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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



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Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

zwangsarbeit_in_radolfzell [2016/10/01 11:14]
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zwangsarbeit_in_radolfzell [2016/10/01 11:42] (aktuell)
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Das System der Zwangsarbeit, mit dem der nationalsozialistische Staat den kriegsbedingten Arbeitskräftemangel zu kompensieren suchte, umfasste alle Bereiche: Zwangsarbeiter arbeiteten in der (Rüstungs-) Industrie, der Landwirtschaft, in großen Staatsbetrieben ebenso wie in kommunale Behörden und Ämtern, Handwerksbetrieben und selbst in Privatfamilien. Bereits ab 1940 konnte die Landwirtschaft nur noch mit dem Einsatz von Zwangsarbeitern die Nahrungsmittelproduktion den nötigen Standard halten. Ebenso war unter den Bedingungen des „totalen Krieges“ die Rüstungsindustrie nur durch eine immer größere Zahl von „Fremdarbeitern“ in der Lage, die Produktionszahlen aufrechtzuerhalten. Im Sommer 1943 war in Deutschland bereits fast jeder zweite Arbeiter in den „kriegswichtigen“ Betrieben und in der Landwirtschaft ein ausländischer, zwangsverpflichteter Zivilist, ein Drittel der Zivilarbeiter waren Frauen und davon wiederum fast 90 Prozent sogenannte „Ostarbeiterinnen“ aus Polen und der Sowjetunion. Den Gesamtzahlen und dem System der NS-Zwangsarbeit entsprechend wurden auch in Radolfzell zivile Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in relativ großer Zahl in den auf „Kriegsproduktion“ umgestellten örtlichen Betrieben eingesetzt und in mehreren Lagern in der Stadt interniert. Insgesamt leisteten während des Krieges im Stadtgebiet und in den umliegenden Dörfern rund 800 Frauen und Männer aus Polen, der Sowjetunion, Italien, Frankreich, Belgien, Böhmen-Mähren und den Niederlanden Zwangsarbeit. Darunter befanden sich 180 Polen, die in der Landwirtschaft arbeiteten und bereits am 1. Mai 1940 nach Radolfzell verschleppt und auf die Dörfer verteilt worden waren.[(Vgl. Engelsing, Tobias: „Wir sind in Deutschland und nicht in Russland“: Eine Alltagsgeschichte der Volksschule in den Jahren 1933 - 1949 am Beispiel der Stadt Radolfzell am Bodensee, Faude, Konstanz 1987. S. 14.)] Das System der Zwangsarbeit, mit dem der nationalsozialistische Staat den kriegsbedingten Arbeitskräftemangel zu kompensieren suchte, umfasste alle Bereiche: Zwangsarbeiter arbeiteten in der (Rüstungs-) Industrie, der Landwirtschaft, in großen Staatsbetrieben ebenso wie in kommunale Behörden und Ämtern, Handwerksbetrieben und selbst in Privatfamilien. Bereits ab 1940 konnte die Landwirtschaft nur noch mit dem Einsatz von Zwangsarbeitern die Nahrungsmittelproduktion den nötigen Standard halten. Ebenso war unter den Bedingungen des „totalen Krieges“ die Rüstungsindustrie nur durch eine immer größere Zahl von „Fremdarbeitern“ in der Lage, die Produktionszahlen aufrechtzuerhalten. Im Sommer 1943 war in Deutschland bereits fast jeder zweite Arbeiter in den „kriegswichtigen“ Betrieben und in der Landwirtschaft ein ausländischer, zwangsverpflichteter Zivilist, ein Drittel der Zivilarbeiter waren Frauen und davon wiederum fast 90 Prozent sogenannte „Ostarbeiterinnen“ aus Polen und der Sowjetunion. Den Gesamtzahlen und dem System der NS-Zwangsarbeit entsprechend wurden auch in Radolfzell zivile Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in relativ großer Zahl in den auf „Kriegsproduktion“ umgestellten örtlichen Betrieben eingesetzt und in mehreren Lagern in der Stadt interniert. Insgesamt leisteten während des Krieges im Stadtgebiet und in den umliegenden Dörfern rund 800 Frauen und Männer aus Polen, der Sowjetunion, Italien, Frankreich, Belgien, Böhmen-Mähren und den Niederlanden Zwangsarbeit. Darunter befanden sich 180 Polen, die in der Landwirtschaft arbeiteten und bereits am 1. Mai 1940 nach Radolfzell verschleppt und auf die Dörfer verteilt worden waren.[(Vgl. Engelsing, Tobias: „Wir sind in Deutschland und nicht in Russland“: Eine Alltagsgeschichte der Volksschule in den Jahren 1933 - 1949 am Beispiel der Stadt Radolfzell am Bodensee, Faude, Konstanz 1987. S. 14.)]
