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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Wilhelm Haaf (1893-1947)

Der am 15.9.1893 als Sohn des Lateinlehrers Johannes Haaf und Anna Barbara Dennhard im pfälzischen Kirchheimbolanden geborene Kaufmann und Versicherungsangestellte Wilhelm Haaf lebte in den 1930er Jahren mit seiner Frau Hilda, geborene Maihofer (geb. 1893) und zwei Töchtern in der Seetorstr. 1. Wilhelm Haaf wurde nach einer Denunziation am 4. Mai 1939 von der Gestapo verhaftet und in das Radolfzeller Gefängnis am Luisenplatz gebracht, wo er bis zum 28. Mai 1939 in Untersuchungshaft saß. Angeklagt und wegen Vergehens nach §2 des „Heimtückegesetzes, Heimtückischer Angriff auf Staat und Partei“ zu 2 Monaten Haft verurteilt, kam er am 28.5.1939 in das Strafgefängnis Mannheim.


Der Wortlaut des "Heimtückegesetzes" vom 20.12.1934.

In den Prozessunterlagen ist entsprechend § 2, Abs. 2 vermerkt, dass Haaf wegen „nicht öffentlichen, gehässigen, hetzerischen und von niedriger Gesinnung zeugenden, böswilligen Äußerungen über leitende Persönlichkeiten des Staates und der NSDAP, über ihre Anordnungen und die von ihnen geschaffenen Einrichtungen“ verurteilt wurde. In einem Gespräch habe Haaf u.a. geäußert: „Meine älteste Tochter, die BDM-Führerin ist, befindet sich in Holland, die hat die Nase voll bekommen vom Dritten Reich u.v.m.“

Diese Tochter heiratete später einen in Radolfzell stationierten SS-Angehörigen. Vermutlich handelte es sich um den SS-Scharführer Hans Kränzlein (geb. 7.5.1919), der 1941/42 zur Wachmannschaft des KZ-Außenkommandos Dachau in Radolfzell gehörte.

Am 1. Juni 1939 erfolgte Haafs Überstellung zum Landgerichtsgefängnis Konstanz. Trotz Verbüßung seiner zweimonatigen Haft wurde er nicht entlassen, sondern ohne ein weiteres Urteil am 6. Juli 1939 in das Strafgefängnis Bruchsal verlegt, am 26. Juli 1939 erneut in das Strafgefängnis Mannheim eingeliefert und am 17. August 1939 nach Bruchsal rücküberstellt.

Während seiner Haftzeit in Bruchsal kam es 1940 zum Ausbruch einer Multiplen Sklerose und Haaf wurde in das dortige Häftlingskrankenhaus eingewiesen. Erst am 15.2.1941 erfolgte die Entlassung und Haaf kam schwerkrank und unterernährt nach Radolfzell zurück.

Der zuletzt vollständig gelähmte Haaf starb am 2. September 1947, kurz vor seinem 54. Geburtstag, an den Spätfolgen der Haft. Wegen seines Vorstrafenregisters - Wilhelm Haaf war wegen Fahnenflucht 1918 und verschiedener Betrugsdelikte in den 20er Jahren mehrere Jahre in Haft - war sein Antrag auf Wiedergutmachungszahlungen am 20. Juni 1947 abgelehnt worden.


Stolperstein für Wilhelm Haaf, Seetorstr. 1, Radolfzell, verlegt am 11. September 2015.

Bruno Epple (geb. 1931), der als Kind mit seiner Familie 1937-1939 ebenfalls im Haus Seetorstr. 1 gelebt hatte, konnte Wilhelm Haaf und das, was er entweder selbst gesehen oder über ihn gehört hatte, nicht vergessen. Jahrzehnte später, als Schriftsteller im autobiographischen Text „Den See vor Augen“ (1992) über seine Kindheit in Radolfzell und das Haus am Seetorplatz, fand er dafür Bild und Sprache. Für das Kind schien der dunkle Begriff „Konzentrationslager“ in „Herrn Haaf“ ein konkretes Gesicht bekommen zu haben: Bruno Epple erinnerte Wilhelm Haaf als einen aus einem Konzentrationslager entlassenen Häftling.

