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Karte von Radolfzell

Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Radolfzell zur NS-Zeit

Radolfzell wurde im Jahr 1937, mit dem umjubelten Einzug eines Bataillons der SS-Verfügungstruppe (SS-VT) in die neu errichtete SS-Kaserne, Garnisonsstadt.

Doch die NS-Geschichte von Radolfzell beginnt wesentlich früher, vielleicht mit der Gründung der NSDAP-Ortsgruppe im Jahr 1926. Erster NSDAP-Ortsgruppenleiter war Willy Renz, gefolgt von Arnold Haller am 12. Oktober 1937, bis dieser nach seiner Bestellung zum Villinger Kreisleiter am 1. August 1938 das Amt an den Radolfzeller Heilpraktiker(!) Otto Gräble abgab.

NS-Geschichte von Radolfzell

Weitere markante Daten sind 1):

  • die Gründung eines SS-Zugs („Allgemeine SS“) in Radolfzell im Jahr 1931, unterstellt dem SS-Sturm von Konstanz, dieser wiederum dem dortigen SS-Sturmbann.
  • die Wahlkampfveranstaltung mit Adolf Hitler am 29.7.1932 (vor angeblich 30.000 ZuhörerInnen) sowie zwei weitere Wahlkundgebungen im März 1938
  • die Propagandamärsche der SA und SS auf der Höri (1932, 1933 und 1938)
  • Radolfzeller SA-Angehörige stehen anlässlich des Reichspogroms im November 1938 vor dem Überlinger Textilgeschäft Wilhelm Levi (heute Münsterstraße 12) und hielten Kunden davon ab, „beim Juden zu kaufen“.2).
  • der Fackelzug der SA anläßlich der Machtübernahme durch Hitler im Jahr 1933
  • die starke Zunahme der SA im Jahr 1934; Radolfzell ist Sitz der SA-Reiterstandarte 156
  • die Radolfzeller Wahlerfolge der NSDAP bei der Reichstagswahl am 31.7.1932 (NSDAP wird zweitstärkste Partei) sowie bei den Scheinwahlen nach der Machtergreifung (z.B. 98% Ja-Stimmen für Hitler bei der Reichstagswahl am 29.3.1936 oder 98,37% bei der Reichstagswahl am 10.4.1938 bei jeweils extrem hohen Wahlbeteiligungen)3)
  • die Ernennung des NSDAP-Kreisleiters Eugen Speer zum Bürgermeister im Februar 1934
  • diverse NS-Veranstaltungen im Scheffelhof („Gemeindepolitische“ Kundgebungen, „Braune“ Weihnachtsfeier, Theateraufführung der Hitlerjugend, Vereidigung von NSDAP-Mitgliedern,…)
  • Feier des „Tags des deutschen Volkstums in der Welt“ mit 1000 Radolfzeller Schülern auf dem früheren Hindenburgplatz (Marktplatz) am 22.9.1935
  • „Bodensee-Lager der Leipziger HJ“ in Iznang - Ankunft und Aufenthalt von rund 1000 Angehörigen der HJ aus Leipzig im Juli 1938. Empfang am Radolfzeller Bahnhof durch die SS.4)
  • Bemerkenswert ist vor allem das einträchtige Miteinander der Zivilbevölkerung, der verschiedenen NS-Organisationen (SA, SS, HJ, BDM5), NSV6), KdF7) ) und der Waffen-SS im öffentlichen Leben der Stadt Radolfzell, sei es bei Turn- und Erntedankfesten, beim „Eintopfsonntag“, bei Fasnachtsumzügen, Weihnachtsfeiern oder sonstigen NS-Großveranstaltungen.
  • Die „Radolfzeller Fastnacht“ und die SS: In den „Hochburgen“ des Karnevals (Rheinland) und der Fastnacht (schwäbisch-alemannischer Raum) verstanden es die Nationalsozialisten, sich der Tradition des verordneten Frohsinns zu bemächtigen, indem sie die Karnevalsvereine und Narrenzünfte gleichschalteten und die Umzüge für ihre Sache instrumentalisierten und organisierten. In Radolfzell übernahm die stationierte SS diese Aufgabe. So lag die Durchführung der Radolfzeller Fastnachtsumzüge der Jahre 1938 und 1939 im Verein mit der willfährig mitwirkenden „Narrizella Ratoldi“ in der Hand der SS-„Germania“. Neu aufgefundene Fotografien dokumentieren diesen ebenso bizarren wie beklemmenden Aspekt der SS-Garnisonsstadt.8)

Wahlverhalten in Radolfzell

In der Weimarer Republik traten in Radolfzell drei Parteien, die man heute als rechtsextrem bezeichnen würde, zu Wahlen des Reichstags und des Landtags an. Dies waren

Sie vertraten deutschnationale, militaristische, antisemitische, rassistische und antikommunistische Positionen und teilten sich manchmal die Listen. Die DNVP und DVFP verloren gegenüber der NSDAP nach und nach an Boden und gingen letztlich in der NSDAP auf.

