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Karte von Radolfzell

Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



75. Jahrestag der Reichspogromnacht 1938

Am 9./10. November 2013 jährt sich zum 75. Mal die Reichspogromnacht von 1938. Bei allen regionalen Aktionen gegen die jüdischen Gemeinden von Konstanz, der Höri und im Hegau erwies sich das in Radolfzell stationierte III. Bataillon der SS-VT-Standarte „Germania“ unter Obersturmbannführer Heinrich Koeppen als die maßgebliche Kommandoeinheit. In den Morgenstunden des 10. November 1938 plünderte und sprengte ein Pionierzug des Bataillons die Synagogen von Konstanz, Gailingen und Randegg und brannte die Synagoge von Wangen (Öhningen) nieder. An den genannten Synagogen sowie in den Kellerräumen der Rathäuser von Wangen, Horn und Gailingen kam es zu schweren Misshandlungen von Juden vor allem durch Mannschaften der Radolfzeller SS-VT.

Diese intern als „Aktion“ bezeichneten Maßnahmen wurden – zwar in Abstimmung und Arbeitsteilung mit Allgemeiner SS, örtlicher SA und Ordnungspolizei, die die misshandelten Männer abends nach Konstanz brachte, um sie per Zug ins KZ Dachau zu transportieren - maßgeblich von der Radolfzeller SS-VT durchgeführt.

Gedenkveranstaltungen finden statt in:

-Radolfzell-

Weltkloster Radolfzell

Zum 9./10. November 2013 lädt der Trägerverein Weltkloster die Bevölkerung ein, „an der Gedenkstätte der ehemaligen Radolfzeller Kaserne ein stilles und deutliches Zeichen gegen Gewalt an Menschen zu setzen und dort eine Blume niederzulegen. Zum einen im Gedenken an die Reichspogrom-Nacht vor 75 Jahren, aber auch in Erinnerung an verfolgte Menschen in der Gegenwart. Die Aktion ist eine Einladung, sich mit dem Mahnmal des Pforzheimer Künstlers René Dantes und den Texten auf den Stelen auseinanderzusetzen, weshalb bewusst auf Ansprachen an diesem Tag verzichtet werden soll.“ (Pressemitteilung)

-Wangen-

Gemeinde Öhningen, Gäste-, Kultur- und Dorfverein Wangen, Freundeskreis Jacob Picard

9. November, Gedenkstein im Seeweg, 17.00 Uhr

Nach einer Einführung durch Ortsvorsteher Thomas von Gottberg am Gedenkstein für die zerstörte Synagoge findet unmittelbar anschließend im Wangener Rathaus eine Lesung aus Briefen und Erinnerungsberichten statt, die diesen Tag und diese Nacht aus der Sicht von Käthe Vordtriede, Jenny Bohrer, Lotte Paepcke, Erich Bloch und Otto Blumenthal vergegenwärtigen. Es lesen Felicitas Andresen, Inga Pohlmann, Anne Overlack, Bruno Epple und Rolf Hochweber.

-Gailingen-

Gemeinde Gailingen, Verein für jüdische Geschichte Gailingen

10. November, Synagogenplatz, 17.00 Uhr

„Am 9./10. November 2013 jährt sich die Reichspogromnacht zum 75sten Mal. Auch in Gailingen wurden jüdische Bürger entwürdigt, gequält und in das KZ Dachau deportiert. Die ehrwürdige Gailinger Synagoge wurde zerstört. Zum Gedenken an diese schrecklichen Ereignisse bitten die Gemeinde Gailingen und der Verein für jüdische Geschichte Gailingen Sie zu einer Feierstunde am Sonntag, dem 10. November 2013 um 17.00 Uhr auf den Synagogenplatz von Gailingen.“ Joachim Klose

Programm:

17.00 Uhr: Worte des Gedenkens und der Erinnerung von Bürgermeister Heinz Brennenstuhl. Schülerinnen und Schüler der Hochrheinschule rezitieren aus den Erinnerungen der Rabbinersfrau Jenny Bohrer. Musikalische Umrahmung durch Jochen Freiberg, Rektor der Hochrheinschule. 17.30 Uhr: Vortrag von Joachim Klose über die historischen Ereignisse während der Reichspogromnacht im Leopold Guggenheim Saal.

