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Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Ernst Ludwig Kreer (1878-1960)


Passbild, Ausweis "Verfolgter des Nationalsozialismus", 1949. StAF

Ernst Ludwig Kreer wurde am 19. November 1878 in St. Gallen geboren und starb am 31. März 1960 in Radolfzell. Er wuchs in einer Pflegefamilie in Essingen-Lauterburg auf, wo er die Volksschule besuchte und 1892 konfirmiert wurde. Nach seiner Ausbildung zum Schreiner arbeitete er als Geselle an verschiedenen Orten in Süddeutschland und in der Schweiz. Im Oktober 1915 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und kämpfte von 1916 bis Kriegsende an der Westfront. Nach dem Krieg machte er sich in Göggingen, Landkreis Stockach, als Schreiner selbstständig und zog 1925 nach Radolfzell, wo er seine Schreinerei im Hinterhaus der Allweilerstraße 31 betrieb. Dort war er Hausnachbar von Ernst Gnirß, der ab November 1938 in der Allweilerstr. 29 wohnte.

Der parteilose Ernst Ludwig Kreer wurde bereits 1934 wegen regimekritischer Äußerungen in einer Gastwirtschaft zu einer Geldstrafe verurteilt. Nach einer Denunziation wurde Kreer am 16.5.1940 durch die Gestapo in Radolfzell verhaftet. Seine Untersuchungshaft verbrachte er vom 3.6. bis 20.9.1940 im Konstanzer Gerichtsgefängnis. Angeklagt und verurteilt wurde er wegen „Rundfunkverbrechen“ und „gefährlicher Gegnerschaft gegen die Nationalsozialisten“. Zitat aus der Anklageschrift, Sondergericht Mannheim, 30. August 1940:

„In Radolfzell wird Kreer von jeher als ein Gegner des Nationalsozialismus eingeschätzt, der seine Einstellung bewusst zeige, indem er den Hitler-Gruß verweigere, sich durch Kritik hervortue und für das WHW (Winterhilfswerk) oder sonst. Sammlungen nie etwas gebe.“

Ebenfalls laut Anklageschrift hörte Ernst Ludwig Kreer in den Jahren 1939 und 1940 mit seinem Rundfunkgerät täglich ausländische Radiosender ab und besprach die gehörten Nachrichten mit mehreren Bekannten. Unter den von ihm abgehörten Sendern war auch der Schweizer Mittelwellensender Beromünster, der damals in weiten Teilen von Europa empfangen werden konnte und im Zweiten Weltkrieg eine wichtige, unabhängige Informationsquelle darstellte:

„Die Angeschuldigten [neben Kreer waren im selben Verfahren Karl Rösch und Wilhelm Steinwedel des 'Rundfunkverbrechens' angeklagt] haben somit, teilweise gemeinschaftlich, fortgesetzt absichtlich ausländische Sender abgehört. Kreer hat außerdem fortgesetzt Nachrichten ausl. Sender, die geeignet sind, die Widerstandskraft des Dt. Volkes zu gefährden, vorsätzlich verbreitet.“

Das Sondergericht Mannheim verurteilte den 61-Jährigen am 20. September 1940 zu 2 Jahren und 8 Monaten Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust. Kreer verbüßte seine Strafe unter Anrechnung der Untersuchungshaft bis zum 20. November 1942 im Zuchthaus Ludwigsburg.


Stolperstein für Ernst Ludwig Kreer, Allweilerstr. 31/1, Radolfzell, verlegt am 11. September 2015.

Ernst Ludwig Kreer überlebte, kehrte zurück und meldete sich direkt nach Kriegsende am 25. Mai 1945 in der Radolfzeller „Neuen Freien Stimme“ mit dem eindringlichen Artikel: "Wir haben doch gesiegt!" zu Wort. Zitat: „Nachdem die Alliierten (…) den Schleier gelüftet haben, erfasst uns ein Grauen vor all dem Tierischen, was durch den Nationalsozialismus im Menschen gezüchtet wurde.“ Kreer blieb ein kritischer Geist auch in den Anfangsjahren der Bundesrepublik. Im Zusammenhang seiner Anerkennung als Verfolgter des Nationalsozialismus und dem Wiedergutmachungsverfahren im Jahr 1952 protestierte er vehement gegen die Behörden, da diese selbst ehemalige NSDAP-Angehörige und Nutznießer des NS-Regimes als „Verfolgte des Nationalsozialismus“ anerkannt hätten.