In der Folge werden die Wahlergebnisse bei den Reichs- und Landtagswahlen in Radolfzell aufgeführt9). Für eine größere Aussagekraft und Vergleichsmöglichkeit mit den Reichstags- und Reichspräsidentenwahlergebnissen in ganz Deutschland bzw. den Landtagswahlergebnissen im Land Baden sind die Überschriften mit den jeweiligen Wikipedia-Artikeln verlinkt:

Reichstagswahl vom 6.6.1920

SPDDNVPZentrumKPDDVPDDPSonstige
19,38%2,70%46,88%0,07%1,09%14,43%15,46%

Landtagswahl vom 30.10.1921

SPDDNVPZentrumKPDDVPDDPSonstige
25,98%2,01%49,58%4,87%2,21%15,12%0,24%

Reichtstagswahl vom 4.5.1924

SPDDNVPZentrumKPDDVPDDPSonstige
10,03%11,89%34,01%13,07%13,36%7,61%10,03%

Reichtstagswahl vom 7.12.1924

SPDDNVPZentrumKPDDVPDDPNSDAP/DVFPSonstige
13,15%10,42%35,50%7,47%15,79%9,82%4,87%2,98%

Landtagswahl vom 25.10.1925

SPDDNVPZentrumKPDDVPDDPNSDAPSonstige
17,27%4,27%%45,94%2,86%12,39%8,24%0,54%8,49%

Reichstagswahl vom 20.5.1928

SPDDNVPZentrumKPDDVPDDPNSDAPSonstige
17,43%4,02%39,52%5,73%12,52%11,45%1,178,15%

Landtagswahl vom 27.10.1929

SPDZentrumKPDDVPDDPNSDAPSonstige
20,35%45,35%3,60%10.10%11,40%1,43%7,77%

Großen Rückhalt in der Bevölkerung erhielt die NSDAP in Radolfzell ab Beginn der 1930er Jahre. Einen Erdrutschsieg verzeichneten die Nazis dann bei den Reichstagswahlen von 1932, wo sie in Radolfzell 31,92% der Stimmen erhielten. Bei der Reichtagswahl von 1933 wählten die Radolfzeller die NSDAP mit 39,16% zur stärksten Partei.

Reichstagswahl vom 14.9.1930

SPDDNVPZentrumKPDDVP/DDPNSDAPSonstige
14,88%3,16%39,43%10,41%15,49%9,24%7,38%

Reichstagswahl vom 31.7.1932

SPDDNVPZentrumKPDNSDAPSonstige
12,25%3,21%37,62%7,93%31,92%7,07%

Reichstagswahl vom 6.11.1932

SPDDNVPZentrumKPDNSDAPSonstige
13,69%4,59%36,07%12,61%24,35%8,68%

Reichstagswahl vom 5.3.1933

SPDZentrumKPDNSDAPSonstige
11,46%33,23%7,65%39,16%8,50%

Bei den Reichspräsidentenwahlen wurde in Radolfzell wie folgt gewählt10):

Reichspräsidentenwahl 26.4.1925

HindenburgMarxThälmann
34,22%60,66%5,12%

Reichspräsidentenwahl 10.4.1932

HindenburgHitlerThälmann
67,23%24,68%8,09%

Zeitgenössische Fotografien

"Machtübernahme" - 30. Januar 1933

Bevölkerung und SA am beflaggten Rathaus, 30. Januar 1933. Amtssitz von Bürgermeister Otto Blesch (1876–1951), der dieses Amt seit 1911 ausübte. Mit seinem Eintritt in die NSDAP am 1. Mai 1933 versuchte das ehemalige Mitglied der „Deutschen Demokratischen Partei“ (DDP), sich auch unter den neuen Machthabern zu halten. Fotografien: Liedl-Archiv, Radolfzell; StAR

"Radolfzell empfängt die SS", 31. Juli 1937

Großansicht (747 x 499 Pixel)

Marktplatz Radolfzell, 31. Juli 1937. Einzug der III./SS-Standarte Germania. Sturmbannführer Heinrich Koeppen (rechts vorn mit Helm) wird von Wehrmachts-Generalmajor E. von Groeneveld salutiert. Fotografie vmtl. von Gotthard Liedl. BArch-MA, N 756/330b.

Das Musikkorps des III./SS-VT „Germania“ unter SS-Obersturmführer Max Pausch, Radolfzell, 31.7.1937.

Großansicht (1845 x 1083 Pixel)

Empfang am Rathaus. Erste Reihe, 6. v. links: Bürgermeister Josef Jöhle (in Parteiuniform und mit Amtskette), rechts daneben: Landeskommissär Gustav Wöhrle (in Zivil), SS-Oberführer Walter Stein (schwarze SS-Uniform), Landrat Carl Engelhardt (abgewandt), n.n. (SS-Angehöriger), Egon von Groeneveld (im Mantel der Wehrmachtsuniform), NSDAP-Ortsgruppenleiter Willy Renz u.a. Fotografie vom 31. Juli 1937, vmtl. von Gotthard Liedl. Privatbesitz.

