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Karte von Radolfzell

Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Radolfzell im Nationalsozialismus

„Ich weiß, dass wir all diese Dinge zu wissen meinen, und zwar, wie man sagt, zur Genüge.
Wenn man an Ort und Stelle steht, zeigt es sich, dass wir sie durchaus nicht wissen.
Das Unvorstellbare entzieht sich unserem Gedächtnis.“
Max Frisch

Radolfzell ist eine Kleinstadt am Bodensee. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde hier eine Kaserne für die Waffen-SS erbaut, von der in den darauf folgenden Jahren hier und weit über die Region hinaus Verbrechen ausgingen. Die Radolfzeller SS sprengte in der Region Synagogen, deportierte Jüdinnen und Juden in Konzentrationslager, war am 'Anschluß' von Österreich, der Besetzung der Su­de­ten­deut­schen Ge­bie­te, der Zer­schla­gung der Tsche­cho­slo­wa­kei und dem Über­fall auf Polen beteiligt.

Die Ra­dolf­zel­ler Ka­ser­ne wurde von 1941 bis 1945 zu einem Außenkommando1) des KZ Dachau.

Beinahe 65 Jahre lang wurde darüber weitgehend geschwiegen. Erst in den letzten Jahren änderte sich das. Mittlerweile ist das Thema Stadtgespräch. Im Jahr 2010 wurde ein Theaterstück geschrieben, ein Dokumentarfilm gedreht und in der Presse breit darüber berichtet.

Mehr zur historischen Aufarbeitung der NS-Zeit und dem Gedenken in Radolfzell findet sich in der Chronologie.

Das Wiki

Dieses Wiki soll dazu beitragen, die Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell und Umgebung wieder sichtbar zu machen und ein würdiges Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu ermöglichen.

Neu im Wiki

Dokument des Monats

„Das Lachen der Täter“

SS-Unterscharführer der Waffen-SS-Unterführerschule Radolfzell (USR): in der Frühlingssonne 1942

und bei Schießübungen an der Schießanlage im Radolfzeller Stadtwald, 1943.

Die Wälle der 300 m langen Schießbahnen hatten KZ-Häftlinge aus Dachau, Außenkommando Radolfzell 1941-1942 errichten müssen. Bei den Arbeiten wurden mindestens drei Häftlinge „auf der Flucht“ erschossen. Jacob Dörr (1916-1941) und N.N. (?-1942) und Fritz N.N. (?-1942) :

„Die beiden Häftlinge waren dabei, eine Böschung oben einzuebnen. Ich war mit anderen Häftlingen unterhalb der Böschung mit Arbeiten beschäftigt. Plötzlich hörten wir zwei Schüsse. Die beiden toten Häftlinge lagen noch innerhalb des Arbeitsplatzes oben auf der Böschung. Einer der beiden hieß mit Vornamen Fritz. Den Namen des anderen weiß ich nicht mehr. Der SS-Mann, der die tödlichen Schüsse abgegeben hat, hieß Jakob Stock und stammte aus Sachsen. Er hat hinterher erklärt, daß die beiden Häftlinge flüchten wollten. Ich bin ganz sicher, daß dieser SS-Mann Jakob Stock hieß. Der Mann ist später SS-Unterscharführer geworden; zum Zeitpunkt der Schüsse war er meiner Erinnerung nach SS-Oberrottenführer. Sein Ärmelabzeichen bestand aus zwei Winkeln.“ Josef Drehsen, ehemaliger Häftling.

Offenes Gedenken

Das ist der Webauftritt für eine Initiative zum Offenen Gedenken rund um den Komplex Radolfzell zur Zeit des Nationalsozialismus.

Offenes Gedenken meint nicht nur die historischen Fakten sondern vor allem den Umgang damit. Geschichte soll - ganz in der Tradition der Geschichtswerkstätten - Geschichte von unten sein, deren Erforschung und Bewertung jeder Person gleichermaßen zugänglich ist. Geschichte von unten ist voraussetzungslos, d.h. man muss dazu nicht ausgewiesener Historiker sein oder ein Amt innehaben.

Offenes Gedenken kann sehr praktische Formen annehmen. So können Zeitzeugengespräche organisiert, Infotafeln oder Gedenkstelen installiert, Informations-Veranstaltungen durchgeführt und Gedenkstätten erschlossen und gepflegt werden. Ein Element ist sicher auch das Zusammentragen sämtlicher Fakten zu den Gedenkorten und das Sichern und Archivieren des gefundenen Materials.

Mögliche Themen, die sich zum Komplex Radolfzell zur NS-Zeit anbieten, sind:

Mach mit!

Heutzutage kann ein ein derartiges Vorhaben sehr gut mit elektronischen Medien unterstützt werden.

Geplant ist, eine Mailingliste für alle Interessierten einzurichten und gemeinsam mit vielen Leuten eine Wiki-Seite aufzubauen und zu pflegen. An dieser Wiki-Seite kann jeder und jede mitarbeiten. Die Kontaktaufnahme geschieht einfach über das Kontaktformular.

Die hier veröffentlichten Texte und Medien sind gemeinfrei im Sinne folgender Creative Commons-Lizenz: Namensnennung, Nicht-Kommerziell, Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Flyer

Flyer download (PDF, 1MB)

Anmerkungen


1) Verschiedentlich auch als „Außenlager“ oder „Nebenlager“ bezeichnet

Termine

2. Juli: Verlegung von sieben weiteren Stolpersteinen in Radolfzell und Markelfingen

Am 2. Juli 2016 ist der Kölner Künstler Gunter Demnig erneut in Radolfzell zu Gast, um Stolpersteine zu verlegen. Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Sie erinnern an Opfer des Nationalsozialismus, also an Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, politisch Verfolgte, Zeugen Jehovas und „Euthanasie“-Opfer.