-In den großen Radolfzeller Industriebetrieben und bei der Reichsbahn (Bahnhof Radolfzell) waren insgesamt 533 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter „beschäftigt“, darunter viele Kriegsgefangene. Das Trikotage-Unternehmen Schiesser AG, in dem nach 1941 mindestens 39 Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine arbeiteten, bekam im „betrieblichen Leistungskampf“ 1939/40 als einer von bis dahin zehn Betrieben im Gau Baden den von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) verliehenen Titel eines „Nationalsozialistischen Musterbetriebs“ zuerkannt. Der 1936 von der DAF erstmals ausgeschriebene Wettbewerb zeichnete Betriebe mit ausdrücklich „nationalsozialistischer Gesinnung" aus, deren „zielbewusste Aufbauarbeit“ dabei „vom nationalsozialistischen Gemeinschafts- und Leistungswillen“ getragen sein musste.[(DAF-Gauobmann Reinhold Roth in: „Der Führer“ (NSDAP-Gauzeitung in Baden), 2.6.1939.)] Am DAF-„Leistungskampf“ des Jahres 1939/40 beteiligten sich im Gau Baden 14776 Betriebe: fünf wurden dabei als „Musterbetriebe“ bestätigt, drei weitere, darunter die Schiesser AG und die Singener Maggi Gesellschaft mbH, erstmalig ernannt. Von einem „NS-Musterbetrieb“ wurde im ersten Kriegsjahr außerdem verlangt, ein „Bollwerk nationalsozialistischer Widerstandskraft“ zu sein, „um den Rücken unseres Frontheeres [zu] stärken“, so DAF-Obmann Roth bei Überreichung der „Goldenen Fahne der DAF“ an die Schiesser AG am 1. Mai 1940 in Karlsruhe.[(Zit. nach: „Freiburger Zeitung“, 1.5.1940.)] 1943 zeichnete die DAF die Radolfzeller Pumpenfabrik Gotthard Allweiler AG bereits als „Kriegsmusterbetrieb“ aus, der 1935 erste Rüstungsaufträge für das Reichsluftfahrtministerium bekommen hatte und „höchste Rüstungsleistung und Produktivität“ vorweisen konnte. Die als „kriegswichtiger Betrieb“ geltende Pumpenfabrik „beschäftigte“ 1942 mindestens 220 „Ostarbeiter“ aus Polen und der Sowjetunion. Neben den genannten „nationalsozialistischen Musterbetrieben“ waren in den Radolfwerken 25, im Milchwerk 25, in der Obstbaugenossenschaft 6 und bei der Reichsbahn 217 zivile ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene beschäftigt.[(Vgl. Hildegard Bibby (Hrsg.): „Das ist mir in Erinnerung geblieben“ - ZeitzeugInnen in Radolfzell 1930-1950. Konstanz 2015, S. 121 ff.; zu Schiesser vgl.: Ruch, Christian / Rais-Liechti, Myriam / Peter Roland: Geschäfte und Zwangsarbeit. Schweizer Industrieunternehmen im „Dritten Reich“. Zürich 2001. Vgl. ferner StAR IX.353 (Ausländerstatistik, Anwesenheitslisten 1944), 354 (Listen der Ausländer, Gefangenen, Deportierten und Arbeiter, getrennt nach Staatsangehörigkeit, 1944–1946).)] Untergebracht waren sie in zwei größeren Barackenlagern und mehreren, als Sammelunterkünften dienenden Gebäuden, darunter auch Gaststätten, untergebracht. Die aufgrund der nationalsozialistischen Rassenideologie am schlechtesten gestellte und behandelte Gruppe, die kriegsgefangenen russischen Zwangsarbeiter, hausten in stacheldrahtumzäunten, streng bewachten Holzbaracken („Russenlager“) neben den Gleisanlagen unterhalb der Mooser Brücke unter menschenunwürdigen Bedingungen und ohne hinreichende Versorgung.