„Deutscher Gruß“ der Repräsentanten aus NSDAP, SS und Wehrmacht, u.a. Landeskommissär Gustav Wöhrle und SS-Oberführer Walter Stein, dieser hebt statt des vorgeschriebenen rechten den linken Arm. StAR.11)

"bystanders" - Fotografien von den Rändern (30. Juni 1939)

Fotografen, berufsmäßige wie auch zahlreiche Privatpersonen und „Hobbyfotografen“, haben das Zeitgeschehen zwischen 1933 und 1945 in Radolfzell dokumentiert. Die Bildüberlieferung ist in Teilen umfassend (Liedl-Archiv, Sutter-Archiv), in Teilen bedauerlich lückenhaft und dezimiert und verdankt sich nicht selten dem Zufall, der die Negativstreifen oder Alben aus privaten Nachlässen, in Kellern oder auf Speichern auftauchen ließ.

Wer Fotografien aufmerksam betrachtet, kennt die Erfahrung: der Blick lässt sich nicht nur auf das zentrale, vom Fotografen intendierte „Motiv“ fokussieren oder auf dieses begrenzen. Oft erst auf den zweiten Blick wird das abschweifende Auge auf ein wie zufällig und unbewusst das Bild und seine Wahrnehmung bestimmendes „punctum“ (Roland Barthes) gelenkt. Oft sind es die peripheren, scheinbar leeren, blinden oder „unscharfen“, vom Fotografen selbst „übersehenen“ Bildbereiche, die Nebenaspekte, ein Gegenstand, eine Person in der Menge, ein einzelnes Gesicht, denen das fotografische Interesse gilt.

„perpetrators, victims, bystanders“ (Raul Hilberg)

Nachfolgende Bild-Ausschnitte sind das Ergebnis einer solchen „punktuellen“ Erfahrung und blenden aus, was der Fotograf auf 33 Kleinbildfotografien „eigentlich“ zeigen wollte: einen Aufmarsch der SS, die Rückkehr des III.SS-Germania nach Radolfzell am 30. Juni 1939. Das SS-Bataillon war drei Monate in der okkupierten Tschechoslowakei „in schwierigem Einsatz“ gewesen, wie SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen verlauten ließ. Von Prag aus hatte er den Radolfzeller Bürgermeister wissen lassen, wie er sich die offizielle Begrüßung der Truppe in Radolfzell vorstelle, die Art der Beflaggung, die Aufmarschstraßen, die Zusammensetzung der Spaliere aus HJ und BDM, Vertreter der Stadtverwaltung, Repräsentanten aus NSDAP und SS.

Die Bild-Ausschnitte gelten den vermeintlich „Unbeteiligten“ an den Rändern der Fotografien und des Geschehens, den Zuschauern (bystanders). Diese fanden sich an jenem schönen Sommertag offenbar auch ohne Anordnung und Befehl zahlreich ein: an den Straßenrändern der Adolf-Hitler- und Teggingerstaße, auf dem Marktplatz, in den Fensterstöcken der Häuser und neben den Fahnen. Männer, Frauen - und Kinder; „normale“ Bürgerinnen und Bürger, die Menschen von Radolfzell, möchte man meinen.

© Markus Wolter, 2017. Fotografien: Josef Glatt, Privatbesitz. Digitalisate des Kleinbild-Negativfilms: Sammlung Markus Wolter.

Zur Geschichte des 25. April 1945 - Die Stadt Radolfzell, ihre "Retter" und "Ehrenbürger"

„Neben dem heißen Dank an die Vorsehung Gottes gebührt öffentlich Lob und Anerkennung für ihre mutvollen Bemühungen um die Rettung und Erhaltung der Stadt folgenden Personen, deren Namen in der Chronik der Stadt ehrende Erwähnung verdienen: Kaufmann August Kratt, Bürgermeisterstellvertreter, Heilpraktiker Otto Gräble, Ortsgruppenleiter, Stadtpfarrer Josef Zuber, Vikar Karl Ruby, Polizeirevier-Hauptmann Karl Frei.“ Josef Zimmermann (1888-1974)