Ernst Ludwig Kreer war verheiratet mit Maria Keller aus Radolfzell, geb. ?, gest. 24. Oktober 1974 in Radolfzell. Die Ehe blieb kinderlos.

Lebende Angehörige sind Anna Kreer, Radolfzell, Witwe von Adolf Kreer, des Neffen von Ernst Ludwig Kreer, und Heidi Rausch, Aach, deren Tochter.

Recherche: Markus Wolter
Patenschaft: Friedrich-Hecker-Gymnasium Radolfzell

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Quelle:

Wiedergutmachungsakte Ernst Ludwig Kreer, StAF F196/1-1157.

E.L. Kreer: „Wir brauchen nur an den Steißlinger Mord zu denken…“ - Jean Zimmermann (1918-1944)

Jean Zimmermann, hier als Mitglied der Basketball-Mannschaft "Black Star" von Bischheim, aufgenommen 1936/37. Vgl.: http://bischheimbasket.fr/histo.php.

Am 3. Dezember 1944 wurde der aus dem elsässischen Bischheim bei Straßburg stammende, nach Zwangsumschulung und Dienstverpflichtung seit Dezember 1941 an der Steißlinger Volksschule unterrichtende Lehrer Jean Zimmermann (19.2.1918, Bischheim - 3.12.1944, Steißlingen) im Rathaus von Steißlingen von „zwei auswärtigen NS-Funktionären“ (zit. Paul Forster) erschossen. Jean Zimmermann war seit 1942 mit Marta Gut, Straßburg, verheiratet, die ebenfalls mit nach Steißlingen gekommen war und dort 1943 vorübergehend als Organistin wirkte, bevor ihr dieses Amt von der Stockacher Kreisleitung verboten wurde. Das Paar hatte einen Sohn.

Initiiert wurde der Mord an Jean Zimmermann von dem Steißlinger NSDAP-Ortsgruppenleiter Friedrich (Fritz) Baumann (21.1.1901-April 1945); unter Einbindung der Stockacher NSDAP-Kreisleitung unter Kreisleiter Albert Zimmermann (1906-1949). Laut „Bericht des Bürgermeisters von Steißlingen [Franz Xaver Oexle] über den Mord von Lehrer Hans Zimmermann am 3.12.1944“ habe sich Jean Zimmermann im Rahmen seiner Einberufung zum Volkssturm am 26. November 1944 gegenüber Baumann geweigert, als Franzose den befohlenen Eid auf Adolf Hitler abzulegen. Daraufhin seien am Sonntag, den 3. Dezember 1944 gegen 17.10 Uhr Ortsgruppenleiter Baumann, der Ludwigshafener Bürgermeister, zugleich Ortsgruppenleiter und Btl.-Kommandeur des Volkssturms Eugen Jegler (?-11.5.1945) und „SS-Mann [N.N.] Knobelspies aus Orsingen“ am Steißlinger Rathaus vorgefahren. Baumann habe den „ahnungslosen“, lt. Oexle von Baumann bereits seit längerem drangsalierten und diesem persönlich verhassten Jean Zimmermann ins Rathaus rufen lassen, wo er durch das „nationalsozialistische Rollkommando“ (Pfarrer Andreas Strobel) durch vier Schüsse in den Kopf regelrecht hingerichtet wurde. Bei einem der Rastatter Kriegsverbrecherprozesse wurde laut Angabe in Baumanns Spruchkammerakte festgestellt, dass es Jegler gewesen sei, der nach einem „Handgemenge“ mit Zimmermann diese Schüsse aus seiner Dienstpistole abgegeben habe.

