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Entstehung der SS-Kaserne

Die Initiative für den Bau der SS-Kaserne ging auf den NSDAP-Kreisleiter und Gauinspekteur Eugen Speer zurück. Er war im Februar 1934 von Gauleiter Robert Wagner als Radolfzeller Bürgermeister eingesetzt worden. Zeitgleich wurde damals der Gemeinderat ausgetauscht und durchgängig mit Nationalsozialisten besetzt. 1

Mit vereinten Kräften warben die Radolfzeller Ratsherren für dieses Projekt und erhielten schließlich den Zuschlag, nachdem sie dem Deutschen Reich große Teile der Gemarkung Radolfzell kostenlos für das Kasernenareal überlassen hatten.2

Stabsgebäude, Zufahrt mit vorgelagerten Wachhäuschen, 1937/38. Fotografie Hillebrecht. Sammlung Markus Wolter
Stabsgebäude, Zufahrt mit vorgelagerten Wachhäuschen, 1937/38. Fotografie Hillebrecht. Sammlung Markus Wolter


Der Entwurf stammt von dem Karlsruher Architekten Hermann Alker. Seit spätestens Februar 1934 Mitglied der NSDAP und der Allgemeinen SS, verdankte Alker seinen guten Kontakten zu Gauleiter Robert Wagner, zum NSDAP-Funktionär Franz Moraller und vor allem zum Adjutanten Robert Wagners, SS-Standartenführer Karl Bock (1899-1943), die Auftragsvergabe für die SS-Kaserne Radolfzell. Am 26. Juli 1934 kamen Bock und Alker zu einem gemeinsamen Ortstermin nach Radolfzell, um sich ein Bild des projektierten Kasernenareals zu machen. Im Jahr 1935 konnte mit dem Bau begonnen werden, ein Jahr später, am 26. September 1936, war bereits Richtfest.3 Entgegen aller Hoffnung kamen Radolfzeller Baufirmen und Gewerbebetriebe nicht zum Zug.4

"Zur Erinnerung an den Kasernenbau R'zell / zum 'Maximilian', 1936." - Gruppe von Kasernenbauarbeitern in ihrem Radolfzeller Stammlokal, der Gaststätte "Maximilian" (Anton Knaus), Poststraße 28. Gruppenfoto, wohl zum Abschied am Ende des Arbeitseinsatzes (Richtfest?) in Radolfzell; zusammen mit den Wirtsleuten und Küchenpersonal. Fotografie: Sammlung Markus Wolter.
"Zur Erinnerung an den Kasernenbau R'zell / zum 'Maximilian', 1936." - Gruppe von Kasernenbauarbeitern in ihrem Radolfzeller Stammlokal, der Gaststätte "Maximilian" (Anton Knaus), Poststraße 28. Gruppenfoto, wohl zum Abschied am Ende des Arbeitseinsatzes (Richtfest?) in Radolfzell; zusammen mit den Wirtsleuten und Küchenpersonal. Fotografie: Sammlung Markus Wolter.


Bei dem nicht zuletzt als NS-Arbeitsbeschaffungsmaßnahme konzipierten Projekt wurden bis zu 800 Arbeitslose eingesetzt, unter bewusstem Verzicht auf arbeitserleichternde Maschinen. „Arbeiten für die Volksgemeinschaft“ hieß das damals, Vorbote von Zwangsarbeit und Arbeitserziehungslager. Die nationalsozialistische Arbeitsmarktpolitk der Arbeitsbeschaffung durch Wiederaufrüstung wird am Beispiel des Radolfzeller Kasernenbaus besonders deutlich.

Einzelnachweise

1 Hausendorf, Sebastian: »Eine böse Mißwirtschaft«. Radolfzell 1933-1935. Konstanz, UVK 2012.
2 Klöckler, Jürgen: Ein Hort der Nazi-Ideologie, Südkurier, 8.10.2010
3 Vgl. Roos, Dorothea: Der Karlsruher Architekt Hermann Reinhard Alker, Bauten und Projekte 1921 bis 1958, Tübingen, Wasmuth 2011, S. 296.