Das im Stadtarchiv Radolfzell überlieferte Typoskript des NS-„Ortschronisten“ Josef Zimmermann - von den letzten Tagen der NS-Herrschaft in Radolfzell bis zur „kampflosen Übergabe“ der Stadt am 25. April 1945 - wurde in der bisherigen Stadtgeschichtsschreibung bedenkenlos kolportiert und unkritisch rezipiert, ohne dass die NS-Belastung des Autors und der genannten Protagonisten berücksichtigt worden wäre.12) So erkennt Zimmermann im 25. April 1945 auch weniger den Tag der Befreiung von der NS-Gewaltherrschaft als vielmehr der „Verschonung“ und „Rettung“ Radolfzells vor der Zerstörung durch den „Gegner“. Seine Chronik sah darin nichts Geringeres als „göttliche Vorsehung“ am Werk. Tatsächlich redete Zimmermanns Darstellung einem fragwürdigen lokalgeschichtlichen Narrativ das Wort, das – sieht man von den Vertretern der katholischen Kirche, Pfarrer Zuber und Vikar Ruby ab – mit NS-Bürgermeister August Kratt, NSDAP-Ortsgruppenleiter Otto Gräble und Polizeirevierleiter Karl Frei ausgerechnet die örtlichen Funktionsträger der NSDAP und NS-Polizei zu „Rettern“ der Stadt erklärte, sofern sie die drohende Zerstörung durch die anrückenden französischen Streitkräfte abgewendet bzw. den Verteidigungsbefehl von Wehrmacht und Waffen-SS unterlaufen hätten.

NSDAP-Ortsgruppenleiter Otto Gräble13)(rechts) und August Kratt; Kaufmann und NSDAP-Aktivist, Block- und Zellenleiter, förderndes Mitglied der SS, Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft deutsch-arischer Fabrikanten der Bekleidungsindustrie e.V. (Adefa), Bürgermeister und Ehrenbürger der Stadt Radolfzell.14)

Vorbehalte gegenüber Zimmermanns „Chronik“ sind angebracht und deren Revision nötig, da unabhängige Quellen fehlen und insbesondere Kratt und Gräble im Rahmen ihrer „Entnazifizierung“ 1946–1948 als „Betroffene“ und NS-Belastete daran interessiert waren, diese „Geschichte“ zu ihren Gunsten und „Entlastung“ zu erzählen bzw. erzählen zu lassen.15) Dass in Spruchkammerfahren gegen die örtlichen NS-Repräsentanten immer wieder Stadtpfarrer Zuber und Schutzpolizist Karl Frei als „Entlastungszeugen“ auftraten und uniforme „Persilscheine“ ausstellten, gibt zu denken. Zuber beispielsweise hatte keine Bedenken, die NS-Bürgermeister Jöhle und Kratt zu jenen, so wörtlich, „korrekten“ und „anständigen Nationalsozialisten“ zu zählen, „die an einen Sieg der gemäßigten Elemente im Nationalsozialismus glaubten und dafür innerhalb der Partei arbeiteten“. Den „Einsatz seiner Person“ habe Kratt schließlich „gewagt, um die Zerstörung der Stadt durch verbrecherische Elemente der SS zu verhindern“. Zuber hielt dem „gläubigen protestantischen Christen“ Kratt zugute, die „ärgsten Auswüchse der Partei und ihren Gliederungen“, HJ, SS und SA, in ihrem „Kampf gegen die [katholische] Kirche“ verhindert zu haben und der „steigenden Macht der kirchenfeindlichen Kräfte innerhalb der Partei“ mäßigend entgegengetreten zu sein. Sowohl die wiederholten Stellungnahmen der Kratt-Apologeten als auch Kratts eigene Einlassungen entwerfen das Porträt eines selbstlosen, stets um das Wohl der Stadt und vornehmlich der (katholischen) Kirche besorgten Bürgermeisters, Christenmenschen und „guten Nationalsozialisten“, der durch sein „unermüdliches Eintreten für Sauberkeit und Gerechtigkeit“ die SS zuletzt veranlasst habe, ihn zur „gelegentlichen Liquidation auf die Liste der Todeskandidaten“ zu setzen. Trotz gegenteiliger, Kratt deutlich belastender Stellungnahmen16) beurteilte die Spruchkammer Kratt 1948 wohlwollend. Zwar müsse man den umtriebigen und – nach Umsätzen und Gewinnen 1933–1945 – auffällig erfolgreichen Geschäftsmann und „ehrenamtlichen“ Bürgermeister, NSDAP-Funktionär und SS-Förderer als Partei-„Aktivisten“ bezeichnen, zumal er „den Nationalsozialismus nach außen hin in erheblichem Maße repräsentiert“ habe, doch sei er kein „Nutznießer“ des NS-Systems gewesen; dies, obwohl die Kammer zugleich einräumte, dass Kratt „durch seine Stellung in der Partei zweifellos geschäftlichen Gewinn“ gehabt habe. So war es „Textilhändler“ August Kratt 1937 möglich, sein Unternehmen zu vergrößern und mit dem denkmalgeschützten „Hohen Haus“ in der Höllstraße ein weiteres, repräsentatives Gebäude zu erwerben, das dem „ersten Kaufhaus am Ort“, Marktplatz 13, seit 1940 als Ausstellungs- und Lagergebäude diente. In einem ersten Urteilsspruch 1947 verurteilte die Spruchkammer den „minderbelasteten“ (Gruppe III) Kratt zur Abgabe von 50 % (später 70 %) seines – nicht unerheblichen – Vermögenszuwachses seit 1933, ferner sollte ihm über 10 Jahre verboten werden, eine leitende Stellung oder selbständige Tätigkeit auszuüben. Gegen dieses Urteil legte Kratt, vertreten von Rechtsanwalt Theopont Diez, erfolgreich Revision ein. Die Kammer ordnete Kratt schließlich 1948 erneut der Gruppe der „Minderbelasteten“ zu, verhängte aber nur noch eine Geldstrafe in Höhe von RM 5.000,– und sprach Kratt das Verbot aus, sich während einer dreijährigen Bewährungsfrist politisch zu betätigen oder wählen zu lassen. „Die Kosten des Verfahrens trägt der Betroffene. Der Streitwert wird auf RM 33.000 festgesetzt.“

