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Gustav Troll

Gustav Troll, Passbild um 1950, StAF.
Gustav Troll, Passbild um 1950, StAF.


Der am 7. Mai 1895 als Sohn des Landwirts Franz Troll (Wiesengasse 3) in Radolfzell geborene Gustav Troll arbeitete als Werkzeugschleifer bei Allweiler. Zeit seines Lebens war er politisch in der SPD aktiv. Von 1927 bis 1933 erster Vorsitzender des Ortsvereins der SPD, war Gustav Troll von 1928 bis zum Parteiverbot Mitglied des Bürgerausschusses und zuletzt noch für fünf Tage Gemeinderatsmitglied. Die Amtszeit der letzten frei gewählten Gemeinderäte aus SPD, KPD und Zentrumspartei endete nach der „Gleichschaltung“ der kommunalen Selbstverwaltungen faktisch zum 1. Mai 1933.

Im Rahmen der sogenannten „Aktion Gitter“ wurde Gustav Troll am 22. August 1944 von der Geheimen Staatspolizei festgenommen. Die reichsweit geplante und durchgeführte Verhaftungsaktion richtete sich gegen ehemalige Gewerkschafter, Funktionäre und Mandatsträger der SPD, KPD und - eingeschränkt - der Zentrumspartei der Weimarer Republik. Gustav Troll kam zunächst in das Landgerichtgefängnis Konstanz und von dort nach einem Tag in das Konzentrationslager Natzweiler. Nach weiteren zwei Wochen wurde er als politischer Häftling nach Dachau überstellt. Am 24. September wurde er entlassen. Seine Haftdauer beträgt ziemlich genau einen Monat.

Gustav Troll selbst erklärte, dass ihm der Grund seiner Verhaftung bis zuletzt nicht mitgeteilt wurde. Er habe jedoch angenommen, dass es mit seiner Tätigkeit als Mitglied von SPD und Bürgerausschuss zu tun hatte.

Vom Landesamt für Wiedergutmachung wurde Gustav Troll als Verfolgter des Nazi-Regimes anerkannt. Über die Kriterien einer solchen Anerkennung wurden die Opfer der Aktion „Gitter“ von den Behörden wie folgt belehrt:

„Ihr hier vorliegender Antrag kann von uns dem MdF. Abt. IV erst vorgelegt werden, wenn nachgewiesen ist, dass Sie wegen Ihrer politischen Haltung verfolgt worden sind. Die Tatsache allein, dass Sie im Zuge der Himmleraktion in KZ-Lager eingeliefert worden sind, genügt nicht für die Inanspruchnahme des Wiedergutmachungsgesetzes. Vielmehr muss nachgewiesen werden, dass Sie wegen Ihrer gegnerischen Haltung zum NS inhaftiert worden sind.“

Für die erlittene KZ-Haft erwirkte Troll schließlich eine geringe Entschädigungszahlung, nachdem er nachweisen konnte, dass seine „politische Haltung“ Grund für seine Verfolgung war.

Stolperstein für Gustav Troll, Ratoldusstr. 39, Radolfzell, verlegt am 11. September 2015.
Stolperstein für Gustav Troll, Ratoldusstr. 39, Radolfzell, verlegt am 11. September 2015.


Von 1945 bis 1975 war Gustav Troll Stadtrat und zweiter Bürgermeisterstellvertreter. Für NS-Verfolgte der SPD trat er im Rahmen von deren Wiedergutmachungsverfahren als Bürge und Zeuge ein, so etwa für Julius Fuchs und Hermann Klein. Troll arbeitete während dieser langen Zeit in vielen Ausschüssen und Gremien der Stadt und erwarb sich große Verdienste. Daneben war er nach dem Krieg 13 Jahre lang erster Vorsitzender der Radolfzeller SPD (1946 - 1959).

Die Stadt verlieh ihm 1974 die Ehrenbürgerwürde. Gustav Troll starb 1979 in Radolfzell. Nach Troll ist die Gustav-Troll-Str. in Radolfzell benannt.

Er war verheiratet, hatte jedoch keine Kinder. Sein Bruder Ernst Troll hatte eine Tochter, Ulrike Troll, und drei Söhne, Arnold, Karl und Werner Troll. Als Angehörige von Gustav Troll leben in Singen Ulrike Troll und in Radolfzell die Witwe seines Neffen Arnold, Erika Knauth-Troll.

Recherche: Markus Wolter

Patenschaft: SPD Radolfzell

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Quellen


Staatsarchiv Freiburg - F 196/1 Nr. 1611, Landesamt für die Wiedergutmachung. ITS Bad Arolsen, Gef. Buch Landgerichtsgefängnis Konstanz, Doc.No. 12058119; Häftlingsfragebogen KZ Natzweiler, Doc.No. 3242305; Schreibstubenkarte Gustav Troll, KZ Dachau, lt. Häftlingsdatenbank Steve Morse (ITS Doc.No. 10768664).