Aktuelles
Stolpersteine
Radolfzell
Bodenseeregion
Recherche
Wiki
Karte von Radolfzell

Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Radolfzell im Nationalsozialismus

„Ich weiß, dass wir all diese Dinge zu wissen meinen, und zwar, wie man sagt, zur Genüge.
Wenn man an Ort und Stelle steht, zeigt es sich, dass wir sie durchaus nicht wissen.
Das Unvorstellbare entzieht sich unserem Gedächtnis.“
Max Frisch

Radolfzell ist eine Kleinstadt am Bodensee. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde hier eine Kaserne für die Waffen-SS erbaut, von der in den darauf folgenden Jahren hier und weit über die Region hinaus Verbrechen ausgingen. Die Radolfzeller SS sprengte in der Region Synagogen, deportierte Jüdinnen und Juden in Konzentrationslager, war am 'Anschluß' von Österreich, der Besetzung der Su­de­ten­deut­schen Ge­bie­te, der Zer­schla­gung der Tsche­cho­slo­wa­kei und dem Über­fall auf Polen beteiligt.

Die Ra­dolf­zel­ler Ka­ser­ne wurde von 1941 bis 1945 zu einem Außenkommando1) des KZ Dachau.

Beinahe 65 Jahre lang wurde darüber weitgehend geschwiegen. Erst in den letzten Jahren änderte sich das. Mittlerweile ist das Thema Stadtgespräch. Im Jahr 2010 wurde ein Theaterstück geschrieben, ein Dokumentarfilm gedreht und in der Presse breit darüber berichtet.

Mehr zur historischen Aufarbeitung der NS-Zeit und dem Gedenken in Radolfzell findet sich in der Chronologie.

Das Wiki

Dieses Wiki soll dazu beitragen, die Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell und Umgebung wieder sichtbar zu machen und ein würdiges Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu ermöglichen.

Neu im Wiki

Dokument des Monats

„Summa cum laude“

„Gesetzliche Unfruchtbarmachung Geisteskranker“.

Reihentitel und Titelblatt der Dissertationsschrift des Moraltheologen Joseph Mayer (1886–1967), seit 1924 Assistent am Institut für Caritas-Wissenschaft der Universität Freiburg. Sie wurde unter dem Titel „Die Sterilisation Anormaler von Staats wegen“ 1926 eingereicht und Mayer 'summa cum laude' promoviert. Im einleitenden Kapitel beklagt sich der Theologe in unverblümten Worten über das in seinen Augen für keine Gesellschaft auf Dauer tragbare „Anormalenelend“ der „Minderwertigen“, „Geisteskranken“ und „Verbrecher“, radotiert über deren „erbliche Belastungen“ und das „soziale und moralische Elend der freilebenden Geisteskranken“. Mayers Schrift sammelt auf 466 Seiten vermeintlich „ethische“ Argumente für die staatlich anzuordnende „Unfruchtbarmachung“ der sich „ungehemmt“ ansonsten „viel mehr und schneller als die Tüchtigen“ vermehrenden „Minderwertigen“ und warnt:

„Erblich belastete Geisteskranke befinden sich in ihrem Triebleben auf der Stufe der unvernünftigen Tiere.“

„Die Geisteskranken, die moralisch Irren und andere Minderwertige haben so wenig ein Recht Kinder zu zeugen, als sie ein Recht haben Brand zu stiften.“

Mayers Werk bekam das Imprimatur, die kirchliche Druckerlaubnis, erschien unbeanstandet 1927 im Herder Verlag und wurde allgemein positiv aufgenommen. Die Vereinigung katholischer Seelsorger an Deutschen Heil- und Pflegeanstalten pries es als Standardwerk, als eine „Rüstkammer für kommende Zeiten“.

Nur sieben Jahre später waren diese „Zeiten“ gekommen: das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ trat in Kraft, mit dem der nationalsozialistische Staat Zwangssterilisationen in hunderttausenden Fällen willkürlich anordnete und durchführen ließ.

Markus Wolter, 2016

Offenes Gedenken

Das ist der Webauftritt für eine Initiative zum Offenen Gedenken rund um den Komplex Radolfzell zur Zeit des Nationalsozialismus.

Offenes Gedenken meint nicht nur die historischen Fakten sondern vor allem den Umgang damit. Geschichte soll - ganz in der Tradition der Geschichtswerkstätten - Geschichte von unten sein, deren Erforschung und Bewertung jeder Person gleichermaßen zugänglich ist. Geschichte von unten ist voraussetzungslos, d.h. man muss dazu nicht ausgewiesener Historiker sein oder ein Amt innehaben.

Offenes Gedenken kann sehr praktische Formen annehmen. So können Zeitzeugengespräche organisiert, Infotafeln oder Gedenkstelen installiert, Informations-Veranstaltungen durchgeführt und Gedenkstätten erschlossen und gepflegt werden. Ein Element ist sicher auch das Zusammentragen sämtlicher Fakten zu den Gedenkorten und das Sichern und Archivieren des gefundenen Materials.

Mögliche Themen, die sich zum Komplex Radolfzell zur NS-Zeit anbieten, sind:

Mach mit!

Heutzutage kann ein ein derartiges Vorhaben sehr gut mit elektronischen Medien unterstützt werden.

Geplant ist, eine Mailingliste für alle Interessierten einzurichten und gemeinsam mit vielen Leuten eine Wiki-Seite aufzubauen und zu pflegen. An dieser Wiki-Seite kann jeder und jede mitarbeiten. Die Kontaktaufnahme geschieht einfach über das Kontaktformular.