Angehöriger: Karl Burth, Schwiegersohn von Wilhelm Haaf, der mit dessen jüngerer Tochter verheiratet war. Er lebt in Radolfzell.

Recherche: Markus Wolter
Patenschaft: Barbara und Siegfried Schuster, Radolfzell

Quellen:

StAF F 196/2 Nr. 3825, Landesamt für die Wiedergutmachung: Außenstelle Freiburg. ITS Bad Arolsen, Gef.B. Gef. Mannheim, Doc.No. 11797966/11797884; Gef.B. Gef. Konstanz, Doc.No. 12058366; Verurteiltenkartei Sondergerichte, Doc.No. 11847033); Meldekarte Wilhelm Haaf, Stadtarchiv Radolfzell.

Literatur: Bruno Epple: Den See vor Augen. Kindertage, Friedrichshafen 1992; zu „Herrn Haaf“ hier das Kapitel: "Die verstecken ihn", S. 78 f.

Termine

Performance "508 ... Gegen das Vergessen"

Freitag, 11.08.2017, um 14:00 Uhr am Mahnmal im ZfP Reichenau

Im Gedenken an die 1940/41 im Rahmen der NS-Euthanasie ermordeten 508 Patienten in Reichenau schuf der Konstanzer Künstler Alexander Gebauer 1988 das „Mahnmal für die Opfer der NS-Euthanasie“ auf dem Gelände des ZfP. In Verbindung mit diesem Kunstwerk findet eine bewegende Aufführung, changierend zwischen Konzert und Performance, mit Bernhard Thomas Klein (Musiker und Komponist), Christine Koch (Bildhauerin) und Andieh Merk (Musiker) statt.

Weitere Informationen und den genauen Ablauf können Sie dem angefügten Faltblatt entnehmen: Faltblatt (6,4 MB)

Bitte beachten Sie, dass die Veranstaltung bei jedem Wetter unter freiem Himmel stattfindet. Es werden einfache Sitzgelegenheiten und Pavillons als Sonnen- oder Regenschutz zur Verfügung stehen.

Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltung wird organisiert und durchgeführt vom ZfP Reichenau und der Reihe „Kunst belebt“ des BodenseeKulturraum e.V., unterstützt von der Kunststiftung Landkreis Konstanz.

2017/08/07 20:08 · sw · 0 Kommentare

Duft der Steine - Theaterstück von Gerhard Zahner

Regie: Waltraud Rasch

Uraufführung am 21. September 2017

weitere Aufführungen 22.,23. September 6.,7., 20.,21. Oktober jeweils 20 Uhr im Theater-Zeller-Kultur, Fürstenbergstrasse 7a, 78315 Radolfzell

Karten: kartenbestellung@zellerkultur.de, Tel. 07732 8233941

Alice Fleischel wollte mit ihrem Sohn Günther nach dessen Entlassung die Flucht nach Brasilien wagen, aus diesem Grund wartete sie im Frühling 1940 im Hotel Schiff in Radolfzell auf ihn. Zu diesem Zeitpunkt in ihrer Geschichte setzt unser Theaterstück ein. Hier wird „unsübersteigend“ und beklemmend das Seelenleben eines Flüchtlings aufgezeigt. Wie Alice Fleischel im Schatten der Angst, des Misstrauens und der Ungerechtigkeit auf sich allein gestellt leben muss. In Ungewissheit und Schmerz, den widrigen Umständen zum Trotz zwischen vier Wänden ausharrt. Ihr einziger Berührungspunkt zur Außenwelt und der einzige warme Lichtblick in ihrem Leben ist der Hotelier Strudel, der sie beschützt. Obwohl sie ohne festen Wohnsitz und nur auf Fremdenzettel gemeldet ist, unterlässt er es die vorgeschriebene Anzeige zu erstatten. Auch als der Bürgermeister im Sommer 1940 anordnet, dass die Jüdin Stadt und Hotel zu verlassen habe, gewährt ihr Strudel weiter Obdach und riskiert dabei sein eigenes Leben.

2017/07/18 19:08 · sw · 0 Kommentare

"Täter, Helfer, Trittbrettfahrer", NS-Belastete aus Südbaden - Buchvorstellung/Vortrag zu Dr. Conrad Gröber (1872-1948), Münsterpfarrer von Konstanz, Erzbischof von Freiburg, förderndes Mitglied der SS.