Als strafmildernd wurde Kratts mutmaßliches Verhalten am 25. April 1945 bewertet, als er nach Überzeugung der Spruchkammer „unter Einsatz seines Lebens“ und „gegen die Anweisung des Generals und Hauptsturmführers der SS“ [recte: General der Wehrmacht Hans Schmidt und SS-Kampfkommandant N.N. Schmidt] die Stadt Radolfzell dem französischen Kampfkommandanten „übergeben“ habe. Die Kammer folgte – in teils wörtlicher Übernahme – der Selbstmystifizierung Kratts und dessen mitunter zynischen Argumentation; wie auch den Stellungnahmen seiner örtlichen Unterstützer.

„Ich möchte hiermit ausdrücklich betonen, daß ich mich in keiner Weise vor den Folgen meiner formellen Zugehörigkeit zur NSDAP drücken will, aber ich habe, wie mir jedermann zuerkennt, mehr für die Rettung von Menschenleben und Eigentum getan als viele heutige Antifaschisten, die in der Zeit, als es um das Letzte ging, nicht hervortraten und allerdings hierzu nicht in der Lage waren.“ 17)

In Radolfzell schien man dieser Einschätzung noch 1962 zu folgen und verlieh Kratt aufgrund seiner „besonderen Verdienste als erster Beigeordneter und Bürgermeisterstellvertreter während des zweiten Weltkrieges“ die Ehrenbürgerwürde; im selben Jahr wurde auch Stadtpfarrer Josef Zuber diese Ehrung zuteil.

Fortgeschrieben wurde dieses Narrativ auf einer Steintafel, die am 50. Jahrtag des Geschehens vom 25. April 1945 am Münsterbrunnen angebracht wurde und folgende Inschrift trägt:

„Zur Erinnerung an die Bewahrung von Radolfzell: Am 25. April 1945 verhinderten verschiedene Personen die totale Zerstörung der Stadt: Bürgermeister-Stellvertreter August Kratt und Erwin Berger verhandelten mit den Franzosen über die gewaltfreie Übergabe. Stadtpfarrer Josef Zuber ließ durch seinen Vikar Karl Ruby unter Mithilfe von Manfred Lipp und Heinz Frank eine weiße Fahne auf dem Münsterturm hissen, mit Mathäus Hermann und Franz Stuber sicherte er den Turmeingang. Franz Stuber hisste auf Veranlassung von Gastwirt Fritz Volk eine zweite weiße Fahne auf der Obstbaugenossenschaft. 1962 wurden Stadtpfarrer Josef Zuber und August Kratt zu Ehrenbürgern ernannt. Große Kreisstadt Radolfzell am Bodensee, 25. April 1995.“

Kaufmann bleibt Kaufmann

Vor der Spruchkammer hatte der „ehrliche und ordentliche Kaufmann“ (Kratt über Kratt) 1946 vollmundig behauptet, er sei „der einzige gewesen, der es wagte, gegen alle Befehle die Stadt Radolfzell zu übergeben und die von mir gelieferte weiße Fahne hissen zu lassen.“

Markus Wolter, 2017.

Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell

Diese Karte von Radolfzell soll mögliche Orte mit Bezug zur NS-Zeit in Radolfzell veranschaulichen.