Die hier veröffentlichten Texte und Medien sind gemeinfrei im Sinne folgender Creative Commons-Lizenz: Namensnennung, Nicht-Kommerziell, Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Flyer

Flyer download (PDF, 1MB)

Anmerkungen


1) Verschiedentlich auch als „Außenlager“ oder „Nebenlager“ bezeichnet

Termine

Vortragsveranstaltung am 28.6.2016 - Initiative "Stolpersteine in Radolfzell"

Dr. Gabriel Richter, ZfP Reichenau:

"Euthanasie" in Baden am Beispiel der seinerzeitigen Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz

Mit den für den 2. Juli geplanten Stolpersteinverlegungen für Albertine Hässig, Walter Josef Böhler, Frieda Armbruster und Berta und Elisabeth Welschinger wird an weitere fünf Radolfzeller Opfer der zehntausendfachen NS-„Euthanasie“- und Krankenmorde 1940/41 erinnert, die nach der Adresse der Berliner Planungs- und Organisationszentrale (Tiergartenstr. 4) unter dem Tarnnamen „T4“ durchgeführt wurden.

Mit Ausnahme der Kinder Walter Josef Böhler (1934-1940) und Elisabeth Welschinger (1931-1940) - „Pfleglinge“ der St. Josefsanstalt Herten - waren die Radolfzeller „Euthanasie“-Opfer Patienten der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Reichenau, bevor sie 1940 in der NS-Tötungsanstalt Grafeneck ermordet wurden.

Vor diesem Hintergrund lädt die Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ zu einem Vortrag ein, der die regionalen Strukturen und Dimensionen der „Aktion T4“ am Beispiel der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau beleuchtet:

Dr. Gabriel Richter, Chefarzt am Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Reichenau:

„Euthanasie“ in Baden am Beispiel der seinerzeitigen Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz.

Datum: 28. Juni 2016

Ort: Teggingerschule, Radolfzell, Teggingerstr. 3

Zeit: 19.30 Uhr

Im Anschluss wird die Möglichkeit zu einer Diskussion sein.

Der Eintritt ist frei.

2016/04/20 15:19 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Stadtmuseum Radolfzell - Sonderausstellung zur "Aktion T4"

Das Stadtmuseum Radolfzell zeigt vom 30. April bis 21. August 2016 die Sonderausstellung

„Aktion T4 Berlin/Radolfzell. Mord im Namen der Volksgesundheit“.

Sie basiert auf der Berliner Wanderausstellung „Tiergartenstraße 4 – Geschichte eines schwierigen Ortes“ und wird in Radolfzell um Dokumente aus dem dortigen Stadtarchiv ergänzt.

Im Rahmen dieser Ausstellung lädt das Stadtmuseum zu Vortragsveranstaltungen ein:

12. Mai 2016: Thomas Stöckle, Gedenkstätte Grafeneck: Geschichte und Erinnerung. Grafeneck 1940 und die Heilanstalt Winnenden im Nationalsozialismus.

3. Juni 2016: Dr. Petra Schweizer-Martinscheck: Die Strafverfolgung von NS-„Euthanasie“ - Verbrechen in beiden deutschen Staaten.

16. Juni 2016: Thomas Stöckle, Gedenkstätte Grafeneck: Vergessen und wieder erinnert. Aufarbeitung und Erinnerungskultur zu den NS-„Euthanasie“-Verbrechen nach 1945.

Quellen: Text zur Ausstellung, Stadt Radolfzell; Veranstaltungen, Stadt Radolfzell

2016/04/18 10:10 · Markus Wolter · 0 Kommentare

28. Stolpersteintreffen

Das 28. Treffen der Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ wird am Sonntag, den 03.04.2016, um 14:30 Uhr stattfinden. Themen sind u.a. die Stolpersteinverlegung am 2.07.2016 und die Begleitveranstaltung mit Dr. Gabriel Richter. Treffpunkt ist das Gemeindehaus der evangelischen Christuskirche Radolfzell, Brühlstraße 3.

2016/04/02 18:56 · sw · 0 Kommentare

Gastspiel: "Ännes letzte Reise" - Bühnenstück zur NS-"Euthanasie", Stadttheater Konstanz

Das Stück (Theater mini-art, Bedburg-Hau) basiert auf biografischem und dokumentarischem Material zum Lebensweg der 1940 in der Vernichtungsanstalt Grafeneck ermordeten Anna Lehnkering (1915-1940).

Vgl.: Programmtext, Stadttheater Konstanz

Termin: 9. März 2016, 20 Uhr und 10. März 2016, 11 Uhr

Ort: Werkstattbühne des Stadttheaters Konstanz

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, vhs Konstanz-Singen e.V., Stadttheater Konstanz

Eintritt: EUR 11,00 / ermäßigt EUR 8,00 / Schulklassen EUR 5,00 (pro SchülerIn)

Kartenverkauf: Theaterkasse Konstanz

2016/03/02 19:42 · Markus Wolter · 0 Kommentare

26. Stolpersteintreffen

Das 26. Treffen der Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ wird am Sonntag, den 21.02.2016, um 14:30 Uhr stattfinden.

Treffpunkt ist das Gemeindehaus der evangelischen Christuskirche Radolfzell, Brühlstraße 3.

2016/02/01 23:48 · sw · 0 Kommentare
 
start.txt · Zuletzt geändert: 2016/05/07 11:34 von mw
Recent changes RSS feed Creative Commons License Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki