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Karte von Radolfzell

Spuren der NS-Herrschaft in Radolfzell


Opfer rechter Gewalt

Todesopfer rechter Gewalt 1990-2010



Karl Teufel (1890-1964)


Karl Teufel, Passbild, um 1935. Privatbesitz Dieter Wieland.

Der am 18. November 1890 in Willstätt geborene, am 25. Juni 1964 in Singen gestorbene Karl Teufel lebte zur Zeit der ersten NS-Verfolgungsmaßnahmen 1933 in Radolfzell, Dr.-Joseph-Goebbels-Str. (=Konstanzer Str.) 30/1, und ab 1938 in Überlingen am Ried. Karl Teufel war seit 1913 mit Rosa Bohnenstengel (1893-1981) verheiratet und hatte drei Kinder. Als Elektromonteur arbeitete er bei Allweiler in Radolfzell und ab 1939 bei Fahr in Gottmadingen.

Karl Teufel, der den Ersten Weltkrieg in einem Infanterieregiment an der Westfront erlebt hatte, war seit 1923 Mitglied der KPD und gehörte zusammen mit seinen Fraktionskollegen Ludwig Deuring, Heinrich Hof und Hermann Müller zum Radolfzeller Bürgerausschuss 1930. Am 3. März 1933 wurde er von der Gestapo in Radolfzell verhaftet und kam zunächst in Untersuchungshaft in das Radolfzeller Gefängnis. Er wurde beschuldigt, „Druckschriften, deren Inhalt durch Aufforderung oder Anreizung zum gewaltsamen Kampf gegen die Staatsgewalt oder zu dessen Vorbereitung und durch Aufforderung und Anreizung zu einem hochverräterischen Bestrebungen dienenden Streik den Tatbstand des Hochverrats begründet, verbreitet und zum Zweck der Verbreitung vorrätig gehalten“ zu haben.

Am 24.10.1933 verurteilte ihn das Amtsgericht-Schöffengericht Konstanz wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu vier Monaten Gefängnis, die mit der Untersuchungshaft bereits als verbüßt galten. Aufgrund dieser Verurteilung verlor Karl Teufel seinen Arbeitsplatz in Radolfzell und zog im März 1938 nach Überlingen a. R. Eine Anstellung fand er erst wieder 1939 bei Fahr in Gottmadingen.

Am 22. August 1944 wurde Karl Teufel im Rahmen der gegen ehemalige Funktionäre und Mandatsträger der bürgerlichen Parteien reichsweit geplanten und durchgeführten Aktion „Gitter“ (auch Aktion „Gewitter“ oder „Himmleraktion“ genannt) erneut verhaftet und als politischer Häftling („Schutzhaft“) in das KZ Natzweiler verschleppt. Von dort verbrachte man ihn am 6. September 1944 in das KZ Dachau, von wo er am 14. September 1944 in das KZ Mauthausen überstellt wurde. Dort wurde Teufel am 26. Oktober 1944 entlassen.


Stolperstein für Karl Teufel, Konstanzer Str. 30/1, Radolfzell, verlegt am 11. September 2015.

Unmittelbar nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ wurde Karl Teufel zum ersten Nachkriegs-Bürgermeister von Überlingen a.R. gewählt. Er übte dieses Amt unter schwierigen außeren Bedingungen bis September 1946 aus. Zudem war er ab 1945 Leiter der KPD-Ortsgruppe Radolfzell. In dieser Funktion hat er u.a. für ehemalige KZ-Häftlinge wie Josef Paul Bayer und Georg Alfred Grein Haft- und Verfolgtentestate ausgestellt bzw. trat als Bürge für deren Aussagen ein. Ab 1946 fand Karl Teufel wieder bei Allweiler Beschäftigung und war dort bis zu seiner Pensionierung 1958 als Werkmeister tätig.

Lebende Angehörige sind seine Enkel Dieter Wieland, Riegelsberg, Sigrun Patschkowski, Radolfzell, Edith Hänsler, Moos, und Erich Gatter, Konstanz-Dettingen.