Quellen


1) Quelle überwiegend: Friedrich Stadler (Hrsg. ) Adressbuch der Stadt Radolfzell am Bodensee und Umgebung, 1938, S. 22-41
2) Geschäftsführer Viktor Levi, Sohn von Wilhelm Levi, wurde nach dem Pogrom nach Dachau deportiert und Tage später freigelassen, mit der Auflage, Deutschland sofort zu verlassen. Die Stadt Überlingen plant, Stolpersteine vor dem Geschäft zu verlegen. Quelle: Überlinger Stadtführung von Oswald Burger am 13.10.2013, sowie Südkurier, 13.3.2013.
3) Zur Bedeutung der Wahlen im Nationalsozialismus vgl. http://www.geschichte-s-h.de/vonabisz/wahlen-1933-bis-1938.htm
8) Recherche und Text: Markus Wolter
9) Hausendorf, Sebastian: »Eine böse Mißwirtschaft«. Radolfzell 1933-1935. Konstanz, UVK 2012, S. 135 ff
10) Hausendorf, Sebastian: »Eine böse Mißwirtschaft«. Radolfzell 1933-1935. Konstanz, UVK 2012, S. 141 f
11) Fotografien und Bildunterschriften in: Wolter, Markus: Radolfzell im Nationalsozialismus - Die Heinrich-Koeppen-Kaserne als Standort der Waffen-SS, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, Band 129, Thorbecke, Ostfildern 2011, hier S. 254/55.
12) Josef Zimmermann (1888–1974), Volksschullehrer und Heimatforscher, aktives NSDAP-Mitglied, Ortsgruppenobmann des NSLB, Radolfzell. NS-Chronist Radolfzells, nach 1945 zahlreiche Publikationen zur Lokal- und Regionalgeschichte im „Südkurier“, davon viele anonym erschienen; vgl. „Kurze Stadtchronik“, in: Adressbuch der Stadt Radolfzell am Bodensee und Umgebung, Konstanz 1938, S. 37–41. Das Typoskript zum 25.4.1945 blieb unveröffentlicht, ist aber u.a. Grundlage der geschichtsverfälschenden Darstellung in: Raggenbass, Otto: Trotz Stacheldraht. 1939–1945. Grenzland am Bodensee und Hochrhein in schwerer Zeit. Konstanz 1964, hier das Kapitel: „Radolfzells aufregendste Tage“ (!), S. 99–100.; vgl. Spruchkammerakte Josef Zimmermann, StAF D 180/3 Nr. 1402
13) Otto Gräble, geb. 12.10.1898. Teilnahme am Ersten Weltkrieg, Gefreiter im Infanterieregiment 94; bürgerlicher Beruf: Heilpraktiker. NSDAP-Gemeinderat unter Eugen Speer (15.2.1934). NSDAP-Ortsgruppenleiter (1938-1945); nach 1945 vmtl. kurze Zeit in französischer Internierungshaft, weshalb seine Spruchkammerakte (StAF, D 180/2 Nr. 103216) heute im Archiv des Franz. Außenministeriums, Courneuve bei Paris, lagert. Der „entnazifizifierte“ Gräble lebte nach seiner Entlassung und bis zu seinem Tod (wann?) in Radolfzell.
14) August Kratt (1882–1969). Kaufmann. Mitglied der NSDAP (1.5.1933–1945), NSDAP-Nr. 3916638, Block- und Zellenleiter (1934–1943), DAF („Ortswalter Handel“), NSV, förderndes Mitglied der SS (1933–1942), Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft deutsch-arischer Fabrikanten der Bekleidungsindustrie e.V. (Adefa), des Reichskolonialbundes und Reichskriegerbundes. NSDAP-Gemeinderat 1935, Erster Beigeordneter von Bürgermeister Jöhle 1937-1942. Nach dessen Tod kommissarischer Bürgermeister (23.10.1942–1945). Ehrenbürger der Stadt Radolfzell (1962). Undatierte Fotografie, StAR. Vgl. Spruckammerakte August Kratt, 1946-1948, StAF D 180/2, Nr. 163641
15) Erhellend hierzu: Frank, Niklas: Dunkle Seele, feiges Maul. Wie absurd, komisch und skandalös sich die Deutschen beim Entnazifizieren reinwaschen. Bonn, Diez 2016.
16) Vgl. die politische Beurteilung Kratts durch Paul Steiner, Vorsitzender der „Anti-Nazi-Bewegung“ Radolfzell, 17.8.1946: „Kratt, Nazi-Bürgermeister aus Radolfzell, ist Antisemit aus egoistischen Gründen. Er ist seit ihrem Bestehen der Nazipartei in Radolfzell zuzuzählen, großer Aktivist und Postenjäger“, StAF D 180/2 Nr. 163641, S. 6.
17) August Kratt in einer Stellungnahme im Jahr 1946, an den Prüfungsausschuss Industrie, Handel und Handwerk, Freiburg; betr.: „Politische Überprüfung.“

Termine

Bunte Demo statt braunes Denkmal

Antifaschistische Kundgebung zum Vokstrauertag in Radolfzell am Sonntag, 18.11.18 um 11:30 Uhr.

Der Text des Flyers

Wenn Kriegstoten gedacht werden soll, muss erklärt werden warum sie gestorben sind. So gibt es Täter die morden und Menschen die jenen zum Opfer fallen. Im postnazistischen Deutschland wird diese Erklärung ausgelassen. Das führt dazu, dass Opfern und Tätern im selben Atemzug gedacht wird. Das Kriegerdenkmal in Radolfzell treibt diese absurde Form des Gedenkens auf die Spitze. Unterschiedslos stehen auf den Gedenkplatten die Namen der Ermordeten in mitten ihrer Häscher. So finden sich zahlreiche SS-Offiziere und Wehrmachtssoldaten inmitten derer, der jährlich zum Volkstrauertag gedacht wird. Das Kriegerdenkmal wurde 1938 im Auftrag der SS errichtet. Das macht den Ort zu einer Pilgerstätte für Neonazis aus der Region. Wiederholt nutzte die faschistische Partei Der Dritte Weg diesen Ort um Kränze nieder zu legen und Kriegsverbrechern zu huldigen. Antifaschistische Proteste gegen solche PR-Aktionen versuchte die Stadt schon zweimal zu verhindern – ohne Erfolg: Die Demoverbote wurden vor Gericht als illegal eingestuft und kosteten die Stadt über 10.000 Euro.

