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Karte von Radolfzell

Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



SS-Schießanlage

Der im Nordosten von Radolfzell gelegene ehemalige SS-Schießstand wurde in den Jahren 1941 und 1942 unter Einsatz von 120 KZ-Häftlingen aus Dachau fertiggestellt. Er wurde in der Folge von Waffen-SS-Einheiten der Radolfzeller Unterführerschule für das Erlernen ihres möderischen Handwerks genutzt.

Auf dieser Seite wird erklärt, wie man zu dem abgelegenen Schiessstand findet, welche Ausmaße die riesigen Strukturen noch heute haben und wie in den letzten Jahren versucht wurde, ihn mit bürgerschaftlichem Engagement zu einer Gedenkstätte umzuwandeln.

Der Schießstand wurde im Jahr 2014 offiziell in die Liste der Gedenkstätten in Baden-Württemberg aufgenommen.

Auf Fotos werden die offizielle Übergabe der Informationstafel an die Stadt und die an der westlichen Kurzbahn angebrachte Gedenktafel dokumentiert. Ein darunter angebrachtes Gedenkbuch soll BesucherInnen die Möglichkeit geben, ihre Gedanken festzuhalten.

Im Jahr 2013 wurde die Informationstafel mutwillig beschädigt, im Januar 2016 wurde eine Ausgabe des Gedenkbuchs verbrannt.

Am Ende der Seite finden sich weitere aktuelle Fotos in einer Bildergalerie sowie zwei historische Abbildungen.

Örtlichkeiten

Überblick über die räumliche Ausdehnung des Schießstandes

Das ist eine grobe Darstellung der Grundrisse der ehemaligen SS-Schießanlage von Radolfzell. Die Maße sind eine erste Näherung, die mit einfachen Mitteln vor Ort erhoben wurde. Sie bedürfen einer genaueren geometrischen Vermessung.

Der SS-Schießstand mit Munitionsdepot, vor dem Abzug der SS im April 1945. Luftaufnahme des US-Militärs, Provenienz unbekannt.

Anfahrt zum SS-Schießstand

Der Schießstand liegt im Nordosten von Radolfzell im Altbohl und ist gut zugänglich. Man erreicht ihn zu Fuß oder per Fahrrad über einen Feldweg,

a) ausgehend vom Radolfzeller Waldfriedhof oder

b) über die Konstanzer Str. → Möggingerstr., indem man vor der Autobahnunterführung (B33) in den Feldweg links abbiegt.

Informationstafel

Am 16.11.2012 wurde im Rahmen einer offiziellen Gedenkveranstaltung eine Informationstafel am ehemaligen SS-Schießstand der Öffentlichkeit übergeben.

Informationstafel am ehem. Schießstand der Waffen-SS, Radolfzell.

Konzeption und Ausführung: Projektgruppe „Radolfzeller Gedenkstätten“ (Text: Markus Wolter, Gestaltung und Layout: Alfred Heim, Evelyn Heim).

Nach der Begrüßung und Einführung durch OB Schmidt erläuterte Alfred Heim die Enststehungsgeschichte der Infotafel. Zwei Schüler lasen Textstellen von Karl Täuber und Leonhard Oesterle.

Zu den bewegendsten Momenten der Gedenkveranstaltung gehörten die Rede von Miryam Stephan, der Enkelin von Leonhard Oesterle, sowie das Verlesen der aus dem Englischen übersetzten Rede von Jiri Sedlacek, dem Sohn von Oldrich Sedlacek, durch den Historiker Markus Wolter.

Videodokumentation

Miryam Stephan und OB Jörg Schmidt bei der Enthüllung der Informationstafel

Günter Köhler hat die Veranstaltung aufgezeichnet und einen Film in je einer Kurz- und einer Langversion veröffentlicht.

Gedenktafel und Gedenkbuch

Bereits im Juni 2010 kam es durch eine bürgerliche Privatinitiative zur Anbringung einer Gedenktafel im Kugelfang der westlichen Kurzbahn.