+In den großen Radolfzeller Industriebetrieben und bei der Reichsbahn (Bahnhof Radolfzell) waren insgesamt 533 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter „beschäftigt“, darunter viele Kriegsgefangene. Das Trikotage-Unternehmen Schiesser AG, in dem nach 1941 mindestens 39 Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine arbeiteten, bekam im „betrieblichen Leistungskampf“ 1939/40 als einer von bis dahin zehn Betrieben im Gau Baden den von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) verliehenen Titel eines „Nationalsozialistischen Musterbetriebs“ zuerkannt. Der 1936 von der DAF erstmals ausgeschriebene Wettbewerb zeichnete Betriebe mit ausdrücklich „nationalsozialistischer Gesinnung" aus, deren „zielbewusste Aufbauarbeit“ dabei „vom nationalsozialistischen Gemeinschafts- und Leistungswillen“ getragen sein musste.[(DAF-Gauobmann Reinhold Roth in: „Der Führer“ (NSDAP-Gauzeitung in Baden), 2.6.1939.)] Am DAF-„Leistungskampf“ des Jahres 1939/40 beteiligten sich im Gau Baden 14776 Betriebe: fünf wurden dabei als „Musterbetriebe“ bestätigt, drei weitere, darunter die Schiesser AG und die Singener Maggi Gesellschaft mbH, erstmalig ernannt. Von einem „NS-Musterbetrieb“ wurde im ersten Kriegsjahr außerdem verlangt, ein „Bollwerk nationalsozialistischer Widerstandskraft“ zu sein, „um den Rücken unseres Frontheeres [zu] stärken“, so DAF-Obmann Roth bei Überreichung der „Goldenen Fahne der DAF“ an die Schiesser AG am 1. Mai 1940 in Karlsruhe.[(Zit. nach: „Freiburger Zeitung“, 1.5.1940.)] 1943 zeichnete die DAF die Radolfzeller Pumpenfabrik Gotthard Allweiler AG bereits als „Kriegsmusterbetrieb“ aus, der 1935 erste Rüstungsaufträge für das Reichsluftfahrtministerium bekommen hatte und „höchste Rüstungsleistung und Produktivität“ vorweisen konnte. Die als „kriegswichtiger Betrieb“ geltende Pumpenfabrik „beschäftigte“ 1942 mindestens 220 „Ostarbeiter“ aus Polen und der Sowjetunion. Neben den genannten „nationalsozialistischen Musterbetrieben“ waren in den Radolfwerken 25, im Milchwerk 25, in der Obstbaugenossenschaft 6 und bei der Reichsbahn 217 zivile ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene beschäftigt.[(Vgl. Hildegard Bibby (Hrsg.): „Das ist mir in Erinnerung geblieben“ - ZeitzeugInnen in Radolfzell 1930-1950. Konstanz 2015, S. 121 ff.; zu Schiesser vgl.: Ruch, Christian / Rais-Liechti, Myriam / Peter Roland: Geschäfte und Zwangsarbeit. Schweizer Industrieunternehmen im „Dritten Reich“. Zürich 2001. Vgl. ferner StAR IX.353 (Ausländerstatistik, Anwesenheitslisten 1944), 354 (Listen der Ausländer, Gefangenen, Deportierten und Arbeiter, getrennt nach Staatsangehörigkeit, 1944–1946).)]  
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 +Untergebracht waren sie in zwei größeren Barackenlagern und mehreren, als Sammelunterkünften dienenden Gebäuden, darunter auch Gaststätten. Die aufgrund der nationalsozialistischen Rassenideologie am schlechtesten gestellte und behandelte Gruppe, die kriegsgefangenen russischen Zwangsarbeiter, hausten in stacheldrahtumzäunten, streng bewachten Holzbaracken („Russenlager“) neben den Gleisanlagen unterhalb der Mooser Brücke unter menschenunwürdigen Bedingungen und ohne hinreichende Versorgung.
Für die zivilen „Ostarbeiter“ der Gotthard-Allweiler AG gab es ein „Allweiler-Lager“ bezeichnetes, zweites Lager, dessen flache Holzbaracken sich zweireihig an der Ratoldusstraße zwischen Schwert- und Zangererstraße hinzogen.[(StAR Bezirksamt Radolfzell XIX.)]   Für die zivilen „Ostarbeiter“ der Gotthard-Allweiler AG gab es ein „Allweiler-Lager“ bezeichnetes, zweites Lager, dessen flache Holzbaracken sich zweireihig an der Ratoldusstraße zwischen Schwert- und Zangererstraße hinzogen.[(StAR Bezirksamt Radolfzell XIX.)]  
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-  * Wagner, Claudia: "[[http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/Zweiter-Weltkrieg-Wie-Zwangsarbeiter-in-die-Familie-integriert-wurden;art372455,4173969|Zweiter Weltkrieg: Wie Zwangsarbeiter in die Familie integriert wurden]]", Südkurier, 19.02.2010 
-  * Overlack, Anne: [[Nach 50 Jahren: Ein unverhofftes Wiedersehen|Nach 50 Jahren: Ein unverhofftes Wiedersehen]], Singener Wochenblatt, 1999 
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Termine