Die Verlegung beginnt um 10:30 Uhr mit der Begrüßung in der Jakobstr. 5. Oberbürgermeister Staab spricht anschließend ein Grußwort der Stadt Radolfzell. An jeder der sechs Stationen gibt es einen Einblick in das Leben der jeweiligen Menschen. An mehreren Stationen kommen Angehörige zu Wort. Die Veranstaltung wird musikalisch begleitet von Rudi Hartmann (Akkordeon), Heinrich Braun (Klarinette) und Günter Mantei (Gitarre). Interessierte sind herzlich eingeladen, an der Verlegung teilzunehmen!

Den Ablauf der Veranstaltung können Sie der nachfolgenden Übersicht entnehmen:

  • 10:30 Uhr Begrüßung, Grußwort Oberbürgermeister Staab, Stolperstein für Carl Diez, Jakobstr. 5
2016/06/23 23:37 · sw · 0 Kommentare

Vortragsveranstaltung am 28.6.2016 - Initiative "Stolpersteine in Radolfzell"

Dr. Gabriel Richter, ZfP Reichenau:

"Euthanasie" in Baden am Beispiel der seinerzeitigen Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz

Mit den für den 2. Juli geplanten Stolpersteinverlegungen für Albertine Hässig, Walter Josef Böhler, Frieda Armbruster und Berta und Elisabeth Welschinger wird 2016 an weitere fünf Radolfzeller Opfer der zehntausendfachen NS-„Euthanasie“- und Krankenmorde 1940/41 erinnert, die nach der Adresse der Berliner Planungs- und Organisationszentrale (Tiergartenstr. 4) unter dem Tarnnamen „T4“ durchgeführt wurden.

Mit Ausnahme der „Pfleglinge“ der St. Josefsanstalt Herten - Walter Josef Böhler (1934-1940), Elisabeth Welschinger (1931-1940) und Helmut Ernst Waller (1920-1940) - waren die Radolfzeller „Euthanasie“-Opfer PatientInnen der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Reichenau, bevor sie 1940 in der NS-Tötungsanstalt Grafeneck ermordet wurden.

Vor diesem Hintergrund lädt die Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ zu einem Vortrag ein, der die regionalen Strukturen und Dimensionen der „Aktion T4“ am Beispiel der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau beleuchtet:

Dr. Gabriel Richter, Chefarzt am Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Reichenau:

„Euthanasie“ in Baden am Beispiel der seinerzeitigen Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz.

Datum: 28. Juni 2016

Ort: Teggingerschule, Radolfzell, Teggingerstr. 3

Zeit: 19.30 Uhr

Im Anschluss wird die Möglichkeit zu einer Diskussion sein.

Der Eintritt ist frei.

2016/04/20 15:19 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Stadtmuseum Radolfzell - Sonderausstellung zur "Aktion T4"

Das Stadtmuseum Radolfzell zeigt vom 30. April bis 21. August 2016 die Sonderausstellung

„Aktion T4 Berlin/Radolfzell. Mord im Namen der Volksgesundheit“.

Sie basiert auf der Berliner Wanderausstellung „Tiergartenstraße 4 – Geschichte eines schwierigen Ortes“ und wird in Radolfzell um Dokumente aus dem dortigen Stadtarchiv ergänzt.

Im Rahmen dieser Ausstellung lädt das Stadtmuseum zu Vortragsveranstaltungen ein:

12. Mai 2016: Thomas Stöckle, Gedenkstätte Grafeneck: Geschichte und Erinnerung. Grafeneck 1940 und die Heilanstalt Winnenden im Nationalsozialismus.

3. Juni 2016: Dr. Petra Schweizer-Martinscheck: Die Strafverfolgung von NS-„Euthanasie“ - Verbrechen in beiden deutschen Staaten.

16. Juni 2016: Thomas Stöckle, Gedenkstätte Grafeneck: Vergessen und wieder erinnert. Aufarbeitung und Erinnerungskultur zu den NS-„Euthanasie“-Verbrechen nach 1945.

Quellen: Text zur Ausstellung, Stadt Radolfzell; Veranstaltungen, Stadt Radolfzell

2016/04/18 10:10 · Markus Wolter · 0 Kommentare

28. Stolpersteintreffen

Das 28. Treffen der Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ wird am Sonntag, den 03.04.2016, um 14:30 Uhr stattfinden. Themen sind u.a. die Stolpersteinverlegung am 2.07.2016 und die Begleitveranstaltung mit Dr. Gabriel Richter. Treffpunkt ist das Gemeindehaus der evangelischen Christuskirche Radolfzell, Brühlstraße 3.

2016/04/02 18:56 · sw · 0 Kommentare

Gastspiel: "Ännes letzte Reise" - Bühnenstück zur NS-"Euthanasie", Stadttheater Konstanz

Das Stück (Theater mini-art, Bedburg-Hau) basiert auf biografischem und dokumentarischem Material zum Lebensweg der 1940 in der Vernichtungsanstalt Grafeneck ermordeten Anna Lehnkering (1915-1940).

Vgl.: Programmtext, Stadttheater Konstanz

Termin: 9. März 2016, 20 Uhr und 10. März 2016, 11 Uhr

Ort: Werkstattbühne des Stadttheaters Konstanz

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, vhs Konstanz-Singen e.V., Stadttheater Konstanz

Eintritt: EUR 11,00 / ermäßigt EUR 8,00 / Schulklassen EUR 5,00 (pro SchülerIn)

Kartenverkauf: Theaterkasse Konstanz

2016/03/02 19:42 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
start.txt · Zuletzt geändert: 2016/08/24 08:32 von mw
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