Bereits ab 15.00 Uhr ist das Jüdische Museum Gailingen geöffnet. Dort kann man u.a. in dem neuen Medienraum Zeitzeugeninterviews hören und sehen

-Konstanz-

Städische Museen Konstanz und Bach-Chor Konstanz

8. November, Lutherkirche, Lutherplatz, 19.30 Uhr

„Sogar die Bäume sahen uns anders“ - Musikalische Gedenkstunde aus Anlass des 75. Jahrestages der Zerstörung der Konstanzer Synagoge in der Reichspogromnacht 1938. Museumschef Tobias Engelsing und die Dramaturgin Miriam Reimers erinnern mit Texten und Quellen aus der Zeit und aus späteren Erinnerungen an die Zerstörung und die Gewalttaten in dieser Nacht. Der Bach-Chor singt Motetten von Schütz, Bach, Kaminski, Rheinberger und Distler. Kantor und Organist Claus Gunter Biegert spielt Choralbearbeitungen von Bach und Helmut Barbe. Dr. Tobias Engelsing, Städtische Museen, KMD Klaus Gunther Biegert (Orgel), Bach-Chor Konstanz.


http://stolpersteine-konstanz.de/Stolperstein-Initiative Konstanz

9. November, 18.00-18.30 Uhr

Beteiligung an der Mahnwache zur Reichspogromnacht. Am 9. November werden in der Zeit von 18.00 Uhr und 18.30 Uhr alle Stolpersteine in Konstanz geputzt, Kerzen angezündet und Blumen niedergelegt. Während der Mahnwache kann man sich an den Verlegestellen über das Schicksal der Opfer informieren.

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Termine

4. Stolperstein-Verlegung in Radolfzell, 24. September 2020

Am 24. September des Gedenkjahres - 80 Jahre „Euthanasie“-„Aktion T4“ - kommt es zur Verlegung von fünf weiteren Stolpersteinen im Stadtgebiet von Radolfzell. Sie gelten Josefa Trost, geb. Klaus, Opfer der „Euthanasie“-„Aktion T4“ 1940, sowie Hermine Bauer und den |Geschwistern Josefine Fetzer, Anna Fetzer und Agnes Zimmermann, geb. Fetzer, die nach Maßgabe des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuches“ zwischen 1934 und 1939 zwangssterilisiert wurden.

Vgl.: Informationssystem des Radolfzeller Gemeinderats, Beschluss in der GR-Sitzung vom 5. Juni 2020.

Vgl.: Initiative Stolpersteine-Radolfzell

Ad personam: Josefine Fetzer

Screenshot von www.klepperle.de vom 17. Februar 2020; dort nach dem SK-Artikel vom 19. Februar 2020 gelöscht.

Radolfzeller „Brauchtumspflege“: Narrenvers „Dreschmaschine“. Er wird an der Fastnacht intoniert und verhöhnt ein Opfer des Nationalsozialismus - Josefine Fetzer (1910-1991) - bis heute; in diesem Jahr (2020) außerdem als Spottbild auf dem käuflich zu erwerbenden Narren-"Brettle" der "Narrizella Ratoldi" (Bild).

Vgl. weiterhin auf: "Heischeverse und Narrensprüche". Zit.: „Hier findest Du die wirklich wichtigen Dinge der alemannischen Fasnacht.“(!)

Vgl.: Dominique Hahn: Neue „Stolpersteine“ für Radolfzell, Wochenblatt, 16. September 2020; Online.

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Neuerscheinung

Markus Wolter: Die Radolfzeller Ärzteschaft im Nationalsozialismus. Das Fallbeispiel Dr. med. Hans Foerster (1894-1970).

In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 138. Heft 2020, Thorbecke Verlag 2020, S. 157-192; hier u. a. zu den Zwangssterilisationen der Geschwister Fetzer, zur Verantwortung der Ärzteschaft, zum NS-Ärztebund und zur Rolle der staatlichen Gesundheitsämter.

2020/08/24 12:30 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Vor 80 Jahren: "Aktion T4" - Zum Gedenken an die Opfer des NS-"Euthanasie"-Programms 1940

Im Rahmen der staatlich angeordneten und durchgeführten Massenmorde ("Aktion T4") an psychisch kranken und behinderten Menschen, die vor 80 Jahren in Deutschland begannen, wurden in den Monaten Mai bis November 1940 allein 214 Männer und 242 Frauen aus der „Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz“ (Reichenau) in die Tötungsanstalt Grafeneck gebracht und dort in einer Gaskammer ermordet. Im Dezember 1940 und Januar/Februar 1941 erfolgte in drei weiteren Transporten die „Verlegung“ von 69 Reichenauer Patient/inen in die als Zwischenanstalt fungierende Anstalt nach Wiesloch, von wo aus die meisten in die Tötungsanstalt Hadamar verbracht wurden. Die Reichenauer Anstalt wies damit eine „Tötungsrate“ von über 50 % ihres Krankenstandes (869 Patient/innen) von Anfang 1940 auf.