Aus diesen Gründen sagen wir nein zu unterschiedsloser Trauer, zu Nazidenkmälern und zu faschistischen Umtrieben. Deswegen wollen wir den Opfern faschistischer Gewalt auf angemessene Weise gedenken.

Treffpunkt: Gedenkstein der deportierten Jüdinnen und Juden an der Seetorstraße vor dem Bahnhof Radolfzell. Danach wird es am Kriegerdenkmal auf dem Luisenplatz eine Kundgebung gegen das Denkmal geben.

Quelle: https://de-de.facebook.com/events/491576801250024/

2018/11/17 15:05 · sw · 0 Kommentare

Volkstrauertag 2018 in Radolfzell

„Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Radolfzell am Bodensee sind herzlich eingeladen, an der Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages am 18. November 2018 um 11.15 Uhr an den Gedenktafeln auf dem Luisenplatz teilzunehmen. An diesem Tag gedenken wir der Opfer der Gewaltherrschaft und der Toten aller Kriege.“

Programm:

Sinfonia aus Kantate Nr. 157 (J.S. Bach) - Stadtkapelle Radolfzell

Gedenkrede - Christof Stadler, Stadtrat

Menuett aus Berenice (G. F. Händel) - Stadtkapelle Radolfzell

Kranzniederlegungen

Lied „Ich hatt‘ einen Kameraden“ - Dietmar Baumgartner, Trompete“

Quelle: www.radolfzell.de

In Konsequenz des Gemeinderatsbeschlusses vom 6. November 2018: auch in diesem Jahr sind der Luisenplatz, das Kriegerdenkmal und die „Gedenktafeln“ der - falsche - Ort für die Begehung des Volkstrauertags, zum Gedenken an die „Opfer der [NS-]Gewaltherrschaft und der Toten aller Kriege“.

„Ich hatt' einen Kameraden“ - zum Beispiel: SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Joachim Rumohr

"Die gefallenenen Söhne der Stadt"

"Opfer der Gewaltherrschaft"?

2018/11/16 08:43 · Markus Wolter · 0 Kommentare

80 Jahre Reichspogromnacht 1938 - Gedenkveranstaltungen in Radolfzell

gailingen_synagogen-zerstorung_1938-2.jpg

Die am 10. November 1938 u. a. von Angehörigen des III.SS „Germania“ aus Radolfzell zerstörte Synagoge von Gailingen

Aus der Ankündigung auf der Homepage der Stadt Radolfzell:

„Am 9. November 2018 jährt sich die Reichspogromnacht zum 80. Mal. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden jüdische Geschäfte zerstört, fast in jeder Stadt wurden die Synagogen in Brand gesetzt und deutsche Juden auf offener Straße angegriffen.

(…)

Gemeinsam mit der „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Radolfzell“ (ACK) und der Stolperstein Initiative Radolfzell wurde ein Themenabend erarbeitet, der nicht nur einen Rückblick auf die NS-Zeit in Radolfzell wirft, sondern auch mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft für gemeinsames Miteinander und ein offenes Radolfzell.“

Die Veranstaltungen im Überblick:

17.30 Uhr, Foyer RIZ

Andacht zum Friedensweg 2018 der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Radolfzell

18 Uhr, am Mahnmal beim RIZ

Gedenken an die Pogrome und Begrüßung durch Oberbürgermeister Martin Staab Die Stolperstein Initiative Radolfzell wird zusammengefasst die Pogrome benennen, die von der ehemaligen SS-Kaserne Radolfzell ausgingen und damit auf die Ziele der Initiative STOLPERSTEINE-RADOLFZELL hinweisen: Erinnerung an Opfer des NS-Terrors wachhalten und an die nächste Generation weitergeben. Verantwortung tragen im Umgang mit rassistischen und nationalistischen Aktivitäten in Radolfzell, insbesondere in der ehemaligen SS-Kaserne.

18.30 Uhr, Gedenkstein Alice Fleischel am Seetorplatz

Stolperstein-Reinigung Die Initiative STOLPERSTEINE-RADOLFZELL will die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus – VORORT erhalten und an die nächste Generation weitergeben. Zusätzlich wendet sie sich gegen rassistische und nationalistische Aktivitäten in Radolfzell. http://www.stolpersteine-radolfzell.de

Der um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek angekündigte Vortrag „Im westlichen Bodenseeraum: Opfer, Täter, Zuschauer.“ muss leider ausfallen. Ein neuer Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.