November 2018: Stolperstein verschwunden

Wohl im Zuge der Komplettsanierung und Umgestaltung der Konstanzer Straße 2018 wurde der Stolperstein für Karl Teufel ohne vorherige Information des verantwortlichen Tiefbauamts an die Initiative „Stolpersteine-Radolfzell“ bzw. die Steinpaten stillschweigend entfernt. Er gilt seit November 2018 als verschollen. Die Initiative musste eine Zweitanfertigung bei Gunter Demnig in Auftrag gegeben. Die Kosten für die Herstellung und Neuverlegung sollen von der Stadt Radolfzell übernommen werden.

Recherche: Markus Wolter
Patenschaft: Sigrun Patschkowski

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite ist nicht gemeinfrei im Sinne der ansonsten in diesem Wiki geltenden Creative Commons CC 3.0 Lizenz.

Quellen:

KZ Dachau, Schreibstubenkarte von Karl Teufel, ITS Bad Arolsen und Häftlingsdatenbank KZ Dachau, Steve Morse; Staatsarchiv Freiburg, Landesamt für Wiedergutmachung, F 196/1 Nr. 3677; DNZ-Akte, StAF D 180/2, Nr. 18100. Private Überlieferung und Dokumentation: Dieter Wieland, Riegelsberg.

Termine

Bunte Demo statt braunes Denkmal

Antifaschistische Kundgebung zum Vokstrauertag in Radolfzell am Sonntag, 18.11.18 um 11:30 Uhr.

Der Text des Flyers

Wenn Kriegstoten gedacht werden soll, muss erklärt werden warum sie gestorben sind. So gibt es Täter die morden und Menschen die jenen zum Opfer fallen. Im postnazistischen Deutschland wird diese Erklärung ausgelassen. Das führt dazu, dass Opfern und Tätern im selben Atemzug gedacht wird. Das Kriegerdenkmal in Radolfzell treibt diese absurde Form des Gedenkens auf die Spitze. Unterschiedslos stehen auf den Gedenkplatten die Namen der Ermordeten in mitten ihrer Häscher. So finden sich zahlreiche SS-Offiziere und Wehrmachtssoldaten inmitten derer, der jährlich zum Volkstrauertag gedacht wird. Das Kriegerdenkmal wurde 1938 im Auftrag der SS errichtet. Das macht den Ort zu einer Pilgerstätte für Neonazis aus der Region. Wiederholt nutzte die faschistische Partei Der Dritte Weg diesen Ort um Kränze nieder zu legen und Kriegsverbrechern zu huldigen. Antifaschistische Proteste gegen solche PR-Aktionen versuchte die Stadt schon zweimal zu verhindern – ohne Erfolg: Die Demoverbote wurden vor Gericht als illegal eingestuft und kosteten die Stadt über 10.000 Euro.

Aus diesen Gründen sagen wir nein zu unterschiedsloser Trauer, zu Nazidenkmälern und zu faschistischen Umtrieben. Deswegen wollen wir den Opfern faschistischer Gewalt auf angemessene Weise gedenken.

Treffpunkt: Gedenkstein der deportierten Jüdinnen und Juden an der Seetorstraße vor dem Bahnhof Radolfzell. Danach wird es am Kriegerdenkmal auf dem Luisenplatz eine Kundgebung gegen das Denkmal geben.

Quelle: https://de-de.facebook.com/events/491576801250024/

2018/11/17 15:05 · sw · 0 Kommentare

Volkstrauertag 2018 in Radolfzell

„Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Radolfzell am Bodensee sind herzlich eingeladen, an der Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages am 18. November 2018 um 11.15 Uhr an den Gedenktafeln auf dem Luisenplatz teilzunehmen. An diesem Tag gedenken wir der Opfer der Gewaltherrschaft und der Toten aller Kriege.“

Programm:

Sinfonia aus Kantate Nr. 157 (J.S. Bach) - Stadtkapelle Radolfzell

Gedenkrede - Christof Stadler, Stadtrat

Menuett aus Berenice (G. F. Händel) - Stadtkapelle Radolfzell

Kranzniederlegungen

Lied „Ich hatt‘ einen Kameraden“ - Dietmar Baumgartner, Trompete“

Quelle: www.radolfzell.de

In Konsequenz des Gemeinderatsbeschlusses vom 6. November 2018: auch in diesem Jahr sind der Luisenplatz, das Kriegerdenkmal und die „Gedenktafeln“ der - falsche - Ort für die Begehung des Volkstrauertags, zum Gedenken an die „Opfer der [NS-]Gewaltherrschaft und der Toten aller Kriege“.