Insgesamt konnten 14 „T4“-Opfer aus Radolfzell und den Ortsteilen ermittelt werden; an ihr Leben erinnern in Radolfzell bislang sechs Stolpersteine, die 2015 und 2016 verlegt wurden. Die Frauen, Männer und Kinder waren Patient*innen der Heil- und Pflegeanstalten Reichenau, Emmendingen und Wiesloch, der Kreispflegeanstalt Geisingen, der Universitätsnervenklink Freiburg und/oder „Pfleglinge“ der St. Josefsanstalt Herten und davor in Kinderheimen in Freiburg, Konstanz und Sigmaringen untergebracht.

2020/06/10 14:59 · Markus Wolter

Kundgebung zum 8. Mai 2020 auf dem Luisenplatz

Anlässlich des 75. Jahrestages des Endes des deutschen Nationalsozialismus organisierte das Feministische Antifaschistische Kollektiv (FAK) auf dem Radolfzeller Luisenplatz eine Kundgebung unter dem Motto “Entnazifizierung – Heraus zum 8. Mai!”, die erst von der Radolfzeller Stadtverwaltung verboten, später dann doch noch mit Auflagen zugelassen wurde. Mehrere regionale Gruppen wie die Konstanzer Seebrücke, das OAT Konstanz, die VVN-BdA, die Linksjugend, das Rojava-Bündnis und die Singener Teestube riefen mit zur Kundgebung auf und hielten teils eigene Reden. Ca. 40 Personen waren gekommen und informierten sich anhand von Texttafeln z.B. über das unsägliche Gedenkmal das heute noch gefallene SS-Angehörige als „Opfer“ ehrt. Die Namen der SS-Angehörigen waren mit pinker Kreide hervorgehoben worden - auf den Stufen vor dem Denkmal stand „Deutsche Täter sind keine Opfer“. Das Kriegerdenkmal wurde mit VVN- und Antifafahnen verziert.

Bericht beim Feministischen Antifaschistischen Kollektiv

2020/05/09 15:34 · sw · 0 Kommentare

Der Vortrag entfällt aus bekannten Gründen- Verschoben auf Herbst 2020

Vortrag VHS Konstanz - "Dr. med. Ludwig Finckh und die NS-Rassenhygiene"

Gauschulungslager des NS-Lehrerbundes (NSLB), Gaienhofen. „5. Lehrgang, Sonderkurs in Erbbiologie und Rassenkunde“, 1935. Ansichtskarte eines Kursteilnehmers an seine Familie in Pforzheim

Über Dr. med. Ludwig Finckh (1876-1964) wäre vermutlich längst das letzte Wort gesprochen und der Autor vergessen worden, wenn es sich bei ihm nur um den sogenannten „Heimat-Dichter“, den „Rosendoktor“ von der Höri gehandelt hätte. Als virulenter Nationalsozialist gibt Finckh stattdessen heute noch Anlass, sich mit seinem Fall kritisch auseinanderzusetzen. Teils als Vordenker, teils als Vortragsredner in Sachen NS-„Rassenhygiene“, betätigte sich Finckh u.a. als „Weltanschauungslehrer“ des NS-Lehrerbundes am Gauschulungslager des NSLB in Gaienhofen und an der Waffen-SS-Unterführerschule in Radolfzell. Neueste Recherchen belegen die Teilnahme von Finckhs Gauschulungslagern an eugenischen Tagungen der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau in den Jahren 1934-1938. (Text: Markus Wolter)

Referent: Markus Wolter, MA

Ort: VHS Konstanz-Singen e.V., Katzgasse 7, Astoria Saal

Datum: 24. März 2020

Zeit: 19.30 - 21.00 Uhr

Anmeldung: VHS-Konstanz

2020/01/30 12:15 · Markus Wolter · 2 Kommentare
 
blog/75._jahrestag_der_reichspogromnacht.txt · Zuletzt geändert: 2014/02/15 22:56 von sw
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