Gegen Weisung des Stockacher Kreisleiters Albert Zimmermann, der die „Verlochung“ der Leiche angeordnet hatte, bekam Jean Zimmermann am 6. Dezember 1944 auf dem Steißlinger Friedhof ein ordentliches Begräbnis. Gegen seine Mörder leitete die NS-Staatsanwaltschaft formell ein Verfahren wegen Totschlags ein, dessen Eröffnung von der SS und der Kreisleitung 1944 jedoch verhindert wurde. Die drei Täter machten zudem „Notwehr“ geltend.

Das französische Militär hielt Baumann für den Haupttäter und erschoss ihn nach seiner Festnahme am 29. April 1945; er wurde wenige Tage später in einem Wald bei Wahlwies tot aufgefunden. Das postume Spruchkammerverfahren ordnete Baumann 1949 der Gruppe der „Schuldigen“ zu.1) Der von den Franzosen in Ludwigshafen internierte und nach Stockach überführte Jegler starb dort am 11.5.1945.

Vom SS-Oberscharführer zum „Narrenvater“: Der Fall Karl Knobelspies

Zur Person von „SS-Mann Knobelspies aus Orsingen“ war bislang nichts bekannt. Jüngste Recherchen ergaben Folgendes: Ein Spruchkammerverfahren gegen Knobelspies hat es offenbar nicht gegeben; stattdessen hatte er sich lt. Spruchkammerakte Friedrich Baumanns nach 1946 vor dem besagten Rastatter Kriegsverbecherprozess des Tribunal général zu verantworten und wurde wegen Beihilfe zum Mord an Zimmermann zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Knobelspies soll lt. Verteidiger Dr. Frowein vor Gericht eingeräumt haben, am Mordgeschehen in Steißlingen beteiligt gewesen zu sein, allerdings habe er lediglich versucht, Jegler und Zimmermann voneinander zu trennen. Das Gericht stellte dagegen fest, dass durch Knobelspies' Eingreifen Jegler erst in die Lage versetzt worden sei, seine Pistole zu betätigen und auf Jean Zimmermann zu schießen. Eine Sichtung der Prozessunterlagen, die das Archiv des Franz. Außenministeriums in La Courneuve bei Paris verwahrt, steht derzeit noch aus. Im Stadtarchiv Stockach sind mehrere Dokumente und Verzeichnisse überliefert, die Karl Knobelspies, geb. 11.1.1912 in Orsingen, als Angehörigen der Allgemeinen SS ausweisen. In den Stockacher Archivalien findet sich u.a. auch der Hinweis, dass seine Ehefrau in Stockach, Nenzinger Str. 69, lebte (Stadtarchiv Stockach, Berner B, XIII.1/53); das Paar, das 1936 in Nenzingen geheiratet hatte, bekam zwei Töchter, geb. 1937 und 1939. Der Wohnort von Karl Knobelspies wird dort als „unbekannt“ vermerkt.

Im „Einwohnerbuch für den Bezirk Stockach“, Meßkirch 1938, S. 22, ist Karl Knobelspieß(!) als Einwohner der Stadt Stockach verzeichnet; Berufsangabe: Schmied, Adresse: Rißtorferstr. 69.

