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar e.V.

Veranstaltungsort: Landratsamt, Humboldstr. 11, 78166 Donaueschingen

Zeit: Mittwoch, 12. September 2018, 19.30 Uhr

Information des Veranstalters

Zur Schriftenreihe: http://www.ns-belastete.de/index.html

2018/09/11 09:50 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Kundgebung "NS-Vergangenheit in Radolfzell"

Kundgebung für mehr Toleranz und gegen örtliche Nazistrukturen am 8. Mai 2018 um 14 Uhr auf dem Luisenplatz

Die Stadt Radolfzell hat die Kundgebung am Luisenplatz allerdings untersagt, was von den Anmeldern derzeit rechtlich überprüft wird.

Auch die Luisenplatz-Kundgebung am 21. April war von der Stadt Radolfzell verboten worden. Das Verbot hatte das Freiburger Verwaltungsgericht jedoch in einem Eilverfahren als „offensichtlich rechtswidrig“ kassiert.

Quelle: http://oatkn.blogsport.de/


Ein weiteres Mal kam es zu einem extrem kurzfristigen Verbot einer seit Monaten angemeldeten Kundgebung zur „NS-Vergangenheit in Radolfzell“ auf dem Luisenplatz.

Die Verbotsbegründung der Stadt Radolfzell: der Präventionsrat der Stadt und das Bürgerbündnis Radolfzell für Demokratie (BRD) würden dort ein Friedensfest veranstalten, das aber, wie FGL-Gemeinderätin Nina Breimaier zugab, später angemeldet worden war.

Der Verbotsbescheid kam wieder einmal so kurzfristig, dass ein Eilverfahren für vorläufigen Rechtsschutz nicht mehr möglich war. Soviel zum Demokratiebegriff des Radolfzeller Bürgerbündnisses und der Radolfzeller Versammlungsbehörde.

Der 8. Mai ist ein Feiertag anlässlich des Kriegsendes und der Befreiung vom Nationalsozialismus.

2018/05/07 12:41 · sw · 0 Kommentare

Bündnis Bodensee Nazifrei - Demo am Kriegerdenkmal Radolfzell, 21. April 2018

„Radolfzell gedenkt der Opfer der Gewaltherrschaft“ - an Namenstafeln mit den SS-Tätern.

Vor dem Hintergrund der am „Volkstrauertag“ 2017 von der Stadt Radolfzell kurzerhand verbotenen, angemeldeten Kundgebung, die über die NS-Vergangenheit von Radolfzell sowie das Radolfzeller Kriegerdenkmal und örtliche Neonazi-Strukturen aufklären sollte, ist für den 21. April 2018 eine antifaschistische Demonstration vom Bahnhof zum Luisenplatz geplant. Organisation: Bündnis Bodensee Nazifrei.

Vgl.: Artikel in: seemoz, 13. April 2018.

Datum: Samstag, 21. April 2018

Zeit und Treffpunkt: Bahnhof Radolfzell, 14.00 Uhr

2018/04/16 10:26 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Sag Schibbolet! Von sichtbaren und unsichtbaren Grenzen

Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum München vom 18. März 2018 bis 17. Februar 2019 in Hohenems.

Ausgehend von der biblischen Erzählung von der Flucht der Efraimiten vor den siegreichen Gileaditern und ihrem tödlichen Scheitern an den Ufern des Jordans, lädt das Jüdische Museum Hohenems internationale Künstler dazu ein, Grenzen in aller Welt kritisch zu betrachten – nur einen Steinwurf vom alten Rhein entfernt, an dem sich ab 1938 Flüchtlingsdramen abspielten, deren Gegenwart wir heute an den Rand unseres Bewusstseins drängen.

http://www.jm-hohenems.at/ausstellungen/aktuelle-ausstellung

2018/03/08 19:35 · sw · 0 Kommentare

Fluchtwege - An der Grenze. Flucht in die Schweiz 1938–1945

Das Jüdische Museum Hohenems bietet im März öffentliche Führungen zu Fluchtwegen im Grenzgebiet zwischen Österreich und der Schweiz und zeigt den Film über den schweizer Fluchthelfer Paul Grüninger.

Sa, 24. Mrz 2018, 09:30-12:00 Uhr Fluchtwege - An der Grenze. Flucht in die Schweiz 1938–1945 Aktionstage Politische Bildung - Angebote für Schulklassen Ort: Jüdisches Museum Hohenems

Sa, 24. Mrz 2018, 13:00-15:00 Uhr Fluchtwege - An der Grenze. Flucht in die Schweiz 1938–1945 Aktionstage Politische Bildung - Angebote für Schulklassen Ort: Jüdisches Museum Hohenems

Sa, 24. Mrz 2018, 17:30-19:30 Uhr „Die Akte Grüninger“ Filmvorführung mit einer Einführung von Hanno Loewy, im Rahmen der Aktionstage Politische Bildung - Angebot für Schulklassen Ort: Bibliothek und Seminarraum Jüdisches Museum Hohenems

Quelle: http://www.jm-hohenems.at

2018/03/08 19:30 · sw · 0 Kommentare
 
stolpersteine/lotte_und_josef_bleicher.txt · Zuletzt geändert: 2018/02/21 08:39 von sw
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