2018/11/06 22:04 · Markus Wolter · 0 Kommentare

22. Oktober 1940

Im Gedenken, gegen das Vergessen

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Am 22. Oktober jährt sich zum 78. Mal die Massendeportation von 6551 badischen und saarpfälzischen Juden in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Jahr 1940. Die nach den verantwortlichen Gauleitern Robert Wagner (Baden) und Josef Bürckel (Saarpfalz) bezeichnete „Aktion“ war die Fortsetzung der systematischen Erfassung, Isolation, Entrechtung und staatlichen Beraubung der deutschen Juden seit 1933 und zugleich der Vorlauf zu ihrer Ermordung in den deutschen Vernichtungslagern im besetzten Polen und im Baltikum nach 1941. Das Bestreben des glühenden Antisemiten Wagner und dessen Amtskollegen Bürckel war es gewesen, zwei Jahre nach der Reichspogromnacht von 1938 die „Judenfrage“ - als eine der ersten im Deutschen Reich – „territorial“ zu lösen. Bei der Umsetzung der Deportationspläne im Landkreis Konstanz waren lokale Ordnungspolizei, Konstanzer Gestapo und vor allem das in der Radolfzeller Kaserne stationierte SS- Totenkopf-Infanterie-Ersatz-Bataillon im Einsatz, das die Juden von Wangen, Gailingen und Randegg zusammentrieb und in LKWs an die Bahnhöfe fuhr. Von den aus Baden in sieben Zügen der Reichsbahn deportierten 5592 Juden überlebten nur 750, 2000 wurden 1942 in die Konzentrationslager Majdanek und Auschwitz verschleppt und ermordet. Der Gau Baden sei „judenrein“, vermeldeten die NS-Täter im Herbst 1940 befriedigt; die Deportationen seien „reibungslos und ohne Zwischenfälle“ verlaufen und „von der Bevölkerung kaum wahrgenommen“ worden.

2018/10/22 08:54 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"NS-Belastete aus dem Süden des heutigen Baden-Württemberg"

Neuerscheinung, Oktober 2018

Täter Helfer Trittbrettfahrer, Bd. 9.

NS-Belastete aus dem Süden des heutigen Baden-Württemberg

Hrsg.: Wolfgang Proske

460 Seiten

19,99 Euro

Kugelberg Verlag, Gerstetten 2018

ISBN 978-3-945893-10-4

Bestellung unter: http://www.ns-belastete.de/bestellung.php

Die Artikel und ihre Autor*innen, u.a.:

Anton Blaser (Bürgermeister der Gemeinde Bodnegg, Krs. Ravensburg), Wolf-Ulrich Strittmatter.

Hugo F. Boss (Metzingen, Schneider, Kaufmann und Unternehmer), Rudolf Renz.

Wilhelm Emmerich (Östringen, Bäcker und SS-Oberscharführer im KZ Auschwitz), Christiane Walesch-Schneller.

Prof. Dr. Eugen Fischer (Freiburg, Mediziner, Anthropologe und Rassenforscher), Markus Wolter.

Dr. Hans Fleischhacker (Tübingen, Anthropologe, SS-Obersturmführer), Madeleine Wegner.

Georg Grünberg (Lagerleiter in Friedrichshafen, Überlingen), Oswald Burger.

Emil Haussmann (Ravensburg, Einsatzkommandoführer, Massenmörder), Wolf-Ulrich Strittmatter.

Prof. Dr. Martin Heidegger (Mai 1933 NSDAP, bis 1934 Rektor Universität Freiburg), Eggert Blum.

Prof. Dr. Hans Robert Jauß (Konstanz, Hauptsturmführer, „Bandenbekämpfung“), Dr. Jens Westemeier.

Friedrich Jeckeln (Hornberg, Höherer SS- und Polizeiführer, Massenmörder), Gerhard Wenzl.

Kurt Georg Kiesinger (Ebingen, 1933 NSDAP, 1966 Bundeskanzler), Prof. Dr. Phillip Gassert.

Martin Nauck (Tübingen, Kripo, „Vorbeugungshaft“), Udo Grausam.

Prof. Dr. Elisabeth Noelle-Neumann (Allensbach, Meinungsforscherin), Prof. Dr. Jörg Becker.

Johannes Pauli (Lagerleiter KZ Bisingen), Dr. Franziska Blum.

Dr. Rudolf Rahn (Ulm, Diplomat), Dr. Wolfgang Proske.

Dr.-Ing. Helmut Stellrecht (Wangen/Allg., im Amt Rosenberg, nach 1945 Schriftsteller), Udo Mischek, Mitarb. Tim Rose.

Bruno Störzer (Hailfingen, Bauleiter der Organisation Todt), Volker Mall.

Julius Viel (Schramberg/Wangen/Allg., Journalist, SS 1936), Wolf-Ulrich Strittmatter.

2018/09/30 11:35 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
radolfzell_zur_ns-zeit.txt · Zuletzt geändert: 2017/11/05 18:07 von sw
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