Knobelspies wird ferner in einem 1945 erstellten „Verzeichnis der noch in Stockach wohnenden männlichen Personen“ als Beschäftigter der Stockacher Metallwarenfabrik Glatt (heute Aluminium Stockach) geführt (Berner B, XIII. 1/46). Im Aktenfaszikel B, XIII.1/49 (Feststellung über Mitglieder der NSDAP sowie Beamten und Würdenträger der NSDAP. Liste der Parteimitglieder) wird Karl Knobelspies 1946 mit 9 anderen Mitgliedern als Mitglied der „Allgemeinen SS“ gelistet. Dort finden sich auch sein Beruf (Schmiedemeister), sein Geburtsdatum (11. Januar 1912) und sein letzter Dienstgrad (SS-Oberscharführer), NSDAP-Mitgliedschaft seit 1933. Letzter Aufenthaltsort: Stockach (nachgetragen. Das zunächst eingetragene Orsingen wurde gestrichen). „Augenblicklicher Aufenthaltsort: unbekannt“ (Stockach wurde gestrichen). Berner B, XIII. 1/53 (Durchführung des Gesetzes Nr. 52. Verzeichnis der gesperrten Vermögen) führt Karl Knobelspies in 2 Listen. Einmal wird er dort als Mitglied der „Heimat-SS“ genannt, das andere Mal in einer Liste der Bezirkssparkasse Stockach als Karl Knobelspies, SS-Oscha, Wohnort Stockach/Risstorf. Durch Internet-Recherchen fanden sich auf der Homepage des "Fördervereins Dorfgemeinschaft Nußdorf e.V." (abgerufen 9.6.2017|15.1.2019), Überlingen-Nußdorf, mehrere Fotografien der „Nußdorfer Narrengesellschaft“ eingestellt, die u.a. den Nußdorfer „Narrenvater Karl Knobelspies“ der Jahre 1955-1970, genannt „Zacken-Karle“, zeigen und eine Identifizierung ermöglichten: laut Auskunft der Friedhofsverwaltung Überlingen sind dessen Geburtsdatum und Geburtsort mit den Daten des Orsinger SS-Oberscharführers Karl Knobelspies identisch.

Der offenbar vorzeitig aus der Haft entlassene Karl Knobelspies meldete sich laut Einwohnermeldekarte bereits am 21. Februar 1953, aus Stockach, Nenzinger Str. 69 kommend, mit seiner Familie in Nußdorf an und zog Anfang 1957 nach Überlingen, wo er bei den Kramer-Werken GmbH zum Maschinenbaumeister aufstieg und bis zu seinem Tod am 30. März 1993 lebte - ohne vermutlich jemals wieder mit seiner Vergangenheit konfrontiert zu werden. Die Nußdorfer Narrengesellschaft hielt „ihren“ „Narrenvater“ in Text und Bild bis zuletzt in ehrendem und unkritischem Andenken. Als „Zunftmeister der Schneckenzunft Nußdorf“ bekam Knobelspies 1967 den Auftrag, die Herstellung des „Narrenbuchs“ der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee in die Wege zu leiten, wofür er noch heute auch auf deren Homepage gewürdigt wird.2) Begraben liegt Knobelspies auf dem Nußdorfer Friedhof.

8, rue Jean Zimmermann, Bischheim

Die sterblichen Überreste Jean Zimmermanns wurden am 3. Dezember 1947 von Steißlingen nach Bischheim überführt. Seine Heimatstadt ehrt Jean Zimmermann seit 1946 mit einer nach ihm benannten Straße (rue Jean Zimmermann), in der damals noch seine Eltern wohnten.Vgl. Totenzettel o.J. und Hommage à Jean Zimmermann, Zeitungsartikel 1974.

Vgl.: Spruchkammerakte Friedrich Baumann, StAF D 180/2, 223495; ferner: Akte „Jean Zimmermann“: „Bericht des Bürgermeisters von Steißlingen über den Mord von Lehrer Hans Zimmermann am 3. Dezember 1944“; ferner: „Überführung des von Ortsgruppenleiter Baumann und dessen Helfern 1944 ermordeten elsässischen Lehrers Hans Zimmermann von Steißlingen nach Bischheim“ , 1946/47, Gemeindearchiv Steißlingen; Einwohnermeldekarte Karl Knobelspies, Stadtarchiv Überlingen; vgl. ferner: Paul Forster: Steißlingen. Vergangenheit und Gegenwart. Beiträge zur Geschichte des Dorfes Steißlingen, Singen, Hegau-Geschichtsverein (= Hegau-Bilbiothek, Band 60) 1988, S. 174.

Markus Wolter, 2017.