„Ich hatt' einen Kameraden“ - zum Beispiel: SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Joachim Rumohr

"Die gefallenenen Söhne der Stadt"

"Opfer der Gewaltherrschaft"?

2018/11/16 08:43 · Markus Wolter · 0 Kommentare

80 Jahre Reichspogromnacht 1938 - Gedenkveranstaltungen in Radolfzell

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Die am 10. November 1938 u. a. von Angehörigen des III.SS „Germania“ aus Radolfzell zerstörte Synagoge von Gailingen

Aus der Ankündigung auf der Homepage der Stadt Radolfzell:

„Am 9. November 2018 jährt sich die Reichspogromnacht zum 80. Mal. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden jüdische Geschäfte zerstört, fast in jeder Stadt wurden die Synagogen in Brand gesetzt und deutsche Juden auf offener Straße angegriffen.

(…)

Gemeinsam mit der „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Radolfzell“ (ACK) und der Stolperstein Initiative Radolfzell wurde ein Themenabend erarbeitet, der nicht nur einen Rückblick auf die NS-Zeit in Radolfzell wirft, sondern auch mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft für gemeinsames Miteinander und ein offenes Radolfzell.“

Die Veranstaltungen im Überblick:

17.30 Uhr, Foyer RIZ

Andacht zum Friedensweg 2018 der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Radolfzell

18 Uhr, am Mahnmal beim RIZ

Gedenken an die Pogrome und Begrüßung durch Oberbürgermeister Martin Staab Die Stolperstein Initiative Radolfzell wird zusammengefasst die Pogrome benennen, die von der ehemaligen SS-Kaserne Radolfzell ausgingen und damit auf die Ziele der Initiative STOLPERSTEINE-RADOLFZELL hinweisen: Erinnerung an Opfer des NS-Terrors wachhalten und an die nächste Generation weitergeben. Verantwortung tragen im Umgang mit rassistischen und nationalistischen Aktivitäten in Radolfzell, insbesondere in der ehemaligen SS-Kaserne.

18.30 Uhr, Gedenkstein Alice Fleischel am Seetorplatz

Stolperstein-Reinigung Die Initiative STOLPERSTEINE-RADOLFZELL will die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus – VORORT erhalten und an die nächste Generation weitergeben. Zusätzlich wendet sie sich gegen rassistische und nationalistische Aktivitäten in Radolfzell. http://www.stolpersteine-radolfzell.de

Der um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek angekündigte Vortrag „Im westlichen Bodenseeraum: Opfer, Täter, Zuschauer.“ muss leider ausfallen. Ein neuer Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.

2018/11/06 22:04 · Markus Wolter · 0 Kommentare

22. Oktober 1940

Im Gedenken, gegen das Vergessen

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Am 22. Oktober jährt sich zum 78. Mal die Massendeportation von 6551 badischen und saarpfälzischen Juden in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Jahr 1940. Die nach den verantwortlichen Gauleitern Robert Wagner (Baden) und Josef Bürckel (Saarpfalz) bezeichnete „Aktion“ war die Fortsetzung der systematischen Erfassung, Isolation, Entrechtung und staatlichen Beraubung der deutschen Juden seit 1933 und zugleich der Vorlauf zu ihrer Ermordung in den deutschen Vernichtungslagern im besetzten Polen und im Baltikum nach 1941. Das Bestreben des glühenden Antisemiten Wagner und dessen Amtskollegen Bürckel war es gewesen, zwei Jahre nach der Reichspogromnacht von 1938 die „Judenfrage“ - als eine der ersten im Deutschen Reich – „territorial“ zu lösen. Bei der Umsetzung der Deportationspläne im Landkreis Konstanz waren lokale Ordnungspolizei, Konstanzer Gestapo und vor allem das in der Radolfzeller Kaserne stationierte SS- Totenkopf-Infanterie-Ersatz-Bataillon im Einsatz, das die Juden von Wangen, Gailingen und Randegg zusammentrieb und in LKWs an die Bahnhöfe fuhr. Von den aus Baden in sieben Zügen der Reichsbahn deportierten 5592 Juden überlebten nur 750, 2000 wurden 1942 in die Konzentrationslager Majdanek und Auschwitz verschleppt und ermordet. Der Gau Baden sei „judenrein“, vermeldeten die NS-Täter im Herbst 1940 befriedigt; die Deportationen seien „reibungslos und ohne Zwischenfälle“ verlaufen und „von der Bevölkerung kaum wahrgenommen“ worden.