Täter-Helfer-Trittbrettfahrer: Prof. Dr. Eugen Fischer (1874-1967)

Eugen Fischer: Der völkische Staat, biologisch gesehen. Berlin 1933. Fotografie: Wikipedia

Vortrag:

Dr. Wolfgang Proske (Hrsg.) / Markus Wolter:

Prof. Dr. Eugen Fischer (1874–1967). Die Freiburger Schule des Rassenwahns

Zeit und Ort:

Donnerstag, 28. Mai, 20 Uhr, HS 1009 (Uni Freiburg KGI)

Veranstaltet vom Referat gegen Antisemitismus, Studierendenrat der Universität Freiburg, in Kooperation mit der Fachschaft Geschichte und der Fachschaft Medizin.

https://www.stura.uni-freiburg.de/gremien/referate/gegenantisemitismus

http://www.ns-belastete.de/band_9.html

2019/05/15 16:43 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Vier Filme zum Nationalsozialismus in Überlingen, Radolfzell, Schwarzwald

Gedenkveranstaltung in Überlingen änlässlich des 74. Jahrestages des Kriegsendes

Anlässlich des 74. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges bringt die KulturKiste Überlingen e. V. am Sonntag, 12. Mai 2019 im Rahmen ihrer jährlichen Gedenkveranstaltung „Vier Filme zum Thema Nationalsozialismus in Überlingen, Radolfzell und im Schwarzwald“.

Zu Überlingen werden die beiden Dokumentarfilme über den „Goldbacher Stollen“ „Unter Deutschlands Erde“ von Didi Danquart (BRD 1983) (10.00 Uhr + 19.00 Uhr) sowie „Wie Dachau an den See kam …“ von Jürgen Weber (D 1995) (11.00 Uhr + 18.00 Uhr) gezeigt.

Der Film "Leichen im Keller" von Günter Köhler (D 2010) handelt von Radolfzell im Nationalsozialismus sowie den späteren Umgang damit. (12.00 Uhr + 17.00 Uhr). Darüber hinaus wird um 13.00 Uhr, sowie um 15.00 Uhr der Spielfilm „Viejud Levi“ von Didi Danquart gezeigt, der den Nationalsozialismus in einem Schwarzwaldtal behandelt.