Die BesucherInnen können bei der Besichtigung der Anlage mit den Gedenk- und Infotafeln ihre Eindrücke schriftlich festhalten. So schrieben im Jahr 2012 Anna-Katrin Stefan-Oesterle und Miryam Stefan – Tochter und Enkelin des in Radolfzell gefangenen KZ-Häftlings Leonhard Oesterle:“… sind wir sehr froh und dankbar für dieses lebendige Gedenken der Gewalt und Ungerechtigkeit, die an diesem Ort verübt wurde. Auf dass dieser Ort uns daran erinnert, nie wieder so etwas passieren zu lassen.“

Eintrag ins Gedenkbuch durch Frau Anna-Katrin Oesterle-Stephan, Tochter von Leonhard Oesterle, und Miryam Stephan, seiner Enkelin, am 17. November 2012

Beschädigungen an Informationstafel und Gedenkbuch

Verbrennung des 4. Gedenkbuches im Januar 2016

Wie wichtig die Erinnerung an den menschenverachtenden Nationalsozialismus auch heute noch ist, zeigt die Verbrennung des 4. Buches beim ehemaligen SS-Schießstand im Januar 2016.

Zwischen dem 8. und 17. März 2013 verübte, mutwillige Beschädigung der Informationstafel

Mutmaßlich mit einem Hammer oder einem Stein wurde von einem Unbekannten mit großer Wucht gegen die Tafel geschlagen, die auf ca. 10 cm Breite eingedrückt wurde und deren Folie sich durch den Schlag rechts oben aufzuwerfen beginnt.

Bildergalerie

Hochblende der östlichen Langbahn (Blick nach Norden):

Fangwand am Abschlusswall oberhalb der drei Langbahnen (Blick nach Osten):

Holzverkleideter Beton-Kugelfang am Ende der drei Langbahnen (Blick nach Norden), 2011:

Kugelfang der westlichen Kurzbahn, April 2009:

Drei von neun Öffnungen der Schießscheibenanlage der Langbahnen, April 2009:

Zwischenwälle der Langbahnen, April 2009:

Zustand der noch nahezu vollständig erhaltenen Holzverkleidung vor ihrer Entfernung im Dezember 2012:

Die Sanierungsmaßnahmen Dezember 2012 - März 2013 und ihre Folgen

Im Rahmen der übernahmevertraglich festgeschriebenen „Altlastensanierung“ durch die bisherige Eigentümerin (BfIA) begann die Entfernung und „Entsorgung“ der schwermetallhaltigen Kugelfangsande (ca. 600 Tonnen) am Schießstand. Für die Zufahrt mit LKW und Bagger wurde ein Wall der Langbahnen in Höhe der Informationstafel auf mehreren Metern geöffnet und Bäume auf dem Terrain gefällt. Auf ausdrückliches Verlangen der Stadt, jedoch ohne plausible Begründung, wurden zudem die gut erhaltenen Schalenbretter des Langbahnkugelfangs restlos entfernt. Nach Aushebung der Kugelfangsande der Kurz- und Langbahnen kam es zu keiner Neuverfüllung, u.a. mit dem Ergebnis, dass das Bodenniveau vor den Kugelfangmauern, der Gedenktafel und dem - nun unerreichbar „in der Luft“ hängenden - Gedenkbuch (mittlerweile entwendet) um etwa 2 m tiefer liegt als zuvor. Außerdem steht zu befürchten, dass durch die nun an den unteren Wandschlüssen möglichen Unterspülungen Statik und Substanz der Anlage bedroht sind.

Nach Entfernung der Holzverkleidung und nach Aushub der Kugelfangsande, Februar 2013:

Der während der Sanierungsmaßnahmen geöffnete Wall der östlichen Langbahn

Der nach Beendigung der Sanierungsarbeiten wieder geschlossene Wall

Historische Abbildungen

Schießübungen der USR, Kurz- und Langbahn am Schießstand, Winter 1942/43. Im oberen Bild zu erkennen: das von der SS vor ihrem Abzug 1945 gesprengte Wach- und Munitionshaus östlich der Kurzbahnen. Fotografie Werner Maybauer. Sammlung Markus Wolter.

Hinweis

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Termine

Vortragsveranstaltung am 28.6.2016 - Initiative "Stolpersteine in Radolfzell"

Dr. Gabriel Richter, ZfP Reichenau:

"Euthanasie" in Baden am Beispiel der seinerzeitigen Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz

Mit den für den 2. Juli geplanten Stolpersteinverlegungen für Albertine Hässig, Walter Josef Böhler, Frieda Armbruster und Berta und Elisabeth Welschinger wird an weitere fünf Radolfzeller Opfer der zehntausendfachen NS-„Euthanasie“- und Krankenmorde 1940/41 erinnert, die nach der Adresse der Berliner Planungs- und Organisationszentrale (Tiergartenstr. 4) unter dem Tarnnamen „T4“ durchgeführt wurden.