2018/10/22 08:54 · Markus Wolter · 0 Kommentare

"NS-Belastete aus dem Süden des heutigen Baden-Württemberg"

Neuerscheinung, Oktober 2018

Täter Helfer Trittbrettfahrer, Bd. 9.

NS-Belastete aus dem Süden des heutigen Baden-Württemberg

Hrsg.: Wolfgang Proske

460 Seiten

19,99 Euro

Kugelberg Verlag, Gerstetten 2018

ISBN 978-3-945893-10-4

Bestellung unter: http://www.ns-belastete.de/bestellung.php

Die Artikel und ihre Autor*innen, u.a.:

Anton Blaser (Bürgermeister der Gemeinde Bodnegg, Krs. Ravensburg), Wolf-Ulrich Strittmatter.

Hugo F. Boss (Metzingen, Schneider, Kaufmann und Unternehmer), Rudolf Renz.

Wilhelm Emmerich (Östringen, Bäcker und SS-Oberscharführer im KZ Auschwitz), Christiane Walesch-Schneller.

Prof. Dr. Eugen Fischer (Freiburg, Mediziner, Anthropologe und Rassenforscher), Markus Wolter.

Dr. Hans Fleischhacker (Tübingen, Anthropologe, SS-Obersturmführer), Madeleine Wegner.

Georg Grünberg (Lagerleiter in Friedrichshafen, Überlingen), Oswald Burger.

Emil Haussmann (Ravensburg, Einsatzkommandoführer, Massenmörder), Wolf-Ulrich Strittmatter.

Prof. Dr. Martin Heidegger (Mai 1933 NSDAP, bis 1934 Rektor Universität Freiburg), Eggert Blum.

Prof. Dr. Hans Robert Jauß (Konstanz, Hauptsturmführer, „Bandenbekämpfung“), Dr. Jens Westemeier.

Friedrich Jeckeln (Hornberg, Höherer SS- und Polizeiführer, Massenmörder), Gerhard Wenzl.

Kurt Georg Kiesinger (Ebingen, 1933 NSDAP, 1966 Bundeskanzler), Prof. Dr. Phillip Gassert.

Martin Nauck (Tübingen, Kripo, „Vorbeugungshaft“), Udo Grausam.

Prof. Dr. Elisabeth Noelle-Neumann (Allensbach, Meinungsforscherin), Prof. Dr. Jörg Becker.

Johannes Pauli (Lagerleiter KZ Bisingen), Dr. Franziska Blum.

Dr. Rudolf Rahn (Ulm, Diplomat), Dr. Wolfgang Proske.

Dr.-Ing. Helmut Stellrecht (Wangen/Allg., im Amt Rosenberg, nach 1945 Schriftsteller), Udo Mischek, Mitarb. Tim Rose.

Bruno Störzer (Hailfingen, Bauleiter der Organisation Todt), Volker Mall.

Julius Viel (Schramberg/Wangen/Allg., Journalist, SS 1936), Wolf-Ulrich Strittmatter.

2018/09/30 11:35 · Markus Wolter · 0 Kommentare
 
stolpersteine/karl_teufel.txt · Zuletzt geändert: 2018/11/21 08:39 von mw · Momentan gesperrt von: mw
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