Vortrag von Dr. Wolfgang Proske:

„Dr. Conrad Gröber: 'Deutschehrlich' und 'überreiche Register im Orgelwerk seiner Seele…'

Veranstalter: seemoz e.V.

Veranstaltungsort: Treffpunkt Petershausen, Georg-Elser-Platz 1, 78467 Konstanz

Datum: Dienstag, 4. April 2017

Beginn: 19.30 Uhr

Dr. Conrad Gröber: „Constantia. Das Konstanzer Lied“. Zeitgenössische Kunstkarte (Linolschnitt v. August Krumm, der das Lied auch vertonte), gelaufen 1938. Sammlung Markus Wolter

Ankündigung im seemoz

Zur Buchreihe:

http://ns-belastete.de/index.html

2017/03/09 13:37 · Markus Wolter

Politischer Widerstand in Konstanz während des Nationalsozialismus

Vortrag von Dr. Uwe Brügmann am 27. Januar 2017 um 19:30 Uhr im Astoria-Saal der vhs Konstanz. Eine Veranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Es waren vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten, die in vielfältiger Form Widerstand leisteten; Widerstand aus der bürgerlichen Mitte (Zentrumspartei) ist in Konstanz bislang nicht belegt. Zum Widerstand gehörte der Schmuggel von politischen Broschüren aus der Schweiz nach Deutschland, Sabotage in Betrieben, Fluchthilfe in die Schweiz, kommunistische Propaganda, Abhören von ausländischen Sendern und, weit verbreitet, Schimpfen über die politischen Verhältnisse und nationalsozialistische Funktionsträger. Auch die religiös motivierte Weigerung der Zeugen Jehovas, sich den nationalsozialistischen Machthabern unterzuordnen, war politischer Widerstand, denn wer den Hitlergruß und den Wehrdienst verweigerte, opponierte offen und für jedermann sichtbar gegen das NS-Regime. Das totalitäre NS-Regime ging gegen die Konstanzer Frauen und Männer, die den Mut zum Widerstand hatten, mit äußerster Härte vor; einige von ihnen wurden durch Sondergerichte zum Tod verurteilt, viele andere wurden zu langjährigen Haftstrafen in Gefängnissen oder Konzentrationslagern verurteilt.

Der Vortrag beleuchtet die verschiedenen Formen des politischen Widerstands in Konstanz, untersucht die Motive der Akteure und die Rolle der verbotenen SPD und KPD, vor allem aber soll an die Einzelschicksale jener Menschen erinnern werden, die in der dunklen Zeit des Nationalsozialismus den Mut hatten, Widerstand gegen ein unmenschliches System leisteten.

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturbüro der Stadt Konstanz, vhs Konstanz-Singen e.V.

2016/12/15 23:12 · sw · 0 Kommentare

Hesse-Museum Gaienhofen: Szenische Lesung, Buchvorstellung und Vortrag über den NS-Aktivisten, Arzt und Schriftsteller Dr. Ludwig Finckh (1876-1964)

Ludwig Finckh mit Stabsoffizieren der Waffen-SS aus Radolfzell, Posen-Treskau und Lauenburg/Pommern bei einem Ortstermin in Gaienhofen, „Auf Heiden“, August 1943. Fotografie: Stadtarchiv Reutlingen.

Im Anschluss an die szenische Lesung des Bühnenstücks „Sonnwend“ von Gerhard Zahner - Vortragender Jo Vossenkuhl und Haro von Eden (Klarinette) - wird Dr. Wolfgang Proske den 2016 erschienenen Band "NS-Belastete aus dem Bodenseeraum" aus der Reihe „Täter, Helfer, Trittbrettfahrer“ vorstellen.

Markus Wolter, einer der Buchautoren, spricht zum Thema seines Aufsatzes: “'Blutsbewusstsein' - Dr. Ludwig Finckh und die SS“.

Ort: Hesse-Museum Gaienhofen

Datum: 18. November 2016

Zeit: 19.00 Uhr

Veranstalter: Hesse-Museum Gaienhofen

2016/11/12 13:24 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
stolpersteine/wilhelm_haaf.txt · Zuletzt geändert: 2017/02/01 20:53 von mw
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