Das Gesamtprogramm findet sich unter: www.kulturkiste-ueberlingen.eu

Wann: Sonntag, 12. Mai 2019

Wo: Kulturbahnhof Nussdorf / Die Rampe, Nussdorfer Str. 100, Überlingen

Eintritt Frei / Spende erwünscht

2019/05/05 14:56 · sw · 0 Kommentare

Eröffnung der Ausstellung: "Ein Panzer gegen die hässliche Zeit" - Hermann Hesses "Glasperlenspiel" im "Dritten Reich"

„1943 veröffentlichte Hermann Hesse seinen letzten Roman in kleiner Auflage in der Schweiz, erst Ende 1946 wurde „Das Glasperlenspiel“ auch einem größeren Publikum in Deutschland bekannt. Ursprünglich hätte „Das Glasperlenspiel“ schon 1942 in Berlin erscheinen sollen, doch die NS-Behörden verweigerten die Druckgenehmigung. Seinem Sohn Heiner teilte Hesse 1942 resigniert mit, „dass das Buch nun also die Leser, für die es bestimmt war, nicht erreicht“.“

Ort: Hesse Museum, Kapellenstr. 8, Gaienhofen

Zeit: 17. März 2019, 11.00 Uhr

http://www.hesse-museum-gaienhofen.de

2019/03/16 09:23 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"Wie Dachau an den See kam..."

Filmvorführung und Gespräch mit der Zeitzeugin Dr. Grete Leutz und dem Regisseur Jürgen Weber am 27. Januar 2019 in Konstanz

Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wird in einer Gedenkveranstaltung der regionalhistorische Dokumentarfilm „Wie Dachau an den See kam …“ zur Geschichte des KZ-Außenlagers in Überlingen gezeigt.

Es ist geplant, dass an diesem Abend neben dem Filmemacher Jürgen Weber auch die Überlinger Zeitzeugin Dr. Grete Leutz anwesend sein wird. Als junge Frau wurde sie fast täglich Zeugin des Zuges der KZ-Häftlinge vom Lager Aufkirch zur Überlinger Stollenanlage. In der Außenstelle Überlingen des KZ Dachau mussten ab Oktober 1944 rund 800 Häftlinge einen Stollen in den Molassefelsen treiben, um die Friedrichshafener Rüstungsindustrie am Bodensee „bombensicher“ unterzubringen. Bis April 1945 liefen viermal pro Tag die Kolonnen der Häftlinge - schwer bewacht durch die SS - durch den Überlinger Westen.

Der Film zeichnet mit Aussagen zweier ehemaliger Häftlinge, mit den Erinnerungen von damals jungen Menschen aus Überlingen und mit Fachleuten die Geschichte der KZ-Außenstelle Überlingen nach. Aufgrund seiner regionalhistorischen Bedeutung und teilweise einmaliger Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen wurde der Film aus dem Jahr 1995 als Retrospektive 2017 neu in der Reihe „Zeitgeschichtliche Kurz- und Dokumentarfilme“ aufgelegt.

Termin: 27. Januar 2019

Zeit: 19:30 – 21:00 Uhr

Ort: Wolkenstein-Saal (Kulturzentrum am Münster), Konstanz

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturamt der Stadt Konstanz, vhs Landkreis Konstanz e. V. DIG Bodensee Region, Gesellschaft für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit e.V. Konstanz und weitere

Eintritt: frei

2019/02/11 23:45 · sw · 0 Kommentare

Uraufführung: Gerron

Im Stadttheater Konstanz wird am 2.2.2019 das Stück „Gerron“ von Charles Lewinsky uraufgeführt. Regisseurin ist Annette Gleichmann.

Das Stück basiert auf der wahren Geschichte des jüdischen Künstlers Kurt Gerron. Als Frontsoldat und Arzt im 1. Weltkrieg kämpfend, mehrfach schwer verletzt, wurde er später im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet. Er floh 1933 zunächst nach Paris, dann nach Österreich, Italien und in die Niederlande, wo er 1943 interniert wurde. Im Jahr 1944 wurden er und seine Familie in das KZ Theresienstadt deportiert. Seine Mitwirkung als Regisseur an dem im KZ gedrehten Propagandafilm “Theresienstadt“ schützte ihn nicht vor der Deportation nach Auschwitz, wo er ebenso wie die 1600 mitwirkenden Kinder nach Ende der Dreharbeiten vergast wurde.

Uraufführung: 2.2.2019, Theaterwerkstatt Inselgasse, 20 Uhr

Ticketreservierung und weitere Spielzeiten: Gerron

Quelle: Stadttheater Konstanz

2019/02/02 13:14 · sw · 0 Kommentare
 
zwangsarbeit_in_radolfzell.1475313278.txt.gz · Zuletzt geändert: 2016/10/01 11:14 von mw
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