Mit Ausnahme der Kinder Walter Josef Böhler (1934-1940) und Elisabeth Welschinger (1931-1940) - „Pfleglinge“ der St. Josefsanstalt Herten - waren die Radolfzeller „Euthanasie“-Opfer Patienten der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Reichenau, bevor sie 1940 in der NS-Tötungsanstalt Grafeneck ermordet wurden.

Vor diesem Hintergrund lädt die Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ zu einem Vortrag ein, der die regionalen Strukturen und Dimensionen der „Aktion T4“ am Beispiel der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau beleuchtet:

Dr. Gabriel Richter, Chefarzt am Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Reichenau:

„Euthanasie“ in Baden am Beispiel der seinerzeitigen Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz.

Datum: 28. Juni 2016

Ort: Teggingerschule, Radolfzell, Teggingerstr. 3

Zeit: 19.30 Uhr

Im Anschluss wird die Möglichkeit zu einer Diskussion sein.

Der Eintritt ist frei.

2016/04/20 15:19 · Markus Wolter · 0 Kommentare

Stadtmuseum Radolfzell - Sonderausstellung zur "Aktion T4"

Das Stadtmuseum Radolfzell zeigt vom 30. April bis 21. August 2016 die Sonderausstellung

„Aktion T4 Berlin/Radolfzell. Mord im Namen der Volksgesundheit“.

Sie basiert auf der Berliner Wanderausstellung „Tiergartenstraße 4 – Geschichte eines schwierigen Ortes“ und wird in Radolfzell um Dokumente aus dem dortigen Stadtarchiv ergänzt.

Im Rahmen dieser Ausstellung lädt das Stadtmuseum zu Vortragsveranstaltungen ein:

12. Mai 2016: Thomas Stöckle, Gedenkstätte Grafeneck: Geschichte und Erinnerung. Grafeneck 1940 und die Heilanstalt Winnenden im Nationalsozialismus.

3. Juni 2016: Dr. Petra Schweizer-Martinscheck: Die Strafverfolgung von NS-„Euthanasie“ - Verbrechen in beiden deutschen Staaten.

16. Juni 2016: Thomas Stöckle, Gedenkstätte Grafeneck: Vergessen und wieder erinnert. Aufarbeitung und Erinnerungskultur zu den NS-„Euthanasie“-Verbrechen nach 1945.

Quellen: Text zur Ausstellung, Stadt Radolfzell; Veranstaltungen, Stadt Radolfzell

2016/04/18 10:10 · Markus Wolter · 0 Kommentare

28. Stolpersteintreffen

Das 28. Treffen der Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ wird am Sonntag, den 03.04.2016, um 14:30 Uhr stattfinden. Themen sind u.a. die Stolpersteinverlegung am 2.07.2016 und die Begleitveranstaltung mit Dr. Gabriel Richter. Treffpunkt ist das Gemeindehaus der evangelischen Christuskirche Radolfzell, Brühlstraße 3.

2016/04/02 18:56 · sw · 0 Kommentare

Gastspiel: "Ännes letzte Reise" - Bühnenstück zur NS-"Euthanasie", Stadttheater Konstanz

Das Stück (Theater mini-art, Bedburg-Hau) basiert auf biografischem und dokumentarischem Material zum Lebensweg der 1940 in der Vernichtungsanstalt Grafeneck ermordeten Anna Lehnkering (1915-1940).

Vgl.: Programmtext, Stadttheater Konstanz

Termin: 9. März 2016, 20 Uhr und 10. März 2016, 11 Uhr

Ort: Werkstattbühne des Stadttheaters Konstanz

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, vhs Konstanz-Singen e.V., Stadttheater Konstanz

Eintritt: EUR 11,00 / ermäßigt EUR 8,00 / Schulklassen EUR 5,00 (pro SchülerIn)

Kartenverkauf: Theaterkasse Konstanz

2016/03/02 19:42 · Markus Wolter · 0 Kommentare

26. Stolpersteintreffen

Das 26. Treffen der Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ wird am Sonntag, den 21.02.2016, um 14:30 Uhr stattfinden.

Treffpunkt ist das Gemeindehaus der evangelischen Christuskirche Radolfzell, Brühlstraße 3.

2016/02/01 23:48 · sw · 0 Kommentare
 
ss-schiessanlage.txt · Zuletzt geändert: 2016/01/22 00:31 von sw
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