1) So in der Vorschlagsbegründung des Konstanzer Untersuchungsausschusses; das Spruchkammerurteil fehlt bezeichnenderweise in der Akte, StAF D 180/2, 223495.
2) Vgl. Narrenvereinigung Hegau-Bodensee (abgerufen am 9.10.2017): Zit.: „Am 5.März 1967 gab der Frühjahrskonvent in Neufrach seine Zustimmung ein Narrenbuch anzulegen. Es sollte eine Dokumentation der Vereinigung werden, in der sich jede Zunft mit einem Einlageblatt vorstellt. Initiator war der damalige Vizepräsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, Fritz Widenhorn. Auf der Suche nach einem Vorbild für das Buch wurden Präsident Heinrich Rehm, Vizepräsident Fritz Widenhorn und der Zunftmeister der Schneckenzunft Nußdorf, Karl Knobelspies eines Tages in Birnau vorstellig und ließen sich vom Prior alte Folianten zeigen. Karl Knobelspies erhielt dann den Auftrag, die Herstellung des Buches in die Wege zu leiten. Werner Hensler in Nußdorf hat das Buch gebunden während Karl Knobelspies die Beschläge anfertigte und anbrachte. Bei der Eröffnung des Fasnachtmuseums Schloss Langenstein am 9. November 1969 wurde das Buch der Narrenvereinigung übergeben.“

Termine

Vor 80 Jahren: "Aktion T4" - Zum Gedenken an die Opfer des NS-"Euthanasie"-Programms 1940

Die „Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz“ (Reichenau). Luftbild Paul Strähle, 1926. Alle Rechte vorbehalten. Copyright by Luftverkehr Strähle. Schorndorf / Württ. Sammlung M.W.

Im Rahmen der staatlich angeordneten und durchgeführten Massenmorde ("Aktion T4") an psychisch kranken und behinderten Menschen, die vor 80 Jahren in Deutschland begannen, wurden in den Monaten Mai bis November 1940 allein 214 Männer und 242 Frauen aus der „Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz“ (Reichenau) in die Tötungsanstalt Grafeneck gebracht und dort in einer Gaskammer ermordet. Im Dezember 1940 und Januar/Februar 1941 erfolgte in drei weiteren Transporten die „Verlegung“ von 69 Reichenauer Patient/inen in die als Zwischenanstalt fungierende Anstalt nach Wiesloch, von wo aus die meisten in die Tötungsanstalt Hadamar verbracht wurden. Die Reichenauer Anstalt wies damit eine „Tötungsrate“ von über 50 % ihres Krankenstandes (869 Patient/innen) von Anfang 1940 auf.

Insgesamt konnten 14 „T4“-Opfer aus Radolfzell und den Ortsteilen ermittelt werden; an ihr Leben erinnern in Radolfzell bislang sechs Stolpersteine, die 2015 und 2016 verlegt wurden. Die Frauen, Männer und Kinder waren Patient*innen der Heil- und Pflegeanstalten Reichenau, Emmendingen und Wiesloch, der Kreispflegeanstalt Geisingen, der Universitätsnervenklink Freiburg und/oder „Pfleglinge“ der St. Josefsanstalt Herten und davor in Kinderheimen in Freiburg, Konstanz und Sigmaringen untergebracht.

4. Stolperstein-Verlegung in Radolfzell, 24. September 2020

Am 24. September des Gedenkjahres kommt es zur Verlegung von fünf weiteren Stolpersteinen im Stadtgebiet von Radolfzell. Sie gelten Josefa Trost, geb. Klaus, Opfer der „Euthanasie“-„Aktion T4“ 1940, sowie Hermine Bauer und den Geschwistern Josefine Fetzer, Anna Fetzer und Agnes Zimmermann, geb. Fetzer, die nach Maßgabe des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuches“ 1934-1938 zwangssterilisiert wurden.

Vgl.: Informationssystem des Radolfzeller Gemeinderats, Beschluss in der GR-Sitzung vom 5. Juni 2020.

Vgl.: Initiative Stolpersteine-Radolfzell

2020/06/10 14:59 · Markus Wolter

Kundgebung zum 8. Mai 2020 auf dem Luisenplatz

Anlässlich des 75. Jahrestages des Endes des deutschen Nationalsozialismus organisierte das Feministische Antifaschistische Kollektiv (FAK) auf dem Radolfzeller Luisenplatz eine Kundgebung unter dem Motto “Entnazifizierung – Heraus zum 8. Mai!”, die erst von der Radolfzeller Stadtverwaltung verboten, später dann doch noch mit Auflagen zugelassen wurde. Mehrere regionale Gruppen wie die Konstanzer Seebrücke, das OAT Konstanz, die VVN-BdA, die Linksjugend, das Rojava-Bündnis und die Singener Teestube riefen mit zur Kundgebung auf und hielten teils eigene Reden. Ca. 40 Personen waren gekommen und informierten sich anhand von Texttafeln z.B. über das unsägliche Gedenkmal das heute noch gefallene SS-Angehörige als „Opfer“ ehrt. Die Namen der SS-Angehörigen waren mit pinker Kreide hervorgehoben worden - auf den Stufen vor dem Denkmal stand „Deutsche Täter sind keine Opfer“. Das Kriegerdenkmal wurde mit VVN- und Antifafahnen verziert.

Bericht beim Feministischen Antifaschistischen Kollektiv

2020/05/09 15:34 · sw · 0 Kommentare

Der Vortrag entfällt aus bekannten Gründen- Verschoben auf Herbst 2020

Vortrag VHS Konstanz - "Dr. med. Ludwig Finckh und die NS-Rassenhygiene"

Gauschulungslager des NS-Lehrerbundes (NSLB), Gaienhofen. „5. Lehrgang, Sonderkurs in Erbbiologie und Rassenkunde“, 1935. Ansichtskarte eines Kursteilnehmers an seine Familie in Pforzheim

Über Dr. med. Ludwig Finckh (1876-1964) wäre vermutlich längst das letzte Wort gesprochen und der Autor vergessen worden, wenn es sich bei ihm nur um den sogenannten „Heimat-Dichter“, den „Rosendoktor“ von der Höri gehandelt hätte. Als virulenter Nationalsozialist gibt Finckh stattdessen heute noch Anlass, sich mit seinem Fall kritisch auseinanderzusetzen. Teils als Vordenker, teils als Vortragsredner in Sachen NS-„Rassenhygiene“, betätigte sich Finckh u.a. als „Weltanschauungslehrer“ des NS-Lehrerbundes am Gauschulungslager des NSLB in Gaienhofen und an der Waffen-SS-Unterführerschule in Radolfzell. Neueste Recherchen belegen die Teilnahme von Finckhs Gauschulungslagern an eugenischen Tagungen der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau in den Jahren 1934-1938. (Text: Markus Wolter)

Referent: Markus Wolter, MA

Ort: VHS Konstanz-Singen e.V., Katzgasse 7, Astoria Saal

Datum: 24. März 2020

Zeit: 19.30 - 21.00 Uhr

Anmeldung: VHS-Konstanz

2020/01/30 12:15 · Markus Wolter · 2 Kommentare

Gerhard Zahner: "Weißes Blut". Eine dramatische Lesung zur Weihnacht

Zeit: 24.12.2019, 14.00 Uhr

Ort: THEATER-KULTUR-ZENTRUM, Fürstenbergstrasse 7a, Radolfzell

„Der Arzt Nathan Wolf (1882–1970) war Jude aus Wangen, er wurde von den Nazis vertrieben und im KZ Dachau eingesperrt und gepeinigt. Nach dem Krieg kehrte er nach Wangen, in seine Höri zurück. Er ist zurück gekehrt, nicht heimgekehrt. Die jüdische Gemeinde in der Höri vernichtet, die Synagogen zerstört. Nicht heimkehren, zurückkehren, darum geht es diesem Stück. Eine Situation, die heute so viele Flüchtlinge betrifft. Auch ihre Heimat ist für immer zerstört. Die neue Heimat ist vielleicht, solchen Menschen wie Nathan Wolf gerecht zu werden, ihrem Leben. Letztlich, wenn heute Abgeordnete aus den Protokollen der Weisen von Zion zitieren, diesem Buch aus dem Giftschrank der Verleumdung, scheitern wir alle und vertreiben uns selbst.“

Programmtext: http://www.zellerkultur.de/veranstaltungen.html

Hintergrund: https://www.wolf-wangen.com/

2019/12/14 16:25 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
stolpersteine/ernst_ludwig_kreer.txt · Zuletzt geändert: 2019/02/01 12:00 von mw
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